Project Gutenberg's Leben und Tod des Koenigs Johann, by William Shakespeare #14 in our series by William Shakespeare Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the copyright laws for your country before downloading or redistributing this or any other Project Gutenberg eBook. This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Please read the "legal small print," and other information about the eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. 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We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- which requires a binary transfer, or sent as email attachment and may require more specialized programs to display the accents. This is the 7-bit version. This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. Leben und Tod des Koenigs Johann. William Shakespeare Uebersetzt von Christoph Martin Wieland Personen. Koenig Johann von England. Prinz Heinrich, sein Sohn und Nachfolger. Arthur, Herzog von Bretagne, Neffe des Koenigs. Hubert, Vertrauter des Koenigs. Pembrok, Essex, Salisbury und Bigot, Englische Lords. Faulconbridge, nachmals Sir Richard Plantagenet, unehlicher Sohn Koenig Richards des Ersten. Robert Faulconbridge, vermeynter Bruder des Bastards. Jacob Gurney, Diener der Lady Faulconbridge. Peter von Pomfret, ein Prophet. Philipp, Koenig von Frankreich. Ludwig, der Dauphin. Der Herzog von Oestreich. Cardinal Pandolpho, des Pabsts Legat. Melun, ein Franzoesischer vom Adel. Chatilion, Franzoesischer Gesandter bey Koenig Johann. Elinor, Koenigin-Mutter von England. Constantia, Arthurs Mutter. Blanca, Tochter Koenigs Alphonso von Castilien, und Nichte des Koenigs Johann. Lady Faulconbridge, Mutter des Bastard und des Robert Faulconbridge. Buerger von Angiers, Herolde, Nachrichter, Boten, Soldaten und andre stumme Personen. Der Schauplaz, zuweilen in England, zuweilen in Frankreich. Erster Aufzug. Erste Scene. (Der Englaendische Hof.) (Koenig Johann, die Koenigin Elinor, Pembroke, Essex und Salisbuery mit Chatilion treten auf.) Koenig Johann. Wohlan, saget Chatilion, was will Frankreich von uns? Chatilion. So spricht, naechst seinem Gruss der Koenig von Frankreich, durch mich, mit der Majestaet, der geborgten Majestaet von England hier-- Elinor. Ein ausserordentlicher Eingang; geborgte Majestaet! Koenig Johann. Seyd ruhig, meine werthe Mutter; hoert die Gesandtschaft. Chatilion. Philipp von Frankreich nimmt im Namen und in Kraft des Rechts von deines verstorbnen Bruders* Gottfried Sohn, Arthur's Plantagenet, rechtmaessigen Anspruch an diese schoene Insel, an Irrland, Poitiers, Anjou, Touraine und Maine, und begehrt von dir, dass du das Schwerdt niederlegest, das einer unrechtmaessigen Herrschaft ueber diese verschiednen Titel sich anmasset, und solches dem jungen Arthur einhaendigest, deinem Neffen und rechtmaessigen souverainen Koenig. {ed.-* (Geoffroi Plantagenette), Sohn des Grafen von Anjou, bekam durch seine Vermaehlung mit Koenig Heinrich des 1sten von England einziger Tochter und erklaerten Erbin, Matthilde, ein Recht an die Crone von England, wozu sein aeltester Sohn nachmals unter dem Namen Heinrichs des 2ten wuerklich gelangte. Heinrich der 2te vereinigte also mit der Crone von England Anjou, Poitou, Touraine und Maine, und durch seine Vermaehlung mit Eleonor, Erbin von Aquitanien, (die von ihrem ersten Gemahl (Louis le Jeune) von Frankreich, wegen Untreue verstossen worden,) auch das Herzogthum Aquitanien. Seinen aeltesten Sohn Gottfried (von welchem hier die Rede ist), vermaehlte er mit Constantia, Tochter und Erbin von Conan Grafen von Bretagne; die Crone hingegen kam nach Heinrichs Tod an seinen juengern Sohn Richard (Coeur de Lion.) Nach dessen Abgang bemeisterte sich (Johannes sine Terra), dessen Geschichte dieses Stuek enthaelt, zum Nachtheil Arthurs, des hinterlassnen Erben seines aeltern Bruders Gottfrieds von Bretagne, der Crone, und der von Heinrich dem 2ten derselben einverleibten Franzoesischen Besizungen; und der darueber zwischen ihm und dem Koenig (Philippe Auguste) entstandne Krieg macht den Anfang dieses Trauerspiels.} Koenig Johann. Und was folget, wenn wir uns dessen weigern? Chatilion. Der stolze Widerspruch eines blutigen Kriegs, dir mit Gewalt die Rechte abzudraengen, die du gewaltthaetiger Weise vorenthaeltst. Koenig Johann. Hier haben wir Krieg um Krieg, Blut um Blut und Wiederspruch um Wiederspruch; antwortet das dem Koenig von Frankreich. Chatilion. So nimm dann die Kriegs-Erklaerung meines Koenigs aus meinem Munde, den lezten Auftrag meiner Gesandtschaft. Koenig Johann. Bring ihm die meinige zuruek, und so scheid' im Frieden; denn eh du berichtet haben kanst, dass ich kommen werde, soll Frankreich den Donner meiner Canonen hoeren.** Hinweg dann; sey du die Trompete unsers Zorns, und das ploezliche Vorzeichen euers Untergangs. Pembrok, sorget dafuer, dass er mit einem anstaendigen Geleit aus unserm Reich entlassen werde; lebe wohl, Chatilion. {ed.-** Zu Anfang des dreizehnten Seculi nemlich.} (Chatilion und Pembroke gehen ab.) Elinor. Wie nun, mein Sohn? Sagt' ich nicht immer, diese ehrgeizige Constantia werde nicht ruhen, bis sie Frankreich und alle Welt fuer die Ansprueche ihres Sohns in Flammen gesezt habe? Allem diesem haette man zuvorkommen und in der Guete beylegen koennen, was nun der blutige und gefahrvolle Kampf zweyer Koenigreiche entscheiden soll. Koenig Johann. Unser voelliger Besiz, und unser Recht-- Elinor. Wenn unser Besiz nicht kraeftiger ist als unser Recht, so muss es uns beyden uebel gehen; lasst euch mein Gewissen das ins Ohr sagen, da es niemand hoert als der Himmel, ihr und ich. Essex. Gnaedigster Herr, es ist hier eine Streitsache, die aus der Provinz zu Eurer Majestaet Entscheidung gebracht wird, die seltsamste, die ich jemals gehoert. Soll ich die Partheyen hereinfuehren? Koenig Johann. Lasst sie herein kommen--Unsre Abteyen und Prioreyen sollen die Unkosten dieses Kriegs bezahlen--Wer seyd ihr? Zweyte Scene. (Robert Faulconbridge und Philipp, sein Bruder, der Bastard, treten auf.) Philipp. Euer Majestaet getreuer Unterthan, ein Edelmann in Northamptonshire gebohren, und wie ich behaupte, der aelteste Sohn von Robert Faulconbridge, einem Kriegsmann, den die ehrenvolle Hand des Koenigs Richard (Coeur-de-Lion) im Felde zum Ritter geschlagen. Koenig Johann (zu Robert.) Wer bist du? Robert. Der Sohn und Erbe von diesem nemlichen Faulconbridge. Koenig Johann. Ist dieser der Aeltere, und du bist der Erbe? Ihr seyd also nicht von einer Mutter, scheint es? Philipp. Wir sind ganz gewiss von einer Mutter, maechtiger Koenig, das ist jedermann bekannt, und, wie ich glaube, auch von einem Vater; doch wegen der Gewissheit dieses leztern Puncts muss ich Euer Majestaet an den Himmel und meine Mutter anweisen; denn davon bin ich nicht gewisser als alle andre Menschen-Kinder. Elinor. Hinweg mit dir, du ungesitteter Mensch! Schaemst du dich nicht, deiner Mutter Ehre durch diesen Zweifel zu verwunden? Philipp. Auch thue ich es nicht, Gnaedigste Frau; ich habe keine Ursache dazu, das ist meines Bruders Sache, das geht mich nichts an; wenn er so was beweisen kan, so bringt er mich wenigstens um schoene fuenfhundert Pfund des Jahrs; der Himmel schueze meiner Mutter Ehre und mein Erbgut! Koenig Johann. Ein guter runder Geselle; aber warum macht er denn einen Anspruch an dein Erbgut, wenn er der juengere Bruder ist? Philipp. Ich weiss nicht warum, ausser dass er gerne meine Gueter haette; es ist wahr, er warf mir einmal vor, dass ich unehlich gezeugt sey, allein das ist eine Sache, die ich lediglich meiner Mutter ueberlasse; ich kan nicht wissen, ob ich ehlich oder unehlich gezeugt bin; aber das weiss ich, dass ich eben so wohl gemacht bin als er. (Sanft moegen die Gebeine ruhen, die diese Muehe fuer mich genommen haben!) Vergleichet unsre Gesichter, gnaedigster Herr, und thut den Ausspruch. Wenn der alte Sir Robert uns beyde gemacht hat, und dieser Sohn ihm aehnlich sieht; o alter Sir Robert, so dank ich dem Himmel auf meinen Knien, dass ich dir nicht aehnlich sehe. Koenig Johann. Ha, was fuer einen Pikelhaering hat uns der Himmel hier zugeschikt? Elinor. Er hat einen Zug von (Coeur de Lion's) Gesicht, und einen aehnlichen Ton der Stimme; findet ihr nicht einige Aehnlichkeiten mit meinem Sohn, in der staemmichten Gestalt dieses jungen Menschen? Koenig Johann. Ich betrachte ihn schon lange desswegen, und find' ihn durchaus Richard; (zu Robert.) Nun, Geselle, sage dann, was bewegt dich einen Anspruch an deines Bruders Gueter zu machen? Philipp. Weil er ein halbes Gesicht hat, wie mein Vater; um dieses halben Gesichts willen moecht er gerne mein ganzes Erbgut haben; ein groschenmaessiges Halb-Gesicht, fuenfhundert Pfund des Jahrs! Robert. Mein gnaedigster Souverain, wie mein Vater noch lebte, brauchte der Koenig, euer Bruder, meinen Vater viel-- Philipp. Gut, Herr, das kan euch nichts von meinen Guetern geben; ihr muesst sagen, wie er meine Mutter brauchte. Robert. --und verschikte ihn einst in einer Gesandtschaft nach Deutschland, wo er ueber wichtige Angelegenheiten der damaligen Zeit mit dem Kayser Unterhandlung pflegen sollte; der Koenig machte sich indessen seine Abwesenheit zu Nuze, und hielt sich die ganze Zeit ueber in meines Vaters Haus auf; wie er's da so weit gebracht, dass er--ich schaeme mich es zu sagen; allein Wahrheit ist Wahrheit; Kurz, es lagen Meere und Laender zwischen meinem Vater und meiner Mutter, wie dieser junge Herr hier gezeugt wurde; das hab' ich aus meines Vaters eignem Munde. Auf seinem Todbette vermachte er seine Gueter durch ein Testament mir, und blieb bis in seinen Tod dabey, dass dieser, meiner Mutter Sohn, nicht der seinige sey; und wenn er's auch waere, so kam er volle vierzehn Wochen vor der gesezmaessigen Zeit in die Welt: Ich bitte also Euer Majestaet mir zuzusprechen, was mein ist, meines Vaters Gueter, nach meines Vaters leztem Willen. Koenig Johann. Mein guter Kerl, euer Bruder ist in der Ehe gebohren; euers Vaters Weib brachte ihn waehrend ihrem Ehestand; wenn sie untreu war, so ist es ihr Fehler, und ein Zufall dem alle Maenner ausgesezt sind, welche Weiber nehmen. Sag mir einmal, wie, wenn mein Bruder, der deinem Vorgeben nach, die Muehe nahm diesen Sohn zu zeugen, ihn deinem Vater als seinen Sohn abgefodert haette? Haette nicht dein Vater ein Kalb, das ihm seine Kuh gebracht, gegen die Ansprueche der ganzen Welt behaupten koennen? Wahrhaftig, guter Freund, das haett' er koennen; gesezt also auch, er waere meines Bruders Sohn, so haette doch mein Bruder keinen Anspruch an ihn machen, noch haett' ihn euer Vater desswegen, weil er nicht sein sey, verlaeugnen koennen; aus allem diesem folgt also, dass meiner Mutter Sohn euers Vaters Erben zeugte, und dass euers Vaters Erbe euers Vaters Gueter haben muss. Robert. Soll denn meines Vaters lezter Wille keine Kraft haben, ein Kind zu enterben, das nicht sein ist? Philipp. Von keiner groessern Kraft mich zu enterben, Herr, als, denk ich, sein Wille mich zu zeugen war. Elinor. Was wolltest du lieber seyn, ein Faulconbridge, wie dieser hier, um deine Gueter zu haben; oder ein natuerlicher Sohn von (Coeur de Lion), ein Prinz vom Gebluete, und keine Gueter dazu? Philipp. Gnaedigste Frau, und wenn mein Bruder meine Gestalt haette, und ich haette die seinige, Sir Roberts seine, wie er; und wenn meine Beine zwo solche Spindeln waeren, meine Arme solch Aalhautiges Zeug, und mein Gesicht so duenne, dass ich keine Rose* in mein Ohr steken koennte, ohne dass die Leute sagten: Seht, da geht Drey-Viertels- Pfennig--Und wenn gleich diese Gestalt Erbe von allen seinen Guetern waere, so will ich nimmer von diesem Plaz kommen, wenn ich sie nicht von Fuss auf hingeben wollte, um dieses Gesicht zu haben; ich wollt' um alles in der Welt nicht Sir Nobb seyn. {ed.-* Um diese Anspielung zu verstehen muss man wissen, dass die Koenigin Elisabeth unter allen Beherrschern von England die erste und lezte war, die Drey-Halb-Pfenninge, und Drey-Viertels-Pfenninge schlagen liess, auf denen sich ihr Bildniss bald mit bald ohne die Rose, befand. Theobald.} Elinor. Du gefaellst mir; willt du dein Erbtheil vergessen, ihm deine Gueter ueberlassen und mir folgen? Ich bin ein Soldat, und im Begriff wider Frankreich Dienste zu thun. Philipp. Bruder, nimm du meine Gueter, und lass mir mein Gesicht, das deinig' hat dir fuenfhundert Pfund jaehrlich erworben; aber wenn du es fuer fuenf Pfenning verkauffen kanst, so glaube du habest wohl geloesst. Gnaedigste Frau, ich bin bereit, euch bis in den Tod zu folgen. Elinor. Was das betrift, so will ich lieber dass ihr mir voran geht. Philipp. In unsrer Provinz erfordert die Hoeflichkeit, dass man die Vornehmern zuerst gehen lasse. Koenig Johann. Wie nennst du dich? Philipp. Philipp, Gnaedigster Souverain, so ward ich genennt; Philipp, des guten alten Sir Roberts seiner Frauen aeltester Sohn. Koenig Johann. Von nun trage den Namen von dem, dessen Gestalt du traegst; knie nieder, Philipp, um groesser aufzustehen. (Er schlaegt ihn zum Ritter.) Steh als Sir Richard Plantagenet auf. Philipp. Bruder von muetterlicher Seite, gebt mir eure Hand; mein Vater gab mir Ehre, der eure giebt euch Land. Nun, gesegnet sey die Stunde, es mag Nacht oder Tag gewesen seyn, da ich gezeugt und Sir Robert abwesend war. Elinor. Der echte Geist der Plantagenet's. Ich bin deine Grossmutter, Richard, nenne mich so. Philipp. Durch einen Zufall, Gnaedigste Frau, nicht in der Ordnung; doch was thut das? Ob man zum Fenster hinein kommt oder zur Thuere, wenn man nur drinn ist; naeher oder weiter vom Ziel, wohl getroffen ist wohl geschossen, und ich bin ich, ich mag gezeugt seyn wie ich will. Koenig Johann. Geh, Faulconbridge, du hast nun was du wuenschtest; ein gueterloser Ritter macht dich zu einem begueterten Junker. Kommt, Madam; komm, Richard, wir muessen nach Frankreich eilen, nach Frankreich, es ist hoechste Zeit. Philipp. Bruder, leb wohl; ich wuensche dir viel Glueks, denn du bist mit Erlaubniss der Geseze auf die Welt gekommen. (Alle gehen ab, bis auf Philipp.) Dritte Scene. Philipp. Meine Ehre steht nun auf einem bessern Fuss als zuvor, aber mein Vermoegen hat sich um manchen Fuss Landes verschlimmert. Sey es dann; izt kan ich doch ein jedes Gretchen zu einer Lady machen--"Guten Tag, Sir Richard"--Grossen Dank, Camerad--und wenn er Goerge heisst, kan ich ihn Peter nennen; denn neugebakner Adel vergisst der Leute Nahmen; man wuerde zuviel vergeben, wenn man noch auf solche Kleinigkeiten acht haben wollte, und solche Leute sind nicht fein genug fuer eure Gesellschaft. Izt ist der gereisste Mann* meiner Gnaden Tisch-Genosse, er und sein Zahnstocher; und wenn mein ritterlicher Magen angefuellt ist, nun dann saug' ich an meinen Zaehnen, und catechisire meinen Spizbart aus fremden Laendern-- (Mein werther Herr), (so fang ich auf meinen Ellenbogen gestuezt an,) (darf ich euch bitten)--das ist nun die Frage; und dann kommt gleich die Antwort wie ein ABC-Buch: (O mein Herr,) sagt die Antwort, (ich bin gaenzlich zu euerm Befehl, zu euern Diensten, ganz der Eurige, mein Herr--Nein, mein Herr,)sagt die Frage, (ich, mein werthester Herr, bin der Eurige;)und so, eh die Antwort recht gehoert hat was die Frage will, wartet sie euch schon mit einem Dialogus von Complimenten auf, spricht dann von Alpen und Apenninen, von den Pyrenaeen und dem Flusse Po, und weiss das Gespraech so lange hinaus zu ziehen, bis es vom Abend-Essen abgebrochen wird. Das ist polite Gesellschaft, die sich fuer einen emporstrebenden Geist, wie der meinige, schikt! Denn der ist nur ein Bastard der Zeit, der die Kunst nicht versteht sich beliebt zu machen, und nicht nur in seiner aeusserlichen Gestalt, in seinem Aufzug und in seinen Manieren, dem Geschmak seiner Zeit schmeichelt; sondern auch aus einer innerlichen Quelle den suessen, suessen, suessen Gift, der den Gaumen der Leute so reizend kuezelt, von sich zu geben weiss. Eine Kunst, die ich zwar nicht ausueben will, um andre zu betruegen, aber die ich zu lernen gedenke, damit ich von andern nicht betrogen werde. Sie soll die Stuffen meiner Erhoehung mit Blumen bestreuen. Aber wer kommt hier so eilfertig, in Reit-Kleidern? Was fuer ein weiblicher Courier ist diss? Hat sie keinen Mann, der die Mueh nehmen mag, ein Horn vor ihr her zu blasen? Himmel, es ist meine Mutter! Nun, meine werthe Lady, was bringt euch so eilfertig nach Hofe? {ed.-* Es ist bekannt, dass damals alle Welt auf Abentheuer ausgieng, und gereisste Leute in groesstem Ansehn stuhnden, und, wie bey unsern Nachbarn die (Beaux-Esprits), das Recht hatten, sich bey grossen Herren zu Gaste zu laden.} Vierte Scene. (Lady Faulconbridge, und Jacob Gurney treten auf.) Lady. Wo ist der Sclave, dein Bruder; wo ist er, der sich erfrecht meine Ehre oeffentlich anzutasten? Philipp. Mein Bruder Robert, des alten Sir Roberts Sohn, Colbrand, der Riese, der nemliche gewaltige Mann; ist es Sir Robert's Sohn, den ihr sucht? Lady. Sir Roberts Sohn? Ja, du unehrerbietiger Junge, Sir Roberts Sohn; warum spottest du ueber Sir Roberten? Philipp. Jacob Gurney, willt du so gut seyn, und uns ein wenig allein lassen? Gurney. Von Herzen gerne, mein lieber Philipp. Philipp. Philipp!--Verschone mich, Jacob; es sind kurzweilige Dinge heraus gekommen; hernach ein mehrers davon. (Jacob geht ab.) Gnaedige Frau, ich war nie des alten Sir Roberts Sohn; Sir Robert haette seinen Theil an mir an einem Charfreytag essen koennen, ohne dass er seine Fasten gebrochen haette. Sir Robert war ein ganz wakrer Mann; aber, meiner Treu, bekennt die Wahrheit! Haett' er mich machen koennen? Das konnte Sir Robert nicht; wir kennen seine Arbeit. Sagt mir also, liebe Mutter, wem bin ich fuer diese Figur verpflichtet? Sir Robert konnte nimmermehr so ein Bein machen helfen? Lady. Hast du dich auch mit deinem Bruder wider mich verschworen? Du, der um deines eignen Vortheils willen meine Ehre vertheidigen sollte? Was soll dieses Gespoette bedeuten, du hoechst unbesonnener Bube? Philipp. Ritter, Ritter, liebe Mutter--und Basilisco* aehnlich. Wie? ich bin zum Ritter geschlagen; ich hab es auf meiner Schulter. Aber Mutter, ich bin nicht Sir Roberts Sohn; ich hab auf Sir Robert und meine Gueter Verzicht gethan; ehliche Geburt, Name, alles ist hin; lass mich also, liebe Mutter, lass mich meinen Vater kennen; irgend ein wakrer Mann, hoff ich; wer war es, Mutter? {ed.-* Eine Anspielung auf den Beynamen (Coeur de Lion), den Koenig Richard fuehrte. (Cor Leonis), ein Fixstern von der ersten Groesse im Loewen, wird auch Basilisco genennt. Warbuerton.} Lady. Hast du dem Namen Faulconbridge entsagt? Philipp. So herzlich, als ich dem Teufel entsage. Lady. Koenig Richard, (Coeur de Lion), war dein Vater; durch langwieriges und heftiges Zusezen ward ich endlich verfuehrt, in meines Ehmanns Bette Plaz fuer ihn zu machen. Der Himmel vergebe mir meine Uebertretung! Aber du bist die Frucht meiner schweren Suende, zu der ich so stark gereizt wurde, dass ich nicht laenger wiederstehen konnte. Philipp. Nun, bey diesem Tageslicht, wenn ich wieder gezeugt werden sollte, Madame, wollt' ich mir keinen bessern Vater wuenschen. Einige Suenden tragen ihre Lossprechung auf Erden mit sich; Euer Fehler entsprang nicht aus eurer Thorheit; ihr musstet nothgedrungen euer Herz als einen Tribut fuer gebietende Liebe, demjenigen ausliefern, gegen dessen Wuth und unbezwingbare Staerke der unerschrokne Loewe selbst keinen Kampf wagen durfte, noch sein koenigliches Herz vor Richards Hand schuezen konnte. Wer einem Loewen mit Gewalt das Herz aus dem Leibe reissen kan, mag leicht ein weibliches Herz gewinnen. Ja, meine Mutter, von ganzem Herzen dank ich dir fuer meinen Vater. Wenn jemand lebt, der sich erfrecht zu sagen, dass du nicht recht thatest, wie ich gezeugt ward, dessen Seele will ich zur Hoelle schiken. Komm, Lady, ich will dich meinen Anverwandten vorstellen, und sie sollen sagen, wie Richard mich zeugte, waer es Suende gewesen wenn du Nein gesagt haettest. (Sie gehen ab.) Zweyter Aufzug. Erste Scene. (Vor den Mauern der Stadt Angiers.) (Philipp-August, Koenig von Frankreich, Ludwig der Dauphin, der Herzog von Oestreich, Constantia und Arthur.) Ludwig. Willkommen vor Angiers, dapfrer Herzog!--Arthur, dein grosser Oheim, Richard, der den Loewen seines Herzens beraubte, und die heiligen Kriege in Palaestina ausfocht, kam durch diesen dapfern Herzog vor der Zeit ins Grab. Nun ist er, um seiner Nachkommenschaft Erstattung desshalb zu thun, auf unsre Einladung gekommen, seine Fahnen fuer deine Sache auszuspreiten, und deinen unnatuerlichen Oheim, Johann von England, aus dem ungerechten Besiz deiner Erblaender vertreiben zu helfen. Umarm' ihn, Prinz, lieb' ihn, und heiss' ihn willkommen. Arthur. Gott wird euch (Coeur de Lion's) Tod desto eher verzeihen, da ihr seinem Neffen das Leben gebet, und sein verfolgtes Recht mit den Fluegeln eurer Kriegs-Macht umschattet. Mit einer unmaechtigen Hand heiss' ich euch willkommen, aber mit einem Herzen voll unverfaelschter Liebe; willkommen, Herzog, vor den Mauern von Angiers. Ludwig. Ein edler Junge! Wer wollte dir nicht zu deinem Recht helfen? Oestreich. Diesen zaertlichen Kuss leg' ich auf deine Wange, als das Siegel meines feyrlichen Versprechens, dass ich nicht eher in meine Heimath zuruek kehren will, bis Angiers und die gerechten Ansprueche die du in Frankreich hast, zugleich mit dieser blassen weiss-ufrichten Insel, deren Fuss die heulenden Wellen des Oceans zuruek stoesst, und ihre Einwohner von andern Laendern abschneidet, bis dieses von der See umzaeunte England, dieses von Wasser gemauerte Bollwerk, dessen stolze Sicherheit allen auswaertigen Anfaellen Troz bietet, bis dieser aeusserste Winkel von Westen selbst dich als seinen Koenig gruessen wird; bis zu diesem Augenblik, schoener Knabe, will ich nicht an meine Heimath denken, sondern den Waffen folgen. Constantia. O nehmet seiner Mutter Dank an, Dank einer armen Wittwe, bis euer starker Arm ihm zu der Macht helfen wird, eure Freundschaft besser erwiedern zu koennen. Oestreich. Der Friede des Himmels ruhet auf denjenigen, die ihre Schwerdter in einem so gerechten und wohlthaetigen Krieg entbloessen. Koenig Philipp. Wohlan dann, an die Arbeit; unsre Maschinen sollen gegen die Stirne dieser widerspenstigen Stadt gerichtet werden; ruffet unsern Kriegs- Obersten, um den Plan zum vortheilhaftesten Angriff zu machen. Entweder wollen wir unsre koeniglichen Gebeine vor diesen Mauern niederlegen, oder wenn wir gleich in franzoesischem Blut auf den Markt-Plaz watten muessten, Angiers diesem jungen Prinzen unterwuerfig machen. Constantia. Wartet noch auf die Antwort, die euer Abgesandter bringen wird; ihr koenntet sonst eure Schwerdter zu voreilig mit Blute besudeln. Vielleicht bringt Milord Chatilion aus England eine friedliche Abtretung dieses Rechts, welches ihr durch Krieg erzwingen wollet; und wenn dieses geschaehe, wuerden wir einen jeden Tropfen Bluts bereuen, den eine zu rasche Hize so unzeitig vergossen haette. (Chatilion zu den Vorigen.) Koenig Philipp. Ein Wunder, Madam! Seht, auf euern Wunsch ist unser Gesandter, Chatilion, angelangt; meld uns in Kuerze, werther Lord, was England uns zur Antwort giebt; wir warten hier muessig auf dich. Rede, Chatilion. Chatilion. So wendet also eure Macht von dieser armseligen Belagerung, und spornet sie zu einem wichtigern Geschaeft auf. England, voll Unwillens ueber unsre gerechte Forderungen, hat sich in Waffen gestellt; die widrigen Winde, die meine Ruekreise verzoegerten, haben ihm Zeit gegeben, alle seine Legionen zugleich mit mir ans Land zu sezen. Er ruekt mit eilfertigen Maerschen gegen diese Stadt an; seine Staerke ist gross, und seine Krieger voller Muth. Mit ihm kommt die Koenigin-Mutter, eine Ate, die ihn zu Zwietracht und Blutvergiessen anhezt; mit ihr, ihre Nichte, die Infantin Blanca von Spanien; mit ihnen ein natuerlicher Sohn des abgelebten Koenigs, und mit ihm alle unbaendigen Koepfe des Landes. Rasche, feurige, tollkuehne Freywillige, mit Frauenzimmer-Gesichtchen und Drachen- Herzen, haben ihre angestammten Gueter verkauft, und tragen ihr Erbtheil zuversichtlich auf dem Rueken, um hier ein neues Gluek zu suchen. Kurz, eine auserlesnere Schaar unerschrokner Geister, als der englische Boden diesesmal uebergewaelzt hat, schwamm niemals ueber die schwellende Fluth, um Unheil und Verwuestung in der Christenheit anzurichten. Das zuernende Getoese ihrer Trummeln unterbricht eine umstaendliche Nachricht; sie sind im Anzug. Bereitet euch also zu einer Unterhandlung oder zum Gefecht. (Man hoert Trummeln.) Koenig Philipp. Wie schlecht sind wir auf eine solche Expedition versehen! Oestreich. Je unerwarteter sie ist, desto eifriger muessen wir uns zur Gegenwehr stellen; Unser Muth soll mit der Gefahr steigen. Lasst sie denn willkommen seyn, wir sind geruestet. Zweyte Scene. (Der Koenig von England, Faulconbridge, Elinor, Blanca, Pembroke und andre zu den Vorigen.) Koenig Johann. Friede sey mit Frankreich, wenn Frankreich im Frieden unsern rechtmaessigen Einzug in unsre Stadt gestattet; wo nicht, so blute Frankreich, und der Friede schwinge sich gen Himmel, indess dass wir, Gottes grimmvoller Sachwalter, den stolzen Uebermuth zuechtigen, der seinen Frieden in den Himmel zuruek treibt. Koenig Philipp. Friede sey mit England, wenn dieser Krieg aus Frankreich nach England zuruekkehrt, um dort im Frieden zu leben. Wir lieben England, und nur um Englands willen, schwizen wir hier unter der Last der Waffenruestung. Diese unsre Arbeit sollte dein freywilliges Werk seyn. Aber du bist so weit entfernt, England zu lieben, dass du seinen rechtmaessigen Koenig unterdruekt, die Erbfolge aufgehoben, die Kindheit des gesezmaessigen Erben missbraucht, und an der jungfraeulichen Ehre der Crone Gewalt veruebt hast. Schaue hier auf deines Bruders Gottfrieds Gesicht! Diese Augen, diese Stirne, sind nach den seinigen abgedrukt; in diesem kleinen Inbegriff ist die vollstaendige Form enthalten, die in Gottfried verstarb, und die Hand der Zeit wird diese verjuengte Gestalt in einen eben so grossen Format ausdehnen. Dieser Gottfried war von Geburt dein aeltrer Bruder, und dieser hier ist sein Sohn. England war Gottfrieds Recht, und dieser hat es von Gottfried ererbt; wie kommt es dann, um Gottes willen! dass du ein Koenig genennt wirst, so lange lebendiges Blut in diesen Schlaefen schlaegt, die einen Anspruch an die Crone haben, welche du zur Ungebuehr traegst? Koenig Johann. Von wem hast du diesen grossen Auftrag, Frankreich, mich zur Antwort auf deine Fragstueke zu ziehen? Koenig Philipp. Von diesem obersten Richter, der in koeniglichen Seelen den edlen Gedanken erwekt, gewaltthaetigen und ungerechten Thaten nachzufragen. Dieser Richter hat mich zum Beschuezer dieses Knabens gemacht; unter seinem Schuze klag' ich deine Ungerechtigkeit an, und mit seinem Beystand hoff' ich sie zu bestraffen. Koenig Johann. Du massest dich eines Ansehens an, das dir nicht zukommt. Koenig Philipp. Entschuldige es; es geschieht, um ungerechte Anmassung niederzuschlagen. Elinor. Wer ist der, den du einer unrechtmaessigen Anmassung beschuldigest? Constantia. Lasst mich die Antwort geben: Der anmassliche Koenig, dein Sohn. Elinor. Hinweg, Unverschaemte; dein Bastard soll Koenig seyn, damit du eine Koenigin seyn, und die ganze Welt hofmeistern koennest! Constantia. Mein Bette war deinem Sohn immer so getreu, als das deinige deinem Gemahl; und dieser Knabe sieht seinem Vater Gottfried gleicher als Johann dir, ob ihr gleich an Sitten einander so gleich seyd als der Regen dem Wasser, und der Teufel seiner Mutter. Mein Sohn ein Bastard! Bey meiner Seele, ich glaube nimmermehr, dass sein Vater so aecht war als er ist; es kann nicht seyn, wenn gleich du seine Mutter waerest. Elinor. Das ist eine feine Mutter, Junge, die deinen Vater beschimpft. Constantia. Das ist eine feine Grossmutter, Junge, die dich beschimpfen will. Oestreich. Stille! Faulconbridge. Horcht dem Ausruffer. Oestreich. Wer Teufel bist du? Faulconbridge. Einer der den Teufel mit euch spielen will, Herr, sobald er euch und euern Ueberzug* allein zu paken kriegen kan. Ihr seyd der Hase im Spruechwort, der todte Loewen beym Bart zupft; ich will euch das Fell einschmauchen, wenn ich euch kriege; nehmt euch in acht; in der That, ich will, in der That. {ed.-* Um diese und verschiedne andre in einer der folgenden Scenen vorkommenden Spoettereyen und Grobheiten, die Faulconbridge dem Herzog von Oestreich sagt, zu verstehen, muss man wissen, dass dieser Herzog mit einer Loewenhaut umhuellt auf der Buehne erscheinen muss. Koenig Richard hatte, wie man sagt, waehrend seinem beruehmten Kreuzzug, worinn er seine persoenliche Herzhaftigkeit und Staerke durch eine Menge ritterlicher Thaten bewies, auch einen ausserordentlich grossen Loewen bezwungen, und die Haut desselben, zum Zeichen dieses Siegs, nachher allezeit getragen oder bey sich gefuehrt. Dieser Haut bemaechtigte sich der Herzog von Oestreich, nachdem er, wie bekannt ist, den Koenig Richard, durch Hinterlist und Betrug in seine Gewalt bekommen; und soll, aus einer allerdings laecherlichen Pralerey, selbige, als eine Beute, die er einem so grossen Helden wie Richard abgenommen, nach dessen Tod allezeit getragen haben.} Blanca. O wie wohl stuhnd dem dieser Loewen-Rok an, der dem Loewen diesen Rok abzog! Faulconbridge. Er ligt so stattlich auf seinem Rueken, als des grossen Alcides Loewenhaut auf dem Rueken eines Esels; aber, Esel, ich will euch diese Last von euerm Rueken abnehmen, oder euch noch eine auflegen, davon euch die Schultern krachen sollen. Herzog. Was fuer ein Schwaermer ist das, der unsre Ohren mit einem solchen Uebermaass von vergeblichem Athem betaeubt? Koenig Philipp, entschliesset euch ohne laengeres Zaudern, was wir thun wollen. Koenig Philipp. Weiber und Narren, brecht eure Conferenz ab. Koenig Johann, hier ist mein Vortrag in wenig Worten: England, Irrland, Anjou, Touraine und Maine fordre ich im Namen des jungen Arthurs von dir; willt du sie abtreten, und die Waffen niederlegen? Koenig Johann. Eher mein Leben--Ich biete dir Troz desshalb, Frankreich. Arthur von Bretagne, begieb dich in meinen Schuz, und ich will dir aus Liebe mehr geben, als der feige Arm von Frankreich jemals fuer dich gewinnen kan. Ergieb dich, Junge. Elinor. Komm zu deiner Gross-Mama, Kind. Constantia (indem sie eine kindische Art zu reden affectirt.) Thu's, Kind, geh zu Gross-Mama, Kind. Gieb Gross-Mama Koenigreich, und Gross-Mama giebt dem Kind ein Zukerchen, eine Kirsche, eine Feige; es ist eine gute Gross-Mama. Arthur. Meine liebe Mutter, gebt euch zufrieden. Ich wollt', ich laege tief in meinem Grab; ich bin nicht werth, dass man soviel Lerms meinetwegen mache. Elinor. Seine Mutter beschaemt ihn so, der arme Junge, er weint. Constantia. Das Unrecht, das ihm seine Grossmutter zufuegt, nicht die Schande die ihm seine Mutter macht, zieht diese den Himmel ruehrenden Perlen aus seinen armen Augen, die der Himmel als ein Schuzgeld annehmen wird; ja mit diesen Thraenen wird sich der Himmel gewinnen lassen, sich seines Rechts anzunehmen, und euch zur Straffe zu ziehen. Elinor. Ungeheuer, scheuest du dich nicht, Himmel und Erde zu laestern? Constantia. Ungeheuer, scheust du dich nicht, Himmel und Erde zu beleidigen? Wie kanst du mich anklagen, dass ich laestre? Du und die deinigen usurpiren die Laender, Regalien und Gerechtsame dieses unterdrukten Waysen; es ist der Sohn deines aeltesten Sohns, und in nichts unglueklich als darinn, dass er von dir abstammt. Deine Suenden werden an diesem armen Kinde heimgesucht; der Ausspruch des Gesezes ligt auf ihm, da er nur im dritten Glied von deinem Suendempfangenden Leib entfernt ist. Koenig Johann. Tollhaeuslerin, hoert auf! Constantia. Ich habe nur das noch zu sagen, dass er nicht nur um ihrer Suende willen gestraft wird, sondern Gott hat ihre Suende und sie zur Strafe dieses entfernten Abkoemmlings gemacht, der um ihrentwillen gestraft wird, und mit ihrer Strafe ihre Suende; sein Unrecht, ihr Unrecht, der Buettel ihrer Suende, alles in der Person dieses Kindes gestraft, und alles um ihrentwillen; dass sie die Pest!** {ed.-** Dieses Ungeheuer von einer aller Sprach- und Vernunftlehre trozbietenden Rede, hat man, da ihr ohnehin nicht zu helfen ist, von Wort zu Wort geben wollen, wie sie der Autor giebt; Deutschen Unsinn fuer Englischen Unsinn.} Elinor. Du unverstaendiges Laestermaul, ich kan ein Testament aufweisen, das deines Sohnes Recht entkraeftet. Constantia. So, wer zweifelt daran? Ein Testament?--Ein falsches Testament, ein Weiber-Testament, einer unnatuerlichen Grossmutter Testament. Koenig Philipp. Stille, Lady; schweigt oder maessigt euch; es schikt sich uebel fuer diese Versammlung diesen euern uebeltoenenden Wiederholungen immer Halt zu ruffen. Lasst eine Trompete diese Leute von Angiers auf die Mauern fordern; sie sollen sich erklaeren, wessen Recht sie gelten lassen wollen, Arthur's oder Johann's. (Trompeten.) Dritte Scene. (Ein Buerger von Angiers kommt auf die Mauern.) Buerger. Wer ist der, der uns auf die Mauern hervorgeruffen hat? Koenig Philipp. Es ist Frankreich, im Namen Englands. Koenig Johann. England in seinem eignen Namen. Ihr Maenner von Angiers, und meine lieben Unterthanen-- Koenig Philipp. Ihr werthen Maenner von Angiers, Arthurs Unterthanen, unsre Trompete rief euch zu dieser guetlichen Unterredung-- Koenig Johann. In Betreff unsrer gerechten Sache; hoeret uns also zuerst; diese Franzoesischen Fahnen, die hier, so nah' an eurer Stadt, vor euern Augen sich verbreiten, sind zu euerm Verderben hieher gezogen; der Bauch ihrer Canonen ist mit Grimm angefuellt, sie sind schon gerichtet, ihren eisernen Zorn gegen eure Mauern auszuspeyen; diese Franzosen stellen sich mit allen Zuruestungen zu einer blutigen Belagerung und einem unbarmherzigen Verfahren vor die Augen eurer Stadt und vor eure verschlossnen Thore; und, ohne unsre Annaeherung, wuerden diese schlafenden Steine, die euch umguerten, durch den Stoss ihrer Maschinen aus ihrem ruhigen Leim-Bette gerissen, und der blutigen Gewalt ein graesslicher Ruin gemacht worden seyn, auf euern Frieden einzustuermen; aber, auf unsern Anblik, euers rechtmaessigen Koenigs, (der, des Ungemachs verdoppelter Maersche nichts achtend, herbey geeilt ist, einen maechtigen Entsaz vor eure Thore zu bringen, und die bedraeuten Wangen eurer Stadt unzerkrazt zu erhalten,) seht, die bestuerzten Franzosen selbst eine Unterredung antragen, und nun, fuer in Feuer gekleidete Kugeln, die ein schuettelndes Fieber in euern Mauern machen sollten, sanfte in Rauch eingehuellte Worte losschiessen, um eure Ohren durch ein betruegliches Getoene zu bethoeren; aber glaubet ihnen, wie sie es verdienen, werthe Buerger, und lasset uns, euern Koenig ein, dessen muede Lebensgeister, von dieser uebertriebnen Eile abgemattet, Herberge innert euren Stadtmauern suchen. Koenig Philipp. Wenn ich gesprochen habe, so antwortet uns beyden. Seht! an dieser rechten Hand, deren Schuz durch die heiligsten Geluebde dem Rechte dessen, den sie haelt, geweyhet ist, steht der junge Plantagenet, Sohn von dem aeltern Bruder dieses Mannes, und Koenig ueber ihn und alles, was er inne hat. Um seines zu Boden getretnen Rechts willen treten wir in kriegrischem Marsch diese gruenen Ebnen vor eurer Stadt, ohne einigen Vorsaz einer Feindseligkeit gegen euch, ausser wozu uns, von eurer Widerspenstigkeit gereizt, ein mildthaetiger Eifer zur Erhaltung dieses unterdruekten Kindes, in unserm Gewissen noethiget. Weigert euch also nicht, eine Pflicht zu erstatten, die ihr demjenigen unleugbar schuldig seyd, der sie zu fordern berechtigt ist, nemlich, diesem jungen Prinzen; so soll unsern Waffen, gleich einem bemaulkorbten Baeren, sicher anzusehen, alle Beleidigung verboten seyn, die Bosheit unsrer Canonen gegen die unverwundbaren Wolken des Himmels ausgelassen werden, und mit einem friedsamen und ungestoerten Ruekzug, mit ungebrauchten Schwerdtern und unversehrten Helmen, wollen wir dieses muthige Blut wieder heimtragen, welches wir gegen eure Mauern auszuspeyen gekommen waren, und eure Weiber, Kinder und euch im Frieden lassen. Solltet ihr aber so thoericht seyn, dieses unser zuvorkommendes Anerbieten auszuschlagen, so bildet euch nicht ein, dass diese alten Mauern euch gegen unsre Kriegs-Abgesandten schuezen werden, wenn gleich alle diese Englaender mit ihrer Macht in ihrem rauhen Umkreis gelagert waeren. Sagt uns also, will eure Stadt uns im Namen desjenigen, fuer welchen wir euch dazu auffordern, als ihren Herrn erkennen; oder sollen wir das Zeichen zum Angriff geben, und in Blut wattend in unser Eigenthum einziehen? Buerger. Unsre Antwort ist kurz: Wir sind des Koenigs von England Unterthanen; fuer ihn und kraft seines Rechts, haben wir diese Stadt inne. Koenig Johann. So erkennet dann euern Koenig, und lasset mich ein. Buerger. Das koennen wir nicht; demjenigen der es beweisst, dass er Koenig ist, wollen wir uns als getreue Unterthanen beweisen; so lange aber dieses nicht geschehen seyn wird, sollen unsre Thore gegen die ganze Welt verriegelt bleiben. Koenig Johann. Beweisst nicht die Crone von England den Koenig? Und wenn dieses nicht genug ist, so bring ich euch Zeugen, zweymal fuenfzehntausend Herzen voll von Englischem Blut-- Faulconbridge. (Hurensoehne und andre.) Koenig Johann. Die bereit sind, unser Recht mit ihrem Leben zu beweisen. Koenig Philipp. Eben so viele, und von so gutem Blut als jene-- Faulconbridge. (Die Hurensoehne auch mitgezaehlt.) Koenig Philipp. Stehen hier, ihm seine Fordrung ins Angesicht zu widersprechen. Buerger. Biss ihr ausgemacht haben werdet, wessen Recht das vorzueglichste ist, halten wir fuer den Vorzueglichsten das Recht von beyden zuruek. Koenig Johann. So vergebe dann Gott die Suenden aller der Seelen, die zum furchtbaren Erweis unsers Koeniglichen Titels, noch eh der Abendthau fallen wird, in ihre ewige Wohnung geflohen seyn werden! Koenig Philipp. Amen, Amen!--Zu Pferde, ihr Ritter, zu den Waffen! Faulconbridge. Sanct Georg, der den Lindwurm trillte, und seither immer zu Pferd vor meiner Wirthin Thuere sizt, helf uns aus diesem Handel! (Zu Oestreich.) Kerl, waer ich daheim in eurer Hoele, Kerl, bey eurer Loewin, ich wollt euch einen Ochsen-Kopf auf eure Loewenhaut sezen, und ein Ungeheuer aus euch machen. Oestreich. Still, nichts mehr! Faulconbridge. O zittre, du hoerst den Loewen bruellen. Koenig Johann (zu Faulconbridge.) Wir wollen weiter in die Ebne vorrueken, um unsre Regimenter besser ausbreiten und stellen zu koennen. Faulconbridge. So macht fein geschwinde, dass ihr den Vortheil des Plazes gewinnt. Koenig Philipp (zu Oestreich, mit dem er vorher leise gesprochen.) Gut; die uebrigen lasst auf dem andern Huegel sich sezen. Gott und unser Recht! (Sie gehen ab.) Vierte Scene. (Man blasst zum Angriff; beyde Armeen werden handgemein, Gefecht; endlich tritt der Herold von Frankreich mit Trompeten vor das Stadt- Thor.) Franzoesischer Herold. Ihr Maenner von Angiers, oeffnet eure Thore weit, und lasst den jungen Arthur, Herzog von Bretagne, ein, der durch Frankreichs Hand an diesem Tag manchen Englischen Muettern Stoff zu Thraenen gegeben hat; ihre Soehne ligen auf dem blutigen Grunde verzettelt, und mancher Wittwe Mann kruemmt sich im Staub, und umfasst mit kalten Armen die blutgefaerbte Erde; indess dass der wohlfeil-erkaufte Sieg um die tanzenden Paniere der Franzosen scherzt, die in triumphierender Unordnung bey der Hand sind, als Sieger einzuziehen, und Arthur von Bretagne zu Englands und euerm Koenig auszuruffen. (Ein Englischer Herold tritt mit Trompeten auf.) Englischer Herold. Freuet euch, ihr Maenner von Angiers, laeutet eure Gloken; Koenig Johann, euer und Englands Koenig, ist im Anzug, als Meister von diesem heissen blutigen Tage. Die Ruestungen derer, die diesen Morgen in so hellem Silberglanz vor euch vorbeyzogen, kehren alle in Franzoesischem Blute vergueldet zuruek; nicht ein einziger Federbusch, der auf einem Englischen Helme winkte, ist von einem Franzoesischen Speer abgeschlagen worden; unsre Fahnen kommen in den nemlichen Haenden wieder, die sie entfalteten als wir auszogen, und gleich einem lustigen Truppen Jaeger, kommen unsre froelichen Englaender, alle mit bepurpurten Haenden zuruek, in dem Lebensblut ihrer sterbenden Feinde gefaerbt. Oeffnet eure Thore, und lasst die Sieger einziehen. Buerger. Ihr Herolde, wir haben von unsern Thuermen euerm ganzen Gefecht, vom Angriff bis zum Abzug zusehen koennen; unsre schaerfsten Augen haben keinen Vorzug oder Vortheil auf einen von beyden Partheyen entdeken koennen; Blut hat Blut erkauft, und Streiche haben Streichen geantwortet; Staerke, Muth, Dapferkeit und Gluek waren auf beyden Seiten gleich. So sind auch wir gegen beyde, bis einer der Groesseste bleibt; so lange sie so im Gleichgewicht stehen, halten wir unsre Stadt fuer keinen, sondern fuer beyde. Fuenfte Scene. (Die beyden Koenige mit ihrem Heer treten auf verschiednen Seiten auf.) Koenig Johann. Frankreich, hast du noch mehr Blut wegzuwerfen? Sprich, willt du dem Strom unsers Rechts seinen friedfertigen Lauf lassen; oder soll er von dir gestoert, aus seinem natuerlichen Canal hervorschwellen, und deine angrenzenden Ufer ueberstroemen? Koenig Philipp. England, du hast in diesem hizigen Wettkampf nicht einen einzigen Tropfen Bluts mehr zuruekgebracht als wir; eher hast du mehr verlohren. Und ich schwoere bey dieser Hand, die diesen weitgrenzenden Erdstrich beherrschet; eh wir diese gerechten Waffen niederlegen, wollen wir dich, gegen den wir sie tragen, in den Staub niederlegen, oder selbst die Zahl der Todten mit einem koeniglichen Schatten vermehren! Faulconbridge. Ha! Majestaet!--Wie hoch steigt dein Stolz, wenn das goldne Blut der Koenige in Feuer gesezt wird! Oh, nun fuettert der Tod seine morschen Kinnbaken mit Stahl, Schlachtschwerdter sind seine Zaehne und Griffe, und nun schmausst er und frisst sich, indess dass die Koenige hadern, an Menschenfleisch satt. Warum stehen diese koeniglichen Linien so unbeweglich? Ruft zum Angriff, ihr Koenige; zuruek in das blutbeflekte Feld, ihr gleichmaechtigen Fuersten, ihr Feuer-sprudelnden Geister! Lasst die Niederlage des einen Theils den Frieden des andern bekraeftigen. Bis dahin Streiche, Blut und Tod! Koenig Johann. Fuer wessen Parthey erklaeren sich nun die Leute in der Stadt? Koenig Philipp. Sprecht, ihr Buerger; wen erkennt ihr fuer euern Koenig? Buerger. Den Koenig von England, sobald wir ihn kennen. Koenig Philipp. Erkennt ihn in Uns, die wir hier sein Recht verfochten haben. Koenig Johann. In Uns, die wir unser eigner grosser Abgeordneter sind, und im Besiz unsrer eignen Person uns hier befinden, Herr von unsrer Gegenwart, von Angiers, und von euch. Buerger. Eine groessere Macht, als die eurige, widerspricht all dieses, und bis sie ausser allem Zweifel ist, schliessen wir unsre erste Bedenklichkeit in unsre stark verrigelte Thore ein. Koenige sind unsre Furcht, so lange bis unsre Furcht von einem gewissen Koenige aufgeloest, gereinigt und ausgetrieben seyn wird. Faulconbridge. Diese unverschaemten Gesellen von Angiers spotten eurer, ihr Koenige, und stehen sicher auf ihren Zinnen, wo sie wie auf einem Amphitheater, unsern arbeitvollen Todes-Scenen und Aufzuegen mit weitoffnen Augen und richtendem Blik zusehen. Lasst euch von mir rathen, ihr Koenige; seyd gleich den Aufruehrern von Jerusalem eine Weile Freunde, und vereinigst eure aeusserste Macht wider diese Stadt. Lasst Frankreich von Osten, und England von Westen ihre bis an die Muendung gefuellte Canonen wider sie richten, bis ihr Seele- schrekendes Geschrey die steinernen Rippen dieser trozigen Stadt zu Boden geklafft hat; ich wollte unverzueglich auf diese Schindmaehren spielen, bis die Verwuestung ihnen keine andre Schuzwehr als die umgebende Luft uebrig liesse. Wenn dieses geschehen ist, dann trennt eure vereinbarte Macht wieder, sondert eure vermengten Fahnen ab, und sezet Antliz gegen Antliz, und Schwerdt gegen Schwerdt. Dann wird Fortuna in einem Augenblik aus einem von beyden Theilen ihren glueklichen Guenstling auswaehlen, dem sie die Ehre dieses Tages zuwenden, und den sie mit einem glorreichen Siege kuessen wird. Wie gefaellt euch dieser wilde Rath, maechtige Fuersten? Schmekt er nicht ein wenig nach der Politik? Koenig Johann. Nun bey dem Himmel, der ueber unsern Haeuptern haengt, er gefaellt mir. Frankreich, lasst uns unsre Kraefte vereinbaren, und dieses Angiers dem Erdboden gleich machen; dann wollen wir erst durch die Waffen ausmachen, wer Koenig davon seyn soll? Faulconbridge (zu Frankreich.) Und wenn du anders die Empfindlichkeit eines Koenigs hast, so richte, da du eben so sehr als wir selbst von dieser halsstarrigen Stadt beleidigt worden bist, den Rachen deiner Artillerie, wie wir der unsrigen, gegen diese trozigen Mauern; und wenn wir sie zu Boden geschmettert haben, nun, dann koennt ihr's mit einander aufnehmen, und einander, wie es kommt, gen Himmel oder in die Hoelle schiken. Koenig Philipp. So wollen wir's machen; saget, wo wollt ihr angreiffen? Koenig Johann. Wir wollen von Westen Zerstoerung in den Busen dieser Stadt senden. Oestreich. Ich von Norden. Koenig Philipp. Unser Donner soll von Sueden einen Hagel von Kugeln auf diese Stadt regnen. Faulconbridge (leise.) Eine weise Einrichtung! Von Norden zu Sueden; Oestreich und Frankreich werden einander ins Gesicht schiessen. Ich will sie dazu aufreizen; (laut;) kommt, hinweg, hinweg! Buerger. Hoert uns, grosse Koenige; lasst euch gefallen noch einen Augenblik zu verweilen, und ich will euch einen Vorschlag zum Frieden und zu einem annehmlichen Verglich thun. Gewinnet lieber diese Stadt ohne Wunden, und lasset diese Kriegsmaenner, die als Schlachtopfer auf den Wahlplaz hieher gekommen sind, ihr Leben wieder nach Hause tragen, und in ihren Betten sterben. Verharret nicht auf euerm Vorsaz, sondern hoeret mich, grosse Koenige. Koenig Johann. Redet, wir erlauben es, und wollen hoeren. Buerger. Diese Infantin von Spanien, Lady Blanca, ist nahe mit England verwandt; betrachtet den jungen Ludwig, den Dauphin, und dieses liebenswuerdige Maedchen. Wenn wolluestige Liebe auf die Jagd der Schoenheit ausgehen wollte, wo koennte sie solche schoener finden, als in Lady Blanca? Wenn keusche Liebe gehen wollte, die Tugend aufzusuchen, wo koennte sie solche reiner finden, als in Lady Blanca? Wenn ehrsuechtige Liebe ein Buendniss mit hohem Stande machen will, in welchen Adern rinnt ein edler Blut als in Lady Blanca's? So wie sie an Schoenheit, Tugend und Geburt ist, so vollkommen ist der junge Dauphin, in jedem Stueke; soll er nicht vollkommen seyn, o, so sagt nur, er ist nicht sie; so wie ihr nichts anders mangelt, (wenn das ein Mangel heissen kan,) als dass sie nicht er ist. Er ist die Helfte eines vollkommnen Mannes, bestimmt, durch eine solche Sie vollendet zu werden; und sie eine schoene getheilte Vortreflichkeit, deren vollstaendige Vollkommenheit in ihm ligt. O! zween solche Silberstroeme, wenn sie sich vereinigen, machen die Ufer worinn sie zusammenfliessen, zu Paradiesen. Diese Vereinigung soll mehr ueber unsre festverschlossnen Thore vermoegen als Batterien; denn sobald ihr dieses Buendniss beschlossen haben werdet, soll sich der Mund des Zugangs, schneller als der Bliz des Pulvers ihn mit Gewalt eroeffnen koennte, von freyen Stueken weit aufthun, euch einzulassen; aber ohne dieses Buendniss, ist die ergrimmte See nicht halb so taub, sind Loewen nicht halb so unerschroken, und Berge und Felsen so unbeweglich; nein, der Tod selbst ist in seiner verderblichen Wuth nicht halb so unerbittlich, als wir, diese Stadt zu behaupten. Faulconbridge. Das ist ein Redner, der das faule Gerippe des Todes aus seinen Lumpen herausschuettelt. Das ist ein grosses Maul, in der That, das Tod und Berge, Felsen und Seen ausspeyt, und von bruellenden Loewen so vertraulich spricht, als Maedchen von dreyzehn Jahren von Schoosshuendchen. Was fuer ein Constabel zeugte dieses lustige Blut? Er spricht lauter Canonen-Feuer, Rauch und Knall; er giebt Pruegel- Suppe mit seiner Zunge; unsre Ohren kriegen Stokschlaege; er sagt nicht ein Wort, das nicht eine derbere Maulschelle giebt als eine Franzoesische Faust. Zum Henker! Ich bin nie so mit Worten abgeplaeut worden, seit ich meines Bruders Vater Papa genennt habe. Elinor (zu Koenig Johann, leise.) Sohn, gieb diesem Vorschlag Gehoer, geh dieses Buendniss ein, und gieb ihnen mit unsrer Nichte eine Morgengabe, womit sie zufrieden seyn koennen; denn durch dieses Band kanst du dein izt wankendes Recht an die Crone so feste machen, dass jener gruene Bube keine Sonne haben wird, um die Bluethe zu zeitigen, die eine maechtige Frucht verspricht. Ich sehe Nachgiebigkeit in Frankreichs Bliken; sieh, wie sie einander zufluestern; fasse sie bey diesem Augenblik, da ihre Seelen faehig sind, sich durch die Hoffnung einer vergroesserten Macht bestechen zu lassen, sonst moecht' ihr Eifer fuer Arthurs Sache, der izt durch den lauen Athem von sanften Bitten, Mitleiden und Bedenklichkeiten aufgeschmelzt worden, wieder erkalten, und zu der vorigen Haerte gefrieren. Buerger. Was antworten Eure Majestaeten auf den guetlichen Vorschlag unsrer bedraeuten Stadt? Koenig Philipp. Sprecht zuerst, England, da ihr der erste waret, der seinen Antrag an diese Stadt machte; was ist eure Gesinnung? Koenig Johann. Wofern der hier gegenwaertige Dauphin, dein koeniglicher Sohn, in diesem Buche der Schoenheit lesen kan, ich liebe; so soll ihre Mitgift soviel waegen als eine Koenigin; denn Anjou, und das schoene Touraine, Maine, Poitou, und alles, was (diese belagerte Stadt hier ausgenommen,) auf dieser Seite des Meers unsrer Crone einverleibt ist, soll ihr Braut-Bette verguelden, und sie an Titeln, Wuerden und Guetern so reich machen, als sie an Geburt, Erziehung und Schoenheit, jeder andern Princessin in der Welt die Wage haelt. Koenig Philipp. Was sagst du denn, Junge? Sieh der Princessin ins Gesicht. Ludwig. Ich thu es, Sire, und ich find' in ihren Augen ein Wunderwerk, oder doch eine wunderbare Erscheinung, meinen eignen Schatten in ihren Augen abgebildet, der, ob er gleich nur der Schatten euers Sohnes ist, eine Sonne wird, und euern Sohn zu einem Schatten macht. Ich versichre euch, ich liebte mich selbst noch nie bis izt, da ich mich selbst in der schmeichelnden Tafel ihres Auges abgerissen finde. Blanca (zu Ludwig.) Meines Oheims Wille ist in dieser Sache der meinige; was er nur immer an euch sehen mag, das ihm gefaellt, dieses Etwas, das ihm gefaellt, kan ich ohne Muehe zu meinem Willen uebertragen; oder, um eigentlicher zu reden, wenn ihr wollt, kan ich es leicht meiner Liebe aufnoethigen. Milord, ohne euch ueber alles was ich liebenswuerdiges an euch sehe, zu schmeicheln, will ich nur soviel sagen, dass ich nichts an euch sehe, was, wenn gleich die Tadelsucht selbst Richter seyn sollte, einiges Hasses wuerdig waere. Koenig Johann. Was sagen diese jungen Leute? Was sagt ihr, meine Nichte? Blanca. Dass ihre Ehre sie verbindet, alles zu thun, was eurer Klugheit ihr zu befehlen belieben wird. Koenig Johann. Redet dann, Prinz Dauphin, koennt ihr diese Lady lieben? Ludwig. Fragt mich vielmehr, ob es mir moeglich sey, sie nicht zu lieben; denn ich liebe sie im hoechsten Grade. Koenig Johann. So geb' ich dir also Volquessen, Touraine, Maine, Poitiers und Anjou, diese fuenf Provinzen, mit ihr; und ueber dieses noch die volle Summe von dreyssigtausend Mark Englischen Geldes. Philipp von Frankreich, wenn du damit zufrieden bist, so befiehl deinem Sohn und deiner Tochter einander die Haende zu geben. Koenig Philipp. Wir sind es vollkommen zufrieden, ihr jungen Prinzen, vereinigst eure Haende. Oestreich. Und eure Lippen dazu; denn ich erinnre michs noch wohl dass ich es so machte, wie ich das erstemal versprochen wurde. Koenig Philipp. Nun, ihr Buerger von Angiers, oeffnet eure Thore, um die Freundschaft einzulassen die ihr gestiftet habt, damit ohne Verzug diese Vermaehlung in St. Martins Capelle sollennisirt werden koenne. Ist die Lady Constantia nicht in dieser Gesellschaft? Doch sie kan nicht hier seyn; ihre Gegenwart wuerde diesem neugeschlossnen Verglich ein starkes Hinderniss in den Weg gelegt haben. Wo ist sie, und ihr Sohn, wer kan es mir sagen? Ludwig. Sie sizt voll Traurigkeit und Unwillen in Eurer Majestaet Gezelt. Koenig Philipp. Bey meiner Ehre, dieses Buendniss das wir getroffen haben, wird ihrer Schwermuth wenig Lindrung geben. Bruder von England, wie koennen wir diese Fuerstliche Wittwe zufrieden stellen? Zu Behauptung ihres Rechts sind wir gekommen, und nun haben wir uns, Gott weiss es, zu unserm eignen Vortheil, auf eine andre Seite gedreht. Koenig Johann. Wir wollen alles gut machen; denn wir wollen den jungen Arthur zum Herzog von Bretagne und Grafen von Richmond ernennen, und ihn ueberdiss zum Herrn dieser schoenen reichen Stadt machen. Ruffet die Lady Constantia; ladet sie eilfertig zu unsrer Feyrlichkeit ein; wenn wir gleich nicht das ganze Maass ihres Willens erfuellen, so werden wir sie doch in gewissem Maasse befriedigen, und wenigstens ihren Ausruffungen den Mund stopfen. Izt lasst uns zu Vollziehung dieser unvorgesehnen und unvorbereiteten Solennitaet keine Zeit verliehren. (Alle gehen ab, bis auf Faulconbridge.) Sechste Scene. Faulconbridge. Naerrische Welt! naerrische Koenige! naerrisches Zeug zusammen! Johann, um Arthurn sein Recht zum Ganzen zu benehmen, begiebt sich freiwillig eines Theils; und Frankreich, dem das Gewissen seine Ruestung angeschnallt, den Eifer und Christliche Liebe als Gottes eignen Waffentraeger ins Feld gefuehrt, laesst sich nun von diesem Vorsaz-Aendrer entwafnen, diesem schlauen Teufel, diesem Maekler, der immer der Treue den Hals bricht, diesem taeglichen Eidbrecher, der alle Menschen verfuehrt, Koenige, Bettler, Alte, Junge, und der die Maedchen selbst, die sonst nichts aeusserliches zu verliehren haben als das Wort Maedchen, die armen Dinger auch um das betruegt; diesem glattmaulichten Stuzer, diesem kizelnden Schmeichler, Interesse--Interesse, der die ganze Welt aus ihrem ebnen natuerlichen Lauf heraushebt, und ohne alle gerade Richtung, Absicht und Regel forttreibt. Und eben dieses Interesse, diese Kupplerin, dieser Maekler, dieser allesverwandelnde Zauberer, auf das Auge des wankelmuethigen Philipps geplakt, hat ihn von seinem festgesezten Endzwek, von einem beschlossnen und ehrenvollen Krieg, zu einem hoechst schimpflichen und niedertraechtigen Frieden gezogen--Und warum ziehe ich wider dieses Interesse los, als weil es noch bisher nicht um mich gebuhlt hat; nicht, weil ich die Staerke haette die Hand zuzuschliessen, wenn seine schoenen Engel mir die ihrige darreichen wuerden; sondern weil meine Hand, die noch immer leer gelassen worden, gleich einem armen Bettler ueber die Reichen schmaehlt. Wohl dann, so lang ich ein Bettler bin, will ich ueber die Reichen schmaehlen, und sagen, es sey keine groessere Suende als reich seyn: Und wenn ich reich bin, dann soll meine Tugend darinn bestehen, dass ich behaupte, es sey kein Laster als Duerftigkeit. Wenn Koenige selbst ihren Eid aus Eigennuz brechen, so sey du mein Gott, Gewinnst; denn dir allein will ich dienen. (Er geht ab.) Dritter Aufzug. Erste Scene. (Des Franzoesischen Koenigs Gezelt.) (Constantia, Arthur und Salisbuery, treten auf.) Constantia. Gegangen, um sich zu vermaehlen? Um einen Frieden zu schwoeren? Treuloses Blut mit treulosem Blut vereinigt! Gegangen, um Freunde zu seyn? Ludwig soll Blanca haben, und Blanca diese Provinzen? Es ist nicht so, du hast dich verredet, du hast nicht recht gehoert; es kan nicht seyn, du sagst nur, es sey so; ich bin versichert dass du nicht die Wahrheit sagst, denn dein Wort ist nur der eitle Athem eines gemeinen Mannes. Glaube mir, Mann, ich glaube dir nicht, ich habe den Eid eines Koenigs fuer das Gegentheil; du sollt dafuer gestraft werden, dass du mich so erschrekt hast; denn ich bin krank, und leicht in Furcht zu sezen; misshandelt und unterdruekt, und also voller Furcht; eine Wittwe ohne Mann, ohne Beschuezer, also der Furcht unterworffen; ein Weibsbild, von Natur zur Furchtsamkeit gebohren; und wenn du izt gleich bekennen wuerdest, dass du nur gescherzt habest, so koennte ich doch meine in Unordnung gebrachten Lebensgeister nicht sogleich wieder beruhigen, sondern sie werden diesen ganzen Tag zittern und schaudern. Was soll dieses Kopfschuetteln bedeuten? Warum siehst du meinen Sohn so traurig an? Warum legst du die Hand auf deine Brust? Warum diese Thraenen, die wie ein aufgeschwollner Bach ueber ihre Ufer stuerzen? Sind diese schwermuethigen Seufzer Bekraeftigungen deiner Worte? So sprich noch einmal, nicht deine vorige Erzaehlung, sondern nur diss einzige Wort, ob deine Erzaehlung wahr ist oder nicht? Salisbury. So wahr als ihr Ursache habt, diejenige fuer falsch zu halten, welche schuld an der Wahrheit meiner Aussage sind. Constantia. Oh, wenn du mich lehrst diese kummervolle Zeitung zu glauben, so lehre diese kummervolle Zeitung wie sie mich toedten soll, damit ihr Glaube und mein Leben so an einander stossen, wie die Wuth von zween ergrimmten Maennern, die in dem Augenblik da sie auf einander treffen, fallen und sterben. Ludwig vermaehlt sich mit Blanca? O Junge, was bist dann du? Frankreich, Freund von England? Was wird dann aus mir? Geh, Mann, ich kan deinen Anblik nicht ausstehen diese Zeitung hat dich zu einem abscheulichen Mann gemacht. Salisbury. Was habe ich dann Uebels gethan, gute Lady, als das Uebel anzuzeigen, das andre gethan haben? Constantia. Welches aber an sich selbst so scheusslich ist, dass es alle die nur davon reden abscheulich macht. Arthur. Ich bitte euch, Mutter, gebt euch zufrieden. Constantia. Wenn du, der mich zufrieden seyn heisst, haesslich waerest, ungestalt, und deiner Mutter Leibe schimpflich, voller Fleken und ekelhafter Finnen, lahm, albern, buklicht, krummbeinicht, ungeheuer, und mit Kraeze und Eiterbeulen ueberdekt; dann wollt' ich mich nicht bekuemmern, dann wollt' ich mich zufrieden geben; denn alsdann wuerd' ich dich nicht lieben, nein, noch wuerdest du deiner hohen Geburt werth seyn, und eine Crone verdienen. Aber du bist schoen, und Natur und Gluek haben bey deiner Geburt, du theurer Knabe, sich vereiniget, dich gross zu machen. Wie die Natur dich begabt hat, kanst du mit Lilien und halb entfalteten Rosen um den Vorzug streiten. Aber das Gluek! oh sie ist treulos worden, sie ist von dir abgefallen, haelt stuendlich mit deinem Oheim zu, und hat mit ihrer goldnen Hand Frankreich an sich gerissen, und dahin gebracht, die Ehre der unumschraenkten Herrschaft in den Staub zu treten, und seine Majestaet zu ihrer Kupplerin zu machen. Frankreich ist eine Kupplerin zwischen dem Gluek und Johann, dem Gluek, dieser ehrlosen Meze, und diesem raeuberischen Johann. Sag mir, Bursche, ist Frankreich nicht meineidig? Vergift' ihn mit Worten, oder geh deines Weges, und lass mich allein bey diesen Kraenkungen, die ich allein tragen muss. Salisbury. Verzeihet mir, Madam, ich darf nicht ohne euch zu den Koenigen zuruek kommen. Constantia. Du darfst, du sollst, ich will nicht mit dir gehen; ich will meinen Schmerz lehren stolz zu seyn; denn Schmerz ist stolz, und macht seinen Besizer eigensinnig. Zu mir, und zu dem Hofstaat meines grossen Kummers moegen die Koenige sich versammeln; denn mein Kummer ist so gross, dass nichts als die unbewegliche gigantische Erde ihn unterstuezen kan; hier siz' ich und mein Schmerz; hier ist mein Thron, sage den Koenigen, dass sie kommen und sich vor ihm bueken. (Sie sezt sich auf den Boden.) Zweyte Scene. (Koenig Johann, Koenig Philipp, Ludwig, Blanca, Elinor, Faulconbridge und Oestreich.) Koenig Philipp. Es ist wahr, schoene Tochter; und dieser gesegnete Tag soll auf ewig in Frankreich festlich seyn. Diesen Tag feyrlicher zu machen, haelt die glorreiche Sonne in ihrem Lauf inne, und spielt den Alchymisten, indem sie durch den Glanz ihres funkelnden Auges die magre klumpichte Erde in schimmerndes Gold verwandelt. Der jaehrliche Kreislauf, der diesen Tag wiederbringt, soll ihn nie anders als einen Fest-Tag sehen. Constantia (indem sie aufsteht.) Ein unglueklicher Tag, und nicht ein Fest-Tag! Was hat dieser Tag verdient? Was hat er gethan, dass er mit goldnen Buchstaben unter die heiligen Zeiten in den Calender gesezt werden soll? Nein, stosst ihn vielmehr aus der Woche aus, diesen Tag der Schande, der Unterdruekung und des Meineids; oder wenn er ja stehen bleiben muss, so lasst schwangre Frauen beten, dass sie ihrer Buerde nicht an diesem Tag entbunden werden; lasst, ausser an diesem Tag, den Seefahrer keinen Schiffbruch fuerchten, und keinen Vertrag gebrochen werden, der nicht an diesem Tage gemacht worden; ja, alles was an diesem Tage angefangen wird, nehm' ein ungluekliches Ende, und die Treue selbst verwandle an ihm sich in Falschheit und Betrug! Koenig Philipp. Beym Himmel, Lady, ihr habt keine Ursache die freudigen Begegnisse dieses Tages zu verwuenschen; hab ich euch nicht meine Majestaet zum Unterpfand gegeben? Constantia. Ihr habt mich mit einer nachgemachten Majestaet betrogen, die, sobald sie auf den Probstein gestrichen worden, sich falsch befunden hat; ihr seyd meineidig, meineidig seyd ihr; ihr kam't in Waffen, meiner Feinde Blut zu vergiessen, und vermischet und verstaerket es nun mit dem eurigen. Freundschaft und geschminkter Friede haben den Plaz der kuehnen Streitbegierde und des edeln kriegrischen Zorns genommen, und unsre Unterdruekung ist zum Sigel dieses Bundes gemacht worden. Waffnet, waffnet euch, ihr himmlischen Maechte, wider diese meineidigen Koenige; eine Wittwe ruft: Sey mein Gemahl, o Himmel! Lass diesen Ungoettlichen Tag sich nicht im Frieden schliessen; sondern sende, eh die Sonne untergegangen seyn wird, bewaffnete Zwietracht zwischen diese treulosen Koenige. Hoere mich, o hoere mich! Oestreich. Lady Constantia, gebt euch zufrieden. Constantia. Krieg, Krieg, keinen Frieden; Frieden ist Krieg fuer mich. O Lymoges, o Oestreich! du schaendest diesen edeln Raub, womit du pralest! du Sclave, du Elender, du Memme, du kleiner Hasenritter, in nichts gross als in Niedertraechtigkeit, und nie herzhaft als wenn du dich hinter die staerkste Parthey verbergen kanst; du Ritter der Fortuna, der nie ficht, wenn dieses wetterlaeunische Fraeulein nicht neben dir steht, und dir Buerge fuer deine Sicherheit ist; du bist auch meineidig, und schmeichelst den Grossen. Was fuer ein Narr bist du, fuer ein kriechender Narr, zu pralen und zu stampfen und zu schwoeren, dass du meine Parthey halten wollest; du kaltherziger Sclave, hast du nicht wie ein Donner an meiner Seite gesprochen? Geschworen, dass du die Waffen fuer mich fuehren wollest, und mich ermahnet, mich deinem Glueke und deiner Staerke anzuvertrauen? Und nun trittst du auch zu meinen Feinden ueber? du, eine Loewen-Haut tragen? herab damit, wenn du noch eine Schaam in dir hast, und haeng' ein Kalbsfell um diese ehrlosen Schultern. Oestreich. O dass ein Mann mir das sagte! Faulconbridge. Und haeng' ein Kalbsfell um diese ehrlosen Schultern. Oestreich. Untersteh dich das zu sagen, Schurke, wenn dir dein Leben lieb ist. Faulconbridge. Und haeng' ein Kalbsfell um diese treulosen Schultern. Oestreich. Mich daeucht, Richards Stolz und Richards Fall sollt' eine Warnung fuer euch seyn, Herr. Faulconbridge. Was fuer Worte sind das? Wie schwanken meine Sehnen! Meines Vaters Feind in meines Vaters Raub gehuellt! Wie fluestert mir Alecto ins Ohr: Zoegre nicht, Richard, schlage den nichtswuerdigen Kerl zu Boden, zieh ihm dieses unvergleichliche Ehrenzeichen ab, das Denkmal des Triumphs deines Vaters ueber die Wilden--Nun bey seiner Seele schwoere ich, bey meines Vaters Seele, ich will nicht zweymal die Sonne aufgehen sehen, bis ich dieses Siegeszeichen von deinem Rueken gezogen, und dir das Herz davor zerschmettert habe, dass du dich unterstanden es zu tragen. Koenig Johann. Hoere auf, du missfaellst uns mit solchen Reden, und vergissest dich selbst. Dritte Scene. (Pandolph zu den Vorigen.) Koenig Philipp. Hier kommt der heilige Legat des Papsts. Pandolph. Heil euch, ihr gesalbten Stadthalter des Himmels! An dich, Koenig Johann, geht meine heilige Gesandtschaft. Ich, Pandolph, Cardinal Erz-Bischof von Meiland, und Legat des Papsts Innocentius allhier, frage dich in seinem Namen auf dein Gewissen, warum du gegen die Vorrechte der Kirche, unsrer heiligen Mutter, den erwaehlten Erz- Bischof von Canterbuery, Stephan Langton, so vorsezlicher und gewaltthaetiger Weise von diesem heiligen Stuhl zuruekstossest? Dieses ists, was in unsers vorbesagten heiligsten Vaters, Papsts Innocentius, Namen, ich dich fragen soll. Koenig Johann. Was fuer ein irdischer Name kan den freyen Athem geheiligter Koenige zu Fragstueken anhalten? Du kanst keinen schlechtern, unwuerdigern und laecherlichern Namen erdenken, Cardinal, um mich zu einer Antwort zu vermoegen, als des Papsts seinen. Sag ihm das, und seze noch dieses aus Englands Mund hinzu, dass wir nicht gestatten werden, dass ein Italiaenischer Priester Zehnden oder Zoll in unsern Gebieten einziehe; sondern, so wie wir in unsern Reichen, unter dem Himmel das oberste Haupt sind, so wollen wir auch unter ihm, diesem grossen Oberherrn, allein und ohne Beyhuelf einer sterblichen Hand, dieses unser Ansehen behaupten. Sagt das dem Papst, mit Beyseitsezung aller Ehrfurcht gegen ihn und seine anmassliche Autoritaet. Koenig Philipp. Bruder von England, ihr laestert indem ihr so sprecht. Koenig Johann. Ob gleich ihr und alle Koenige der Christenheit euch von diesem unruhigen Priester auf eine grobe Art hintergehen lasst, dass ihr einen Fluch fuerchtet, der sich mit Geld abkauffen laesst, und durch das Verdienst von abschaezigem Gold, Quark, Staub, verfaelschten Ablass von einem Menschen erkauft, der bey diesem Handel den Ablass sich selber abkauft, ob gleich ihr und alle uebrigen, euch so grob betruegen lasst, diesen heiligen Taschenspieler mit Einkuenften zu ueberhaeuffen; so hab ich doch Muth, ich allein, mich dem Papst entgegenzusezen, und halte seine Freunde fuer meine Feinde. Pandolph. So sey dann du, kraft der rechtmaessigen Gewalt die ich habe, mit dem Fluch und Bann der Kirche belastet; und gesegnet soll der seyn, der sich wider seine Lehenspflicht gegen einen Kezer empoert; und verdienstlich soll die Hand genennt werden, canonisirt und als heilig verehrt, die, durch was fuer ein Mittel es auch sey, dir dein verfluchtes Leben nimmt. Constantia. O lass es erlaubt seyn, dass mir Rom eine Weile Plaz mache, ihm zu fluchen. Guter Vater Cardinal, sprich du Amen zu meinen Fluechen; denn ohne eine Kraenkung, wie die meinige, ist keine Zunge, die Gewalt hat, ihm recht zu fluchen. Pandolph. Hier, Lady, ist die gesezmaessige Vollmacht, die meinen Fluch rechtmaessig macht. Constantia. Ist es der meinige minder? Wenn das Gesez kein Recht thun kan, so lasst rechtmaessig seyn, dass das Gesez kein Unrecht hindre; das Gesez kan meinem Kinde hier sein Koenigreich nicht geben; denn der, der von seinem Koenigreich Meister ist, ist Meister vom Gesez; da nun das Gesez selbst vollkommnes Unrecht ist, wie kan das Gesez meiner Zunge verbieten zu fluchen? Pandolph. Philipp von Frankreich, wenn du nicht selbst in den Bann fallen willst, so lass die Hand dieses Erz-Kezers fahren, und biete die ganze Macht von Frankreich wider ihn auf, es waere dann, dass er sich unter Rom demuethigte. Elinor. Wirst du blass, Frankreich? Lass deine Hand nicht gehen. Constantia. Habe Sorge, Teufel, damit Frankreich sich nicht aendre, und durch Zuruekziehung seiner Hand die Hoelle eine Seele verliehre. Oestreich. Koenig Philipp, gieb dem Cardinal Gehoer. Faulconbridge. Und haeng' ein Kalbsfell um seine ehrlosen Schultern. Oestreich. Gut, Galgenschwengel, ich muss diese Beleidigungen einsteken, weil-- Faulconbridge. deine Hosen weit genug dazu sind, sie zu tragen. Koenig Johann. Koenig Philipp, was sagst du zu dem Cardinal? Constantia. Was kan er anders sagen, als wie der Cardinal. Ludwig. Bedenket euch, Vater; die Frage ist, ob ihr euch den schweren Fluch von Rom, oder den leichten Verlust von Englands Freundschaft zuziehen wollt; waehlet das leichteste Uebel. Blanca. Das ist Rom's Fluch. Constantia. Ludwig, halte fest; der Teufel versucht dich hier in Gestalt einer schmuken jungen Braut. Koenig Johann. Der Koenig ist unruhig, und giebt keine Antwort. Constantia (zu Philipp.) O entfernt euch von ihm, und antwortet recht. Oestreich. Thut das, Koenig Philipp, haengt nicht laenger im Zweifel. Faulconbridge. Haeng nichts als ein Kalbsfell, du allerangenehmste Laus. Koenig Philipp. Ich bin ganz in Verwirrung, und weiss nicht was ich sagen soll. Pandolph. Die Verwirrung wuerde noch groesser seyn, wenn du exkomunicirt und verflucht wuerdest. Koenig Philipp. Guter ehrwuerdiger Vater, sezet euch an meine Stelle, und saget mir, was ihr thun wuerdet? Diese koenigliche Hand und die meinige sind nur erst zusammengefuegt, und eine innerliche Vereinigung unsrer Seelen durch ein feyrliches Buendniss und die ganze Staerke geheiligter Eydschwuere unaufloeslich gemacht worden. Der lezte Athem, den unsre Lippen zu Worten bildeten, war festgeschworne Treue, Friede, Freundschaft und aufrichtige Liebe zwischen uns und unsern Koenigreichen. Und unmittelbar vor diesem Friedenschluss, nicht laenger als dass wir zu Beschwoerung desselben die Haende waschen konnten, waren sie, der Himmel weiss es, mit neuvergossnem Blut beflekt. Und sollen nun diese Haende, die nur erst davon gereiniget, nur erst in Freundschaft zusammengefuegt worden, sich wieder trennen, die beschworne Treue brechen, und des Himmels spotten? Sollen wir so unbestaendige Kinder aus uns selbst machen, einen Augenblik darauf wieder unsre Haende zuruekzuziehen? Soll die beschworne Treue wieder abgeschworen, und das Brautbette des laechelnden Friedens von blutigem Krieg zertreten werden? O heiliger Mann, mein ehrwuerdiger Vater, lasst es nicht so seyn! Erfindet, rathet, schlaget einen gelindern Weg vor, und wir wollen uns glueklich schaezen, euch zu willfahren und Freunde zu bleiben. Pandolph. Alle Form ist unfoermlich, und jeder Weg ein Irrweg, der nicht der Freundschaft mit England entgegensteht. Zu den Waffen also; sey der Verfechter unsrer Kirche, oder die Kirche unsre Mutter wird ihren Fluch ueber dich aussprechen, den Fluch einer Mutter ueber einen rebellischen Sohn. Frankreich, es waere dir besser eine Schlange bey ihrer Zunge, einen ergrimmten Loewen bey seiner moerdrischen Taze, einen hungernden Tyger bey seinen Zaehnen zu halten, als in Freundschaft diese Hand zu halten, die du haeltst. Koenig Philipp. Ich kan wohl meine Hand aber nicht meinen Eyd zuruek ziehen. Pandolph. Du machst also die Pflicht zu einem Feind der Pflicht und sezest, wie in einem Buerger-Krieg, Eyd gegen Eyd, und Versprechen gegen Versprechen. Hast du nicht dein erstes Geluebde dem Himmel gethan, nemlich ein Beschuezer unsrer Kirche zu seyn, und muss dieses nicht zuerst erfuellt werden? Was du seitdem geschworen hast, ist wieder dich selbst geschworen, und kan nicht von dir vollzogen werden; denn wenn du geschworen hast unrecht zu thun, so besteht das Unrecht darinn, wenn du deinen Schwur haeltst; und wenn du ihn nicht haeltst, wofern ihn zu halten unrecht ist, so kanst du deine Pflicht nicht besser halten, als wenn du ihn nicht haeltst. In diesem Fall ist das Rechtmaessigste, zweymal Unrecht zu thun; es scheint unrecht, aber das Unrecht wird dadurch wieder recht, und Untreue heilt Untreue, wie Feuer in den geroesteten Adern eines Menschen, der verbrennt wird, das Feuer kuehlt. Die Religion ist es, was beschworne Geluebde halten macht; allein du hast wider die Religion geschworen; du schwoerst bey etwas, wider welches du schwoerst, und machst einen Eid zur Sicherheit deiner Treue, gegen einen Eid, dessen Treue du dadurch unsicher machst. Wenn man schwoert, so schwoert man ja allein, dass man nicht meineidig seyn soll; was fuer ein Gespoette waer' es sonst zu schwoeren? Du aber schwoerst allein, um falsch zu schwoeren; und bist meineidig, wenn du haeltst was du geschworen hast.* Dein lezter Eid, den du gegen deinen ersten geschworen hast, ist also in dir selbst eine Empoerung gegen dich selbst. Und du kanst nimmermehr einen bessern Sieg davon tragen, als wenn du dein bessres Selbst gegen diese eiteln schwindlichten Eingebungen waffnest; wozu unser Gebet, wenn du es annehmen willst, dir beystehen soll. Wo nicht, so wisse, dass unsre Flueche so heftig auf dich blizen sollen, dass du nicht vermoegend seyn wirst sie abzuschuetteln, sondern unter ihrer schwarzen Last in Verzweiflung sterben wirst. {ed.-* In dieser langen Rede laesst Shakespeareden Legaten seine Geschiklichkeit in der Casuistik zeigen; und das abentheurliche Gemengsal von Wortspielen und Non-sens, woraus sie besteht, soll, nach seiner Absicht die Scholastische Dialectik laecherlich machen. Wenn der Legat, wie im Verfolg des Stueks geschieht, als ein Staatsmann redet, spricht er aus einem ganz andern Ton; und ich vermuthe, die Absicht war zu zeigen, dass die Roemischen Hoeflinge ungleich bessere Politici als Theologi seyen. Warbuerton.} Oestreich. Rebellion, offenbare Rebellion-- Faulconbridge. Kan es denn nicht seyn? Ist denn kein Kalbsfell da, das dir dein Maul stopfen kan? Ludwig. Vater, zu den Waffen. Blanca. An deinem Hochzeit-Tage? Wider das Blut, mit dem du dich vermaehlt hast? Wie? Sollen erschlagne Menschen unserm Fest beywohnen? Sollen brausende Trompeten und lautlermende Trummeln, den Tact zu unserm hochzeitlichen Gepraenge geben? O hoere mich, mein Gemahl, (o Himmel! wie neu ist dieses Wort in meinem Munde!) um dieses Namens willen, den meine Zunge izt zum erstenmal ausspricht, auf meinen Knien, bitt' ich dich, ergreiffe die Waffen nicht gegen meinen Oheim. Constantia. O, auf meinen Knien bitte ich dich, und sollt ich so lange knien, bis sie hart wuerden, du tugendhafter Dauphin, wende die vom Himmel zugedachte Rache nicht ab. Blanca. Izt ist die Gelegenheit, da du mir deine Liebe beweisen kanst; was fuer ein Beweggrund kan mehr bey dir gelten, als der Name einer Gemahlin? Constantia. Das was ihn und dich aufrecht erhaelt, seine Ehre. O deine Ehre, Ludwig, deine Ehre!-- Ludwig. Ich erstaunen wie Euer Majestaet so kalt seyn kan, da so wichtige Betrachtungen auf sie wuerken. Pandolph. Ich will den Fluch ueber sein Haupt aussprechen. Koenig Philipp. Du sollst es nicht noethig haben. England, ich falle von dir ab. Constantia. O edle Wiederkehr der verbannten Majestaet! Elinor. O schaendliche Empoerung der Franzoesischen Unbestaendigkeit! Koenig Johann. Frankreich, du sollst diese Stunde noch in dieser Stunde bereuen. Blanca. So muss die Sonne in Blut untergehen. Schoener Tag, fahr' wohl! Wo ist die Parthey mit der ich gehen muss? Ich stehe zwischen beyden, jede Armee hat eine Hand, und indem ich beyde halte, reissen sie sich in ihrer Wuth von einander, und zerstueken mich. Gemahl, ich kan nicht beten, dass du gewinnen moegest; Oheim, ich bin gezwungen zu beten, dass du verliehrest; Vater, ich kan das Gluek nicht auf deine Seite wuenschen; Grossmutter, ich will nicht wuenschen, dass deine Wuensche erhoert werden; keine Parthey kan gewinnen, ohne dass ich auf der andern verliehre. Ludwig. Folget mir, Madame, euer Gluek haengt nun von dem meinigen ab. Blanca. Wo mein Gluek lebt, stirbt mein Leben. Koenig Johann. Vetter, geh und ziehe unsre Voelker zusammen. (Faulconbridge geht ab.) Frankreich, ich bin von einem Grimm entflammt, dessen Hize nichts als Blut, das Blut, das kostbarste Blut von Frankreich loeschen kan. Koenig Philipp. Deine Wuth soll dich aufzehren, und du sollt in Asche zusammenfallen, eh unser Blut diss Feuer loeschen soll. Sieh zu dir selbst, du wagest viel. Koenig Johann. Nicht mehr als der so mir draeuet. Zun Waffen! hinweg! (Sie gehen ab.) Vierte Scene. (Verwandelt sich in das Schlachtfeld.) (Lerm; Gefecht; Faulconbridge mit Oestreichs Kopf, tritt auf.) Faulconbridge. Nun bey meinem Leben, dieser Tag wird entsezlich heiss; irgend ein feuriger Teufel bruetet in der Luft, und schuettet Unheil herab. Hier lig du, Oestreichs Kopf,--So hat Koenig Richards Sohn sich seines Geluebds entlediget, und der unsterblichen Seele seines Vaters Oestreichs Blut zum Todten-Opfer gebracht. (Koenig Johann, Arthur und Hubert treten auf.) Koenig Johann. Hier Hubert, bring diesen Knaben in Verwahrung--Richard, ermuntre dich; meine Mutter wird in ihrem Gezelt bestuermt, und ist, wie ich besorge, gefangen. Faulconbridge. Ich befreyte sie, Gnaedigster Herr; ihre Hoheit ist in Sicherheit, besorget nichts. Aber zuruek, mein Koenig; noch ein wenig Arbeit wird diesen Tag zu einem glueklichen Ende bringen. (Sie gehen ab.) Fuenfte Scene. (Lermen; Gefecht; Flucht; Koenig Johann, Elinor, Arthur, Faulconbridge, Hubert und Lords treten wieder auf.) Koenig Johann. So soll es seyn; (zu seiner Mutter.) Euer Gnaden soll unter einer starken Bedekung zuruekbleiben; (zu Arthur.) Vetter, sieh nicht so traurig aus; deine Grossmama hat dich lieb, und dein Oheim will deines Vaters Stelle bey dir vertreten. Arthur. O diss wird meine Mutter vor Schmerz sterben machen. Koenig Johann (zu Faulconbridge.) Vetter, auf, nach England; eile voran, und siehe, dass du noch vor unsrer Ankunft unsre reichen Aebte schuettelst; sez du ihre gefangnen Engel in Freyheit; der hungrige Krieg muss an den fetten Ribben des Friedens zehren. Vollziehe unsern Auftrag mit dem aeussersten Nachdruk. Faulconbridge. Gloke, Buch und Kerze sollen mich nicht zuruektreiben, wo Gold und Silber mich einladen einen Besuch zu machen. Ich verlasse Eu. Majestaet; Grossmutter, wenn mir anders einmal einfaellt fromm zu seyn, will ich fuer eure Wohlfahrt beten; und hiemit kuess' ich euch die Hand. Elinor. Lebe wohl, mein lieber Vetter. Koenig Johann. Vetter, lebe wohl. (Faulconbridge geht ab.) Elinor. Komm zu mir, kleiner Vettermann--auf ein paar Worte-- (Sie nimmt den Arthur auf die eine Seite des Theaters.) Koenig Johann (zu Hubert auf der andern Seite.) Komm hieher, Hubert. O mein lieber Hubert, wir sind dir sehr verbunden; in diesen Mauern von Fleisch ist eine Seele die dein Schuldner ist, und deine Liebe mit Wucher zu bezahlen gedenkt. Glaube mir, mein guter Freund, der freywillige Eid, womit du dich zu meinem Dienst verbunden hast, lebt in diesem Busen und wird theuer geachtet. Gieb mir deine Hand, ich wollte dir etwas sagen-- aber ich will es auf eine gelegnere Zeit versparen. Beym Himmel, Hubert, ich bin recht beschaemt, wenn ich denke, wie grosse Verbindlichkeiten ich dir habe. Hubert. Ich bin es, der Euer Majestaet unendlich verpflichtet ist. Koenig Johann. Mein guter Freund, du hast noch keine Ursache das zu sagen--Aber du sollt bekommen--und so langsam die Zeit auch kriechen mag, so soll sie doch kommen, dass ich dir Gutes thun kan. Ich hatte dir was zu sagen--Aber, lass es gehen: Die Sonne ist am Himmel, und der stolze Tag, von den Freuden der Welt umgeben, ist zu ueppig, zu voll von Lustbarkeiten, um mir Gehoer zu geben. Wenn die mitternaechtliche Gloke mit ihrer ehernen Zunge ueber die schlaftrunkne Geschoepfe der Nacht Eins erschallen liesse; wenn dieser Plaz wo wir stehn, ein Kirchhof waere, und du vom Gefuehl von tausend Beleidigungen besessen waerst; oder wenn der saure Geist der Melancholie dein Blut, das izt kuezlend in deinen Adern auf- und ab rollt, so dik wie Leim gemacht haette; oder wenn du sehen koenntest ohne Augen, hoeren koenntest ohne Ohren, und mir antworten ohne Zunge; wenn du, ohne Augen, ohne Ohren, ohne den beleidigenden Schall von Worten, durch blosse Gedanken mit mir reden koenntest; denn wollt' ich, troz dem grossaugichten wachtsamen Tag meine Gedanken in deinen Busen ausschuetten--Aber so, will ich nicht--Und doch liebe ich dich sehr, und bey meiner Treue, ich denke, du liebest mich auch. Hubert. So sehr, dass ich, ich schwoer es beym Himmel, alles unternehmen will, was Euer Majestaet mir befehlen kan, wenn gleich der Tod mit der That verknuepft waere. Koenig Johann. Weiss ich nicht, dass du es thun wuerdest? Guter Hubert, Hubert, Hubert, wirf dein Auge auf jenen Knaben; ich will dir was sagen, Freund; er ist eine rechte Schlange in meinem Wege, und wohin ich den Fuss sezen will, ligt er vor mir. Verstehst du mich? Du bist sein Hueter. Hubert. Und ich will ihn so hueten, dass er Eu. Majestaet nimmer in den Weg kommen soll. Koenig Johann. Tod. (leise.) Hubert. Gnaedigster Herr. Koenig Johann. Ein Grab. Hubert. Er soll nicht leben. Koenig Johann. Genug, nun koennt' ich aufgeraeumt seyn. Hubert, ich habe dich lieb. Gut, ich will nicht sagen, was ich fuer dich thun will; Vergiss es nicht-- (indem er zu Elinor zuruekgeht.) Madame, lebet wohl, ich will Euer Majestaet die bewussten Truppen zusenden. Elinor. Mein Segen geht mit euch. Koenig Johann (zu Arthur.) Izt nach England, Vetter; Hubert soll euer Mann seyn, und euch mit aller schuldigen Ehrerbietung zu Diensten stehen, auf, nach Calais, hinweg! (Sie gehen ab.) Sechste Scene. (Verwandelt sich in den Franzoesischen Hof.) (Koenig Philipp, Ludwig, Pandolpho, und Gefolge treten auf.) Koenig Philipp. So wird durch ein heulendes Ungewitter auf dem Meer eine ganze Armade von vereinbarten Segeln zerstreut und von einander verschlagen.* {ed.-*Dieses Gleichniss, das an sich selbst an diesem Ort nicht zur Sache passt, ist, wie viele andere Stellen in diesem Stueke, eine Anspielung auf die spanische Invasion im Jahr 1588, und die damalige Zeit-Umstaend; indem dieses Schauspiel laengstens einen oder zween Winter darnach zum erstenmal aufgefuehrt wurde. Warburton.} Pandolph. Nur guten Muth gefasst, alles soll noch gut gehen. Koenig Philipp. Was kan gut gehen, wenn es uns so uebel geht? Sind wir nicht geschlagen? Ist nicht Angiers verlohren? Arthur gefangen? Verschiedne von unsern besten Freunden erschlagen? Und unser blutiger Gegner, mit veraechtlichem Troz nach England zuruekgegangen? Ludwig. Was er gewonnen hat, hat er befestiget: So kluge Entwuerfe, mit einem solchen Feuer ausgefuehrt, eine so gute Ordnung, in einem so ungestuemen Lauf ist ohne Exempel; wer hat jemals von einer Action wie diese ist, gelesen oder gehoert? Koenig Philipp. Ich koennte es nach wohl ertragen, dass England dieses Lob erhielte, wenn ich nur wenigstens ein Beyspiel, fuer unsre Schande kennte. (Constantia zu den Vorigen.) Sehet, wer kommt hier? Das Grab einer Seele, das den unsterblichen Geist wider seinen Willen in der verhassten Gefangenschaft eines gequaelten Athems haelt. Ich bitte dich, Lady, komm mit mir hinweg. Constantia. Seht, seht, das ist nun der Ausgang euers Friedens. Koenig Philipp. Geduld, gute Lady; guten Muth, theure Constantia. Constantia. Nein, ich biete allem Rath, aller Hoffnung Troz, ausser dem was allem Rath und aller Hoffnung ein Ende macht. Tod, Tod; o angenehmer liebenswuerdiger Tod! du wohlriechender Gestank, du gesunde Faeulniss, steh auf aus deinem Lager einer ewigen Nacht, du Abscheu und Schreken des Glueks; und ich will deine ekelhaften Knochen kuessen, und meine Augen in deine holen Augen-Loecher steken, und diese Finger mit den Wuermern, die in dir hausen, umwinden, und diesen Mund mit deinem vermoderten Staub verstopfen, und ein scheusliches Gerippe werden, wie du. Komm, grinse mich an, und ich will denken du laechelst, und dich wie dein Weib umarmen; o du Liebling des Elends, komm, komm zu mir! Koenig Philipp. O schoene Bekuemmerniss, stille! Constantia. Nein, nein, ich will nicht, so lang ich noch Athem habe zu schreyen; o, dass meine Zunge im Munde des Donners staeke, damit ich mit meinem Schmerz die ganze Welt erschuettern, und dieses entfleischte faule Gerippe vom Schlaf aufweken koennte, das die Anrufung einer schwachen weiblichen Stimme nicht hoeren will. Pandolph. Lady, ihr stosst Unsinn aus, nicht Schmerz. Constantia. Du versuendigest dich, das du das glaubst; ich bin nicht unsinnig; dieses Haar das ich ausrauffe, ist mein; mein Nam ist Constantia, ich war Gottfrieds Weib; der junge Arthur ist mein Sohn, und er ist verlohren! Ich bin nicht unsinnig; wollte Gott, ich waer' es! denn alsdann koennt' ich vergessen, wer ich bin. O wenn ich es koennte, was fuer einen Schmerz wuerd' ich vergessen! Predige irgend eine Philosophie, die mich unsinnig mache, und du sollt canonisirt werden, Cardinal. Denn, weil ich nicht unsinnig bin, sondern meinen Schmerz fuehle, so arbeitet mein vernuenftiger Theil, wie ich mich von diesem Jammer befreyen moege, und lehrt mich, dass ich mich erstechen oder erhaengen soll. Wenn ich unsinnig waere, wuerd' ich meinen Sohn vergessen, oder in meinem Wahnwiz denken, das naechste Wikel-Kind sey mein Sohn; ich bin nicht unsinnig; zu gut, allzugut fuehl ich die eigene Quaal jedes besondern Jammers. Koenig Philipp. Bindet diese fliegenden Loken auf; O was fuer Liebe seh ich in dieser schoenen Menge ihrer Haare; wohin nur von ungefehr ein Silbertropfe gefallen ist, eben zu diesem Tropfen draengen sich zehntausend feurige Freunde in geselligem Schmerz zusammen, gleich wahren unzertrennlichen, getreuen Liebhabern, die mit einander im Ungluek ausharren. Constantia. Nach England, wenn ihr wollt.-- Koenig Philipp. Bindet eure Haare auf Constantia. Ja, das will ich; und warum will ich es thun? Ich riss sie aus ihren Fesseln, und rief. O dass diese Haende meinem Sohne so die Freyheit geben koennten, wie sie diesen Haaren ihre Freyheit gegeben haben! Aber nun beneid' ich ihre Freyheit, und will sie wieder in ihre Fesseln schliessen, weil mein armes Kind ein Gefangner ist. Und Vater Cardinal, ich hab' euch sagen gehoert, wir werden unsre Freunde im Himmel wieder kennen. Wenn das ist, so werd ich meinen Jungen nimmer wieder sehen. Denn seit der Geburt Cains, des ersten maennlichen Kindes bis zu dem, der erst gestern seufzte, ist keine anmuthigere Creatur gebohren worden. Aber nun wird der Krebs des Kummers meine Rosenknospe fressen, und die angebohrne Schoenheit von seinen Wangen jagen; er wird aus holen Augen wie ein Gespenst schauen, so duester und hager wie ein vom Fieber ausgezehrter Kranker, und so wird er sterben und wenn er so wieder aufersteht, und ich ihn in dem himmlischen Hofe wieder antreffe, so werd' ich ihn nicht kennen; und also werd ich meinen holdseligen Arthur nimmer, nimmer wieder sehen. Pandolph. Ihr ueberlasst euch euerm Schmerz zu sehr. Constantia. Das sagt mir einer, der niemals einen Sohn hatte-- Koenig Philipp. Ihr liebet euern Schmerz, wie ihr euer Kind liebt. Constantia. Mein Schmerz fuellt den Plaz meines abwesenden Kindes aus, ligt in meinem Bette, geht mit mir auf und ab, zeigt mir seine anmuthigen Blike, wiederholt seine Worte, erinnert mich an alle seine liebreizenden Eigenschaften; ich hab' also Ursache meinen Schmerz zu lieben. Gehabt ihr euch wohl; haettet ihr einen solchen Verlust erlidten wie ich, so koennte ich bessern Trost geben als ihr thut. Ich will diesen Prunk nicht auf meinem Kopf leiden, (Sie reisst ihren Kopfzeug ab.) da eine solche Unordnung in meinem Verstand ist. O Gott, mein Kind, mein Arthur, mein schoener Sohn! Mein Leben, meine Freude, meine Nahrung, mein Alles in der Welt! Mein Trost, die einzige Lindrung meines Kummers! Mein Sohn! Mein Sohn! (Sie geht ab.) Koenig Philipp. Ich besorge, es entsteht noch ein Ungluek; ich will ihr folgen. Siebende Scene. Ludwig. Es ist nichts in der Welt, das mir mehr Vergnuegen geben kan; das Leben ist mir so ekelhaft als ein zweymal erzaehltes Maehrchen, das die schlaffen Ohren eines schlaefrigen Menschen plagt. Eine bittre Schmach hat den angenehmen Geschmak der Welt verderbt, so dass sie izt nach lauter Schande und Bitterkeit schmekt. Pandolph. Eh eine heftige Krankheit geheilt wird, unmittelbar vor dem Augenblik der wiederkehrenden Gesundheit, ist der Anstoss am heftigsten; scheidende Uebel scheinen am schlimmsten, indem sie verschwinden. Was habt ihr denn durch den Verlust dieses Tages verlohren? Ludwig. Alle ruhmvollen, frohen, glueklichen Tage meines Lebens. Pandolph. Glaubet mir, dann haettet ihr verlohren, wenn ihr diesen Tag gewonnen haettet. Nein, nein; wenn's das Gluek am besten mit den Menschen meynt, so sieht es sie mit einem draeuenden Auge an. Es ist unglaublich, wie viel Koenig Johann gerade dadurch verlohren hat, was er fuer klaren Gewinn rechnet. Schmerzt es euch nicht, dass Arthur sein Gefangner ist? Ludwig. So herzlich, als er sich freut dass er ihn hat. Pandolph. Euer Verstand ist noch so jung als euer Blut. Nun hoere mich aus einem prophetischen Geiste reden; der blosse Athem der Worte die ich reden werde, soll jeden Staub, jeden Strohhalm, jedes kleine Hinderniss aus dem Wege wehen, der deinen Fuss gerade zu Englands Thron fuehren wird; hoere also! Johann hat sich Arthurs bemaechtiget, und es ist unmoeglich, dass, so lange warmes Leben in seinen jungen Adern spielt, Johann, der seinen Thron usurpirt, eine Stunde, ein Minute, ja nur einen Augenblik ruhig athmen koennte. Ein Scepter der mit einer unrechtmaessigen Hand gefuehrt wird, muss so gewaltthaetig erhalten werden, als er gewonnen worden; und wer auf einem schluepfrigen Plaz steht, ist nicht so zaertlich, dass ihm etwas zu garstig seyn sollte, woran er sich halten kan. Damit Johann stehen koenne, muss Arthur fallen; und so sey es, da es nicht anders seyn kan. Ludwig. Aber was kan ich durch Arthurs Fall gewinnen? Pandolph. Vermoege des Rechts eurer Gemalin Blanca, koennt ihr alsdann in alle Ansprueche Arthurs eintreten. Ludwig. Und Ansprueche, Leben und alles verliehren, wie Arthur. Pandolph. Wie gruen und jung ihr in dieser alten Welt noch seyd! Koenig Johann thut das wichtigste fuer euch; die Umstaende conspiriren mit euch, und der, so in Vergiessung des rechtmaessigen Bluts seine Sicherheit sucht, wird nichts als eine blutige und unsichre Sicherheit finden. Diese Uebelthat wird die Herzen seines ganzen Volks erkaelten, und ihren Eifer fuer ihn so sehr gefrieren machen, dass sie den schlechtesten Anlas, seiner Regierung ein Ende zu machen, mit Freuden ergreiffen werden. Es wird keine natuerliche Ausduenstung in der Luft seyn, kein Missgriff der Natur, kein Wetter-Tag, kein gemeiner Sturmwind, keine gewoehnliche Naturbegebenheit, denen sie nicht eine uebernatuerliche Ursache geben, die sie nicht Meteore, Wunderzeichen, Missgeburten und Vorbedeutungen, kurz, Zungen des Himmels nennen werden, die ueberlaut wider Johann um Rache schreyen. Ludwig. Es ist aber moeglich, dass er dem jungen Arthur das Leben laesst, und sich begnuegt, ihn in einer ewigen Gefangenschaft zu halten. Pandolph. O Prinz, wenn er von eurer Annaeherung hoeren wird, und Arthur nicht schon fort ist, so stirbt er denselben Augenblik: Und dann werden die Herzen aller seiner Unterthanen sich wider ihn empoeren, sich nach Veraenderung sehnen, und von dieser blutigen That Anlas zu Aufruhr und Krieg nehmen. Mich daeucht, ich sehe diesen Lermen schon vor meinen Fuessen; und o! was kan fuer euch glueklichers gebruetet werden, als was ich gesagt habe!--Der Bastard Faulconbridge ist nun in England, brandschaezet die Kirche, und uebet unchristliche Gewaltthaetigkeit aus. Wenn nur zwoelf bewehrte Franzosen dort waeren, sie wuerden wie ein Zusammenruf seyn, und in einem Augenblik zehntausend Englaender an ihrer Seite sehen; oder wie ein kleiner Schneeball, der sich herabwaelzt und ein Berg wird. Edler Dauphin, folge mir zum Koenige; es ist erstaunlich, was fuer Folgen aus ihrem Missverstaendniss gezogen werden koennen. Izt, da ihre Seelen von Unwillen bis oben an gefuellet sind, izt England zu; ich will an dem Koenige treiben. Ludwig. Grosse Beweggruende zeugen grosse Thaten; wir wollen gehen; wenn ihr Ja sagt, wird der Koenig gewiss nicht Nein sagen. (Sie gehen ab.) Vierter Aufzug. Erste Scene. (Verwandelt sich in England.) (Ein Gefaengniss.) (Hubert und zween Nachrichter treten auf.) Hubert. Macht mir diese Eisen gluehend, und, du dort, bleibe hinter den Tapeten stehen; und wenn ich mit dem Fuss stampfe, so rausch hervor und binde den Knaben, den du bey mir finden wirst, fest an den Lehnstuhl: Gieb wol Acht; hinweg und wache. Nachrichter Ich hoffe, euer Befehl werde die That verantworten. Hubert. Unnoethige Bedenklichkeiten! Fuerchtet nichts, habt Sorge--Junger Herr, kommt hervor, ich hab' euch was zu sagen. (Arthur tritt auf.) Arthur. Guten Morgen, Hubert. Hubert. Guten Morgen, kleiner Prinz. Arthur. Mit einem grossen Anspruch ein so kleiner Prinz als einer seyn mag. Ihr seyd traurig. Hubert. In der That, ich bin schon lustiger gewesen! Arthur. Der Himmel sey mir gnaedig! Mich daeucht, niemand sollte traurig seyn als ich; doch erinnre ich mich, wie ich noch in Frankreich war, an junge Leute, die aus lauter Muthwillen so traurig waren, wie die Nacht. So wahr ich ein Christ bin, waer ich nur aus dem Gefaengniss und huetete Schaafe, ich wollte so froelich seyn als der Tag lang ist. Und das wollt' ich auch hier seyn, wenn ich nicht von meinem Oheim noch mehr boeses besorgte. Ist es mein Fehler, dass ich Gottfrieds Sohn worden bin? In der That, es ist nicht; und wollte Gott ich waere euer Sohn, so wuerdet ihr mich lieben, Hubert. Hubert (vor sich.) Wenn ich mit ihm rede, so wird er durch sein unschuldiges Geschwaeze mein erstorbnes Mitleiden aufweken. Ich will also eilen, und meinen Auftrag vollziehen. Arthur. Seyd ihr krank, Hubert! Ihr seht heute so blass aus; gewisslich, ich wollt' ihr waeret ein wenig krank, damit ich die ganze Nacht neben euch sizen und mit euch wachen koennte. Ach! ich liebe euch mehr, als ihr mich lieb habt. Hubert. Seine Reden dringen mir ins Herz. (Er zeigt ihm ein Papier.) Liess hier, junger Arthur-- (Bey Seite.) Wie nun, naerrisches Wasser, must du mein gefrohrnes Mitleiden aufthauen! Ich muss es kurz machen, oder mein Entschluss vertroepfelt in weibischen Thraenen aus meinen Augen--Koennt' ihr's nicht lesen? Ist es nicht schoen geschrieben? Arthur. Nur zu schoen Hubert, zu einer so haesslichen Absicht. So muesst ihr meine beyden Augen mit Eisen ausbrennen. Hubert. Ich muss, junger Herr. Arthur. Und ihr wollt es? Hubert. Und ich will. Arthur. Habt ihr das Herz dazu? wenn euch nur der Kopf weh that, so band ich euch mein Schnupftuch um die Stirne; (mein bestes das ich hatte, eine Princessin hatt' es mir gestikt;) und ich fordert' es niemals wieder von euch; und des Nachts hielt' ich euch mit meiner Hand den Kopf, und wachte bey euch die ganze Nacht durch, und fragte alle Minuten: was fehlt euch? oder, wo thut's euch weh? oder, was kan ich euch zu liebe thun? Manches armen Manns Sohn wuerde still gelegen seyn, und nicht ein einziges freundliches Wort zu euch gesagt haben, und ihr hattet einen Prinzen zum Krankenwaerter--Doch nein, ihr koennt denken, meine Liebe zu euch sey nur verstellt und eigennuezig gewesen. Thut es, wenn ihr wollt; wenn es dem Himmel so gefaellt, dass ihr uebel mit mir umgehen sollt, nun dann, so muesst ihr-- wollt ihr mir die Augen ausreissen, die euch niemals nur einen sauern Blik gaben, und es auch niemals thun sollen? Hubert. Ich habe geschworen, dass ich es thun wolle, und ich muss sie mit gluehenden Eisen ausbrennen. Arthur. Ach, niemand, als in dieser eisernen Zeit, wuerde das thun. Das Eisen selbst, obgleich feuerroth von Hize, wuerde, wenn es an diese Augen kaeme, meine Thraenen trinken, und in ihrem unschuldigen Wasser seine feurige Wuth loeschen. Seyd ihr haerter als Eisen? O! wenn ein Engel zu mir gekommen waere und haette mir gesagt, Hubert werde mir die Augen ausstossen, ich haett' es ihm nicht geglaubt; keiner andern Zunge wuerd' ichs glauben, als deiner eignen. Hubert (stampft auf den Boden, und die Maenner kommen herein.) Hervor, thut wie ich euch befehle. Arthur (erschroken.) O Hubert, rette mich! Meine Augen sind schon aus, nur von den grimmigen Bliken dieser blutigen Maenner. Hubert. Gebt mir das Eisen sag ich, und bindet ihn hieher. Arthur. O Gott, wozu habt ihr noethig so ungestuem-rauh zu seyn? Ich will mich nicht straeuben, ich will wie ein Stein still halten. Um des Himmels willen, Hubert, lasst mich nicht binden! Nein, hoere mich, Hubert, treibe diese Maenner weg, und ich will ruhig still sizen wie ein Lamm. Ich will mich nicht regen, nicht wimpern, kein Wort reden, und das Eisen nicht zornig ansehen: Schiket nur diese Maenner fort, und ich will euch vergeben, was ihr mir auch fuer Marter anthun moeget. Hubert. Geht, bleibt vor aussen, lasst mich allein mit ihm. Nachrichter. Es ist mir lieber, weit von einer solchen That zu seyn. (Sie gehen ab.) Arthur. Ach, so hab ich meinen Freund weggetrieben; er hat einen erschreklichen Blik, aber ein mitleidiges Herz; lasst ihn wieder herein kommen, damit sein Mitleiden das eurige aufweke. Hubert. Komm, Junge, bereite dich. Arthur. Ist denn kein Mittel? Hubert. Keines, als deine Augen zu verliehren. Arthur. O Himmel! dass doch nur ein Staeubchen, ein Splitterchen, eine Mueke, ein irrendes Haar in den eurigen waere; wenn ihr fuehltet, was fuer Ungemach die kleinsten Dinge in diesem kostbaren Sinn anrichten, euer grausames Vorhaben muesst' euch entsezlich vorkommen. Hubert. Ist diss dein Versprechen; komm her, schweig und ruehre dich nicht-- Arthur. Hubert, du willt mir nicht erlauben, dass ich um meine Augen jammere; ach, heisse mich nicht schweigen, Hubert, heisse mich's nicht; oder schneide mir die Zunge aus, wenn du willt, und lass mich nur meine Augen behalten. Sieh, bey meiner Treu, das Eisen ist kalt, und wuerde mir kein Leid thun. Hubert. Ich kan es wieder heiss machen, Junge. Arthur. Nein, in rechtem Ernst, das Feuer ist vor Schmerz todt, dass es, zum Trost der Menschen erschaffen, zu einer solchen Grausamkeit gebraucht werden soll. Seht nur selbst, diese brennenden Kohlen haben keine Kraft mehr; der Athem des Himmels hat sie ausgeloescht, und mit reuiger Asche ueberstreut. Hubert. Aber ich kan sie mit meinem Athem wieder anblasen. Arthur. Und wenn ihr's thut, Hubert, so werdet ihr sie nur erroethen, und ueber euer Verfahren vor Schaam gluehen machen; ja, vielleicht werden sie euch in die Augen funkeln, wie ein Hund, der zum Angreiffen genoethigt wird, nach seinem Meister schnappt, der ihn anhezt. Alle Dinge, die ihr gebrauchen koennt mir uebels zu thun, versagen ihren Dienst; ihr allein habt nicht einmal so viel Erbarmen mit mir, als Feuer und Eisen, Geschoepfe, die doch zu den unbarmherzigsten Verrichtungen gebraucht werden. Hubert. Wohlan dann, sieh und lebe; ich will deine Augen nicht anruehren, wenn mir gleich dein Oheim alle seine Schaeze geben wollte. Und doch hab' ich geschworen; und ich war entschlossen, mit diesem Eisen hier sie auszubrennen. Arthur. O! nun seht ihr wieder wie Hubert aus. Alle diese Weile war't ihr verlarvt. Hubert. Stille, nichts weiter. Adieu; euer Oheim darf nichts anders wissen, als dass ihr todt seyd. Ich will diese huendische Auflaurer mit falschen Nachrichten anfuellen; und du, holdseliges Kind, schlaffe ruhig, und sicher, dass Hubert, um die ganze Welt, dir nichts Leides thun wollte. Arthur. O Himmel! ich danke euch, Hubert. Hubert. Stille, nichts weiter; geh' sachte mit mir hinein; ich seze mich keiner kleinen Gefahr um deinetwillen aus. (Sie ziehen ab.) Zweyte Scene. (Verwandelt sich in den Hof von England.) (Koenig Johann, Pembroke, Salisbury, und andre Lords treten auf.) Koenig Johann. So sizen wir dann noch einmal wieder hier, noch einmal gekroent, und, wie ich hoffe, mit gewognen Augen angesehen. Pembroke. Dieses noch einmal, war, mit Euer Hoheit Erlaubniss, ueberfluessig; ihr seyd vorher schon gekroent worden, und dieser koenigliche Schmuk ist euch niemals abgerissen, niemals die euch zugeschworne Treue durch Empoerung gebrochen worden. Kein Verlangen nach Veraenderungen hat das Land beunruhiget, und niemand hat sich, in Hoffnung sein Gluek zu verbessern, nach neuen Staats-Auftritten geluesten lassen. Salisbury. Dieser doppelte Pomp einen Titel zu befestigen, der vorhin schon sicher war, ist eben soviel als feines Gold ueberguelden, die Lilie weiss faerben, die Viole parfumiren, das Eis glaetten, den Regenbogen mit einer neuen Farbe bereichern, und dem schoenen Auge des Himmels durch ein Fakel-Licht einen hoehern Glanz geben wollen; es ist vergebliche Verschwendung und laecherlicher Ueberfluss. Pembroke. Allein, da euer koeniglicher Wille erfuellt werden musste, so ist dieser Actus nun ein neu-erzaehltes altes Maehrchen; jedoch, weil eine ungelegne Zeit dazu genommen worden, bey der lezten Wiederholung, widrig und uebel aufgenommen. Salisbury. Das graue und wohlbekannte Angesicht des alten aechten Herkommens ist dadurch sehr entstellt; es giebt, gleich einem unversehns sich drehenden Winde, dem Lauf der Gedanken einen neuen Schwung, schrekt die stuzende Ueberlegung auf, und macht gesunde Gesinnungen krank, und Wahrheit verdaechtig, da es in einer so neuzugeschnittnen Kleidung aufzieht. Pembroke. Wenn Handwerksleute sich bemuehen noch besser zu machen als gut, so bringt ihr Fleiss Missgeburten hervor; und die Entschuldigung eines Fehlers macht oft den Fehler desto schlimmer, weil die Entschuldigung ein neuer Fehler ist; wie Lappen, die auf einen kleinen Riss gesezt werden, ein Gewand durch die Verbergung des Risses mehr entstellen, als der Riss that, eh er so geflikt war. Salisbury. Aus diesen Betrachtungen missriethen wir diese neue Kroenung eh sie vollzogen wurde; allein es gefiel Eu. Hoheit darueber hinaus zu gehen, und wir lassens uns alle wol gefallen; indem alles und jedes, was wir wollen koennten, vor Eu. Hoheit Willen Halte machen muss. Koenig Johann. Einige Ursachen von dieser doppelten Kroenung hab' ich euch schon eroeffnet, und ich halte sie fuer stark. Noch weit staerkere werd' ich euch zu seiner Zeit entdeken, und ich bin also dieses Puncts wegen ohne Furcht. Inzwischen zeiget nur an, was ihr gerne verbessert haettet, und ihr sollt erfahren, wie bereitwillig ich eure Bitten anhoeren und erfuellen will. Pembroke. Erlaubet also, Gnaedigster Herr, dass ich, als derjenige, der die Zunge von diesen allen ist, und die Gedanken ihres Herzens ausspricht, (fuer Sie sowol als mich selbst, am meisten aber fuer eure eigne Sicherheit, fuer welche wir alle unsre besten Bemuehungen anwenden) angelegenst um die Befreyung des jungen Arthur bitten; dessen Einsperrung die murmelnden Lippen des Missvergnuegens in gefaehrliche Reden auszubrechen reizt. Wenn ihr das, was ihr in Ruhe besizt, auch mit Recht besizt, warum soll die Furcht (die, wie man sagt, sonst nur den Fusstritt des Unrechts begleitet,) euch bewegen, euern jungen Neffen einzusperren, ihn in einer barbarischen Unwissenheit zu lassen, und seiner Jugend alle Vortheile einer guten Erziehung zu versagen? Lasst euch also gefallen, damit die Uebelgesinnten keinen Vorwand haben, dessen sie bey Gelegenheit sich bedienen koennten, uns eine Bitte zu gewaehren, wozu Ihr selbst uns aufgemuntert habet, und ihm seine Freyheit zu schenken, um die wir nicht anders zu unserm besten bitten, als weil unser bestes von dem Eurigen abhaengt. (Hubert zu den Vorigen.) Koenig Johann. Ich bin es zufrieden, und vertraue seine Jugend eurer Aufsicht an-- Hubert, was bringt ihr Neues? Pembroke (zu Salisbury.) Das ist der Mann, der die blutige That thun sollte, er zeigte einem von meinen Freunden, den Befehl den er dazu hatte. Das Bild einer graesslichen Uebelthat lebt in seinem Auge; sein betretnes und gezwungnes Aussehen verraeth ein sehr beunruhigtes Herz, und mir ist bange, die That moechte schon geschehen seyn, die ihm befohlen worden. Salisbury. Der Koenig veraendert die Farbe alle Augenblike, sie kommt und geht von seinem Vorhaben zu seinem Gewissen, und von diesem zu jenem, wie Herolde zwischen zwey fuerchterlichen Schlacht-Ordnungen; seine Gemuethsbewegung schwillt so sehr an, dass sie nothwendig aufbrechen muss. Pembroke. Und wenn sie aufbricht, so fuercht ich, es wird nichts anders herauskommen, als der schaendliche Eiter von eines holdseligen Kindes Tod. Koenig Johann. Wir koennen der maechtigen Hand des Todes keinen Einhalt thun. Er sagt uns, Arthur sey diese Nacht gestorben. Salisbury. In der That, wir besorgten, seine Krankheit moechte unheilbar seyn. Pembroke. In der That, wir hoerten, wie nah er dem Tode war, eh das Kind selbst fuehlte dass es krank war. Dafuer muss Rede und Antwort gegeben werden, hier oder anderswo. Koenig Johann. Warum heftet ihr so feyrliche Blike auf mich? Denkt ihr, ich trage die Scheere der Goettin des Schiksals? Hab' ich ueber den Puls des Lebens zu befehlen? Salisbury. Es ist augenscheinlich, dass es nicht richtig zugegangen; und es ist schaendlich, dass Groesse es auf eine so grobe Art zu erkennen giebt. Wie gut ihr euer Spiel dadurch gemacht habt, wird sich zeigen, und hiemit gehabt euch wohl. Pembroke. Warte noch, Lord Salisbury, ich will mit dir gehen, und das Erbtheil dieses armen Kindes, sein kleines Koenigreich von einem gewaltsamen Grabe suchen. Dieses Blut, das ein Recht an alles was auf dieser Insel athmet, hatte, schliesst nun ein Raum von drey Schuhen ein. Es ist izt eine schlimme Welt! Aber das muss nicht so gelidten werden; dieses kan, und in kurzem, allen unsern Beschwerden zum Ausbruch helfen. (Sie gehen ab.) Dritte Scene. (Ein Courier zu den Vorigen.) Koenig Johann (fuer sich.) Sie brennen vor Unwillen; es reuet mich; es ist kein sichrer Grund der auf Blut gelegt wird, und das Leben wird durch eines andern Tod schlecht gesichert. (Zum Courier.) Du siehst erschroken aus! Wo ist das Blut, das ich sonst in deinen Wangen wohnen gesehen habe? Ein trueber Himmel erheitert sich nicht ohne einen Sturm; schuette dein Ungewitter herab; wie geht es in Frankreich? Courier. Niemals ist in einem Land eine so fuerchterliche Kriegszuruestung gemacht worden als in Frankreich, zu einem Einfall in England. Sie haben uns die Eilfertigkeit abgelernt; denn da euch berichtet werden sollte, dass sie sich ruesten, kommt die Zeitung schon, dass sie gelaendet haben. Koenig Johann. In was fuer einer Trunkenheit haben denn unsre Freunde geschlafen? Wo ist unsrer Mutter Sorgfalt? dass eine solche Armee in Frankreich aufgestellt werden soll, und wir nicht einmal etwas davon hoeren? Courier. Gnaedigster Herr, ihre Ohren sind mit Staub verstopft; den ersten April starb eure edle Mutter, und wie ich hoere, ist drey Tage vorher auch die Lady Constantia in Raserey verstorben. Doch dieses habe ich nur von einem schwaermenden Geruechte; ob es wahr oder falsch ist, weiss ich nicht. Koenig Johann. Hemme deine Geschwindigkeit, gefahrvolle Zeit; o! mach einen Waffenstillstand mit mir, bis ich meine missvergnuegten Pairs befriedigst habe. Wie? Meine Mutter todt? Wie uebel muss es also in meinen Franzoesischen Staaten gehen!--Unter wessen Anfuehrung haben diese Voelker aus Frankreich, die du mir ankuendigest, hier gelaendet? Courier. Unter dem Dauphin. (Faulconbridge und Peter von Pomfret zu den Vorigen.) Koenig Johann. Du hast mich mit diesen boesen Zeitungen ganz schwindlicht gemacht-- (Zu Faulconbridge.) Nun, was sagt die Welt zu unserm Verfahren? Stopfe mir nicht noch mehr solche schlimme Neuigkeiten in den Kopf, er ist schon voll. Faulconbridge. Wenn ihr euch fuerchtet das schlimmste zu hoeren, so muesst ihr das schlimmste ungehoert ueber euern Kopf einstuerzen lassen. Koenig Johann. Habe Geduld mit mir, Vetter; ich war einen Augenblik betaeubt; aber izt athme ich wieder frey, und kan alles hoeren, was mir irgend eine Zunge sagen kan. Faulconbridge. Wie ich mit der Geistlichkeit zu Werke gegangen bin, koennen die Summen die ich zusammen gebracht am besten sagen. Allein indem ich das Land, um hieher zu kommen, durchreiset bin, find' ich das Volk in einem seltsamen Anstoss von Schwaermerey, von Rumoren besessen und voll wunderlicher Traeume, voller Furcht und Schreken, ohne zu wissen, was sie fuerchten; und hier ist ein Prophet, den ich von den Strassen von Pomfret, wo ihm ein unzaehliches Volk nachlief, weggenommen, und mit mir gebracht habe. Er sang ihnen in rauhen hartklingenden Reimen, dass vor naechstem Auffahrts-Tag, mittags, Eu. Hoheit die Crone niederlegen wuerden. Koenig Johann. Du eitler Traeumer, warum thatest du das? Peter. Weil ich vorher weiss, dass es geschehen wird. Koenig Johann. Hubert, hinweg mit ihm, ins Gefaengniss, und auf den Tag, mittags, wenn ich, wie er sagt, die Crone niederlegen soll, lass ihn aufhaengen. Bring ihn in sichre Verwahrung und komm wieder, denn ich habe dich noethig. (Hubert geht mit Peter ab.) (Zu Faulconbridge.) O mein liebster Vetter, hoerst du die Zeitung, die sich von einer Landung ausbreitet? Faulconbridge. Jedermanns Mund ist voll davon; ueberdas traf ich den Lord Bigot und den Lord Salisbury an, mit Augen so roth wie frisch angeblasenes Feuer, und noch viele andre, welche giengen Arthurs Grab zu suchen, der, wie sie sagen, diese Nacht auf euer Anstiften ermordet worden sey. Koenig Johann. Mein lieber Vetter, geh, wage dich in ihre Gesellschaft; ich hab' einen Weg ihre Liebe wieder zu gewinnen; bringe sie vor mich. Faulconbridge. Ich will sie aufsuchen. Koenig Johann. Aber eile; du kanst nicht zu sehr eilen. O lasst mich keine einheimische Feinde haben, wenn auswaertige Gegner meine Staedte mit dem furchtbaren Pomp eines trozigen Einfalls schreken! Sey mein Mercurius, seze Fluegel an deine Fuesse, und fliege, wie ein Gedanke, von ihnen zu mir zuruek. Faulconbridge. Der Geist der Zeit soll mich eilen lehren. (Er geht ab.) Koenig Johann. Das ist gesprochen, wie ein muntrer junger Edelmann sprechen soll. Folg ihm; vielleicht hat er einen Courier zwischen mir und den Pairs noethig; du taugst am besten dazu. Courier. Von Herzen gerne, mein Gebieter. (Geht ab.) Koenig Johann. Meine Mutter todt! Vierte Scene. (Hubert tritt auf.) Hubert. Gnaedigster Herr, man sagt, es haben sich diese Nacht fuenf Monde sehen lassen; viere seyen stille gestanden, und der fuenfte habe sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit um die andern vier herumgedreht. Koenig Johann. Fuenf Monde? Hubert. Alte Maenner und alte Muetterchen, auf den Strassen, machen gefaehrliche Propheceyungen hierueber; des jungen Arthurs Tod ist immer in ihrem Mund, und wenn sie von ihm reden, so schuetteln sie die Koepfe und wispern einander ins Ohr; und der so redt, fasst den Hoerer bey der Hand, indem der, so zuhoert, Gebehrden des Entsezens macht, die Stirne ruempft, den Kopf schuettelt und die Augen verdreht. Ich sah einen Schmidt mit seinem Hammer, der, indess dass sein Eisen auf dem Ambos erkaltete, mit ofnem Maul die Zeitungen eines Schneiders einschlang, der mit seinem Ellstab und seiner Scheer in der Hand, in halbangezognen Schuhen, in die er vor Eilfertigkeit den unrechten Fuss gestekt hatte, von viel tausend tapfern Franzosen erzaehlte, die in Kent in Schlachtordnung stuenden; bis ein andrer hagrer, ungewaschner Handwerksmann seiner Erzaehlung ein Ende machte, und von Arthurs Tod redte. Koenig Johann. Warum suchst du mich durch dergleichen Schrekbilder zu beunruhigen? Warum wiederholst du Arthurs Tod so oft? Deine Hand ist sein Moerder gewesen; ich hatte Ursachen seinen Tod zu wuenschen, du hattest keine. Hubert. Ich hatte keine, Sire? Wie? Reiztet ihr mich nicht dazu an? Koenig Johann. Es ist ein Fluch der Koenige, Sclaven um sich zu haben, die ihre Launen fuer Befehle nehmen; die einen blossen Wink des Herrn fuer ein Gesez halten, das sie zu jeder blutigen That berechtigt, und die Gedanken der gefaehrlichen Majestaet zu befolgen glauben, wenn sie vielleicht mehr aus einem Anstoss von schlimmem Humor als aus ueberlegter Absicht sauer sieht. Hubert. Hier ist eure Hand, und euer Sigel, fuer das was ich that. Koenig Johann. O, wann die lezte Rechnung zwischen Himmel und Erde gemacht werden wird, dann wird diese Hand und diss Sigel wider uns zeugen! Wie oft wird eine Uebelthat nur darum gethan, weil wir die Mittel, sie zu thun, vor uns sehen! Waerest du nicht bey der Hand gewesen, ein Geselle, den die Hand der Natur zu Ausfuehrung einer Schandthat ausgezeichnet hat, dieser Mord waere mir niemals in den Sinn gekommen. Dein grelles Aussehen, die Geschiklichkeit, die Willigkeit zu gefaehrlichen Dingen und blutigen Bubenstueken, die ich an dir fand, versuchte mich--Und du, um dich einem Koenig beliebt zu machen, machtest dir kein Gewissen, einen Prinzen zu ermorden. Hubert. Gnaedigster Herr-- Koenig Johann. Haettest du nur deinen Kopf geschuettelt, nur eine Pause gemacht, da ich dir einen dunkeln Wink von meinem Vorhaben gab, nur einen bedenklichen zweifelhaften Blik auf mich geworffen, oder mich gebeten, dass ich deutlich reden sollte; die Schaam wuerde mich stumm gemacht und deine Furcht auch in mir Furcht erwekt haben. Aber du verstuhndest mich aus blossen Zeichen, und antwortetest auch durch blosse Zeichen; ja, ohne einen Augenblik zu stoken, liessest du dein Herz einwilligen, und dem zufolge deine rauhe Hand die That vollbringen, die beyder Zungen zu nennen sich scheuten--Hinweg aus meinem Gesicht, lass dich nimmer vor mir sehen. Meine Edeln verlassen mich, mein Reich wird ueberfallen, und die feindlichen Heere stehen schon vor meinen Thoren gelagert; und ach! in diesem Koenigreich meiner Seele, in diesen Grenzen von Blut und Athem, herrscht Feindseligkeit und buergerlicher Aufruhr zwischen meinem Gewissen und meines Neffen Tod. Hubert. Waffnet euch gegen eure andern Feinde, ich will zwischen euch und euerm Gewissen Friede machen. Der junge Arthur lebt noch; diese meine Hand ist noch eine jungfraeuliche, unschuldige Hand, und von Blut unbeflekt. Noch niemals ist in diesen Busen ein meuchelmoerdrischer Gedanke gekommen, und ihr habt durch euer Urtheil von meinem Aussehen die Natur verleumdet. So rauh es scheinen mag, so bedekt es doch ein Gemueth, das zu edel ist, der Henker eines unschuldigen Kindes zu seyn. Koenig Johann. Lebt Arthur noch? O so eile zu den Pairs, giesse diese Nachricht auf ihren flammenden Grimm, und zaehme sie zu ihrer Schuldigkeit. Vergieb der Auslegung, die meine Leidenschaft ueber deine Gestalt gemacht hat, denn meine Wuth war blind; und Augen, in denen meine Einbildung eine Blutschuld funkeln sah, stellten dich mir graesslicher dar als du bist. O, antworte mir nicht, sondern bringe mir die erzuernten Lords mit der aeussersten Geschwindigkeit in mein Cabinet. Ich beschwoere dich nur langsam; renne noch eilfertiger. (Sie gehen ab.) Fuenfte Scene. (Eine Strasse vor einem Gefaengniss.) (Arthur tritt verkleidet an die Mauer desselben.) Arthur. Die Mauer ist hoch, und doch will ich herunter springen. Guter Boden, sey mitleidig und thu mir kein Leid. Es kennt mich hier niemand, und wenn man mich auch kennte, so macht mich diese Gestalt eines Schifferjungens voellig unerkenntlich. Ich fuerchte mich, und doch will ich es wagen. Wenn ich herunter komme, und unbeschaedigt bleibe, will ich tausend Mittel finden, davon zu kommen; es ist eben so gut mein Leben zu wagen, indem ich zu entkommen suche, als mein Leben zu verliehren, wenn ich bleibe. (Er springt herab.) Weh mir, meines Oheims Geist ist in diesen Steinen! Himmel, nimm meine Seele auf, und England meine Gebeine. (Er stirbt.) (Pembrok, Salisbury und Bigot treten auf.) Salisbury. Lords, ich will ihm zu St. Edmondsbury entgegen kommen; es ist fuer uns das sicherste; wir koennen in den gefaehrlichen Umstaenden, worinn wir sind, dieses freundliche Anerbieten nicht ausschlagen. Pembrok. Wer ueberbrachte diesen Brief von dem Cardinal? Salisbury. Der Graf von Melun, ein Franzoesischer Edelmann, dessen muendliche Erzaehlung von des Dauphins guter Gesinnung gegen uns mir noch weit mehr gesagt hat, als dieser Brief Bigot. So wollen wir ihm dann morgen frueh entgegen gehen. Salisbury. Oder vielmehr uns auf den Weg machen, denn wir werden zween lange Tagreisen haben, eh wir bey ihm eintreffen werden. (Faulconbridge zu den Vorigen.) Faulconbridge. Ich freue mich, euch noch einmal anzutreffen, Milords; der Koenig ersucht durch mich um eure unverzuegliche Gegenwart. Salisbury. Der Koenig hat sich selbst aus unserm Besiz gesezt; wir wollen seinen duennen besudelten Rok nicht mit unsrer reinen Ehre fuettern, noch den Fuss begleiten, der, wohin er tritt, blutige Fussstapfen zuruek laesst. Kehrt zuruek, und sagt ihm das; wir wissen das aergste. Faulconbridge. Was ihr auch denken moeget, so waeren gute Worte, wie ich glaube, das beste. Salisbury. Sir, Sir, Ungeduld hat ein Privilegium. Faulconbridge. Es ist wahr, seinem Besizer zu schaden, und sonst niemandem. Pembroke. Hier ist das Gefaengniss; wer ligt hier? (Indem er Arthur gewahr wird.) Salisbury. O Tod, stolz auf die Zerstoerung dieser reinen und fuerstlichen Schoenheit. Die Erde hat keine Grube, diese That zu verbergen. Bigot. Der Meuchelmord, als ob er selbst verabscheute, was er gethan hat, legt sie offenbar zur Schau aus, um die Rache aufzureizen. Salisbury. Sir Richard, was denkt ihr? Habt ihr jemals so etwas gesehen, oder gelesen, oder gehoert, oder euch vorstellen koennen, als ihr hier sehet; ja, koennt ihr es begreiffen, ob ihr's gleich sehet? Koennte die Denkungs-Kraft, ohne einen solchen Gegenstand, eine solche Vorstellung hervorbringen? Es ist der Gipfel, die hoechste Spize, das Aeusserste von dem Aeussersten was der Meuchelmord wagen kan; es ist die blutigste Schandthat, die wildeste Unmenschlichkeit, der niedertraechtigste Streich, den jemals die starr-augichte Wuth den Thraenen des sanften Mitleidens dargestellt hat. Pembrok. Alle Mordthaten die jemals geschehen sind, werden durch diese entschuldiget; sie ist so einzig, so mit keiner andern zu vergleichen, dass sie die noch ungebohrnen Suenden der Zukunft rein und heilig, und einen jeden Menschen-Mord zu einem blossen Scherz macht, in Vergleichung mit diesem abscheulichen Spektakel. Faulconbridge. Es ist eine verfluchte That, eine gottlose That einer moerdrischen Hand, wenn es anders die That irgend einer Hand ist. Salisbury. Wenn es die That irgend einer Hand ist? Wir hatten eine Art von Licht, was erfolgen wuerde. Es ist die schaendliche That von Huberts Hand, die hierinn das Werkzeug zu dem Willen des Koenigs gewesen ist. Und hier, schwoere ich meine Seele von allem Gehorsam gegen ihn los, hier vor dem Ruin dieses anmuthigen Lebens kniend, und athme zu dieser athemlosen Vortreflichkeit den Weyhrauch eines Geluebdes, eines heiligen Geluebdes, dass ich eher von keinem Vergnuegen des Lebens kosten, eher keiner Freude und keiner Ruhe den Zutritt zu mir lassen will, bis ich diese ermordete Unschuld durch die feyrlichste Rache versoehnt haben werde. Pembrok. Bigot. Unsre Seelen bekraeftigen dein heiliges Geluebde! Sechste Scene. (Hubert zu den Vorigen.) Hubert. Milords, ich suche euch allenthalben mit feurigster Eile; Arthur lebt, und der Koenig sendet nach euch. Salisbury. O, er ist kuehn und erroethet nicht zu todt; hinweg, du verabscheuter Lasterbube, aus meinem Gesicht! Hubert. Ich bin kein Lasterbube. Salisbury. Muss ich dem Gesez zuvorkommen? (Er zieht seinen Degen.) Faulconbridge. Euer Schwerdt ist glaenzend, Sir, stekt es wieder ein. Salisbury. Nicht eher, bis ich ihm eines Moerders Haut zur Scheide gemacht habe. Hubert. Zuruek, Lord Salisbury; zuruek, sag ich; beym Himmel, mein Degen ist so scharf als der eurige; ich moechte nicht, Lord, dass ihr euch selbst vergaesset, oder die Gefahr meiner abgenoethigten Gegenwehr reiztet; oder ich moechte, von eurer Wuth aufgefodert, euern Werth, euern Adel und eure Groesse vergessen. Bigot. Hinweg, Misthaufe, unterstehst du dich einem Edelmann zu trozen? Hubert. Nicht fuer mein Leben; aber meine Unschuld untersteh ich mich gegen einen Kayser zu vertheidigen. Salisbury. Du bist ein Moerder. Hubert. Zwingt mich nicht es zu werden; izt, bin ich noch keiner; Wessen Zunge falsch redet, redt nicht wahr, und wer nicht wahr redt, luegt. Pembroke. Haut ihn in Stueken. Faulconbridge. Halte Frieden, sag ich. Salisbury. Auf die Seite, Faulconbridge, oder ich will dir die Haut abziehen. Faulconbridge. Du wuerdest leichter dem Teufel die Haut abziehen, Salisbury. Wenn du dich erkuehnst mich nur sauer anzusehen, nur deinen Fuss vorzusezen, oder ein unanstaendiges Wort gegen mich auszustossen, so schlag ich dich tod nieder. Steke deinen Degen bey Zeiten ein, oder ich will dich und deinen Bratspiess so zusammenpleuen, dass du denken sollst, der Teufel aus der Hoelle sey ueber dich gekommen. Bigot. Was willt du thun, ruhmvoller Faulconbridge? Einem Boesewicht beystehen, einem Moerder? Hubert. Lord Bigot, ich bin keiner. Bigot. Wer ermordete diesen Prinzen? Hubert. Es ist noch keine Stunde seit ich ihn gesund verlassen habe; ich ehrt' ihn, ich liebt' ihn, und ich will mein lebenlang den Verlust seines suessen Lebens beweinen. Salisbury. Trauet nicht diesem heuchelnden Wasser in seinen Augen; ein Boesewicht kan auch weinen, und eine lange Uebung macht, dass seine erzwungene Zaehren Stroeme des Mitleidens und der Unschuld scheinen. Folget mir alle, deren Seelen den unreinen Geruch eines Schlachthauses verabscheuen; ich erstike in den Ausduenstungen dieser Schandthat. Bigot. Hinweg nach Edmondsbury, zu dem Dauphin. Pembrok. Saget dem Koenig, dort koenn' er uns erfragen. (Die Lords gehen ab.) Siebende Scene. Faulconbridge. Das ist eine feine Welt; wisst ihr was um diese saubre Arbeit? Hubert, wann du diese That gethan hast, so reicht eine grenzenlose Guete nicht zu, dir zu vergeben. Hubert. Hoert mich nur an, Sir. Faulconbridge. Ha! ich will dir was sagen; du bist verdammt, so schwarz--Nein, nichts ist so schwarz, tiefer verdammt als Lucifer; es ist kein so scheusslicher Teufel in der Hoelle wie du seyn wirst, wenn du diss Kind umgebracht hast. Hubert. Bey meiner Seele-- Faulconbridge. Wenn du nur deinen Willen zu dieser Unmenschlichkeit gegeben hast, so verzweifle; und wenn du keinen Strik hast, so wird der duennste Faden, den jemals eine Spinne aus ihrem Leib gezogen hat, stark genug werden, dich zu erdrosseln; ein Rohr wird ein Balken werden, dich daran zu haengen; oder wenn du dich ersaeuffen willt, so giess nur ein wenig Wasser in einen Loeffel, und es wird soviel seyn als der ganze Ocean, zureichend, einen solchen Boesewicht zu erstiken. Du bist mir aeusserst verdaechtig. Hubert. Wenn ich durch That, Einwilligung oder nur durch die Suende eines Gedankens an dem Raub dieses anmuthsvollen Lebens schuldig bin, so moege die Hoelle selbst neue Qualen noethig haben mich zu martern. Er war wohl da ich ihn verliess. Faulconbridge. Geh, trag' ihn in deinen Armen fort. Ich bin ganz betaeubt, daeucht mich, und verliehre meinen Weg unter den Dornen und Gefahren dieser Zeit--Wie wenig Muehe brauchst du, ganz England aufzuheben! Aus diesem kleinen zerbrochnen Gehaeuse der rechtmaessigen Koenigs-Wuerde ist das Leben, der Friede, die Treue von diesem ganzen Koenigreich gen Himmel geflogen; und das verlassne England als ein Ding, das keinen rechtmaessigen Eigenthuemer hat, ist dem ueberlassen, der es zuerst zu paken kriegt. Der huendische Krieg straeubt nun, um den halbabgenagten Knochen der Majestaet, seinen zuernenden Kamm, und blaekt die Zaehne gegen die freundlichen Augen des Friedens. Nun stossen auswaertige Kriegsschaaren und einheimische Missvergnuegte in gerader Linie auf einander, und oede Verwuestung laurt, wie ein Rabe auf ein angestektes und gefallenes Stuek Vieh, auf den stuerzenden Fall des ueberwaeltigten Pomps. Nun ist derjenige glueklich, den sein Priester-Rok und sein Guertel vor diesem Ungewitter zu Hause bewahrt-- Tragt das Kind hinweg, und folget mir unverzueglich; ich gehe zu dem Koenig; tausend Geschaefte warten auf uns, und der Himmel selbst schiesst einen zuernenden Blik auf dieses Land. (Sie gehen ab.) Fuenfter Aufzug. Erste Scene. (Der Englische Hof.) (Koenig Johann, Pandolph und Gefolge treten auf.) Koenig Johann. Hiemit uebergeb ich in eure Hand diesen Cirkel meiner Koenigs-Wuerde. (Er giebt ihm die Crone.) Pandolph. Empfanget wieder aus dieser meiner Hand, als ein Lehen des Papsts, eure koenigliche Groesse und Autoritaet. Koenig Johann. Und nun haltet euer geheiligtes Wort; gehet den Franzosen entgegen, und bedienet euch aller Gewalt, die ihr von Sr. Heiligkeit habt, ihnen, eh sie unser ganzes Reich in Flammen sezen, die Grenzen zu versperren. Unsre missvergnuegten Grafschaften lehnen sich auf, unser Volk straeubt sich gegen seine Pflicht, und schwoert einem fremden Blute Treue und Unterwuerfigkeit. Dieser Schwall einer fieberhaften Schwaermerey kan von euch allein besaenftiget werden. Saeumet also nicht; denn die gegenwaertige Zeit ist so krank, dass sie, ohne die Huelfe schleuniger Arzneymittel, gar bald unheilbare Folgen nach sich zoege. Pandolph. Mein Athem war es, der wegen euers halsstarrigen Bezeugens gegen den Papst, dieses Ungewitter erregte; nachdem ihr euch aber auf eine so gluekliche Art veraendert habt, so soll eben dieser Athem, diesen Sturm des Kriegs wieder hinweg hauchen, und schoenes Wetter in euerm erschuetterten Lande machen. An diesem Auffahrts-Tage, erinnert euch dessen wol, geh ich, auf den Eid hin so ihr zum Dienst des Papsts geschworen habt, die Franzosen zu vermoegen, dass sie die Waffen niederlegen. (Er geht ab.) Koenig Johann. Ist heute Auffahrts-Tag? Sagte nicht der Prophet: An diesem Tage, zu Mittag, sollt ich meine Crone niederlegen? Was hab ich gethan; ich meynte, es sollte durch Gewalt geschehen, aber dem Himmel sey Dank, es geschah bloss freywillig. (Faulconbridge tritt auf.) Faulconbridge. Ganz Kent hat sich ergeben; nichts haelt sich noch als Dover-Castle; London hat wie ein freundlicher Wirth den Dauphin und sein Kriegsheer aufgenommen; eure Edeln wollen euch nicht hoeren, sondern sind im Begriff, ihre Dienste euerm Feind anzubieten; und die kleine Zahl eurer wankenden Freunde treibt wilde Betaeubung hin und her. Koenig Johann. War die Nachricht, dass Arthur lebe, nicht vermoegend, meine Lords zur Wiederkehr zu mir zu bewegen?