The Project Gutenberg EBook of Handbuch der deutschen Kunstdenkmaeler, Bd.1, Mitteldeutschland, 1914 by Georg Dehio This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at http://www.gutenberg.org/license Title: Handbuch der deutschen Kunstdenkmaeler, Bd.1, Mitteldeutschland, 1914 Author: Georg Dehio Release Date: October 4, 2006 [Ebook #19460] Language: German Character set encoding: US-ASCII ***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER DEUTSCHEN KUNSTDENKMAeLER, BD.1, MITTELDEUTSCHLAND, 1914*** [Mitteldeutschland] Handbuch der deutschen Kunstdenkmaeler, Bd.1, Mitteldeutschland, 1914 by Georg Dehio Draft Edition!, (October 4, 2006) Deutscher Verein fuer Kunstwissenschaft Georg Dehio Handbuch der Deutschen Kunstdenkmaeler Begruendet vom Tage fuer Denkmalspflege Erster Band Mitteldeutschland Zweite Auflage BERLIN Verlegt bei Ernst Wasmuth A.-G. 1914 INHALT _Vorwort._ _Verzeichnis der Abkuerzungen._ _a) Nach Begriffsgruppen._ _b) Nach dem Alphabet._ _A_ _B_ _C_ _D_ _E_ _F_ _G_ _H_ _I_ _J_ _K und C_ _L_ _M_ _N_ _O_ _P_ _Q_ _R_ _S_ _T_ _U_ _V_ _W_ _Z_ _Ortsverzeichnis_ _ geordnet nach Staaten und Verwaltungsbezirken._ _Kuenstlerverzeichnis._ [Blank Page] _VORWORT._ Die erste Auflage dieses Werkes erschien in fuenf Baenden in den Jahren 1905-1912. Ich beginne die zweite mit dem Ausdruck des Dankes an alle, die mich bei der Ausfuehrung der ersten unterstuetzt haben. Ihre Zahl ist so gross, dass ich sie nicht einzeln nennen kann. An der Spitze steht die Dankespflicht gegen Seine Majestaet den Deutschen Kaiser, der auf Antrag des Tages fuer Denkmalpflege durch Allerhoechsten Erlass vom 27. Maerz 1904 die finanzielle Grundlage des Unternehmens sichergestellt hatte. Die erste Anregung war von dem Unterzeichneten auf der im Jahre 1899 in Strassburg tagenden Generalversammlung der Deutschen Geschichtsvereine gegeben worden. Der erste Tag fuer Denkmalpflege, Dresden 1900, setzte die Eroerterung fort und erklaerte sich hinsichtlich der Wuenschbarkeit lebhaft zustimmend, die Ausfuehrbarkeit allerdings wurde mehrfach angezweifelt. Unter diesen Umstaenden musste ich selbst die Arbeit uebernehmen, wohl wissend, dass sie mich auf eine laengere Reihe von Jahren vollstaendig in Anspruch nehmen werde. Sie zu einem erspriesslichen Ende zu fuehren waere mir auch nicht moeglich gewesen ohne die treue und unermuedliche Unterstuetzung der mir beigegebenen Kommission. Sie bestand aus Hugo Loersch, Cornelius Gurlitt und Adolf von Oechelhaeuser. Fuer Loersch, dessen Tod wir im Jahre 1907 zu beklagen hatten, trat Paul Clemen ein. Die Jahre des Zusammenarbeitens mit ihnen werden mir stets in dankbarer Erinnerung bleiben. Jetzt mit der zweiten Auflage tritt das Handbuch unter die Fuersorge des Deutschen Vereins fuer Kunstwissenschaft. Die grundlegende erste Bearbeitung hatte notwendig das Werk eines einzelnen sein muessen; die nun folgende nachpruefende und ergaenzende Kleinarbeit ist nur denkbar in der Verteilung auf viele. Das Einfachste und Wirksamste waere, wenn die Herren Konservatoren es sich zur Gewohnheit machen koennten, bei ihren amtlichen Denkmaelerbesichtigungen und bei ihrer Kenntnisnahme von der lokalen Forschung stets einen Blick auf das Handbuch zu werfen und die ihnen noetig erscheinenden Berichtigungen und Nachtraege gleichlaufend einzuzeichnen. Auf diese Weise wuerde ohne besondere Muehewaltung, fast automatisch, die Sammlung des Materials sich bewerkstelligen lassen. Ausserdem wiederhole ich meine an alle Benutzer gerichtete alte Bitte, mich auf etwaige Irrtuemer oder Luecken, moegen sie auch noch so geringfuegig sein, aufmerksam zu machen. Sie werden damit den Dank aller anderen Mitbenutzer sich verdienen. Aus den zahlreichen im Laufe der Jahre mir muendlich oder schriftlich zugegangenen Beurteilungen entnehme ich, dass die Einrichtung des Buches sich bewaehrt hat, sie konnte somit ohne wesentliche Veraenderungen in die neue Auflage heruebergenommen werden. Vor allem hat es Zustimmung gefunden, dass das Handbuch unter Verzicht auf Vollstaendigkeit, die ein Vorrecht der amtlichen Inventare bleiben muss, nur Sichtung und Auswahl gibt. Welche Gegenstaende aufzunehmen, welche auszuschliessen seien, das wird immer erneuter Ueberlegung beduerfen, und ich bitte, auch in dieser Hinsicht mir mit Ratschlaegen fernerhin zu Hilfe zu kommen. Keinesfalls sollte der bisher erreichte Umfang der einzelnen Baende in Zukunft wesentlich anschwellen duerfen. Wenn dieses bei dem vorliegenden ersten Bande einigermassen dennoch eingetreten ist, so ist es eine Folge des gerade hier sehr starken Nachschubs der Inventare. Zur Zeit der ersten Auflage waren etwa zwei Fuenftel des Gebietes noch nicht inventarisiert, jetzt fehlen nur noch der bayrische Bezirk Oberfranken und wenige Aemter in Unterfranken und dem Koenigreich Sachsen. Eine Veraenderung, an deren beifaelliger Aufnahme ich nicht zweifle, besteht in der Einschraenkung der Abkuerzungen. Ganz zu entbehren waren sie nicht, wenn anders eine noch weitergehende Erhoehung der Seitenzahl vermieden werden sollte. Strittiger wird das Urteil ueber eine zweite Veraenderung sein: die Weglassung der Literaturangaben. Ich habe mich dazu erst nach langer Ueberlegung entschlossen. Die Gruende sind folgende: 1. Vollstaendigkeit ist von vornherein ausgeschlossen; soll aber nur eine Auswahl gegeben werden, so fehlt dafuer jede konsequent anwendbare Begrenzung. 2. Es kommt nicht selten vor, dass der wichtigste Beitrag zur Beurteilung eines Denkmals nicht in den von ihm handelnden Sonderschriften, sondern in einem allgemeinen Werke enthalten ist; die Nachweise so weit auszudehnen, wuerde aber in der Summe viel zu viel Raum in Anspruch nehmen. 3. Bei der Benutzung als Reisehandbuch besteht an den Literaturangaben kaum ein Interesse; tritt es bei der Arbeit im Hause ein, so wird ein Zurueckgreifen auf die Inventare nicht zu entbehren sein, und dort findet man ja regelmaessig auch die Literatur bereits verzeichnet. Die Bibliographie der deutschen Kunstgeschichte ist eine Aufgabe fuer sich, und zwar eine sehr umfassende; ihre Loesung kann nicht nebenher auch von diesem Handbuch verlangt werden. Dagegen hoffe ich, als wichtigsten Zuwachs dieser zweiten Auflage, wofern nicht zu grosse Schwierigkeiten sich einstellen, zum Schluss ein alle fuenf Baende zusammenfassendes Sachregister zu bringen. Die dem Bande vorangestellte kleine Karte beabsichtigt nichts, als eine summarische Orientierung zu geben. Sie beschraenkt sich auf Verzeichnung der Kreisstaedte, durch die im Text die Lage eines Ortes bestimmt wird. Weiterzugehen, saemtliche in dem Bande beschriebenen Orte -- es sind mehr als 2000 -- aufzunehmen, waere ein Ding der Unmoeglichkeit gewesen. Strassburg, 31. Dezember 1913. *G. Dehio.* [Blank Page] _VERZEICHNIS DER ABKUeRZUNGEN._ _a) Nach Begriffsgruppen._ *beg.* begonnen. *erb.* erbaut. *voll.* vollendet. *gew.* geweiht. *zerst.* zerstoert. *Rest.* *rest.* Restauration, restauriert. *Jh.* Jahrhundert. _In Verbindung damit_ *A.* Anfang, *M.* Mitte, *E.* Ende, *H.* Haelfte, *V.* Viertel. *bez.* bezeichnet. *I.* Inschrift. *rom.* romanisch. *got.* gotisch. *Ma.* *ma.* Mittelalter, mittelalterlich. *Renss.* *renss.* Renaissance _als Substantivum und Adjektivum._ *Bar.* *bar.* Barock, barock. *Rok.* *rok.* Rokoko, rokoko. _In Verbindung mit diesen Stilbezeichnungen._ *fr.* frueh, *sp.* spaet. *K.* Kirche *Kap.* Kapelle. *Klst.* Kloster. *Basl.* Basilika. *Hllk.* Hallenkirche. *Gr.* Grundriss. *Sch.* Schiff, *3sch.* dreischiffig. *Msch.* Mittelschiff. *Ssch.* Seitenschiff. *Qsch.* Querschiff. *Fig.* *Figg.* Figur, Figuren. *Lhs.* Langhaus. *Bg.* Bogen. *Ark.* Arkade. *Pfl.* Pfeiler. *Sl.* Saeule. *Kapt.* Kapitell. *Gwb.* Gewoelbe. *Epit.* Epitaph. *Quadr.* *quadr.* Quadrat, quadratisch. *Rck.* *rck.* Rechteck, rechteckig. *1/2 kr.* halbkreisfoermig. *5/8 Schluss.* Schluss aus fuenf Seiten des Achtecks. *N* *n* Nord, noerdlich. *S* *s* Sued, suedlich. *O* *o* Ost, oestlich. *W* *w* West, westlich. _b) Nach dem Alphabet._ *A.* Anfang. *Abb.* Abbildung. *Ark.* Arkade. *bar.* barock. *beg.* begonnen. *bez.* bezeichnet. *Bg.* Bogen. *bmkw.* bemerkenswert. *E.* Ende. *ehem.* ehemalig. *Epit.* Epitaph. *erb.* erbaut. *Fig.* Figg. Figur, Figuren. *fr.* frueh. *gegr.* gegruendet. *gest.* gestiftet. *gew.* geweiht. *got.* gotisch. *Gwb.* Gewoelbe. *Gr.* Grundriss. *H.* Haelfte. *h.* heilig. *Hllk.* Hallenkirche. *I.* Inschrift. *Jh.* Jahrhundert. *K.* Kirche. *Kp.* Kapelle. *Kapt.* Kapitell. *Klst.* Kloster. *1/2 kr.* halbkreisfoermig. *Lhs.* Langhaus. *M.* Mitte. *Ma.* *ma.* Mittelalter, mittelalterlich. *Msch.* Mittelschiff. *N* *n* Nord, noerdlich. *O* *o* Ost, oestlich. *Pfl.* Pfeiler. *quadr.* quadratisch. *Qsch.* Querschiff. *Rck.* *rck.* Rechteck, rechteckig. *Renss.* Renaissance. *Rest.* *rest.* Restauration, restauriert. *Rok.* *rok.* Rokoko, rokoko. *rom.* romanisch. *S* *s* Sued, suedlich. *1 sch.* *2 sch.* etc. einschiffig, zweischiffig etc. *Ssch.* Seitenschiff. *Sl.* Saeule. *sp.* spaet. *ursp.* urspruenglich. *V.* Viertel. *voll.* vollendet. *W* *w* West, westlich, *whgest.* wiederhergestellt. *zerst.* zerstoert. _A_ _ABLASS._ K. Sachsen AH Oschatz. *Dorf-K.* Der rechtwinklig geschlossene Chor mit rundbg. Fenster E. 13. Jh., seine Woelbung in spitzbg. Tonne 14. Jh. Wohlerhaltenes rom. SPortal, dessen 2 Saeulen mit zierlichen Blaetterkapitellen. Im uebrigen anspruchsloser Umbau in spaetester Gotik gegen M. 16. Jh. (mit Werkstuecken aus dem 1539 aufgeloesten Cisterc. Frauen-Klst. Soernzig) und A. 18. Jh. -- _Sakramentsnische_ um 1480; grosses _Holzkruzifix_ in kraftvollen Formen um 1560; _Altarkruzifix_ Meissener Porzellan bester Zeit. _ABTERODE._ RB Cassel Kr. Eschwege. *Pfarr-K.* Spgot. Seit 1809 Ruine. [*K.* des 1077 gegr. Benedikt.Klst. 1867 abgebrochen.] _ABTLOeBNITZ._ Pr. Sachsen Kr. Naumburg. *Dorf-K.* Wesentlich noch der rom. Urbau, flachgedecktes Schiff, stark eingezogener rck. Chor mit Tonnengwb., darueber der Turm. -- Spgot. _Schnitzaltar_ A. 16. Jh. _Kanzel_ in Renss.-Formen. _ABTSWIND._ UFranken BA Gerolzhofen. *Protest. Pfarr-K.* Spgot. mit juengeren Veraenderungen. Am WTurm sehr huebscher Bar.Helm, schlank mit doppelter Laterne und doppelter Kuppel. -- Bmkw. _Schnitzaltar_ um 1500; im Schreine grosses Relief der Pietas, kraftvoll und originell; auf den Fluegeln (kaum von derselben Hand) links Dorothea und Katharina, rechts Barbara allein; die Malerei der Aussenseiten, vielleicht aus Nuernberger Werkstatt, unrestauriert. -- Eine zweite, vollplastische _Pietas_. -- Reste von _Gaden_. -- Im Ort charakteristische _Hoftore_. _ACHELSTAeDT._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld. *Dorf.-K.* modern bis auf den rom. Turm an der SSeite, die Ausbildung der Schalloeffnungen faellt durch Guete der Arbeit auf. _ADELSBERG._ UFranken BA Gemuenden. *Pfarr-K.* Turm 1335, im Untergeschoss Sakristei. Langhaus 1732. _Altarblaetter_ von _G. M. Bolster_ 1737. Ueber dem Westeingang _Rotsandsteinfigur_ St. Laurentius um 1400. _ADELSBORN._ Pr. Sachsen Kr. Worbis. *Schloss.* Einfacher Renss.Bau mit 2 Ecktuermen. _ADELSHAUSEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen. *Dorf-K.* 1 sch. Lhs. 1484; der eingezogene, turmtragende quadr. Chor aelter. _ADOLFSECK_ siehe Fulda. _AHORN._ Sachsen-Coburg LA Coburg. *Pfarr-K.* Chor und OTurm 14. Jh., der hohe spitze Holzhelm des letzteren mit 4 Ecktuermchen 1627. Aus derselben Zeit das Lhs. mit geputzter Flachdecke. -- An den Chorwaenden _Bronzetafeln_ mit Wappen und Inschr., von Grabsteinen abgeloest. _Wandgrab_ (Sandstein) _des Wilhelm v. Streitberg_ 1616, vielleicht das beste Werk des in dieser Gattung vielbeschaeftigten Nuernbergers _Hans Werner_ (unter Mitwirkung seines Schwiegersohnes _Veit Duempel_ aus Altenstein). Wandgrab des _Wilh. Ludwig v. Streitberg_ {~DAGGER~} 1638, Holz in steingrauem Anstrich. *Schloss*. 4 Fluegel um einen Hof; der Vorderbau 1556, ausgebaut 1621 von W. v. Streitberg; kolossales Satteldach mit der Traufe nach vorn; maechtige runde Flankentuerme mit ueberkragendem 8eck. Aufsatz und Haubendach. _Mobiliar_ 17. und 18. Jh. _AIDHAUSEN._ UFranken BA Hofheim. *Dorf-K*. Chor im OTurm, Unterbau frgot. An der flachen Lhs.Decke gute Stuckatur um 1770. Gute _Holzfig._ des hl. Sebastian um 1560. Mehrere alte _Glocken_, eine mit Ave Maria 14. Jh., eine andere 1436. -- In der Naehe mehrere _Bildstoecke_. _ALACH._ Pr. Sachsen Kr. Erfurt. *Dorf-K*. 1405. 1sch. mit Achteckschluss. _ALBERSDORF._ UFranken BA Ebern. *Dorf-K*. Gutes Beispiel einer Spaetbarocklandkirche; um 1720; mit gutproportionierter Fassade. _ALBERSRODE._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K*. rom. Turm mit gekuppelten Schalloeffnungen zwischen spgot. 3/8Chor und dem Schiff von 1823, _Altarwerk_ mit Figuren, aussen Gemaelde von einem eigenartigen _Cranachschueler_. _ALBSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Kirchhain. *Dorf-K*. spgot., Chor aus 8Eck, im Schiff Holzgewoelbe mit skulpierten Schlusssteinen. Umbau fuer Emporen 1714. _ALEXANDERBAD._ OFranken BA Wunsiedel. *Brunnenhaus* 1782 von _Riedel_ nach "franzoesischer" Bauart. _ALITZHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen. *Dorf-K*. Got. Turm; Lhs. 1733. Gute Rok.-Einrichtung. Im Dorf _Bildstoecke_ von 1581, 1682 und um 1750 (gut). _ALKERSLEBEN._ Schwarzb.-Sondersh, LA Arnstadt. *Dorf-K.* westl. Teil 12. (?) Jh., oestl. Teil spaetgot. 16. Jh. _ALLENDORF_ b. Ober-Rottenbach Schwarzburg.-Rudolst. *Dorf-K.* _Schnitzaltar_ der Schule von Erfurt (?) M. 14. Jh. Ein _gleicher_ aus der Schule von Saalfeld 1485, Fluegel beiderseitig bemalt. _ALLENDORF_ a. Werra. RB Cassel Kr. Witzenhausen. *Stadt-K.* 1. H. 14. Jh. Ursp. 2sch. Halle, nach Brand 1637, bei welchem Gwb. und Pfll. zerstoert wurden (Anschluss der Kappen an die Schildwand noch sichtbar), 1sch. mit flacher Holzdecke hergestellt. Der 5/8Chor aus der Mittelachse nach S abgerueckt. Glockenturm in der Flucht der WFassade noerdl. am Sch. bez. 1427. 1898 durch _Schoenermark_ restauriert. *Wohnhaeuser* nach Brand 1638, in grosser Zahl klassische Beispiele des Fachwerkbaus. *Totenhalle* a. d. Friedhofe, interessanter Holzbau. *Ringmauern.* Ehemals doppelt. Die innere vollstaendig erhalten, 3 Tortuerme neuerlich abgebrochen. _ALLENDORF._ RB Cassel Kr. Kirchhain. *Kirche* huebscher Bau A. 18 Jh. _ALLENDORF._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen. Ehem. *Cisterc.-Nonnenklst.*, gegr. um 1270, Neubau spgot., jetzt zu laendlichen Gebaeuden vernutzt. -- Im Dorf alte _Fachwerkhaeuser_ -- Die Burg _Frankenstein_ ohne Spuren verschwunden. Jetzt kuenstliche Ruine (erb. 1888!). _ALLMENHAUSEN._ Schwarzb.-Sondersh. LA Sondersh. *Dorf-K.* bez. 1581. -- _Grabmal_ zweier Herren von Schlotheim 1589, 1619. _ALLSTEDT._ Sachsen-Weimar VB Apolda. *Stadt-K. S. Johannis*, 1775 ganz neu gebaut, 1sch. mit polyg. Chor, Emporen in 3 Raengen, grosser Kanzelbau ueber dem Altar. *S. Wigperti*, angeblich Gruendung des 9. Jh.; im Bauernkrieg zerstoert; der spgot. Chor als Wohnhaus umgebaut; erhalten der breite rom. Turm auf rck. Chor, im Obergeschoss an den Schmalseiten 1, an den Breitseiten 3 Kuppelfenster, deren feines Detail, z. B. jonische Kannelierung der Teilungssaeulchen, in auffallendem Gegensatz zu dem ganz kunstlosen Charakter des uebrigen steht; ist es vielleicht aus einem anderen Bauwerk verschleppt? *Rathaus.* Im Erdgeschoss spgot. Portal von 1472; das Uebrige 16. und 17. Jh; die Vertaefelung des Sitzungssaales 1672. *Schloss.* Auf der Stelle der zuerst 979 genannten kaiserl. Pfalz; zuletzt bewohnt 1200 vom Staufer Philipp; dann in die Haende der Landgrafen uebergegangen. Der jetzige, noch immer sehr ausgedehnte Gebaeudekomplex aus dem sp.Ma. und der Renss.; massvoll rest. Das Obergeschoss des hinteren Schlosses hat E. 17. Jh. eine sehr reiche Ausstattung empfangen, von welcher die Stuckdecken, aus freier Hand modelliert, erhalten sind (aehnlichen Charakters wie in Schloss Eisenberg); ferner ein Kamin, gusseiserne Ofenplatten, mehrere Moebel; Porzellane und Tapeten aus 18. Jh.; reizender Ofenschirm von 1720. _ALMSDORF._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Kirche * spaetrom. breitrechteckiger WTurm mit gekuppelten Fenstern und 2 schlanken Spitzhelmen, deren Dachstuhl interessant verstrebt ist. Das Schiff ist mehrfach erneuert, unbedeutend, die alte Apsis abgebrochen. Aussen 2 Inschr. ueber Grundsteinlegung 1307 in Minuskeln, ueber eine (Almosen) Stiftung 1377 in Majuskeln. *Steinkreuz* mit Schwert. _ALSBERG._ RB Cassel Kr. Gelnhausen. *Kap. zum hl. Kreuz*, gegr. 1513 durch die Herren v. Hutten als Begraebnisstaette; kleiner rck. Bruchsteinbau, flachgedeckt, polyg. Chor, deformiert, wenn auch im Kern alt. -- _Hochaltar_ E. 17. Jh. _ALSLEBEN_ (Stadt). Pr. Sachsen Mansf. Seekreis. *Stadt-K*. neu; alt (rom.) nur der, uebrigens formlose, Turm. _ALSLEBEN_ (Dorf). Pr. Sachsen Mansf. Seekreis. Die vorm. *Kloster-K*. abgetragen. Ein rom. _Tympanon_ (Loewe und Drache durch einen Palmenbaum getrennt) nach Gernrode gebracht. Ebendort ein merkwuerdiger rom. _Taufstein_, 8seitig, mit rohen Reliefs. _ALTBESSINGEN._ UFranken BA Karlstadt. *Pfarr-K*. Bezeichnender Bau der Juliuszeit, rest. 1791 (klassizist. Stuckaturen). Einheitliche _Altarausstattung_ um 1690. _Geraete_ augsburgisch, von _F. X. Stipeldey_. _ALT-BURXDORF._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda. *Dorf-K*. Fruehgot. Ziegelbau M. 13. Jh. unter Einfluss von Klst. Gueldenstern, reizvoll durch schlichte, tuechtige Durchbildung. Schiff u. rechteck. Chor mit Holzdecken. Im Ostgiebel 3 spitzbg. Fenster, darueber Kreuzstabfries, die Giebel abgetreppt mit vortretenden Anfaengern. -- _Holzbildwerke_ des spgot. Altars. _ALT-CHEMNITZ._ K. Sachsen AH Chemnitz. *Dorf-K*. rom. Portal 13. Jh. _Altarwerk_ A. 16. Jh. _ALTENBACH._ K. Sachsen AH Grimma. *Dorf-K*. rom. Chor eingezogen quadr. und 1/2kr. Apsis. Rest. 1695 und 1838. -- Holzfigg. von einem spgot. _Fluegelaltar_. _ALTENBERGE._ Sachsen-Altenburg LA Roda. *Dorf-K*. spgot. -- Stattliches _Epitaph_ aus Stuck fuer A. L. v. Schwarzenfels {~DAGGER~} 1730. Im Herrenstuhl reich dekorierter _Ofen_ aus Gusseisen A. 17. Jh. _ALTENBEUTHEN._ Pr. Sachsen Kr. Ziegenrueck. *Dorf-K*. mit rom. OTurm, Sakristei 14. Jh. Schiff 18. Jh. Einfacher rom. _Taufstein_. _ALTENBURG._ Hauptstadt von Sachsen-Altenburg. *Unterkirche (S. Bartholomaei)*. Von den Hussiten 1430 zerstoert, 1459 wiederhergestellt; 1877 rest. und zum Teil (die ganze SSeite) umgebaut. 3sch. Halle mit schmalen Sschiffen (was fuer die vermutete Benutzung des aelteren Chors im 13. Jh. sprechen wuerde) und ungewoehnlichem oestl. Abschluss: das Mschiff schliesst mit 5 Seiten des 10Ecks ohne Vorchor, die Sschiffe abgeschraegt. WTurm 1668 (als Ersatz fuer eingestuerzte Doppeltuerme). -- Unter dem suedl. Ssch. als Ueberrest einer rom. K. weit kleineren Massstabes eine Krypta; quadr. mit 4graetigen Kreuzgewoelben zwischen rck. Gurten; die Mittelstuetze aus 4 derben Rundpfeilern gebuendelt; anschliessend 1/2kr. Apsis; das Detail deutet auf 12. Jh. *Oberkirche (Franziskaner)*. 1sch. Anlage vor 1238, sehr schlicht behandelt, Veraenderungen A. 16. Jh. *Bergerkloster (Augustinerchorherren)* gew. 1172; durch Brand 1588 zerstoert; jetzt nur die 2 WTuerme und wenige Reste des Lhs. erhalten. Backsteinrohbau mit Sandsteindetails oder Nachahmung von Sandsteinmotiven in Backstein. Die Backsteine scharriert aehnlich wie an den aeltesten Backsteinbauten an der Weser (Verden) und in Holstein. Ursp. eine regelmaessige kreuzf. Basilika im gebundenen System gewoelbt. Die hohen Tuerme haben in ihren 3 Obergeschossen jederseits 1 Paar gekuppelter Fenster, breite Ecklisenen und Stockwerkteilung durch Bogenfriese. Von der ehemaligen *Nikolai-K*. nur der breite WTurm uebrig, rom., mehrfach umgebaut. *Rathaus 1562-1564* vom weimarischen Hofbaumeister _Nik. __ Grohmann_; gehoert zu den kuenstlerisch bedeutendsten Rathaeusern der deutschen Renaissance; 1663 renoviert. Gr. annaehernd quadr. Die Komposition der Hauptfront erinnert an das Rathaus in Saalfeld: in der Mitte ein 8eckiger Treppenturm, im Gr. mit 5 Seiten vortretend, oberhalb des Dachgesimses allseitig frei werdend und das Gebaeude weit ueberragend; Kroenung mit einfacher welscher Haube; im Erdgeschoss 4eck. Vorbau mit Balustrade. Das Hauptgebaeude traegt ein maechtiges Pyramidendach. Demselben vorgelagert (Zusatz um 1580) an der OSeite zwei Zwerchhaeuser. Weiterer Schmuck: zwei Eckerker und mehrere Portale in italisierenden Formen. Am NOErker ein _Fries_ mit nackten Knaben, an Donatellos Altarwerk in Padua erinnernd; der entsprechende Fries des NWErkers hat in Flachbogenfeldern die Halbfiguren der damals lebenden Glieder des Fuerstenhauses. Die Fenstergewaende gotisierend, das Dachgesims im Verhaeltnis zu sonstigen deutschen Bauten der Zeit ungewoehnlich hervorgehoben: das Motiv des dorischen Frieses allerdings missverstanden. -- Inneres. Im Obergeschoss Vorsaal von maechtiger Erscheinung, durch 3 Holzsaeulen in 2 Schiffe geteilt; Einfassungen der Tueren aus Stein. *Amtshaus* 1725. *Magdalenenstift* 1665 als herzogl. Witwensitz. *Wohnhaeuser* aus 16. Jh.: Hillgasse 5, Markt 17, 73, Sporrengasse 2; aus 17. Jh.: Tiefstr. 12, Brudergasse 7, Schmoellersche Str. 14b; 18. Jh.: Johannisstr. 7, 16, Moritzstr. 6, Tiefstr. 2 und besonders stattlich das v. Seckendorffsche Haus am Bruehl 1724. *Herzogl. Schloss.* Im 11. und 12. Jh. Kaiserpfalz. Der jetzige sehr grosse Komplex aus 15.-18. Jh. -- _Schlosskirche_ (mit Kollegiatstift). Im Unterbau Reste aus 12. Jh.; Chor 1 H. 15. Jh.; Lhs. 2. H. Der Chor stark betont: 4 Langjoche und 5/12-Schluss; das 1sch. Lhs. nur 2 Joche. Der Chor aussen mit ueberaus reicher, wenn auch handwerkmaessig trockener Dekoration der Streben. Das innere ohne hoeheren architektonischen Gehalt, aber malerisch von grosser Wirkung, wozu die 1645 ff. ausgefuehrten Emporen und sonstigen Ausstattungsstuecke wesentlich beitragen. Im _Hochaltar_ Grablegung Holz bez. CTR 1647. Das _Chorgestuehl_ (1516, ueberarbeitet 1576) gerade in seiner Stilmengerei nicht ohne Reiz; prachtvolle _Orgel_ 1735 von _G. H. Trost_; _Kanzel_ 1595; _Grabmal_ des Markgrafen Wilhelm II. ({~DAGGER~} 1425) ursp. freistehende Tumba; _Grabplatte_ der Kurfuerstin Margarethe ({~DAGGER~} 1486) Bronze, die lebensgrosse Figur graviert, der Rahmen in flachem Relief, mit grosser Wahrscheinlichkeit als Jugendwerk _Peter Vischers_ anzusprechen. Auch unter den uebrigen Grabplatten und Gedenktafeln manches Gute. -- _Hauptschloss_. Der von den Zeitgenossen geruehmte Bau Friedrichs des Weisen (seit 1518) durch die Bauten von 1606 ff. und 1706 ff. grossenteils beseitigt. Von 1530 (?) der Rest der Hofgalerien im N der Kirche; interessante Verdeutschung roemischer Vorbilder; im Erdgeschoss Rundboegen auf toskanischen Rustikasaeulen, in den folgenden Geschossen von sukzessive abnehmender Hoehe Korbboegen, zuletzt jonische Saeulen. Die jetzige Haupterscheinung bedingt durch den Umbau 1706 bis 1744; Architektur von _G. S. Vater_, Malereien von _J. H. Ritter_, Stuckaturen von den Bruedern _Castelli_; der Brand 1864 hat im Innern vieles beschaedigt. Von den sonstigen Baulichkeiten hervorzuheben das _Schoenhaus_, ein Kasino im Sinne roemischer Gaerten. _ALTENBURG_ b. Bamberg OFranken. Auf den Ruinen der historisch denkwuerdigen *Burg* moderner Phantasiebau. _ALTENBURG._ RB Cassel Kr. Melsungen. *Burgruine.* Rundturm von 1388. _ALTENBURG_ b. Naumburg, Pr. Sachsen. Spuren der 1010 zerstoerten *Burg* des Markgr. Gunzelin. _ALTEN-DAMBACH._ Pr. Sachsen Kr. Schleusingen. *Dorf-K.* 1617 aehnlich Hinternah. _ALTENDORF._ RB Cassel Kr. Wolfhagen. *Dorf-K.* 18. Jh. mit spaetgot. Turm. Befestigter. Kirchhof, Wehrgang, Scharten. _ALTENGOeNNA._ Sachsen-Weimar VB Apolda. *Dorf-K.* des 17. Jh. -- _Schnitzaltar_ um 1500, einer der besten des Gebietes, auch gut erhalten. _ALTENGRONAU._ RB Cassel Kr. Schluechtern. *Wasserburg* mit 4 Ecktuermen, alter Huttenscher Sitz. _ALTENHASSLAU._ RB Cassel Kr. Gelnhausen. *Martins-K.* (reformiert), im Kern 1 H. 13. Jh. Lhs. quadr. flachgedeckt; im O starker Turm; dessen gewoelbtes Erdgeschoss als Altarhaus. -- Innere Ausstattung 1752. *Lutherische K.* 1724 aus einem Jagdzeughaus aptiert. *Amtshaus* bez. 1593 und 1684. _ALTENHOF._ K. Sachsen AH Doebeln. *Dorf-K.* rom. Lhs. rck. 9: 10,5, Chor eingezogen quadr. mit Apsis, auch noch einige Detailsrom. -- Schoener _Kelch_ A. 16. Jh. _ALTENKUNDSTADT._ OFranken BA Lichtenfels. *Pfarr-K.* spgot. ursp. Hallenbau, spaeter die Pfeiler ausgebrochen und Holztonne; Chor bar. auf got. Fundament; Anzahl _Grabsteine_ aus 16. Jh. _ALTENRODA._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* WTurm und Ostchor gotisch, unbedeutend, das Schiff nach "der Architektur und Direktion" des Pfarrers _H. G. Zincke_ 1718, der seit 1711 mehrere Kirchen (Grosswangen, Wippach) gebaut. _ALTENSCHOeNBACH._ UFranken BA Gerolzhofen. *Prot. Dorf-K.* Polygonchor und Turm (SO) mit Krypta (Beinhaus) von 1496; Lhs. um 1600 erweitert, an der bemalten Balkendecke viele Wappen des fraenkischen Adels. -- _Epitaphe_ der Frh. v. Crailsheim und Geier; hervorzuheben das in Kunststein gefertigte altarartige des Georg Wolf von Crailsheim und seiner Schwester Anna Maria um 1600. *Burg* der Crailsheim spaetmittelalterliche Wasseranlage mit quadr. Bergfried und polyg. Bering. _ALTENSTEIN._ Sachsen-Meiningen Kr. Salzungen. *Schloss*. Neubau 1889. Bmkw. Kunstsammlung. Von der ma. Burg schwache Spuren. Der Park eine einheitliche Anlage von 1798-1803 und fuer diese Zeit bezeichnend; chinesisches Haeuschen, aber auch schon Ritterkapelle, Sennhuette, Aeolsharfe. Schoene steinerne Halbrundbank mit Bueste der Herzogin Charlotte Amalie 1801. _ALTENSTEIN._ UFranken BA Ebern. *Ehem. Dorf-K.* (ausser Gebrauch). Erb. 1561. Seltenes Beispiel einer intakten Renss.-Kirche kleinen Massstabes. *Burgruine.* Das maechtige, weithin sichtbar gelegene Stammschloss der Stein zum Altenstein. Zeitweise Sitz von 7 Einzelfamilien. In dem von einem tiefen Graben umschlossenen Mauerring noch grosse Reste einer starken Renss.-Befestigung (2 grosse Tortuerme), sowie ein maechtiger sprom. Bergfried (quadratisch, mit Bossenquadern; 13. Jh.), ferner Fragmente der stattlichen Burgkapelle aus 2. H. 15. Jh. _ALTENSTEIN._ RB Cassel Kr. Melsungen. *Ehem. Schloss*, jetzt Foersterhaus. Die aeltesten Teile der Ruine nach 1438. Wohnbau bez. 1620. _ALTERSHAUSEN._ Sachsen-Koburg LA Coburg. *Dorf-K.* Spgot. Anlage, 1sch. mit quadr. turmtragendem Chor. _ALTHAUSEN._ UFranken. BA Koenigshofen. *Dorf-K.* Chor im OTurm, mittelalterlich, 1573 erhoeht; Langhaus 1693. -- _Deckengemaelde_ (Triumph des Kreuzes) von _Joh. Peter Herrlein_, gegen 1777. _ALTHOeRNITZ._ K. Sachsen AH Zittau. *Schloss* 1650-54 von Meister _Valentin_ in Zittau fuer den Zittauer Buergermeister Chr. v. Hartig. Die Anlage des stattlichen und grosszuegigen Gebaeudes steht in den Hauptmotiven in der Tradition der deutschen Renaissance; 3geschossiger Hochbau auf 3eck. Gr.; 2geschossige, kraeftig und zugleich fluessig gegliederte Giebel, je 2 an den Langseiten, 1 an den Schmalseiten; 1 starker Eckturm (der zweite neu; die alte Wendeltreppe lag im Innern). _ALTJESSNITZ._ Pr. Sachsen Kr. Bitterfeld. *Dorf-K.* In der Anlage rom. Der spgot. _Schnitzaltar_ von den besseren. _ALTMUeGELN._ K. Sachsen AH Oschatz. *Dorf-K.* Aeltester Teil der Turm, 1850 umgebaut. Chor und Langhaus unter B. Johann VI. von Meissen (1487-1512). Lhs. als 3sch. Halle geplant; Pfl. unausgefuehrt; jetzt Flachdecke, mit Malereien von 1720. Im 1sch. 3/8Chor reiches Netzgwb. -- Bmkw. _Grabdenkmaeler_ 1536, 1579. _ALTOSCHATZ._ K. Sachsen AH Oschatz. *Dorf-K.* Gemengbau aus Spgot. und Bar. Der im O anschliessende Rundbau alter Karner (?) -- Stattliche ren. _Grabdenkmaeler_ aus Dresdener Werkstatt 1578, 1599; geringer das von 1620; charakteristische Zopfarbeit 1785. [Spgot. Fluegelaltar im Dresdener Altert. Ver. Inv. Nr. 95, 96.] _ALTSCHOeNFELS._ K. Sachsen AH Zwickau. *Burg.* Kap. auf qu. Gr. in den Formen des 15. Jh. -- Ausstattung 17. Jh. Im Hof Holzgalerien, im Innern spgot. geschnitzte Balkendecken auf reich behandeltem Staender. In der *Dorf-K.* _Altarwerk_ um 1500 und _Grabsteine_ der v. Wilkau A. 17. Jh. _ALTSTADT._ K. Sachsen AH Pirna. *Dorf-K.* 1sch. mit plattem Chor und Holzdecke, ursp. wohl sprom. Basilika, von welcher am OGiebel noch Reste erhalten; die Einzelheiten an die Nikolai-K. in Dippoldiswalde erinnernd. Unterspitzer Triumphbg. und 1/2kr. Oeffnungsbgg. der ehemaligen Seitenapsiden. -- _Altarwerk_ 1664. Reste eines spgot. _Schnitzaltars_ auf dem Kirchenboden. _ALTZELLE._ K. Sachsen AH Meissen. *Cisterc.-Klst.* (Ruine). Aeltestes und baugeschichtlich wichtigstes der Markgrafschaft. Gegr. 1162, 1175 die Wohngebaeude bezogen, 1198 Weihung der K., 1339 Andreas-Kap., 1506 Rest. saemtlicher Hauptgebaeude, 1540 Aufloesung des Klst., 1599 Blitzschlag und Verfall. -- _Kirche_. Erhalten nur 2 Bruchstuecke der WWand; fruehestes Zeugnis des Backsteinbaus in diesem Gebiet (an der mit Haustein gemischten Technik glaubt Stiehl einen italienischen Werkmeister zu erkennen). An Stelle des alten Chors 1787-1804 Mausoleum in nuechtern klassizistischen Formen. -- Kreuzgang und Klostergebaeude (wie in Maulbronn) auf der NSeite; im weiteren Umkreis Kapellen (ehedem 16) und Wohn- und Wirtschaftsgebaeude. Am besten erhalten das Tor der Ringmauer und das Winter-Refektorium. _Das Tor_; rom.; bedeutende Abmessungen; Gewaende (ueber 1 m im Boden) dreimal abgetreppt; Basaltquadern mit Bruchsteinfuellung, Archivolten Backstein mit Basaltrundstaeben, Basaltsaeulen mit Wuerfelkapitellen. _Winter-Refektorium_ (jetzt Kuhstall), westl. vom Kreuzgang und in gleicher Flucht mit dem Paradies der Kirche. Werkstoff Backstein. Anlage aehnlich Maulbronn. Niedrige in 2 Sch. kreuzgewoelbte Halle, 4 Sll. mit frgot. Basaltkaptt und 1 Pfeiler. Rundbg. Doppelfenster. An der sonst glatten WWand Strebepfeiler aus Backstein, an der OWand die frgot. Konsolen und rundbg. Schildbogen des ehem. Kreuzgangs. Das spgot. (1506) erneuerte Obergeschoss ein holzgetaefelter Saal mit grossen Vorhangbg. -- _Andreas-Kap_. (Wettinisches Erbbegraebnis) an der SWEcke der K. nur in den quadr. Grundmauern erhalten. -- Vom _Sommer-Refektorium_ auf der NSeite des Kreuzgangs die WWand mit 4 hohen schmalen spitzbg. Fenstern; [die 2 steinernen sprom. _Portale_ in die Stadt-K. von Nossen uebertragen]. Das _Kapitelhaus_ an der OSeite war ein rom. Steinbau. -- _Skulpturen_: a) im Mausoleum 4 wettinische Hochrelief-Grabplatten um 1300, prachtvolle frgot. Gewoelbeschlusssteine, Reste von hoelzerner Altarplastik um 1500 [ein vollstaendiger Fluegelaltar in Gleisberg]; b) im Abtshaus 2 Grabplatten A. 15. Jh.; c) im Garten got. Betsaeule um 1300. _ALZENAU._ UFranken BAmtsstadt. *Pfarr-K.* 1780; Burg 1386, hohes got. Wohngebaeude. _AMALIENRUHE_ b. Meiningen. *Herzogl. Gutshof*. Reichere Rok.-Einrichtung um 1760-70. _AMMELSHAIN._ K. Sachsen AH Grimma. *Dorf-K.* rom., eingezog. quadrat. Chor mit Turm und Apsis, im Turm gekuppelte spitzbg. Fenster. _AMMERBACH._ Sachsen-Weimar VB Apolda. *Dorf-K.* mit rom. OTurm ueber dem Altar. Grosses spgot. _Altarwerk_ mit Doppelfluegeln. _AMMERN._ Pr. Sachsen Kr. Muehlhausen. *Dorf-K.* modern. Bmkw. _Taufstein_ A. 14. Jh. _AMOeNEBURG._ RB Cassel Kr. Kirchhain. [*Kathol. K.* Neubau 1865 an Stelle einer schlichten got. Hallenkirche aus sp. 14. Jh., wobei der alte Turm erhalten blieb.] *Schloss.* Erb. von Kurmainz im 13. u. 14. Jh. Zerst. 1646, 1762, 1866. Noch immer grossartige Ruine. _AMORBACH._ UFranken BA Miltenberg. *Benediktinerabtei-K.*, jetzt protestant. 1742-47 ausgefuehrt als Umbau einer rom. K. Aus dieser der WBau und die Umfassungsmauern des Lhs. beibehalten. Der WFront eine Barockfassade vorgeblendet. Unberuehrt rom. die 3 Freigeschosse der Tuerme, etwa 2. H. 12. Jh., stattliche Abmessungen, Detail ohne Feinheit. -- Der neue Plan vom kurmainzischen Hofarchitekten General _v. Welsch_, ausgefuehrt vom Faehnrich _Schick_, der anscheinend auch einige Umaenderungen vornahm. Kreuzfoermige Basilika von 4 Joch im Lhs. Die breiten Pfll. mit gepaarten Pilastern besetzt. Tonnengwb. mit Stichkappen ohne Gliederung. In der Schildwand Kreisfenster. Die Profile durchweg von maessigem Relief. -- Im Chor setzt sich das System des Lhs. in 2 Joch fort, Schluss 1/2kr. -- Das Bedeutendste an der K. ist die in unuebertroffenem Gleichmass der Gesamtwirkung durchgefuehrte Dekoration. Sie rueckt den Bau in die erste Reihe der deutschen Rokokokirchen. Die _Stuckierung_ von _J. M. Feichtmayer_ und _Gg. Uebelher_. (Beide aus der Wessobrunner Schule, ersterer in Augsburg ansaessig, letzterer vorher in den "reichen Zimmern" der Muenchener Residenz und der Klst.K. Diessen taetig). Sie vertritt die deutsche Nuance des Rokoko. Die Farbe ist weiss, hie und da durch gelb und gold belebt, die Pilaster aus blassrot gestreiftem Stuckmarmor. Eine wichtige Rolle ist den _Deckengemaelden_ zugewiesen; voll. 1749 von _Math. Guenther_ aus Augsburg (einem Schueler der Asam, auch von Tiepolo beeinflusst; bedeutendster deutscher Freskomaler des 18. Jh.); im einzelnen fluechtig und maniriert, stupend sicher in Massenverteilung und Perspektive, der lichten Haltung des Ganzen trefflich angepasst. Die Seitenaltaere stehen zum Glueck nicht an den Schiffspfeilern, sondern an den Seitenwaenden unter den Fenstern; die antitektonische Tendenz des Rokoko spricht sich in ihnen sehr unumwunden aus; einige sehen aus wie aus Korallenriffen aufgebaut. Ausgefuehrt (bis nach 1760) von Kuenstlern aus Wuerzburg. Ebendaher die _Kanzel_ von _Joh. Wolfg. van der Auwera_ und die prachtvollen _Abschlussgitter_ des Lhs. von _Gattinger_. Verhaeltnismaessig sehr einfach die _Chorstuehle_; ein Teil soll zu Beichtstuehlen in der kathol. Pfarr-K. umgearbeitet sein. *Klostergebaeude*. An die rom. Epoche erinnert eine kleine Tuer im 2. Geschoss der SWand des suedl. Turmes, sie fuehrte in einen Korridor ueber dem Kreuzgang. Aus letzterem 20 Saeulchen von trefflicher Arbeit, E. 12. Jh., erhalten. Die Hauptgebaeude aus 17. und 18. Jh. (jetzt Residenz des Fuersten von Leiningen) gross, ohne spezielleres Interesse. Im Innern bmkw. der Bibliotheksaal von ca. 1790. *Kathol. Pfarr-K*. 1752-54. Ein stattlicher 3sch. Bau in dem im Rok. selten angewandten Hallensystem, aehnlich S. Peter in Mainz, beide vermutungsweise von _Jos. Val. Thoman_; das Aeussere in Quadern von rotem Sandstein, durch Doppelpilaster gegliedert, von guter Wirkung die mit der Chorapsis gruppierten Tuerme. _Deckengemaelde_ von _Zick_. Die trefflichen _Skulpturen_ des Hochaltars von _Joseph Keilwerth_ aus Wuerzburg (einem sonst unbekannten Kuenstler); besonders der h. Sebastian durch feine Empfindung und ehrliches Naturstudium ueber die Masse der zeitgenoessischen Produktion hervorragend. -- *Klostermuehle* 1448. (Inschr.) *Kurmainzisches Amtshaus* mit dem Wappen der Erzbischoefe Dither v. Isenburg und Berthold v. Henneberg (1475-1504). _AMORSBRUNN_ bei Amorbach. UFranken. *Kapelle.* 1521. Geschnitzter _Fluegelaltar_ mit der Wurzel Jesse, recht gute Arbeit um 1500. _AMSDORF._ Pr. Sachsen Mansf. Seekreis. *Dorf-K.*, rom. Turm zwischen Schiff und Apsis. _ANNABERG._ K. Sachsen Amtshauptstadt. *Anna-K.* 1499-1520. Hauptbaumeister _Peter von Pirna_ (?), seit 1515 _Jakob von Schweinfurt_. -- 3sch. Halle von 7 Joch auf 56 m L., oestl. Schluss in 3 parallelen polyg. Apsiden. Die Sschiffe sind fast ebenso breit wie das Msch., doch sind die Strebepfll. durchaus nach innen gelegt und zwischen sie steinerne Emporen von ca. 2,5 m Tiefe eingespannt; die oberhalb ihrer eintretende Raumerweiterung von origineller Wirkung; die Fenster in 2 Geschosse geteilt. Noch eigentuemlicher die querschiffartige Erweiterung im vorletzten Joch, wo im N und S im Erdgeschoss geschlossene Sakristeien und ueber ihnen gegen das Sch. geoeffnete Kapp. Die Unregelmaessigkeiten durch schraege Stellung der WWand und den im SW einspringenden Turm werden im Innern durch eine das ganze erste Joch einnehmende Empore ausgeglichen. Breite: Hoehe = ca. 25: 20, die Pfll. sehr schlank, mit einem Abstand von ca. 8,3 m. Die Decke mit Beseitigung aller Erinnerung an das Kreuzgwb. moeglichst als Einheit behandelt; hergestellt von _Barthel v. Durbach_ und _Conrad v. Buttigen_ (_Buedingen?_). Ihre Rippen, auch in der Grundrissprojektion gekruemmt (sog. "gewundene Reihungen", fuer die saechsische Architektur dieser Zeit bezeichnend), wirken wie ein Geflecht von Weidenruten; ihre Ansaetze an den Pfll. mit gesuchter Willkuer in ungleichen Hoehen, auf ihren Knotenpunkten phantastisch geformte Schlusssteine. Noch raffiniertere Kluegeleien am Gwb. der suedl. Sakristei. Ausgepraegte Spitzbgg. sind ueberall vermieden. Die Fenster schmal, hoch, nur 2teilig und mit einfachen aber ganz schlaffen Fischblasen. Das Aeussere von fast aermlicher Schlichtheit; Strebepfll. nur am Chor; ihre Abdeckung geschweift. Die kuenstlerische Absicht des stilgeschichtlich wichtigen Gebaeudes ist nur im Innern zu erkennen; sie geht auf Schaffung eines weiten, uebersichtlichen, rhythmisch wenig bewegten Raumbildes bei Unterdrueckung der "organischen" Strukturformen. Reich und wertvoll der mit der Architektur zugleich entstandene plastische Schmuck, jedoch in freierem Verhaeltnis zu den Strukturformen, als in der echten Gotik. -- Die "_schoene Tuer_" am noerdl. Ssch. (bez. 1512 H W; 1597 vom Franziskaner-Klst. hierher versetzt); die Archit. auf wenige Glieder beschraenkt; den unteren Teil flankieren, auf ueberaus kuenstlich zusammengesetzte Postamente gestellt, die aus freien Ranken sich entwickelnden Reliefbilder des h. Joachim und der h. Anna, darueber zwei Engelsfigg. mit dem Wappen Herzog Georgs und seiner Gemahlin; im Hauptfeld ueber dem Tuersturz die Dreieinigkeit, der Gekreuzigte vor dem Schosse des Vaters, umgeben von 9 Engeln (Anspielung auf die 9 Choere), tiefer der h. Franz und die h. Clara; in der Kroenung Moses, Johannes, Adam und Eva, ueber der Giebelblume der Pelikan. Die ebenso klare als freie Komposition, die Energie der sehr persoenlichen Stilisierung, der poetische Schwung der gegenstaendlichen Auffassung bringen dies Werk dem Besten der zeitgenoessischen deutschen Kunst nahe. Stil und Signatur erweisen die Identitaet mit dem Meister des Hochaltars in Borna und der Ebersdorfer Pulthalter im Dresdener Museum. -- _Tuer der "alten" Sakristei_; vollendet 1518 in der Zeit der Bauleitung durch Jakob v. Schweinfurt. Erstes groesseres Werk der Renss. in Obersachsen; Formcharakter venezianisch, got. Erinnerungen fast ganz unterdrueckt, wenn auch der neue Stil noch nicht ganz verstanden; der plastische Schmuck steht dem der "schoenen Tuer" nahe, besonders frei und gluecklich die Familienszene zwischen Anna und Maria. -- Von derselben Hand oder mindestens aus derselben Werkstatt der _Taufstein_ (ehemals im Cisterc.-Kl. Gruenhayn); Sandstein, jedoch in genauer Nachahmung eines Buckelkelchs; am Nodus schwebende nackte Engel, am Fuss Taufkinder. -- Die 100 Felder der _Emporenbruestung_ (1514-1517) mit Reliefs von _Franz von Magdeburg_; die ausfuehrlichste Illustration des Neuen Testaments, die je in monumentaler Form versucht worden; ferner die Lebensalter. -- _Stuhlwerk_ von 1526, nicht mehr vollstaendig. -- _Singechor_ 1688 von _J. H. Boehme_. -- _Kanzel_ 1516, noch rein got. _Altaere_. a) Hauptaltar. 1522 von _Adolf Dowher_ (Daucher) in Augsburg angefertigt, die architektonischen und ornamentalen Teile vielleicht nach Entwurf _Peter Floetners_; entschieden gewollte aber noch nicht ganz geklaerte Renss.; Archt. aus mehrfarbigem Marmor, Figg. aus Solenhofer Kalkstein; Hauptgegenstand Wurzel Jesse. -- b) Bergaltar (im noerdl. Nebenchor) 1521, geschnitzt, das Tektonische im Sinne lombardischer FrRenss. Das zweite noerdl. Fluegelpaar hat Gemaelde mit Motiven aus Duerers Marienleben. -- c) Muenzeraltar (im suedl. Nebenchor) 1522, dem vorigen aehnlich. -- d) Baeckeraltar (zunaechst dem vorigen). -- e) Pflockscher Altar nach 1521, durchaus gemalt, der Marientod des Mittelschreins mit Benutzung des Schongauerschen Kupferstichs. -- f) Altar des Muenzmeisters Melch. Jomisch 1537. _Epitaph_ fuer Joh. Unwirt 1578 von Solenhofer Kalkstein. *Berg-K. S. Marien*. 1616 mit Benutzung des Chors von 1582; Halle; die Sschiffe durch Emporen geteilt; derbe, schlichte Renss. -- _Altarwerk_ der Baeckerzunft A. 17. Jh., spaeter entstellt. Schoener Intarsia-Stuhl. *Hospital-K.* 1683, architekturlos. -- Bmkw. _Gemaelde_ der Cranach-Schule 1557. *Rathaus*. 1535-38, fast ganz erneuert 1751. -- _Erzgebirgsmuseum_. _ANNABURG._ Pr. Sachsen Kr. Torgau. *Kirche* got., bar. veraendert. Chor 3/8. Decke des Sch. kassettiert mit bar. Grisaillemalerei. -- _Taufstein_ 1674; _Orgel_ rok. *Schloss* an Stelle eines ma. Baus 1572 von Kurfuerst August. a) Das vordere Schloss, Mittelbau und 2 Fluegel, an den Ecken und ueber dem Mittelportal schwere Rundtuerme. An der offenen vierten Seite steht b) das hintere Schloss, vierstoeckig, nicht grosser Mittelhof mit offener Loggia auf Saeulen; 3 Risalite mit Renss.-Giebeln; im STurm fahrbare Wendelstiege; einfache Renss.-Portale mit Stuckdecken. _ANNERODE._ Pr. Sachsen RB Erfurt Kr. Muehlhausen. Ehem. *Cisterc.-Nonnen-Klst.* Erster Bau voll. 1269. Neubau nachreformatorisch 1590, 1600; Saal mit tiefer Nonnenempore. Ecke mit figuerl. Malerei. Bleiverglasungen mit geometr. Mustern. _ANZEFAHR._ RB Cassel Kr. Kirchhain. *Dorf-K.* 1711 mit spgot. polyg. Chor. _APFELSTEDT._ Sachsen-Gotha LA Gotha. *Kirche* spgot.; der polyg. Chor 1434, das 1sch. Lhs. 1491, der Turm noerdl. des Chors. -- _Sakramentsnische_ 1434, darueber Kreuzigungsgruppe. _APOLDA._ Sachsen-Weimar Bezirksstadt. *Stadt-K.* spgot. infolge oefteren Umbaues ohne Interesse. *Rathaus* M. 16. Jh., einfach, mit manchen got. Erinnerungen. _ARNSHAUGK._ Sachsen-Weimar VB Neustadt a. d. O. *Dorf-K.* _Taufstein_ 1688. -- _Altargemaelde_ (Kreuzigung) von _Paul Keil_ 1616. _ARNSTADT._ Schwarzburg-Sondersh. Amtsstadt. *Liebfrauen-K.* Baunachrichten fehlen. Naechst dem Dom von Naumburg, jedoch in bedeutendem Abstand, der bedeutendste Bau Thueringens aus dem 13. Jh., sehr lehrreich fuer das Eindringen des neuen, westlichen Formengeistes. Er zerfaellt in zwei sehr bestimmt gesonderte Teile: Langhaus sprom., Qsch. und Chor entwickelt got. 1. _Langhaus_. Schwankende Baufuehrung und wiederholte Restaurationen (im 19. Jahrhundert 1840 u. 1888) machen den Bauhergang aeusserst unklar. Auf eine flachgedeckte rom. Basilika folgte A. 13. Jh. ein Umbau, der bereits auf Gwbb. berechnet war; 2 Arkadenpfeiler der NSeite aus ihm erhalten. Bald Planwechsel unter Einfluss des Halberstaedter Doms (so Giesau). Er aeussert sich in veraenderter Pfeilerbildung, Verlaengerung um 2 Achsen, Einfuehrung von Emporen ueber den Seitenschiffen, welche jedoch nicht als selbstaendige Geschosse ausgebildet sind; sondern nur den Dachraum hinter sich haben. Die Formen sehr schlicht. Die Gwbb. und viele Einzelheiten aus der Rest. 1888. -- Die WFront seit 1911 in Erneuerung begriffen. Sie bildet bis zum Abschlussgesims des Hochschiffes eine ungegliederte Masse; die einzige Oeffnung das sehr ansehnliche Portal, das seine Gestalt erst zum Schluss dieser Bauzeit erhielt (in got. Zeit veraendert, jetzt rom. rest.). Die Wendeltreppen der Tuerme enthalten alte Tueren, auf eine Saengerbuehne ueber dem Eingang hindeutend. Die Mitte dieser Treppen faellt indes mit der Mitte der Tuerme nicht zusammen; also Verbreiterung der Fassade. Das letzte, was die rom. Bauperiode ausfuehrte, war der suedl. der beiden Tuerme. Ueber einem niedrigen 4 seitigen Geschoss zwei 8 seitige, auslaufend in 8 kleine Giebel, aus deren Mitte eine 8 seitige Steinpyramide emporsteigt. In der Kraft und Leichtigkeit der Verhaeltnisse und Formen ein Muster seiner Gattung (nahe verwandt den Tuermen von S. Blasien in Muehlhausen). Im Detail stehen spaetromanische und tadellos fruehgotische Formen unmittelbar nebeneinander, es arbeiten also gleichzeitig Steinmetzen von verschiedener Schulung. Am NWTurm im ganzen dieselbe Einteilung, doch groessere Hoehe der Geschosse; die obersten schon in reifer got. Ausbildung. Endlich stammt aus der rom. Bauzeit noch der Mittelturm; nicht ueber dem Qsch. (welches damals noch das alte), sondern westl. desselben ueber dem letzten Joch des Langhauses; daher auch der verschoben quadratische Grundriss (das zerstoert vorgefundene oberste Geschoss freie Komposition von 1890). -- 2. _Querschiff und Chor_ sind etwa E. 13. Jh. (jedenfalls vor 1309) geplant und begonnen. Sie erstreben maechtigere Raumentwicklung, ohne jedoch zu den aelteren Bauteilen (wie so oft!) in auffallende Disharmonie zu treten. Das Qsch. duerfte sich den Grundmauern des einstigen romanischen anschliessen, nur sind die Vierungspfll. etwas weiter auseinander gerueckt. Der Chor beansprucht die volle, durch die Ausladung des Qsch. ihm gestattete Breite. Sein erstes Joch setzt nach dem Prinzip der Halle, d. h. in allen 3 Schiffen in gleicher Hoehe, das System des Qsch. fort. Hierauf schliessen die Abseiten mit Kapellen in 5 Seiten des 8Ecks; vor das Hauptschiff legt sich ein quadr. Vorchor und dann ebenfalls 5/8Schluss. Das Ergebnis ist bei beschraenkter Grundflaeche eine sehr bedeutende Raumwirkung (die Aehnlichkeit mit dem Dom von Regensburg nur im Gr.). Die Form der Rippen spricht fuer Vollendung im vorgerueckten 14. Jh. -- Nach der 1309 erfolgten Uebergabe der K. an einen Nonnenkonvent wurde in den suedl. Kreuzfluegel und die suedl. Chorkapelle ein Jungfrauenchor eingebaut (durch die juengste Rest. entfernt; einzelne Bauglieder in der neuen Sakristei wiederverwendet). Die 3 Chorkapellen von gleicher Hoehe, die mittlere durch Fialen und Giebel ueber jeder Polygonseite ausgezeichnet (rest. nach vorhandenen Ansaetzen). -- An der NSeite 2 praechtige Portale, ein groesseres an der QschFront, ein kleineres am Ssch. mit Zuegen der Maulbronner Fr.Gotik. -- Doppelfluegeliges _Altarwerk_ im suedl. Nebenchor, bedeutendes Stueck, bez. 1489 (wohl von _Jakob Naumann_); im Schrein Marienkroenung, zu den Seiten Laurentius und Bonifatius geschnitzt; aus welcher Schule die Fluegelgemaelde, ist nicht festgestellt. -- Der noerdl. Nebenchor enthaelt die Graeber der Grafen v. Schwarzburg. Hauptstuecke: grosse _Tumba_ Guenthers XXV. {~DAGGER~} 1368 und seiner Gemahlin Elisabeth {~DAGGER~} 1381, die Platte vom trauernden Hofgesinde getragen, an der Spitze ein baertiger Mann in einer Kutte mit Glocke und Keule, sog. "treuer Eckardt" (vgl. in ikonographischer Hinsicht Grab Heinrichs IV. in Breslau, Kreuz-K.). -- Grosses _Prachtepitaph_ Guenthers XLI. und der Katharina v. Nassau, errichtet 1590. -- _Skulpturen_. Am Portal des noerdl. Seitensch. im Bogenfeld Kreuzigung, daneben Kaiser Otto I. und sein Sohn Erzbischof Wilhelm von Mainz, geringwertige Arbeit aus 1. H. 13. Jh. Neben dem Portal des noerdl. Qsch. 2 Fuerstenstatuen, maennlich und weiblich, E. 13. Jh., von maessigem Wert, frisch und gut die Groteskfigg. der Konsolen. *Oberkirche* (Franziskaner) beg. 1246. -- 1sch. Rck. 11 m br., 60 m l, Holztonne aus neuerer Zeit. Trotz der Laenge sehr gute Akustik. Der Chor nicht abgesondert. Fenster nur an der NSeite und der Schlusswand. Vortreffliches Masswerk. Eingaenge: 1 im W, 2 im N., Auf der SSeite der schlicht, fast roh behandelte Kreuzgang. Der Turm in der Mitte der Nwand erst 1461 angefuegt. -- _Epitaph_ des G. Fischer 150S; bmkw. durch gute Charakteristik und z. T. erhaltene Bemalung. -- _Fluegelaltar_ 1594, das Gemaelde niederlaendisch. Zahlreicher die Ausstattungsstuecke aus 1. H. 17. Jh.: 3geschossiger _Hochaltar_ mit Reliefs und Freistatuen, alles Holz; _Taufstein_ mit 5 m hohem Baldachin; der _fuerstl. Kirchenstand_, ein auf 6 Saeulen ruhender, sehr reich behandelter Einbau; der _adlige Kirchenstand_; die _Gemeindeempore_ in 3 Geschossen, Bruestungsmalerei handwerksmaessig. *Neue Kirche*. 1676-83 mit Benutzung von Mauerresten einer niedergebrannten aus 15. Jh. 1sch. Anlage bis zur hoelzernen Decke mit Emporen angefuellt. *Gottesacker-K.* 1738-43. Typisch fuer die thueringischen Leichenpredigtskirchen dieser Zeit. Ein nach der Laengsachse verschobenes Achteck, allseitig Emporen in 3 Geschossen. Auf dem Friedhof bmkw. Grabsteine des 16.-18. Jh. *Neidechsburg*. Ehem. Wasserschloss, die Graeben und der runde Bergfried erhalten. Von dem Renss.-Umbau 1557-60 nur wenige Reste erhalten, darunter huebsches Portal. *Fuerstl. Schloss* neben der Neidechsburg. Einfacher Bar.-Bau mit grossem Treppenhaus, einigen guten Rok.-Zimmern; Porzellane. *Rathaus.* 1583 ff. Stattlich, 3geschossig, an dem Fassadentrakt unter dem Giebel befand sich ehemals eine hohe Freitreppe mit saeulengestuetztem Erkervorbau; in Nischen 2 _got. Statuen_, Erfurter Arbeit um 1730 in der Art des _Joh. Gehart_. *Zierbrunnen*. 1573. *Buergerhaeuser*. Einige in gut behandeltem Fachwerk, zahlreiche Renss.-Portale. Am Markt Lauben auf Steinsaeulen 1585. Von der ma. *Stadtbefestigung* das Riedtor und das Neutor. _ARNSTEIN._ UFranken BA Karlstadt. *Stadt-K. S. Nikolaus*. Gotisierend 1617, nach W erweitert 1725. Gute klassizistische _Seitenaltaere_ von _Georg Winterstein_ in Wuerzburg 1790. Reicher, meisterhafter _Orgelbau_ um 1700 aus der Karmeliter-K. in Wuerzburg. -- _Deckengemaelde_ im Chor von _S. Urlaub_ 1726. Aelteste _Glocke_ 14. Jh. _Wallfahrts-K. Maria-Sondheim_. Erb. M. 15. Jh., unvollstaendig ausgefuehrt. Jetzt grosser 1sch. Raum, etwas vor der Mitte durchquert von einer 3teiligen Bogenstellung, in den OTeilen Ansaetze zu Gewoelben (geplant war 3sch. Hallenkirche). -- _Deckengemaelde_: Schlacht bei Lepanto mit Maria Victoria, bez. _J. Ph. Rudolph_ 1770. Im Ossarium 2 interessante _Steinreliefs_ von der alten Kanzel, Johannes und Markus in Fr.-Renss.-Umrahmung gegen 1520, im Gewandstil verwandt der Backofenschule (der das Werk uebrigens nicht angehoert). Schoene _Sandsteinmadonna_ um 1410, typische Wuerzburger Arbeit. In den Chorfenstern Glasmalerei um 1480. -- _Grabdenkmaeler_ in sehr grosser Zahl und z. T. hoher Qualitaet, am reichsten vertreten die Familie v. Hutten. Sie waren im 18. Jh. als Bodenbelag vernutzt, jetzt im Innern 29 wieder aufgerichtet, mehrere aussen. Von _Bildnissteinen_ hervorzuheben: W. U. v. H. 1447, fast vollrund, starre Frontalansicht; Konrad v. H. 1502; Ludwig v. H. 1517. Von _Epitaphen_: Philipp v. Hutten (1546 in Venezuela ermordet), vorzuegliche Arbeit von _Loy Hering_ in Eichstaett; Bernhard v. H., Art des aelteren _Peter Dell_; Wilhelm v. H. 1554 bez. P D (_P. Dell_, wahrscheinlich der Juengere); vom selben Ludwig u. Agathe v. H. 1547, 1548; Stephan Zobel mit Frau und Kindern 1597. -- _Oelberg_ um 1500, besser als die meisten dieser Gattung. *Schloss* (Amtsgericht), mit der Stadtbefestigung verbunden, Wohnbau M. 16. Jh., im Innern einiges zu beachten. -- *Rathaus*. 1520, wiederholt veraendert, namentlich 1753. *Spital*, grosse Anlage von 1713-30. _ARNSTEIN._ RB Cassel Kr. Witzenhausen. *Burg*. Der erhaltene Wohnbau spgot., neues Dach, Wendeltreppe, Fenster rck. mit Kreuzstoecken, im Erdgeschoss rippenlose Kreuzgewoelbe. _ARNSTEIN._ Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskreis. *Burgruine*. Eine der grossartigsten am Harz; der spgot. Palas 5 stoeckig erhalten. _ARTERN._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen. *Marien-K.* in der Neustadt. Unorganischer Gemengbau. Aeltester Bestandteil der jetzt in der M. stehende Turm auf oblongem Gr.; in seinem oberen freien Teil hat er auf der breiten Seite 3 Paar gekuppelte Rundbogenfenster, an der schmalen Seite 1 Paar; im Erdgeschoss spitzbog. Kreuzgwb.; nach O und W oeffnet er sich in grossem Spitzbg. Im O ein platt geschlossener Langchor mit 2 quadr. Gwbn, ursp. rom., jetzige Gwbl. und Fstr. 15. Jh. Lhs. 1608-20, breiter als der Turm, 1sch., polyg. WSchluss. Fenster noch spitzbg. *S. Veit* in der Altstadt. Qsch. und Chor bilden ein regelmaessiges lat. Kreuz nach rom. Weise. In Vierung und Chor (ohne Apsis) spitzbg. Gwb., Kreuzarm und das (kaum ursp.) 1sch. Lhs. mit Balkendecke. Vierungsturm mit Satteldach und gekuppelten unterspitzen Schalloeffnungen, die Fenster der K. rundbg. _ASCHACH._ UFranken BA Kissingen. *Dorf-K.* Turm frgot. Chor und Langhaus 1615. Gutes Renss.-_Epitaph_ von Bildhauer _Julius Emes_. *Schloss* (Gr. Luxburg). 1527. In einfachsten Formen. In der Halle geschnitzter Balken mit Fabeltieren 1572. Alter _Ofen_ aus 1. H. 17. Jh. _ASCHAFFENBURG._ UFranken BAmtsstadt. *Stifts-K. S. Peter und Alexander*. Aeltere Baudaten fehlen. Rom. 12. und 13. Jh. mit vielen spaeteren Zusaetzen; rest. 1713 und 1880. -- _Inneres_. Hier hat der rom. Stilcharakter noch die Vorherrschaft. Lhs. flachgedeckte Pfeilerbasilika (jetzt Lattengewoelbe aus 18. Jh.); weite Querschnittsproportion; 9 Arkaden auf schlanken quadr. Pfll. mit reich profilierten Deckplatten; diese, sowie die einfache Tuer am noerdl. Ssch. der einzige Anhalt zur Altersbestimmung; nicht vor 3. V. 12 Jh. -- Eine zweite Bauperiode setzt um 1220 mit dem WBau ein, nahe verwandt der Peters-K. in Gelnhausen. Empore zwischen den (damals unausgefuehrt gebliebenen) Fronttuermen; sie wird getragen von einer 3sch., 2 Joch tiefen Halle; rippenlose Kreuzgwbb. zwischen rck. Gurten; die Blaetterkapitelle der staemmigen Saeulen in ihrer Art ersten Ranges. In der WWand prachtvoll umrahmtes Portal, im _Tympanon_ Christus zwischen den Kirchenpatronen. Um 1250 der OBau. Der Einfluss von Gelnhausen dauert fort, jetzt mehr vonseiten der dortigen Marien-K. Das Schiff hat 3 quadr., der Chor 2 quadr. Gwbb., am platten Schluss im 18. Jh. die Fenster vermauert; die Fenster des Qsch. spgot. erweitert. Alle Gewoelblinien unterspitz. Die rck. Gurten auf Auskragungen; die Kreuzrippen, geschaerfte Wulstform, auf Diensten mit Schaftringen; rom. Blaetterkpatt. -- Die Sschiffe des Lhs. durch flache Kapellen erweitert. Am noerdl. Ssch. die grosse, ueber den aeusseren Wandelgang vorgebaute, daher von innen mittels einer Treppe zugaengliche _Maria-Schnee-Kap_., erb. 1516 vom Kardinal Albrecht v. Brandenburg; Netzgwb. mit gewundenen Reihungen, entartetes Masswerk; die aeussere Giebeldekoration erinnert mit ihrem schreinermaessigen Reichtum an die saechsischen Bauten des Kardinals. -- _Aeusseres_. Chor und Langseiten verbaut. Sichtbar nur die NWEcke. Sie vereinigt Bauteile aus vier Stilperioden zu einer ueberaus malerischen Gruppe. Eine in der Seitenachse liegende hohe Freitreppe, barock, fuehrt zu einem Paradies; ehemals mit schraeger Sparrendecke, jetzt flach gewoelbt. Der NTurm nicht ausgebaut; dominierendes Motiv nach dieser Seite ist der hohe Giebel der Maria-Schnee-Kap. Die WFront zeigt, der Empore entsprechend, 3 sprom. Fenster. Der STurm wurde im 14. Jh. in kolossalem Massstab begonnen; ueber dem zweiten Geschoss brechen die Motive ab und es folgt ein spaetestgot. Oktogon mit 8 geschweiften Giebelchen und hohem hoelzernen Helm. Das Lhs. hat ein gebrochenes Walmdach aus 18. Jh. -- An der NOSeite schoener sprom. _Kreuzgang_. Von ihm aus fuehrt ein spgot. umgearbeiteter Verbindungsgang zum _Paradies_, das gleich dem Kreuzgang zeitlich mit dem OBau zusammengeht. -- _Ausstattung_. Grosser _Hochaltar_ in Ciborienform aus dem 18. Jh. Die ehemals zahlreichen ma. Nebenaltaere bis auf einen zerstoert. Die _Beweinung_ von _Math. Gruenewald_ bildete die Predella eines Altarbildes 1525 in der Moritz-K. in Halle a. S., das Hauptbild jetzt in der Pinakothek zu Muenchen. In der Maria-Schnee-Kap. ein mit 1519 bezeichneter Rahmen, der einst eine Maria von _Gruenewald_ einschloss; wahrscheinlich identisch mit dem jetzt in der Dorf-K. zu Stuppach (s. Bd. III) befindlichen Bilde; uebrigens ist auch der Rahmen an sich interessant als Dokument der Veraenderung der Altarform im Uebergang von der Gotik zur Renss., eine Parallele zum Rahmen von Duerers Allerheiligenbild. In einer suedl. Seitenkp. _Schnitzaltar_ der 14 Nothelfer von merkwuerdigem staffelfoermigem Aufbau A. 16. Jh. -- _Chorstuehle_ von 1659 jetzt im Qsch. -- In der noerdl. Turmhalle _Taufstein_ von 1487. -- Im noerdl. Ssch. (frueher im Chor) ein eherner _Baldachin_ aus der _Vischer_schen Huette bez. 1536; vier mit graviertem Laubornament geschmueckte Pfosten tragen einen an der unteren Flaeche in der gleichen Technik behandelten Himmel; die Zeichnung erinnert an das (zerstoerte) Gitterwerk des Nuernberger Rathauses. Der Baldachin scheint fuer das von Kardinal Albrecht in Halle projektierte Grabmal bestimmt gewesen zu sein (vgl. P. Redlich: Kardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift in Halle, 1900); jetzt traegt er einen Sarkophag mit den Reliquien der h. Margarete. -- _Kanzel_ aus Sandstein und Alabaster, sehr reich, um 1590. -- An der WWand kolossales _Holzkruzifix_ aus A. 13. Jh. -- Aussen ueber der Freitreppe steinerne _Kreuzigungsgruppe_ 1699. _Grabmonumente_ und _Gedenktafeln_ in grosser Zahl. Davon die wichtigsten: _Im Chor:_ SSeite, Kenotaph des Stifters Otto v. Sachsen {~DAGGER~} 982, gesetzt 1524; korrespondierend auf der Nseite das seiner Frau und Tochter, Liudgard und Hildegard. -- Ehernes Epitaph des Kardinals Albrecht von Brandenburg {~DAGGER~} 1545, gegossen 1525 in der _Vischer_schen Huette, grossartiges Reliefbildnis mit ornamentaler Borte, durch eine Inschrifttafel aus 18. Jh. entstellt; in gleichem Format, wohl als Gegenstueck gedacht, Madonnenrelief von _Hans Vischer_ 1530: beide aus Halle hierher uebergefuehrt. -- Epitaph fuer Kurfuerst Schenk v. Erbach {~DAGGER~} 1459, ausgefuehrt im 16. Jh. -- Desgl. fuer Kurfuerst Anselm Franz v. Ingelheim {~DAGGER~} 1659, bmkw. durch lebendige Portraetauffassung. Im _Mittelschiff_ kurfuerstliche Beamte. a) Suedliche Reihe: Caspar v. d. Schulenburg 1517, primitives Renss.-Ornament. -- Wolf Beheim 1539. -- Dr. Sachs 1570. -- Stephan v. Fechenbach 1577. -- b) Noerdliche Reihe: Melchior von Graenroth, Erzguss von grosser technischer Praezision, 1584 von _Hieronymus Heck_. -- Georg v. Liebenstein 1533 mit Anklaengen an die Schule _Backofens_; feste Rittergestalt, das Knien an dem (ganz an die Seite geschobenen) Kruzifix vorzueglich gegeben. -- Brendel von Homburg 1573. -- Ch. Math. v. Albersweiler 1567. -- Dr. Eisenberger 1575. _Im Kreuzgang_. a) WFluegel. Gertrud Echter 1421, kniend in Dreiviertelansicht, ueber ihr Maria in den Wolken, schoene manierfreie Arbeit. -- b) NFluegel. Joh. v. Cronberg 1439, adoriert den h. Christoph. -- c) OFluegel. Schenk v. Weibstedt 1437, adoriert die Madonna auf der Mondsichel. -- d) SFluegel. Scholastikus Kuechenmeister mit seiner Mutter 1493. -- _Wandgemaelde_, der Gekreuzigte u. Heilige, E. 14. Jh. In der Sakristei 2 vorzuegliche _Reliquienbuesten_ 1473 von _Hans Dirnstein_ von Frankfurt. Degl. _Monstranz_. Rom. _Schachbrett_. *Agathen-K.* Flachgedeckte frgot. Basilika, spgot. ueberarbeitet, unbedeutend. Der vortretende WTurm mit 4 Giebeln und Holzhelm sehr einfach rom. Aussen _Oelbergsgruppe_ aus 16. Jh., beschaedigt, in Renss.Gehaeuse. *U.L.F. Pfarr-K.* 1768-1775. Einschiffiger Saal von angenehmen Verhaeltnissen. An der noerdl. Langseite rom. Glockenturm, das Obergeschoss rom. zu got. ca. 1220-30. Es hat uebereinander, durch kein Gesims getrennt, 2 gekuppelte Schalloeffnungen, kleeblattfoermig, umschlossen von spitzbg. Blendbg., ein Vierpass im Felde. Ueber den 4 Giebeln ein steinerner got. Helm, 8seitig, mit Kantblumen geziert. Im Erdgeschoss eingemauert sprom. _Tympanon_, thronende Maria zwischen Heiligen. *Studien(Jesuiten)-K.* 1619-21. In WDeutschland der erste dem roemischen Barockschema folgende Jesuitenbau (vgl. dagegen Molsheim u. Koeln Bd. IV, V), Schiff mit Tonnengwb. u. tiefen Nischen, feines Flachornament in Stuck, Beschlaegemuster. *Schloss*. Das alte Schloss zerst. 1552. Notbau 1556-1606. Neues (jetziges) Schloss 1605-1614 von _Georg Ridinger_ aus Strassburg (von ihm selbst in einem umfaenglichen Kupferstichwerk, Mainz 1616, publiziert). Waren die wichtigeren Schlossbauten der Renss. des 16. Jh. immer Um- oder Anbauten mittelalterlicher Anlagen gewesen, so wird hier mit Nachdruck zum erstenmal eine streng einheitliche, symmetrische Anlage gegeben (etwas aelterer Versuch in Schmalkalden): 4 Fluegel um einen quadratischen Hof von ca. 79 m aeusserer, 51 m innerer Seitenlaenge, an den Ecken maessig vorspringende quadr. Tuerme; die Symmetrie nur leicht durchbrochen von dem aus dem alten Schloss heruebergenommenen Bergfried, jetzt mit dem NFluegel hofseits verwachsen. Die Fluegel haben wenig Tiefe (kaum 10 m im Lichten) und in der inneren Teilung folgt Raum auf Raum ohne Korridorverbindung. Aufgaenge durch Wendeltreppen in den 4 Winkeln des Hofes. -- Die allgemeine Idee, aus dem Wasserschloss entwickelt, hier wohl sicher durch franzoes. Vorbilder bedingt, wie auch das Detail (in Uebereinstimmung mit dem Kaufhaus in Strassburg, dem Friedrichsbau in Heidelberg, dem Schloss Gottesau und dem etwas juengeren Schloss in Mainz) mit der ostfranzoesisch-lothringischen Weise zusammenhaengt; vgl. besonders die Fensterverdachungen. Gliederung der 3 fast gleichwertig behandelten Geschosse durch sehr kraeftige Gesimse, waehrend vertikale Teilungslinien fehlen. Der Fassadenlaenge von 85 m (mit Einschluss der Tuerme) entspricht eine H. von 23 m (bis Oberkante Dachgesims) und Teilung in 15 Fensterachsen; dazu das maechtige Dach, 12 m H. In der Mitte wird es durch einen reicher als alle uebrigen Teile (ursp. jedoch einfacher beabsichtigten) Zwerchgiebel akzentuiert. Einziger Zugang durch das maessig grosse Rustikaportal der SSeite. Eine Zugbruecke fuehrte hier ueber den Burggraben, einst vorn durch eine _porta triumphalis_ geschmueckt. (Der Balkon 18. Jh.) Die Geschosshoehe der Tuerme nimmt nach oben etwas ab, sie werden gekroent durch eine Galerie und ein niedriges Oktogon mit welscher Haube. Die oestl. und noerdl. Fassade etwas sparsamer detailliert. Wie die Lucarnen ursp. gedacht waren, zeigt ein Exemplar der WSeite. -- In der Naehe erscheinen die Verhaeltnisse zu schwer, wie bei den meisten Bauten dieser Zeit; aus gehoeriger Entfernung betrachtet zeigen sich Massen und Umrisse meisterhaft aufgebaut. Die erhoehte Lage ueber dem Main fuehrte zur Anlage einer 20 m hohen Terrassenmauer, daran das maechtige Wappen des Bauherrn Erzbischof Joh. Schweickart von Mainz. Erwaehnenswert, dass Ridinger vorher hauptsaechlich an Festungsbauten beschaeftigt war. -- Die _Hoffassaden_ wiederholen das aeussere System mit der Abweichung, dass das Erdgeschoss sich in Arkaden oeffnete (ungluecklicherweise spaeter zugemauert). -- Die _innere Ausstattung_, deren geschnitzte Tueren, Mosaikboeden, Stuckdecken, Wandgemaelde (im Kaisersaal Historien von _Georg Keller_, einem Schueler _Jost Ammanns_), ein Besucher des J. 1614 ueberschwaenglich bewunderte, wurde durch Umbauten seit 1770 zerstoert. Einigermassen verschont nur die _Kapelle_; 1sch. Raum mit Netzgwb., Kolossalaltar und Kanzel aus Marmor von _Hans Junker_; Buerger von Aschaffenburg, um 1615; unendlich ueberlastet mit (an sich reizvollem) Detail, figuerlichem und ornamentalem. Wand-, Decken- und Fenstermalerei zerstoert. Prunkvolles Portal. -- Im Schloss bmkw. _Gemaeldegalerie_. _ASCHERODE._ RB Erfurt Kr. Hohenstein. *Dorf-K.* 1606-15 nachgot. _ASCHFELD._ UFranken BA Karlstadt. *Pfarr-K.* 1679. Wirkungsvoller _Hochaltar_ in elegantem fr. Rok., gegen 1740, Richtung der Auwera. -- _Kirchhofsbefestigung_ mit Gaden 16. Jh. _ASMUSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Rotenburg. *Kirche* spgot. 1sch. mit gleich breitem Chor; dort die Fenster Spitzbg. mit Fischblasen, im Schiff Vorhangboegen. _ASTHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen. Ehem. *Karthaeuser-Klst.* gegr. 1409 durch Erkinger v. Seinheim-Schwarzenberg. Kirche charakteristisch nachgot. Bau (1603 f.) auf aelteren Fundamenten. Das praechtige, mit Statuen geschmueckte Renss.-Portal an die Prokuratie versetzt. Treffliches _Chorgestuehl_ renss., spaetbar, umgearbeitet. Maechtiger _Hochaltar_ 1730, Seinsheimsche _Epitaphe_. -- Vom Klst. erhalten die Prokuratie um 1583, die nachgot. (um 1600) Nikolauskap. und der Verbindungsgang zur Kirche. Ueberlebensgrosses _Holzkruzifix_ um 1520. *Dorf-K.* Epit. G. F. v. Schwarzenberg 1543, wohl von _P. Dell_ d. Ae., Moritz v. Sch. 1565 von _Thomas Kissner_. _ATZENDORF._ Pr. Sachsen Kr. Merseburg. *Dorf-K.* Die oestl. Schlusswand mit 3 pyramidal gruppierten Spitzbogenfenstern 13. Jh., sonst 17. Jh. _AUA._ RB Cassel Kr. Hersfeld. *Dorf-K.* daran geringe Reste des 1218 von hier nach Blankenheim verlegten Klosters; ein rom. _Taufstein_ Traeger der Altarmensa. _AUB._ UFranken BA Ochsenfurt. *Pfarr-K.* (ehem. Benedikt.-Propstei). Das Lhs. Neubau aus der Juliuszeit (1615), erst M. 18. Jh. aus 3sch. in 1sch. Anlage umgewandelt. Aus 13. Jh. erhalten der WBau, ein sehr bmkw. Dokument aus der ersten Rezeption des got. Stils. 1275 und 1280 die ersten Erwaehnungen, zu welcher Zeit auch die Bauformen passen. Erdgeschosshalle und Empore, beide geteilt in 3 Sch. und 2 Joch. Die Formen der ersteren noch mit viel rom. Erinnerungen, woraus nicht notwendig ein nennenswert hoeheres Alter folgt. Doppelt gekehlte Rippen mit Anlaeufen auf diagonal gestellten Kaempfern. Die oberen Pfll. aus 8 Runddiensten gebuendelt, ihre Kapitelle glatt. Diejenigen der Wandfll. mit schoenstem frgot. Blattwerk unter reichlicher Beimischung von Masken und Tieren. Die Fenster haben im Masswerk Nasen, z. T. in Blumen endigend. Das Portal spitzbg. in rundbg. Blende. Tympanon fensterartig aufgeloest. Im Obergeschoss Rosenfenster. Vergleichspunkte zu fraenkischen Bauten dieser Zeit fehlen; saemtliche Details weisen auf den Oberrhein und ueber diesen hinaus wohl auch auf direkte Bekanntschaft mit der franzoesischen Gotik, namentlich gilt dies von der Komposition der Rosen. -- _Hochaltar_ 1682. _Kanzel_ 1790. Hauptschmuck des Turms die schoene _Kreuzgruppe_ aus _Riemenschneiders_ Werkstatt, dem Meister selbst nahe stehend. Bmkw. _Steinrelief_ aus 14. Jh., die Juenger am leeren Sarge Mariens. Zahlreiche _Renss.-Grabmaeler_. Das des Truchsessen von Baldersheim aus der _Riemenschneider_schen Werkstatt um 1520. *Spital-K.* 14. Jh., umgebaut 1595. Fuerstbischoefl. Schloss 1580-1620. In den Turmraeumen (Amtsgericht) schoene Stuckdekoration um 1770, vielleicht von _Matteo Basti_ (vgl. die Engelheimer Zimmer der Wuerzburger Residenz). Die Kap. in typischer unterfraenkischer Nachgotik. -- *Rathaus* 1671. -- In der Naehe des Ortes mehrere schmuckreiche _Bildstoecke_. _AUBSTADT._ UFranken BA Koenigshofen. *Dorf-K.* renss. 1618, mit Friedhofbefestigung. _AUE._ Pr. Sachsen Kr. Zeitz. *Dorf-K.* des 12. Jh. Sandsteinquaderbau. WTurm. Am abgetreppten Portal die Kanten als Rundstaebe ausgebildet, im Tympanon der Gekreuzigte in langem Rock. Empore und Holzdecken mit Bar.-Malerei geben ein farbenreiches Innenbild. _AUE AM BERG._ Sachsen-Meiningen. Kr. Saalfeld. *Dorf-K.* (ehemals Wallfahrt) im Kern rom. Ueberarbeitungen got. und spaeter. -- Gemaltes _Triptychon_ um 1500. _AUERBACH._ K. Sachsen. Amtshauptstadt. *Burgruine*. Bergfried aus fr. Ma. noch erhalten. _AUERSTEDT._ Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga. *Dorf-K.* 1718 fast ganz erneuert; Nachwirkung der ma. Anlage die oestl. Stellung des Turms. _AUERSWALDE._ K. Sachsen AH Floeha. *Dorf-K.* Einige der wenigen im Lande, welche ihren ursp. rom. Gr. und Aufbau unverletzt erhalten haben. Gemeindehaus fast quadr.; Chor ebenfalls quadr., doch kleiner; beide Teile flachgedeckt; 1/2kr. Apsis. Ringsum gegliederter Rundbg., Fries, an der Apsis 1/2Sll., am OGiebel steinernes Kreuz, am Altar rom. Mensa. -- _Altarschrein_, schoene Arbeit aus Altenburger Werkstatt, 1503. _AUFENHAU._ RB Cassel Kr. Gelnhausen. *Dorf-K.* spgot., flachgedeckt, eingezogener polyg. Chor, WTurm, einfachste Formen. -- Gemaltes Triptychon M. 15. Jh. _AUFSESS._ OFranken BA Ebermannstadt. *Burg* aus Ma. gut erhalten. In der *Schloss-K.* Grabstein fuer Albrecht v. A. 1356; kunstvolles zinnernes Taufbecken von _Caspar Enderlein_ ({~DAGGER~} 1633). _AUGSFELD._ UFranken BA Hassfurt. *Dorf-K.* ca. 1730-50, 1sch. mit Lattengwb., Chor nach alter Gewohnheit im OTurm. -- Dekoration und Mobiliar in munterem, laendlich splendidem Rok. _AUGUSTUSBURG._ K. Sachsen AH Floeha. Schloss gegr. 1568 durch Kurfuerst August, wesentl. voll. 1573. Baumeister _Hieronymus Lotter_ aus Leipzig, zum Schluss _Erhard van der Meer_ unter Oberaufsicht des Grafen _Rochus v. Linar_. Der allgemeine Charakter ist der eines Residenzschlosses mit festungsmaessigen Anklaengen (Graeben, Kasematten usw.). Der Gr. gibt in der Umfassungslinie ein Quadrat von 86 m, in der inneren Einteilung 4 massige 4eckige Eckhaeuser, die durch schmale Fluegel verbunden werden, so dass der Hof griechich kreuzf. wird. Die Fronten 2geschossig ohne Gesimsteilung und in sehr niedrigen Proportionen, die 4 eckigen Fenster mit got. Profilen sind die einzige Belebung der glatten Wand, dazu auf der N- und SSeite ein Einfahrtstor in Rustika, derbe Nachahmung der Festungsbauten der Sammicheles. Ueber dem weit ausladenden Hauptgesims ein Umgang mit Balustrade. Starke Akzente geben die Eckbauten mit Zwerchhaeusern, steilen Walmdaechern und hohen Schornsteinen (durch spaeteren Umbau vereinfacht). Die _Ausstattung_ der Wohn- und Festraeume stark reduziert; es waren vorhanden 5 Saele, 7 Vorsaele, 74 Zimmer, 96 Kammern. Auf der SSeite bildet den mittleren Verbindungsbau die *Schlosskirche* nach dem Plan _v. d. Meers_. Zwischen den tiefen Streben ringsumlaufende, steinerne Emporen, Pfl. u. Bogenstellungen mit Halbsaeulen in unten dor., oben jon. Ordnung, alles in schwerster Behandlung, das Tonnengwb. in sog. Quadraturwerk stuckiert. Ueber dem Altar grosses _Gemaelde_ von _L. Cranach d. J._ von 1571, Kurfuerst August mit seiner zahlreichen Familie vor dem Gekreuzigten. _Kanzel_ mit Gemaelden von Hans Schroeer. _AULIGK._ K. Sachsen AH Borna. *Dorf-K.* Chor 14. Jh., sonst im 17. u. 18. Jh. umgebaut. Grabsteine des 16. Jh. der v. Thor, v. Miltiz u. a. Orgel von _Gottfr. Silbermann_, aus Chemnitz versetzt. _AUMA._ Sachsen-Weimar. VB Neustadt a. d. O. *Stadt-K.* 1520 und 1793. -- Reste eines _Schnitzaltars_ A. 16. Jh. _AURA._ UFranken BA Hammelburg. Ehem. *Benedikt.-Kloster*, gegr. 1108, erster Weiheakt 1113. Im Bauernkrieg beschaedigt, 1687-97 teils weiter zerstoert, teils umgestaltet. Jetzt flachgedeckte Pfeiler-Basilika von 9 Achsen, im O platter Schluss. Ausstattung E. 17. Jh. Im ganzen entstellter Ueberrest einer urspr. bedeutenden Anlage. Vorlaeufige Ausgrabungen unter Dr. A. Faulner ergaben vom rom. Bau: unter der Ummantelung der Pfeiler im Langhaus Stuetzenwechsel im Rhythmus aab, aab; im Chor nur Pfeiler; Schluss in 3 Apsiden. Ein westl. Atrium mit Doppeltuermen 1689 abgetragen. -- In der jetzigen Stallung Rest eines spgot. Kapitelhauses. Die rom. Wuerfelknaufsaeulen in den Arkaden des jetzigen Friedhofs stammen vom Kreuzgang. _AUWALLENBURG._ RB Cassel Kr. Schmalkalden. *Burgruine Wallenburg*, erb. gegen 1247, erhalten ein 27 m hoher Turm, rom., von ausgezeichneter Technik, mit 2 Einsteigtueren. _AXIEN._ Pr. Sachsen Kr. Torgau. *Dorf-K.* rom. Backsteinbau, querrechteckiger Sattelturm innen in 2 Rundbg. gegen das Sch. geoeffnet, 1/2kr. Apsis, Rundbogenfries im N einfach, im S verschraenkt. -- Aus frgot. Zeit _Taufstein_ und Reste von _Wandmalerei_. _B_ _BAALSDORF._ K. Sachsen AH Leipzig. *Dorf-K.*, rom. Anlage des 13. Jh. -- _Glocke_ E. 13. Jh. mit der Inschr. "_Heinricus Filius Tiderici me fecit_" (ein Glockengiesser _Thidericus_ erscheint 1278 in Luehe bei Hildesheim; die gleiche Inschr., wie die vorliegende, haben in der Umgegend die Glocken zu Gross-Wiederitszch, Geringswalde, Niedergraefenhein, Oetzsch). _BAHRA._ UFranken B A Mellrichstadt. *Dorf-K.* Frgot. _Sakramentsnische_. _Glocke_ mit Apostelnamen um 1300. _BALDERSHEIM._ UFranken. BA Ochsenfurt. *Pfarr-K.* 1611, veraendert 1901. Sehr guter _Grabstein_ 1493; andere 16. u. 17. Jh. -- _Hochaltar_ um 1700 mit guten _Holzfigg_. vom spaetgot. Altare (nach 1500). _BALGSTEDT A. U._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* Rom. Turm mit gepaarten Fenstern. Schiff abgebrochen und im 18. Jh. im W des Turms neu errichtet. -- _Glocke_ 1311. _BAMBERG._ OFranken. BAmtsstadt. *Dom S. Peter u. S. Georg*. Gruendungsbau Kaiser Heinrichs II. 1004-1012; Brand 1081, der nur die Mauern stehen liess, darauf Rest. und zweite Weihe 1111; neuer Brand 1185; Umfang des Schadens und Beginn der Erneuerung nicht bekannt; 1231 der Ostchor noch nicht fertig; 1237 Weihe, aber noch nicht voelliger Abschluss der Arbeiten. -- Der gegenwaertige Bau ist ein Werk des 13. Jh. auf dem Grundriss des fruehen 11. Jh.; ob und wieviel aufgehende Mauerteile aus der Zeit vor 1185 in den Neubau hinuebergenommen, ist noch nicht sicher festgestellt. Masse in runden Zahlen: ganze innere L. 95 m, Br. 28,50 m, H. 25,50 m. Gr. regelmaessig kreuzfoermig mit der Abweichung, dass das Qsch. im W. Zwei Choere: OChor, 3 Joche des Msch. mitumfassend, S. Georg gewidmet; WChor, die Vierung einschliessend, S. Peter; zu beiden fuehren Stufen hinauf. Der der Gemeinde verbleibende Raum im Msch. auf 30 m reduziert. Unter jedem Chor eine Krypta. Neben jedem Chor ein Turmpaar. -- Der Bamberger Dombau, in die Zeit fallend, in welcher von Frankreich her das gotische Bausystem in Deutschland eindrang, weist stilistisch drei Phasen auf: spaetromanisch ist der OChor, aussen und innen, und das Lhs. in seiner Aussenansicht; fruehgotisch, jedoch nicht von der franzoesischen, sondern von der von dieser unabhaengigen burgundisch-cisterciensischen Fruehgotik abgeleitet(1), der innere Aufbau des Lhs.; franzoesisch-fruehgotisch, ohne das cisterciensische Element ganz zu verdraengen, der WBau. Genauere Zeitbestimmung nicht moeglich. Der OChor ist im polyg. Gr. und in der ganzen Formbehandlung so vorgeschritten, dass er vor 1200 nicht denkbar; die Behauptung, dass die WTuerme 1237 vollendet waren, schwebt in der Luft. Hauptbauzeit somit unter B. Ekbert von Andechs (1203-1237), jedoch die Ausfuehrung des WChors und der WTuerme spaeter. Die plastische Ausschmueckung (s. unten) beweist, dass noch vor ihrer Aufstellung der Bau unterbrochen worden ist. Will man als Ursache dafuer die unruhige Zeit unter B. Heinrich (1242-1257) ansehen, so ergibt sich als relativ wahrscheinlich: Beginn der gotischen westl. Bauteile im Anfang dieser Regierung, Vollendung nach laengerer Pause unter B. Berthold von Leiningen (1257-85). -- Aus der Zeit der spaeteren Gotik (um 1450) nur die Sepultur. Gruendliche Erneuerung der inneren Einrichtung 1648-55, der Daecher und Tuerme 1744 und 1765-68. Restauration und Purifikation 1828-37 durch _Heideloff_ und _Gaertner_. _Ostbau_ ("Georgenchor"). Die Krypta umfasst den ganzen Raum unter dem hohen Chor; 3 Sch. und 7 Joche; die Kreuzrippen gestatten, das Msch. breiter anzulegen, waehrend die Krypten mit rom. rippenlosen Gwb. immer auf gleiche Breite der Schiffe angewiesen waren; ferner ist der Raum hoeher und luftiger gestaltet, als je in Krypten aelterer Zeit. Die Stuetzen sind Sll., ihre Kaptt. z. T. mit seltsam krausem, barockem Blattwerk und hohen 8eckigen, schon frgot. Einfluss verratenden Deckplatten. Die Rippen mit derben Rundstaeben besetzt. Der Eingang muss ursp. in der Mitte gelegen haben; die hohen Sockel des ersten Pfeilerpaares entsprechen einem ehemaligen Podest. -- Die Apsis des hohen Chors, im Gr. 5 Seiten des 8Ecks, legt sich, besonders in der Aussenansicht hervorragend schoen kombiniert, an die grosse Wandflaeche, die durch den OGiebel des Lhs. und den mit diesem in gleicher Flucht liegenden Unterbau der Tuerme gebildet wird. Der Aufbau 3 teilig in gluecklichster Rhythmisierung; Erdgeschoss, Fenstergeschoss, Zwerggalerie gesondert durch ueberaus reich gebildete Friese, vertikale Gliederung durch Gruppen rechtwinkliger Vorspruenge und staerkerer und schwaecherer Dreiviertelsaeulen. An den Kapitellen vielfach das Knospenmotiv in einer schon von der Fruehgotik beruehrten Form. Die Kehlen der reich abgestuften Fenstergewaende sehr wirksam mit Schellen besetzt. Das Dachgesims im 18. Jh. erneuert. Der Zwerggalerie entspricht im inneren Aufbau das als glatte Kugelkalotte gestaltete Gwb.; unter den Fenstern Arkatur; bezeichnend das Streben nach moeglichst lebhaftem Formenwechsel auch in der Form ihrer Saeulenschafte. _Langhaus._ Querschnitt des Msch. 1 : 2, Gesamt-Querschnitt nach dem gleichseitigen Dreieck. Die Gwbb. haben Kreuzrippen und sind in den Quer- wie in den Schildgurten spitzbg.; trotz der Freiheit der Grundrissbildung, die dadurch moeglich geworden waere, ist nach deutscher Gewohnheit das sog. gebundene quadr. System beibehalten. Dabei macht sich behindernd geltend, dass die Grundrissabmessungen auf diese Teilung ursp. nicht eingerichtet waren: so ergeben sich von den Vierungspfll. des Qsch. bis zu den oestl. Chorpfll. nur 4+1/2 Doppeljoche. Im Anschluss des Lhs. an den OChor tritt deshalb sichtliche Verwirrung ein; man versuchte es mit 6teiligen Gwbb., hat sie aber z. T. wieder aufgegeben. Eine baugeschichtlich wichtige Tatsache zeigt sich aussen an den Hochschiffswaenden, ebenso an der N- wie an der SSeite: von W gerechnet zwischen dem ersten, zweiten und dritten Fenster vermauerte Fenster von gleicher Form und Groesse, wie die offenen, und zwar an den Stellen, wo innen die Gewoelbegurte anfallen. Um als Ueberreste vom Bau des h. Otto zu gelten, sind sie zu gross; ich kann sie nur auf eine juengere Restauration(2) beziehen, etwa nach Brand 1185, die _noch nicht mit Gewoelben rechnete_. Aus dem bei waehrendem Neubau eingetretenen Wechsel erklaeren sich nun auch die Unregelmaessigkeiten im oestl. Abschnitt. Von diesen abgesehen, alternieren regelmaessig staerkere und schwaechere Pfll., kreuzfoermig mit eingelegten Ecksll., die Vorlagen der Hauptpfll. das Gurtgesims durchschneidend. Nicht angenehm in seiner Leere wirkt das Hochschiff. Die Gwbb. haben nahezu gerade Scheitel (wie in Ebrach), waehrend der Uebergangsstil sonst starke Busung liebt. Die Gurten einfach rck., aber verhaeltnismaessig schmal, die Rippen Rundstaebe mit mandelfoermiger Schaerfung. Im Gesamteindruck kann von got. Formgefuehl noch nicht die Rede sein. In der got. gedacht ist Konstruktion aber die klare Sonderung einerseits der die Gewoelbe tragenden Hauptpfll. und des mit ihnen verbundenen Gurtensystems, andererseits der fuellenden Wandflaechen. Die Anregung durch Ebrach vorausgesetzt, ist die Rueckkehr zum gebundenen System auffallend. Querschnitt. _Westbau_ ("Peterschor"). Der Chor, fuer den ursp. ein sechsteiliges Gwb. beabsichtigt war, hat schliesslich 2 sehr schmale gerade Joche erhalten und in der Apsis ein 5teiliges Rippengwb. mit hohen Schildbgg., die einer zweiten Fensterreihe Raum geben. In den Formen Zunahme des eigentlich franzoesischen Elements in einer den juengeren Teilen des Klosters Ebrach aehnlichen Fassung. Es sind nacheinander mehrere Meister taetig, zuerst burgundisch (Dijon), spaeter mehr nordfranzoesisch gerichtet. Die Krypta klein und jetzt unzugaenglich. -- WChor und OChor sind in ihren ins Schiff vorspringenden Abschnitten durch Bruestungswaende geschuetzt; nach aussen mit Arkaturen geziert, nach innen voellig glatt, selbst ohne Gesims; die SSchranke des WChors mit Spuren von rom. Malerei. _Aeusseres_. Das Lhs. hat rein rom. Formen. Unerhoert in den bisherigen Baugewohnheiten der Reichtum der Friese. Die Gesimse haben sich mit den Daechern in wiederholten Restaurationen veraendert. 4 Portale: 2 unter den OTuermen (Adamspforte, Georgenpforte; das Zickzackornament der ersteren wohl aus S. Jakob in Regensburg, wohin auch das Kehlungsprofil der Pfosten der Georgenpforte hinweist); 2 (in der letzten Bauzeit vorgeblendet) am noerdl. Ssch. (Fuerstentor) und noerdl. Kreuzfluegel (S. Veitspforte). Denselben rein rom. Charakter haben die OTuerme bis zur Hoehe des Mittelschiffhauptgesimses; hier treten frgot. Formen ein, doch unter Wahrung der bisherigen Einteilung (die Notstuetze im 2. Fenstergeschoss noch waehrend des Baus eingezogen; die Fenstergliederung der beiden letzten Geschosse entsprechend geaendert). Entschiedener ist die Neuerung an den WTuermen; im Unterbau haben sie Konsolengesimse, die mit denen der Michaelskap. in Ebrach genau uebereinstimmen und deren Vorbilder zum charakteristischen Formenschatz Burgunds gehoeren; weiter nach oben tritt der Wandel ein: oktogonaler Kern, an den Diagonalseiten Vorlagen einer tabernakelartigen Saeulenstellung, die im Gr. 5 Seiten des Achtecks umschreiben; diese Anordnung wiederholt sich durch 3 unter sich fast gleiche Geschosse. Die Einzelheiten sind durchaus frgot. im Sinne der franzoesischen Schule. Aber auch die Komposition im ganzen geht auf ein bestimmtes franzoesisches Vorbild zurueck: die Kathedrale von Laon. Doch ist dasselbe in einem wichtigen, ohne Abb. nicht verstaendlich zu machenden Punkte missverstanden. Um so auffallender, als sich noch ein kleines, im Hauptmotiv richtiges Modell der Laoner Tuerme erhalten hat: jetzt auf dem Baldachin ueber der Statue des h. Dionysius am letzten Pfl. des OChors, NSeite. (Zuerst bemerkt von K. Franck und ansprechend so gedeutet, dass die franzoesisch geschulten Bildhauer es waren, die das Motiv nach Bamberg brachten, der Baumeister es also nur aus zweiter Hand kannte.) Dieselben Bildhauer scheinen auch einer Erweiterung des WChors durch einen franzoesischen Kapellenkranz das Wort geredet zu haben; vgl. das Modell in der Hand der h. Kunigunde am Portal unter dem SOTurm. Wichtig ist weiter das in allen Hauptsachen sehr genaue Modell aus dem 16. Jh. am Portalrelief der alten Hofhaltung. Es zeigt, dass das fuer die Entwicklung der WTuerme sinnwidrige Giebelmotiv am oberen Abschluss vollstaendig ein Werk des 18. Jh. ist, den Giebeln der OTuerme nachgebildet, als man die Daecher erneuerte; ursp. schlossen die WTuerme richtig mit einem groesseren 8seitigen Helm in der Mitte, 4 kleineren an den Ecken. _Innere Ausstattung_. Aus Ma. nur das Chorgestuehl; im WChor reicher, E. 14. Jh., im OChor etwas juenger. Die hie und da zerstreuten Schnitzaltaere sind in neuerer Zeit aus andern Kirchen herbeigebracht, aus altem Bestand allein der in der Sepultur. Der Wunsch Koenig Ludwigs I. war, "dass das heilige und grossartige Denkmal in seinen Verunstaltungen verbessert und der ungestoerte Anblick dieses erhabenen Tempels im urspruenglichen Stile wieder hergestellt werde." Die Leitung der Restauration hatten 1832-1835 _Heideloff_, 1835-38 _Gaertner_. Sie entfernten nicht nur alle nachmittelalterlichen Gegenstaende, darunter 10 Renaissanceepitaphe (jetzt in der Michaels-K.), sondern draengten auch dem der Spuren seines Lebens in der Geschichte beraubten Bau ihre eigenen hybriden Erfindungen auf. (Selbst Fuehrig, ein Nazarener, klagte damals ueber die eingetretene Vernuechterung.) Von groesster Wichtigkeit ist der Bamberger Dom fuer die Geschichte der _monumentalen Plastik_ im 13. Jh. Zu unterscheiden sind drei Stilnuancen, jede durch eine fuehrende Kuenstlerindividualitaet vertreten: Meister des Georgenchors, Meister der Adamspforte, Meister des Fuerstentors. a) Die Arkaturen an den _Schranken des Georgenchors_ enthalten in ihren 2x6 Blenden die Reliefgestalten von _Propheten_ (NSeite) _und Aposteln_ (SSeite); die gemalten Inschriften ihrer Spruchbaender sind erloschen, weshalb nur bei den wenigsten die Benennung moeglich wird. Je zwei im Gespraeche. Der Stil zeigt den Moment des Aufsteigens einer saekular an die Kleinkunst gebunden gewesenen Darstellungsweise zum monumentalen Stil; zugleich in ergreifendster Weise den Zusammenstoss konventioneller Gebundenheit, in der sich deutsche Gewohnheiten mit neuerdings aufgenommenen Formen des klassischen Byzantinismus begegnen, und eines zur Freiheit erwachten leidenschaftlichen Naturalismus. Mannigfaltigkeit der Charaktere, Eindringlichkeit der Geberdensprache sind das Hauptanliegen; die Koerperbildung noch sehr fehlerhaft, oft verzerrt, nie ausdruckslos. Die Apostelseite in relativ gedaempfter, die Prophetenseite in stuermisch erregter Stimmung. Der Unterschied wird so gedeutet, dass der Kuenstler, noch zaghaft, mit jener angefangen habe; es koennte aber auch sehr wohl eine bewusste Differenzierung in der Charakteristik sein. Die Anordnung der SSeite ergibt ein ueberschuessiges Feld, darin der h. _Michael_. Das _Verkuendigungsrelief_ am Pfl. rechts von der Chortreppe sass frueher an der NSeite, wo die Ausbruchstelle noch sichtbar; etwa der Anfang einer neuen Reihe (vielleicht bestimmt fuer den Peterschor, dessen Schranken dann ohne plastischen Schmuck, bloss mit Gemaelden in den Feldern, zur Ausfuehrung kamen) zeigt es, wie weit dem Meister das Formalschoene zur Verfuegung stand. Sichere Datierung ist nicht moeglich; am wahrscheinlichsten ist mir die Zeit rund 1225-35. -- b) _Die Adamspforte_, links (SO) vom Georgenchor. Am rechten Gewaende Petrus, Adam, Eva; am linken Kaiser Heinrich, Kunigunde, S. Stephan. Die Statuen sind spaeter eingefuegt; waeren sie fuer dieses Portal, auch nach Vollendung desselben, gearbeitet worden, so haette der Kuenstler sie auf Konsolen gestellt; allein sie sind mit Saeulen verwachsen, die in dem Organismus _dieses_ Portals keinen Platz finden; Petrus weist ohnedies auf den Peterschor. Dieser Bauteil ist es, mit dem architektonisch die _franzoesische_ Schule einsetzt, und dass der Bildhauer der Adamspforte seine Schule in Reims durchgemacht hat, habe ich nachgewiesen. Von derselben Hand ruehren mehrere Statuen her, die jetzt im Innern an den den Georgenchor noerdlich begrenzenden Pfeilern sehr ungeschickt aufgestellt sind. Offenbar waren auch sie fuer ein Portal gedacht; vielleicht an der Stelle des spaeter dem westl. Qsch. vorgeblendeten S. Veitsportals, also das Seitenstueck zum Fuerstenportal. Am Mittelpfeiler _Maria_, von ihr getrennt _Elisabeth_ (als Heimsuchungsgruppe gedacht), auf der andern Seite ein Engel (Verkuendigung); am linken Pfl. ein _Papst_, am rechten der _h. Dionys_, an seiner Front ein lebensgrosser _Reiter_. Dieser kuenstlerisch und ikonographisch ein Novum. An Zusammenhang mit den Reitern an suedwestfranzoesischen rom. Fassaden nicht zu denken. Als Benennungen wurden bis jetzt vorgeschlagen: K. Konrad III., K. Stephan von Ungarn, einer der hl. drei Koenige. Alles wenig plausibel. Wahrscheinlicher ist mir, indem ich von der Bedeutung der Oertlichkeit (Georgenchor!) ausgehe, die Benennung S. Georg. Vgl. die Nachbildung im Dom von Regensburg. Dort und in Basel mit S. Martin gepaart. Vielleicht war das auch in B. beabsichtigt. Die stilistischen Beziehungen zu Reims und, wie bei Maria und Elisabeth, indirekt zur Antike sind ueberall klar; ausserdem muss der Meister auch Burgund, etwa die Kathedrale von Langres, gekannt haben, wie die spezifische Behandlung des Akanthus am Sockel des Reiters wie auch an einigen Statuensockeln der Adamspforte anzeigt. Die Zeit der Ankunft dieses Meisters, dem mittelbar auch die WTuerme zuzuschreiben sind, ist nicht zu ermitteln, etwa 1240-60. Er gehoert zu den ersten kuenstlerischen Kraeften des 13. Jh. Um so bedauerlicher, dass wir keine seiner Gestalten in dem von ihm gewollten architektonischen Zusammenhange sehen (wie ja auch sein zu vermutendes Projekt fuer die Erweiterung des WChors unausgefuehrt blieb). Viele interessante architektonische Reminiszenzen und Phantasien stecken in den Baldachinen ueber den Statuen, z. B. an dem ueber dem Reiter Reimser Masswerk der fruehesten Art. -- c) _Das Fuerstenportal_ am noerdl. Ssch. Am Gewaende die 12 Apostel auf den Schultern von Propheten (in ikonographischer Hinsicht vgl. den Taufstein in der Vorhalle des Merseburger Doms), am Tympanon das Juengste Gericht. Die tektonische Anordnung ist franzoesisch, wiewohl mit der bedeutsamen Abweichung, dass die Statuen mit Sll. wechseln (vgl. Goldene Pforte in Freiberg); der Stil geht von dem lokalen der Schranken des Georgenchors aus, durchdringt sich aber mehr und mehr mit dem franzoesischen; man erkennt die linke Seite als aeltere, die rechte als juengere, das Tympanon als letzte Stufe dieser Entwicklung. Die zu beiden Seiten angeordneten Standbilder _der Ecclesia und Synagoge_ haben mit dem Portal ursp. nichts zu tun; sie sind dem Vorrat der vom Meister der Adamspforte hinterlassenen Stuecke entnommen; ebenso gehoeren der Werkstatt des letzteren der _Posaunenengel_ und der _Abraham_ ueber dem linksseitigen Kaempfer. -- d) Aus der aelteren einheimischen Schule das Bogenfeld und die Apostelbrustbilder des Portals rechts vom Georgenchor (NO), die 2 kauernden Loewen an der OFassade von einem spaeter veraenderten Portal nach 1185. -- _Grabdenkmaeler __ des 13. Jh._ Auf dem Peterschor Tumba des B. Suitger, nachmals _Papst Clemens_ II. ({~DAGGER~} 1047); glatter Deckel mit Randinschrift, an den Laengswaenden Allegorien der Kardinaltugenden, an den Schmalseiten der Tod des Papstes und der Christus der Apokalypse (?), frueher irrig als italienische Arbeit ausgegeben. Der Stil weist auf das 13. Jh., genauer den Meister der Adamspforte. Indes halte ich, was wir jetzt vor uns haben, fuer eine nachmittelalterliche Kopie. Gruende: die Schriftform und die arabischen Ziffern der Deckplatte; die Gleichheit des Materials der Deckplatte und der Reliefwaende (grauer Marmor, der sonst an keiner Arbeit des Ma. vorkommt); das Vorhandensein einer zweiten Grabplatte, die nur als Grabfigur Clemens II. gedeutet werden kann (der Papst am Georgenchor, jetzt aufrechtstehend, aber mit Kopfkissen). -- Die 2 Tumben des Georgenchors; B. Gunther ({~DAGGER~} 1065). Stil des 13. Jh., flaches Relief, ungewoehnlicherweise in Profil; B. Otto II. ({~DAGGER~} 1196), eingeritzte Linearzeichnung, Gesicht, Haende und Fuesse waren mit Messing eingelegt. -- Tumbendeckel des B. Ekbert v. Andechs und Meran {~DAGGER~} 1237, aehnlich dem des B. Gunther; Standort jetzt am Eingang in die Antoniuskap. -- Noch immer nach demselben Schema der Tumbendeckel des B. Berthold v. Leiningen {~DAGGER~} 1283, s. unten. -- _Grabdenkmaeler aus dem_ 14.-17. Jh. a) _im suedl._ Qsch.: rechts vom Altar grossartiges Bildnisepitaph des B. Phil. v. Henneberg 1487 (von derselben Hand wie Diether von Isenburg im Dom zu Mainz, fast Kopie, also trotz der individuellen Zuege ohne Portraetwert); Bronzetafel fuer den Domherrn Wolfgang von Wuerzburg 1610, Guss von _Jakob Weinmann_ von Nuernberg; Epit. des B. Georg IV., Fuchs von Ruegheim 1561 von _Kilian Sorg_; Bronzemonument B. Phil. Voit v. Rieneck 1672. -- b) _Im Peterschor_: Epit. des B. Georg III. Schenk v. Limpurg 1522 von _Loy Hering_ in Eichstaett, Material polierter Solenhofener Kalkstein; an den Waenden mehrere Platten mit eingelegten Messingfiguren in Flachrelief, herkoemmlich der _P. Vischer_schen Huette zugeschrieben. -- c) _Im noerdl. Ssch._: im 2. Joche B. Albert v. Wertheim 1421, B. Friedrich v. Truhendingen 1366, beide ohne Inschriftrand und fast Rundfiguren, wohl von Anfang an stehend (also technisch als Epit.) gedacht; in der Nachbarschaft die bloss mit Inschrift versehenen Bodenplatten von Bischoefen des 16. Jh., deren zugehoerige Epitaphe jetzt in S. Michael; neben dem Fuerstentor Denkmal des letzten Fuerstbischofs Georg V. v. Fechenbach 1826. -- d) _An dem suedl. Arkadenpfl. des Msch._: B. Berthold v. Leiningen 1283; B. Anton v. Rotenhan 1459; B. Friedrich v. Hohenlohe 1351, kuenstlerisch das wertvollste unter den spaetmittelalterlichen. -- e) _Monument des kaiserlichen Stifterpaares Heinrich und Kunigunde_ von _Tilman Riemenschneider_, beg. 1499, voll. und aufgestellt 1513. Material feiner (wohl Solenhofener) Kalkstein; Form Tumba; so hoch aufgebaut, dass die in nicht sehr hohem Relief gehaltenen Bildnisfiguren des Deckels fast unsichtbar bleiben; Reliefs an den Waenden; wenig Architekturformen. Die Reliefs stellen dar: 1. Kunigundens Feuerprobe, 2. Kunigunde bezahlt die Werkleute zum Bau der Stephanskirche, 3. Heinrich auf dem Krankenbette, 4. Heinrich durch den h. Benedikt von seinem Steinleiden geheilt, 5. Heinrichs Seelenwaegung. -- _Sepultur der Domherren in der h. Nagel-Kap._ Die Waende, soweit sie nicht von Altaeren eingenommen sind, tragen in dichter Reihe und gleicher Groesse 64 ikon. Bronzetafeln; 1414-91 besteht die Darstellung in blossen Umrissen, 1491-1550 in flachem Relief, nach 1550 war der Platz besetzt und wurden in groesserer Hoehe blosse Wappentafeln angebracht; fuer eine Anzahl ist der Guss in der Forchheimer Huette bezeugt; fuer welche anderen die _P. Vischer_sche in Frage kaeme, waere noch zu untersuchen; wahrscheinlich ist es fuer die Platte des Joh. v. Limpurg ({~DAGGER~} 1475), die dann die aelteste in der Klasse der gravierten von _P. Vischer_ waere. -- Spgot. _Schnitzaltaere_ im noerdl. Ssch. (aus Muehlhausen) und in der Nagel-Kap. -- _Kaiserglocken_ aus A. 14. Jh. Die groessere nach Heinrich benannte bez. 1311, im Durchmesser 179 cm, Hoehe 140 cm. _Schatzkammer_ (seit 1907 in neuen Raeumen geordnet) ist in ganz hervorragender Weise reich an _Textilien_: drei den Reichskleinodien beigezaehlte Kaisermaentel, Rationale, Grabtuch des Bischofs Guenther (saemtlich 11. Jh.), Mitra des h. Otto (12. Jh.), grosser Wandteppich mit der Passion (15.Jh.), ferner Kleinodien aus _Metall_: zwei rom. Tragaltaerchen mit Email und Elfenbeinschnitzereien, grosser Bronzeleuchter fuer Osterkerze (12. Jh.), Kurvatur eines Bischofstabs mit Email (13. Jh.), Reliquiarien und Monstranzen. Schuessel aus _Glasfluss_ (Opus Alexandrinum 1. Jh.). Gegenstaende aus _Elfenbein_: Messerscheide (spaetestens 9. Jh.), Pontifikalkaemme (roman.), Ziborium (got.), Kruzifixe. -- Bis ins 16. Jh. fand alle sieben Jahre die grosse "Heiltumsfahrt" (oeffentliche Ausstellung der zahlreichen Reliquien) statt. *Kreuzgang*. Der rom. Dom entbehrte eines solchen, wie Sockel und Lisenen der SWand erkennen lassen. Der jetzt vorhandene ist spgot. An seinen OFluegel stoesst das *Kapitelhaus* 1731, angeblich von _Balth. Neumann_. Die Behandlung prunklos, in schoenen ernsten Verhaeltnissen. Im Hauptsaal eine Stuckdecke in zartem Relief, von eigentlichen Rokokoformen unberuehrt. 2 ehemals im Dom befindliche _Altarbilder_ von _Merian_ und _Sandrart_. *Alte Hofhaltung*. Weitlaeufiger Hof von malerischen Fachwerkhaeusern mit Holzgalerien umgeben; nach vorn gegen den Domplatz eine Hofmauer mit praechtigem Einfahrtstor und neben diesem ein Steinhaus von geringer Tiefe, so dass es fast nur um der Fassade willen erbaut zu sein scheint; diese ist durch die kuenstlerische Feinheit der asymmetrischen Gruppenbildung eine der allergluecklichsten und bezeichnendsten Schoepfungen der deutschen Renaissance, erbaut unter B. Voit v. Wuerzburg {~DAGGER~} 1577. Der entwerfende Baumeister (_Erasmus Braun? Caspar Vischer?_) unbekannt. -- In demselben Gebaeudekomplex eingeschlossen die Ueberreste der *Andreas-Kap*., eines frrom. achteck. Zentralbaues und die *Katharinen-Kap*. aus dem 12. Jh., anscheinend Doppelkapelle. *Neue Residenz*. Nachdem die Bischoefe abwechselnd im Geierswoerther Schloss (an der Stelle des jetzigen Oberlandesgerichts) und in einem verschwundenen Schloss auf dem Michelsberg residiert hatten, wurde 1695 von B. Lothar Franz v. Schoenborn der gegenwaertige Bau begonnen. Baumeister _Leonhard Dientzenhofer_. Stueckweise geplant und nicht vollstaendig ausgefuehrt; Abschluss 1704. Zwei lange Fluegel stossen im rechten Winkel aufeinander. Die 3 Geschosse lassen nach der Schulregel die 3 antiken Ordnungen sich folgen; im uebrigen sind sie fast gleichwertig behandelt; es fehlt die rhythmische Bewegung und der Abschluss durch ein nachdrueckliches Kranzgesims. Der Gesamteindruck bleibt monoton, ja selbst von Kleinlichkeit nicht frei. Sehr nuechtern, an Klosterbauten der Zeit erinnernd, ist auch die innere Einteilung. Bedeutsamer nur der grosse Festraum, der Kaisersaal; noch ist der, in diesen Gegenden wohl zuerst von Dientzenhofers juengerem Bruder Johann in Pommersfelden getane Schritt, die Durchlegung durch 2 Geschosse, nicht gewagt; so bleibt der Raum in der Weise der aelteren Architektur im Verhaeltnis zu seiner Ausdehnung sehr niedrig, und erscheint es noch mehr durch den schweren Prunk der Dekoration. *Domherrenhoefe*. Auf dem uebrigen Teil des Domberges, soweit er nicht durch die Kirche und die beiden Residenzen eingenommen ist, breiten sich die Wohnsitze der Domherren aus. Sie scheinen die gemeinschaftliche Wohnung in der Klausur in frueher Zeit schon aufgegeben zu haben, vgl. den Mangel eines rom. Kreuzganges. Eine Wanderung durch diese alten, im Laufe der Zeiten natuerlich mannigfach umgestalteten Kurien mit ihren von Galerien umgebenen Hoefen und ihren terrassierten Gaerten ist von grossem Reiz. Viele haben ihre Hauskapellen bewahrt; eine (im jetzigen Stadtrentamt gegenueber dem Kapitelhaus) ist noch rom., die uebrigen got. Architektonisch am bedeutendsten die Dompropstei 1775 und die Domdechantei von _J. M. Kuechel_, einem Gehilfen Neumanns (jetziges erzbischoefl. Palais) und aus 16. Jh. der Jungkindshof. Das Bild der geistlichen Stadt vervollstaendigt sich durch die Absteigequartiere der Aebte aus der Dioezese: erhalten der *Langheimer Hof* und der *Ebracher Hof*, beide noch M. 18. Jh. von _J. M. Kuechel_. *Antoniterhof* mit *Laurenzi-Kap.*, got. Anlage, 1629 umgebaut, unbedeutend. *Clarissen-Klst.*, gegr. 1341, profaniert. *Dominikaner-K.* (jetzt Militaer-Depot). Chor 1380-87 in der gewoehnlichen polyg. Anlage; das Lhs. hat 3 Sch. von gleicher Hoehe mit flachen Decken. (Umbau des 16. Jh.?). Der Kreuzgang verwuestet. *S. Gangolf*. Ehem. Stifts-K., gegr. 1063. Anlage und Mauerkern gehoeren einer rom. kreuzf. Basilika. Obergaden noch mit rom. Fenstern. Die Arkaden got. erweitert, an die Sschiffe got. Kapellen angebaut. Das Ganze got. eingewoelbt. Sprom., oben in got. Formen uebergehend die Doppeltuerme der Fassade. Zwischen ihnen schaut der Mschiffsgiebel vor. -- In den sehr verbauten Stiftsgebaeuden Reste eines rom. Kreuzgangs. *S. Elisabeth*. Kleiner spgot. Bau, willkuerlich neugot. rest. -- Ein paar _Holzfigg._ aus der Schule _Riemenschneiders_. *Franziskaner-Klst.* Die K. abgebrochen, die Konventsgebaeude als Landgericht umgebaut. *S. Getreu* (S. Fides?). Gruendung des h. Otto, 1727 ff. gaenzlich erneuert, unansehnlicher Barockbau. In ihm grosse _Kreuzigungsgruppe_, welche Endpunkt von _Stationsbildern_ war, die sich von S. Elisabeth den Berg heraufziehen; gestiftet zwischen 1503-1505; weitgehende Anlehnung an _Adam Krafft_, die Auffassung ins Spiessbuergerliche und Grelle gezogen. *Dominik.-Nonnen-Klst. zum h. Grabe*. Als Militaerlazarett umgebaut. *S. Jacob* (ehem. Kollegiatstift), gew. 1109. Dieser Bau im wesentlichen erhalten; die got. und bar. Ueberarbeitung des Innern seit 1866 entfernt; anspruchslos im rom. Sinn restauriert, stoerend die neurom. Ausstattung. -- Flachgedeckte doppelchoerige kreuzf. Basilika, nach dem Vorbild des Doms das Qsch. im W., die Tuerme im O. Im Lhs. 8 schlank proportionierte Saeulenarkaden; steile att. Basen ohne Eckblatt; das Mittelglied von der normalen Form abweichend; Wuerfelkaptt. mit einfacher 2gliedriger Deckplatte. Die oestl. Apsis durch Barockfassade von 1771 maskiert. Die Erdgeschosse der Tuerme, die als Eingangshallen dienten, mit Gwbb. im Ueb.-St., sonst sind die Tuerme got., nur einer erhalten. Der WChor einfach got. erneuert; die Krypta zugeschuettet, ihre rom. Fenster hinter den Chorstuehlen erkennbar. An der OWand des Qsch. Apsidiolen; ihre sehr schlicht behandelten Bgfriese sind die einzigen rom. Formen, die der Aussenbau sich noch bewahrt hat. *Karmeliter-K.* 1157 Benedikt.-Nonnen-Klst., 1589 Karmeliter. Die K. 1694 ff. von _Leonhard Dientzenhofer_, ein mittelgrosser Barockbau der nuechternen Art. Um den rom. Bau nicht gaenzlich zu zerstoeren, wurde der Chor (mit verkehrter Orientierung) zwischen dessen Fassadentuerme eingebaut; von diesen jetzt nur einer erhalten, dazu das sehr grosse, mit Zickzackornament eingefasste Mittelportal aus E. 12. Jh.; es hatte vorher schon ein got. Umbau stattgefunden. In den formlosen, kellerartigen Raeumen unter dem jetzigen Chor rom. Reste. Das Niveau der rom. K. muss tiefer gelegen haben. Interessant der grosse rom. _Kreuzgang_. Am OFluegel Bogenfragmente des Kapitelsaales im Stil des 12. Jh. Der Kreuzgang selbst ruhte auf Sll. und war flachgedeckt; schon ein got. Umbau hat ihn sehr entstellt. [Ein Teil der Sll. jetzt im Muenchener Nat.-Mus.] Zur Geschichte der Bamberger Lokalarchitektur bmkw. der sog. _Fremdenbau_ (links von der jetzigen Fassade) beg. 1692. Umbau des Klst. 1690-1710. *Katharinen-Kap*. s. Alte Hofhaltung. *Liebfrauen*- oder *Obere Pfarr-K.* -- Der einzige bedeutendere got. Bau, der in Bamberg zustande gekommen ist. Geldsammlungen 1320; wann wirklich begonnen, unbekannt; Weihe 1387; die Formen sprechen fuer 2. H. 14. Jh. Umbau des Lhs. 1782; die Nachricht, dass der damals vorgefundene Bau flachgedeckt gewesen und auf Saeulen geruht habe, die nur verstaerkt zu werden brauchten, wird von den Lokalhistorikern irrig auf rom. Stil gedeutet; die Mauern des Lhs. sind, wie Sockel und Gesimse beweisen, durchaus got., auch sind die Stuetzenabstaende des Innern nur bei einem got. Bau moeglich; also war es eine flachgedeckte got. Basilika in der Art der Bettelordenskirchen; durch moderne Rest. ist das Innere jedes Interesses beraubt. -- Ein neuer Plan tritt mit dem Chor ein; gewoelbt; innerer Schluss 5/8, Umgang 9/16 mit Wechsel 4 eckiger und 3 eckiger Joche; zwischen den Strebepfll. flache Kapellen. Aussen treten die Strebepfll. nur als dekoratives Relief aus der Wand hervor; jedoch wachsen sie durch das Dach durch und nehmen Strebebgg. auf. Das Aeussere ist mit reichem, aber wenig edlem Schmuckwerk ueberdeckt; ueber den Kapp. Giebel, am Hochchor Flaechendekoration durch Stabwerk, eine grosse Menge von Statuen war vorgesehen (wie auch an den Wanddiensten des Innern), kam aber nicht zur Ausfuehrung. Am noerdl. Ssch. die "Brauttuer" unter einem hohen Baldachinvorbau. Der an der SWEcke stehende Turm gehoert der zweiten Bauperiode an; auch nicht ganz vollendet; sein Partner nie begonnen. -- _Das Innere_ uebervoll von Altaeren und einzelnen Kunstwerken; ueberwiegend 18. Jh. und modern. Zerstreut einige Holzplastik aus E. 15. bis M. 16. Jh. Darunter (jetzt hinten im Chor) 3 grosse _Holztafeln_, Reste eines Altars, beglaubigtes Hauptwerk des _Veit Stoss_ bez. 1523, das Mittelstueck ca. 2,50 : 3,50, ganz gemaeldemaessig komponiert; aber technisch nicht Relief, da die Vordergrundfiguren voellig rund ausgearbeitet, Christi Geburt, die Musikinstrumente der Engel 1864 z. T. "hinwegrestauriert" und dadurch die Bewegungsmotive unverstaendlich gemacht (vgl. die alte Abb. bei Schellenberg). -- Gegenueber in einer Kap. _Sakramentsnische_ bez. 1492; Wandkomposition; unten Grablegung; zu beiden Seiten Einzelstatuen in 2 Reihen uebereinander; die Kroenung 1864 verstuemmelt; die schlechte Beleuchtung erschwert das Urteil, anscheinend kaum mittelmaessige Arbeit. -- _Taufstein_ mit eingelegten Holzreliefs. -- Als Beispiele fuer die Lokalkunst des 18. Jh. waeren noch zu nennen: die _Hochaltarplastik_ von _J. J. Vogel_ und am westl. Ende des noerdl. Ssch. _Gemaelde_, der verlorene Sohn, von dem seiner Zeit Ruf geniessenden _Joh. Nik. Treu_. -- An der _Brauttuer_, 2. H. 14. Jh., Statuen der klugen und toerichten Jungfrauen, im Tympanon Vermaehlung Christi mit der Ecclesia. -- An der WFront roher _Oelberg_ 1502. -- In der Schatzkammer bmkw. _Monstranz_ 1477. *S. Martin.* 1685-93 als K. des Jesuitenkollegiums, Entwurf von _Georg Dientzenhofer_, damals in Waldsassen (Bd. III) taetig. Anlage nach dem seit S. Michael in Muenchen fuer kathol. Barockkirchen beliebtesten Schema. Imposantes tonnengewoelbtes Hauptschiff mit zweigeschossig, in Kapellen und Emporen, geteilten Abseiten; die Emporen liegen sehr hoch, naemlich auf der Linie des Gewoelbekaempfers; das Qsch. schmal, so dass die Vierung kein volles Quadrat bildet. Ueberwiegend Korb- u. Stichboegen. An der Flachkuppel perspektivisch gemalte Scheinarchitektur in der Art des beruehmten Jesuiten _Pozzo_, doch nicht von ihm selbst, wie irrig angenommen wurde, sondern von einem sonst unbekannten _Fr. Marcolini_. Fassade in reicher, schwerer, unruhiger Gliederung. *S. Matern.* Kleiner flachgedeckter rom. Bau, fast ohne Formen. *S. Michaelis-K.* Ehem. Benediktiner-Klst. Erster Bau 1009 bis 1021, zweiter 1121-1168 (?); Reparaturen 1486; weitere nach Brand 1620 und 1700 ff. -- Die rom. Basilika in der Substanz, wenn auch nicht in der Formenerscheinung, erhalten. Bedeutende Abmessungen. Lhs. 39,70 l., 20,50 br.; rechnet man dazu Vorhalle, Qsch. und Chor, so muss eine Gesamtlaenge von mehr als 70 angenommen werden. Trotz der Veraenderungen, gerade im O und W, das Hirsauer Schema unverkennbar. Der Hauptchor got. umgearbeitet, die Nebenchoere in Rokoko-Sakristeien verwandelt. Spgot. Netzgwbb. und spgot. Fenster. Die rundbg. 9 Arkaden des Lhs. rom. und so auch der Kern der Pfeiler; ihre Form wird ebenso wie die der Pilaster des Hochschiffes der Reparatur von 1610 angehoeren. Echte rom. Profile am letzten oestl. Pfeilerpaar; dasselbe ist durch Vorlagen kreuzfoermig gestaltet und traegt Gurten im Neben- und Hauptschiff. In diesem letzten Joch auch rom. Kreuzgwb. Das ist ein charakteristisch hirsauischer Zug; der ursp. Sinn die Absicht auf Tuerme im Winkel zwischen Lhs. und Qsch. (vgl. Paulinzelle). Sie scheinen, wie oefters so auch hier, nicht ausgefuehrt worden zu sein. Eine Krypta, auch dies hirsauisch, fehlte; die Ueberhoehung des Chors erst im 18. Jh., wie der noch 1718 vorhandene Baldachin ueber dem Grabe des h. Otto beweist, fuer den die jetzige Anlage keinen Raum gewaehrt (vgl. die Abb. bei Ludewig, Scriptores rer. Bambg. 1718). Am noerdl. Ssch. kleiner Rest des rom. Bogenfrieses; vollstaendiger am Qsch., wo auch die Fenster rom. Ganz veraendert der WBau. Er hat ein got. Turmpaar und eine vorgeblendete Barockfassade. 1700 von _Leonhard Dientzenhofer_. -- _Innere Ausstattung_, 1725-48, im Gesamteindruck durch die moderne Rest. beeintraechtigt. Alle Mobilien aus Holz, die praechtige _Kanzel_ von zwei Bamberger Kuenstlern, dem Tischler _Franz Boehm_ und dem Bildhauer _Reuss_. Das _Altarbild_ im Chor von _J. J. Scheubel_ 1750. -- _Grab_ des h. Otto in Tumbenform 14. Jh., mittelmaessig, stark veraendert; an der Wand ein ikon. _Grabstein_ in etwas aelterem Stil, angeblich ebenfalls Otto. -- Die _Epitaphe_ von Bischoefen wurden auf Anordnung Koenig Ludwigs I. aus dem Dom hierher versetzt. Hervorzuheben im noerdl. Ssch.: no 3 und 7 B. Zobel v. Giebelstadt und B. Voit v. Wuerzburg, von _Hans Wemding_ 1577, 1580; no 4 B. Ernst v. Mengersdorf, von _Hans Werner_ 1596; no 6 B. Neidhard v. Thuengen von _Mich. Kern_ 1598. Die Reihe des suedl. Ssch. bar. und rok. -- _Klostergebaeude_. Hauptbau 1696-1702 von _L. Dientzenhofer_, andere Teile juenger. Gaenzlich schmucklos und nur durch die ungeheure Masse wirkend. *S. Stephan.* Vom ma. Bau nur ein stattlicher Turm aus 18. Jh. uebrig geblieben; 5 mal durch kraeftige rom. Bgfriese und Ecklisenen geteilt, in dem oberen Geschosse gekuppelte Schalloeffnungen in frgot. Form. Die K. voellig umgebaut; Chor 1628 von _Giov. Bonalino_, nach dem Plan des Brandenburgischen Baumeisters _Valentin Junker_; Sch. 1677 von _Petrini_. Annaehernd gleicharmiges Kreuz, in N, S, O polyg. An einigen Stellen, besonders im Chor, treten got. Bestandteile zu Tage. -- Das Stuckrelief ueber der Vierung von _J. J. Vogel_. _Propsteigebaeude_ (jetzt Praeparandenschule) von _J. M. Kuechel_ um 1760. *Friedhofs-Kap.* an der Strasse nach Hallstadt (Goenninger-Kap.), gestiftet 1767. Das Innere konnte ich nicht sehen, das Aeussere in eleganten Verhaeltnissen und schon etwas aus dem Rokoko herausstrebend. Um das flache Dach laufen Balustraden mit Kindergruppen. Die Fenster schliessen geradlinig mit gerader Verdachung. An der Fassade grosse _Relieftafel_, die Stifter vor dem Gekreuzigten. -- *Aelteres Jesuitenkollegium* (Gymnasium) 1611; bmkw. Portal zur Aula 1613. *Juengeres Jesuitenkollegium* (jetzt oeffentl. Bibliothek und Lyceum) 2. H. 17. Jh. und A. 18., die aelteren in der Tradition der deutschen Spaetrenaissance. *Ernestinisches Klerikalseminar* am Maximiliansplatz. 1733 nach Entwurf _B. Neumanns_ von _Justus Heinrich Dientzenhofer_. *Altes Rathaus* (jetzt Hauptzollamt), grosser schmuckloser Renss.Bau. *Neues Rathaus* auf der Regnitzinsel; 1744-56 aus einem got. Brueckenturm (z. Z. noch erkennbar) umgestaltet. Fassadenmalerei von _Jos. Anwander_, neuerlich mit Glueck rest.; Altane, Stuckdekoration, plastische Gruppe auf der Bruecke von _B. Mutschelle_; alles zusammen ueberaus gluecklich und originell in der kuenstlerischen Ausnutzung der Oertlichkeit, ein malerisches Architekturbild ersten Ranges. *Hochzeitshaus* am Fischmarkt 1618, die praechtigen Giebel 1871 zerstoert. *Hauptwache 1774*, Bildhauerarbeit von _Kamm_. *Gangolfstor*, schmuckreicher Bar.-Bau im Charakter einer Ehrenpforte 1697 von _J. L. Dientzenhofer_. *Privathaeuser*. Gotik und Renaissance sind in Bamberg nicht vertreten. Dagegen begann ein Menschenalter nach dem. 30jaehrigen Kriege eine sehr lebhafte Bautaetigkeit mit einem Zuge zum Ueppigen, dem eine vortrefflich ausgebildete Stucktechnik die Mittel gab. -- Hauptbeispiel das _Prellsche Haus, Judengasse_ 14, und das _Concordiahaus_. Beide fuer denselben Bauherrn, J. J. T. Boettinger, und ungefaehr gleichzeitig (angeblich 1721-31). In beiden erinnert die Grundrissdisposition auf ansteigendem Gelaende und dessen Ausnutzung zu Hof- und Gartenterrassen an italienische, speziell genuesische Vorbilder. Die stilistische Ausbildung aber ist ganz verschieden. Im Prellhause sind die Treppen und sonstigen Innenraeume noch im Sinne des 17. Jh. in gedrueckten Verhaeltnissen, in der noch durchaus bar. Dekoration schwuelstig und beinahe roh, aber von grosser Kraft der malerischen Effekte; ebenso die Fassade. Die Ueberlieferung bringt den Bau in ziemlich unsicherer Weise mit dem Namen Dientzenhofer (welcher der vielen?) in Verbindung. Ungewissen Autors auch das sehr bmkw. _Concordiahaus_; ohne sehr gross zu sein in der Haltung eines monumentalen Palastes. Den _Dientzenhofer_ zugeschrieben: Langgasse no 18 und no 32, Nonnenbruecke no 1, Gruenmarkt no 31, Karolinenstr. 11 (a. 1716). -- Von _J. M. Kuechel_ (lebte 1703-69) Karolinenstr. 1, 2, Kaulberg no 7, Judengasse 7, 12. -- Von _Fink_ 1789: Langgasse no 13. *Brunnen*. Neptunsbrunnen ("Gabelmann") am Gruenmarkt 1698; an der Domterrasse 1777 von _Trautmann_. *Sammlungen*. K. Bibliothek mit wichtigen Bilderhandschriften. _Gemaeldegalerie_ auf dem Michaelsberg. _BANZ._ OFranken BA Staffelstein. *Benediktiner-Klst*. (jetzt Schloss). Die Kirche 1710-18 wahrscheinlich von _Joh. Dientzenhofer_. -- Das typische Schema der Barockkirche -- Langschiff mit Seitenkapellen und Emporen und eingezogenem Chor -- ist nur im allgemeinsten beibehalten, in der Einzelausbildung unterliegt sie einer Umbildung, die an die extremsten italienischen Barockmeister, wie Borromini und Guarini, sie ueberbietend, erinnert. Die gerade Linie ist im Grundriss voellig aufgegeben, die Pilaster stehen deshalb schraeg und die Gewoelbegurten folgen ihrer Richtung. Die grosse Pfeilermasse, die das Sch. in zwei Querraeume zerlegt, setzt sich aus den Segmenten groesserer und kleinerer Ellipsen, die im Grundriss der Gewoelbegurten wieder aufgenommen werden, zusammen. Wieder andere Ellipsen bestimmen den Gr. der je 2 Seitenkapp. und der ueber diesen angelegten Emporen. Fuer das Auge unmittelbar fassbar ist der geometrische Einteilungsgrund nicht und soll es auch nicht sein. Nur um Einheit im malerischen Sinne handelt es sich, und auch nur fuer einen einzigen Standpunkt, beim Eintritt in die Kirche, ordnen sich die Linien vollkommen zu dem erstrebten Bilde; hier aber ist es in hohem Grade harmonisch und grossartig, in der Wirkung noch erhoeht durch die raffinierte Kunst der Lichtfuehrung. Es bleiben naemlich dem Beschauer die Fensteroeffnungen, immer den genannten massgebenden Standpunkt vorausgesetzt, unsichtbar, vergleichbar den Lampen einer Theaterdekoration, an die man ueberhaupt durch die ganze Anlage erinnert wird. Zum Schluss trennt eine durchsichtige Saeulenstellung den Altarraum von dem dahinterliegenden langgestreckten Moenchschor; der geheimnisvolle Durchblick ist wieder ein ganz malerischer und als solcher vorzueglich durchgefuehrter Gedanke. Alles eigentliche Detail ist aber gleichgueltig, ja roh behandelt und kommt auch neben den starken Effekten der ganz in Gold gesetzten Altaere und farbenkraeftigen Deckenfresken kaum in Betracht. -- Die Aussenarchitektur kann an den, zum Glueck wenig sichtbaren, Langseiten nur abstossend heissen; sie hat die Kosten der oben geruehmten Innenbeleuchtung zu zahlen; recht tuechtig dagegen die zweituermige Fassade, zumal in der Fernwirkung. *Klostergebaeude*. Zum Teil aelter als die K., zum Teil juenger. Der kolossale, 27 Achsen in der Front und mehrere Lichthoefe umfassende Hauptbau, 1698-1704 von _Joh. Dientzenhofers_ aelterem Bruder _Leonhard_. Der Mittelbau der Fassade juenger. Die Verwaltungs- und Wirtschaftsraeume, auf einer tieferen Stufe des stark abfallenden Gelaendes, 1752 ff. nach Angaben von _Balth. Neumann_. Die Kunstformen durchweg einfach; das gediegene Quadermaterial und die glueckliche Ausnutzung der Terrainbewegung wirken doch zu einem bedeutenden Gesamteindruck zusammen. _BARCHFELD._ RB Cassel Kr. Schmalkalden. *Schloss* der Familie v. Stein. 1571, mit aelterem Turm, in dessen Verliess originelle Reliefs von 1570, von einem Gefangenen ausgekratzt. *Landgraefliches Schloss*, von 1690, im 18. Jh. gaenzlich umgebaut, mit gut eingerichteten Zimmern in Rokoko und Empire. _BAeRENSTEIN._ K. Sachsen AH Dippoldiswalde. *Stadt-K.* 1495. Nach wiederholten Braenden 1738 unter Leitung von _J. Ch. Simon_ erneuert. Reste eines stattlichen _Altarwerks_, Renss. 16. Jh., mit Sandsteinreliefs. _Grabst._ 1522, 1612, 1703 *Schloss* 15. und 16. Jh. _BARNSTEDT._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* Spaetgot. WTurm mit gedrehtem Spitzhelm. Schiff 1748, stuckiert, Kanzelaltar und Orgel aus dieser Zeit. _BARUTH._ K. Sachsen AH Bautzen. *Dorf-K.* 1704, rck. Saal mit Holzemporen, Turm 1768 hinzugefuegt. -- v. Gersdorfsche _Grabsteine_, 1597, 1620, 1628, 1629, 1658. *Schloss*. Unregelmaessige spgot. Anlage, SFluegel 17. Jh. Ansprechende Bar.Einrichtung der Kapelle. Galerie mit schoener Stuckdecke und zahlreichen _Portraets_. _BASDORF._ RB Cassel Kr. Frankenberg. *Gerichtslinde* mit Baenken und von Steinsaeulen getragenem Gebaelk zur Unterstuetzung des Astwerks. _BAUERBACH._ RB Cassel Kr. Marburg. *Dorf-K.* Geringer spgot. Bau. Der quadr. Chor-Turm aus rom. Anlage wie auch an der WWand 2 vermauerte rom. Fenster. _BAUMERSRODE._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* Rom. OTurm mit gepaarten Fenstern. Schiff 1640. _BAUNACH._ UFranken BA Ebern. *Pfarr-K.* 1 sch. spgot. mit hohem Turm (W), charakteristisch der Helm mit vier Ecktuermchen. *Wallfahrts-K.* (Sog. Ueberkomm-Kap.) Spgot. Anlage mit polyg. Chor und reicher Aussengliederung. -- Von der _Einrichtung_ (bar. um 1680) erwaehnenswert die spgot. _Tumba_ des seel. Ueberkomm im Chor mit einh. Spitzbogenblenden. -- _Johannesschuessel_, 2. H. 15. Jh., geschnitzt. -- Verschiedene spgot. _Holzfigg._ um 1500; teilw.l Bamberger Stils. -- Auf dem freien Platz um die Kapelle _Predigtkanzel_; spgot. um 1500. *Amtshaus*. 2geschossige langgestreckte Anlage; spaetbar., mit Treppenturm. A. 18. Jh. Innen guter _Kachelofen_ der Zeit; vermutlich Bamberger Arbeit. *Rathaus*. M. 18. Jh. *Hoftor* in der Eberner Strasse; die sog. "Hoelzernen Maenner". Typische Toreinfahrt im Rundbogen, den zwei in Hochrelief geschnitzte Reisige in barocker Tracht stuetzen; das Ganze mit Pultdach gedeckt; bez. 1710. _BAUTZEN._ K. Sachsen Amtshauptstadt. *Dom S. Peter*. Aelteste Pfarr-K. der Stadt. Von den Bauten der Meissener Bischoefe Eiko (992-1015) und Benap (1066 bis 1106) hat sich nichts erhalten. Lebhafte Bautaetigkeit 1293 bis 1303 und dann wieder in 2. H. 15. Jh.; Vollendung 1497. Erhebliche Ausbesserungen nach Braenden 1634 und 1813. Im 16. Jh. wurde die K. in der Weise geteilt, dass das Lhs. den Protestanten eingeraeumt wurde, der Chor den Katholiken verblieb. -- a) _Westbau_. Aeltester Teil das vorspringende Mittelstueck. Ein starker Einzelturm war beabsichtigt, wurde aber nur bis zum Zickzackfries des Erdgeschosses ausgefuehrt. Spitzbg. Portal mit schlichtem Wimperg, am Gewaende je 1 Sl. zwischen gekehlten Profilen, E. 13. Jh. Bald darauf Uebergang zu 2tuermigem Projekt. Ausgefuehrt der STurm, nach Brand 1441 erneuert; Kroenung mit 2 Achteckgeschossen; der Bar. Helm in vortrefflichem Umriss 1664 von _Martin Poetzsch_. Die Mitte und der rechte Fluegel der Fassade blieb unvollendet, ein Giebel mit bar. Zierat schliesst sie ab. b) _Langhaus_. 3sch. Hallenkirche von 8 Jochen, Schluss 3seitig mit 5seitigem Umgang. Zwischen dem 3. und 4. Joch starke Knickung der Fluchtlinie nach S. Formencharakter des 15. Jh., wenn auch Teile der NWand aelter sind. Schlanke kaempferlose 8 Eck-Pfll., Netzgwb. 1456-63 wurde nach S ein viertes Schiff angefuegt; es ist durch grosse 6teilige, besonders praechtige Fenster ausgezeichnet. Das kolossale Satteldach ist allen 4 Schiffen gemeinsam; seine Firsthoehe 39 m, waehrend die Gwb.Scheitel nur 16m haben. Ganze innere L. 60 m. Material in den aelteren wie in den juengeren Teilen Granit. -- _Ausstattung des protestantischen Teils_. Landstaendische Empore unter der Orgel, nach 1636. Fuerstenloge 1673. Altar 1644, 2geschossig mit je einem grossen Reliefbild. Kanzel 1817. Orgel 1642, wiederholt umgebaut. -- _Ausstattung des katholischen Teils_. Vieles in neuerer Zeit beseitigt, z.T. im Domstift untergebracht. Hochaltar bar. Saeulenbau aus Marmor 1722 von _Fossati_. [Die Statuen zweier Kirchenvaeter von _Permoser_, zu seinen besten Arbeiten gehoerend, jetzt im Domstift. Ebenda Gemaelde von _Pellegrini_.] Am neuen Altar der NSeite lebensgrosses _Kruzifix_ von _Permoser_. _Chorgestuehl_ A. 18. Jh., reich geschnitzt, im Aufbau unbedeutend. Reizvoller _Rok.-Altar_ in der Sakristei. -- _Domschatz_. Tragaltaere 1398 und 1450. Prachtvolles Pazifikale um 1530. Reliquiarium um 1500. Eine Reihe sehr schoener spgot. Kelche. Silberne Statuetten des hl. Petrus und Bartolomaeus, hervorragend. Bischofsstaebe. -- _Bildnisgrabsteine_ des 16. und 17. Jh. in grosser Zahl. Hoelzerne _Wandepitaphe_. *Liebfrauen-K.* 1sch. Bau des 15. Jh., im 17. und 19. Jh. voellig umgestaltet. *Nikolai-K.* Kleine symmetrisch 2sch. Hallenkirche des 15. Jh. Seit dem Stadtbrande 1634 Ruine. -- Auf dem Kirchhof _Denkmaeler_ des 18. Jh. *Michaelis-K.* Kleine 3sch. Hallenkirche um 1430. *Moenchs-K.* (Franziskaner). Beg. um 1300 als Bruchsteinbau. Um 1400 in Backstein gegen O erweitert. Ruine. *Taeufer-K.* Ursp. vor der Stadt. Klein, unbedeutend, oft veraendert. -- Ausgedehnter Kirchhof mit sehr zahlreichen und z. T. aufwaendigen Denkmaelern des 17. und 18. Jh. *Ortenburg*. Als Grenzburg angelegt um 1000. Von Grund aus neu gebaut 1483-86 im Auftrage des Koenigs Matthias von Ungarn. Im 30j. Kriege stark beschaedigt, im 19. Jh. z.T. umgebaut. -- Die aus mehreren Gebaeuden bestehende Anlage folgt dem Umriss der Felsplatte. Der Hauptbau spgot. Durchgreifende Rest. 2. H. 17. Jh. durch _Ezechiel Eckhardt_. Maechtiges Dach mit 3 wohlgegliederten grossen Zwerchhaeusern. Audienzsaal mit ausgedehnter, sehr reicher Stuckdecke von 1662; das Figuerliche ueberwiegt; 8 Felder mit Darstellungen aus der Fuerstengeschichte von Boehmen, Oesterreich, Schlesien und Sachsen; im Rahmenwerk Putten und Karyatiden. -- Der bedeutendste Baurest der got. Periode der Schlossturm; unten Torfahrt; darueber 3teilige Aedikula, bez. 1486, in der Mittelnische _Koenig Matthias Corvinus_ thronend, von Engeln gekroent, als Fussschemel ein Loewe; die Wappen der Seitenfelder zerstoert; im ersten Obergeschoss Wachtstube; im zweiten Kapelle mit zierlicher, sehr bmkw. Innenarchitektur. *Domstift.* Neubau 1507, E. 17. Jh. fast ganz umgebaut, Hauptportal 1753. *Rathaus* wesentlich A. 18. Jh., aus dieser Zeit auch der durch feinbewegten Umriss ausgezeichnete Bar.Helm des im Mauerwerk spgot. 8 Eck-Turmes. Die _Sandsteinstatue_ des sog. Ritters Deutschmann kroente ursp. einen Brunnen; 1576 von _Chr. Wolter_ in Dresden. Treppenhaus der NSeite 1729. Praechtige Tuer des Ratssaales 1664. Reihe von _Bildnissen_. [Der Ratsschatz jetzt im Museum.] *Gewandhaus*. Unter den Neubauten von 1882 der spgot. Ratskeller; das Sterngwb. ruht auf einem einzigen granitenen Mittelpf. *Schiesshaus*. Oft umgebaut, zuletzt 1767. Bmkw. Schatz und Scheibenbilder. -- Von der einst sehr starken *Stadtbefestigung* hat sich ein betraechtlicher Teil der inneren Tuerme erhalten. Ferner: der Lauenturm 1400, Laternenhelm 1732; der Reichenturm, schlanker spgot. Rundbau mit steinerner Bar.Kroenung 1717; an der Mauer das Denkmal fuer Kaiser Rudolf II. von _Martin Michael_ 1577, im 19. Jh. stark uebergangen. Der Wendische Turm, gleichfalls rund, mit interessantem Helmstuebchen. Der Schuelerturm mit spgot. Kreuzigungsrelief. Die Gerberbastei, ein Rundturm mit 3,5 m starken Mauern, erb. 1503. Nikolaiturm 1521, mit Stadtwappen. Technisch interessant und von imponierender Silhouette die "alte Wasserkunst", erb. nach 1558 von _Wenzel Roehrscheidt_. Die "neue Wasserkunst" 1600. *Wohnhaeuser*. Sie lassen Bautzen wesentlich als eine Stadt des Barockstils erscheinen. Die aelteren Bauten sind durchweg so umgestaltet, dass sie sich nur aus wenigen Resten erkennen lassen, a) _Zwischen_ 1634 (_Stadtbrand_) _und_ 1709. Reichenstr. 12, an der Fassade ueber und zwischen den Fenstern Stuckdekoration in schweren Blumengehaengen, um 1720 hinzugefuegt. Burgplatz no 6 um 1680. Burglehn no 7 a. 1699. -- b) _Zwischen_ 1709 _und_ 1720. Reichenstr. no 14, Innere Lauenstr. no 6, beide mit Fassadenschmuck in Stuck, Fleischmarkt no 8 Hof und Innenraeume zu beachten. -- c) _Zwischen_ 1720 _und_ 1740. Wendische Str. no 8, stattliche Pilasterfassade. Heringsgasse no 1, Eckhaus, im Innern Stuckdecken. Hauptmarkt no 8. Reichenstr. no 5. -- d) _Zwischen_ 1740 _und_ 1780. Reichenstr. no 24, Toepferstr. 34. *Stadtmuseum* am Kornmarkt. _BAYREUTH._ OFranken BAmtsstadt. *Stadt-K.* Von dem Bau des 13. Jh. vielleicht die Fundamente der WTuerme; sonst Neubau, beg. E. 14. Jh. mit dem Chor, Hauptzeit 1438-68. Mittelgrosse 6jochige Basilika, Chor in der Hoehe des Msch. 2 Joche und 5/8 Schluss. Netzgwb. 17. Jh. Imponierende weitraeumige Verhaeltnisse, Formen aeusserst nuechtern. Das Aeussere, ernst und kraftvoll, verraet wenig die Entstehungszeit. Besonders bmkw. die nachdrueckliche Behandlung des Strebewerkes mit offenen Boegen; an den Fenstern maessige Verwendung von Fischblasen. Brauttuer am Treppen-Turm der Sakristei 1575. -- Die Tuerme 5geschossig geteilt durch Masswerkfriese; kurze oktogonale Aufsaetze mit welschen Hauben 1621. -- Das Innere durch die Rest. des 19. Jh. seiner praechtigen Barockausstattung beraubt; nur der treffliche _Hochaltar_ von 1615 und der gleichzeitige Taufstein mit Reliefs von _H. Werner_ erhalten. Die wenigen uebrig gebliebenen _Statuen_ an den Chorstreben A. 15. Jh. geringwertig. *Schloss-K.* 1753 von _St. Pierre_; einfacher, niedriger Saal mit Flachdecke; durch modernen Anstrich ernuechtert; die leichte zierliche Stuckierung von _Martino Petrozzi_. Gruftkap, fuer das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine in trockenstem Zopf. *Spital-K.* 1748 von _St. Pierre_; ueber dem schlichten quadr. Raum Deckenbild von _Wunder_. *Ordens-K.* in S. Georgen. Als Kapitels-K. des Ordens "de la sincerite" (nachmals Roten Adlers) 1705-11 von _G. v. Gedeler_. Griechisches Kreuz mit Emporen. Stuckaturen und Malereien von einheimischen Meistern. Im Aufriss toskanische Pilaster. (In der Sakristei interessantes Gemaelde von _H. S. Beham_, frueher in der fuerstl. Loge der Stadt-K.) Betsaal der *Gravenreuther Stiftung* 1741 von _J. G. Weiss_. *Kanzlei*. 1625 von _Abraham Schade_. Streng klassizistische, die niederlaendische Schulung _Schades_ verratende Formen. Die Temperantia und Justitia ueber dem gebrochenen Portalgiebel von _Abr. Gross_ aus Kulmbach (vgl. dessen Arbeiten am Rathaus zu Nuernberg). Im 18. Jh. die Fassaden symmetrisch verlaengert. *Altes Schloss*. Vom Bau des 16. Jh. der Mauerkern des 8eckigen Turms; die fahrbare Schneckenstiege 1610; das Sonstige, Umbau und Erweiterung seit 1667. Unregelmaessiges, nach dem Marktplatz ("Maximilianstr.") offenes Quadrat. Die Fassaden von dem Hugenotten _Ch. Ph. Dieussart_. Auffallender Weise hat das Erdgeschoss die reichste Behandlung: gequaderte dorische Pilaster, ueber den Fenstern Medaillons mit Buesten, alles in vortrefflich reiner, strenger Zeichnung; das Mittel- und Obergeschoss nur in Verputz, ohne Pilaster und Gesimse. Nach dem Brande 1753 z. T. Ruine. Im Innern nur ein Treppenaufgang alt. *Neues Schloss*. 1754 von _St. Pierre_. Lang gestreckt, wenig tief, nur der 3 achsige Mittelbau in bedeutenderen Architekturformen. Eingangshalle und Treppenhaus verhaeltnismaessig bescheiden. Die Wahl der Gemaecher ist gross, ihre Ausstattung entfernt nicht so prunkvoll wie etwa in den geistlichen Fuerstensitzen aus der ersten Jahrhunderthaelfte. Die Mittel waren geringer, doch auch der Geschmack in der Wendung zum Intimen und Natuerlichen. Im Festsaal Wandgliederung durch gekuppelte korinth. Pilaster von schwachem Relief; das Gebaelk nicht verkroepft; Rokokoornament (von _Petrozzi_) nur an der flachen Hohlkehle; das Deckengewoelbe (von _Wunder_) jetzt uebertuencht. Hervorzuheben noch das Spalierzimmer, das Musikzimmer, die mit Cedernholz vertaefelte Speisegalerie. -- Urspruenglich alleinstehend der 1759 errichtete "italienische Bau"; der von _Petrozzi_ dekorierte Festsaal gibt eine wohlgelungene Verschmelzung von Rokokoformen mit Barockerinnerungen. *Opernhaus*. 1744-48, Fassade von _St. Pierre_, innere Einrichtung von _Carlo Bibiena_ aus Bologna nach Entwurf seines Vaters _Giuseppe_. Die Buehne ueberrascht durch ihre Tiefe (30 m), die ebenso gross ist, als die des Zuschauerraums. Der letztere im Gr. ueberhoehter Halbkreis, 3 Reihen Logen und vorgebaute Parterreloge, zu der Rampentreppen hinauffuehren. Das Parterre verhaeltnismaessig klein. Der Buehne gegenueber die Fuerstenloge, zu beiden Seiten der Buehne Trompeterlogen. Das Ganze fuer die Hofgesellschaft, die sich selbst ein Schauspiel neben dem Schauspiel auf der Buehne war, der denkbar praechtigste und charakteristischste Rahmen. Die Fluechtigkeit der Ausfuehrung bei der schwachen Beleuchtung damaliger Zeit nicht stoerend. Farbe: blaugrauer Grundton mit ockergelbem, in den plastischen Teilen vergoldetem Ornament. Der Stil hat weder mit dem franzoesischen Louis XV. noch mit dessen deutschen Parallelen etwas gemein; er ist nicht "Rokoko", sondern eine spielende Abart des italienischen Barock, in der immer noch viel mehr konstruktive Konsequenz uebrig geblieben ist, als das Rokoko duldet. -- Die Seltenheit der Erhaltung von Theatern aus dem 18. Jh. verleiht dem Bayreuther erhoehten Wert. *Kaserne*. 1740 von _J. F. Graul_; grosser 3fluegeliger Bau von geschickter Massenverteilung. *Privathaeuser*. Ein aelterer Typus, durch Vorliebe fuer mehrstoeckige Erker gekennzeichnet, dauert bis ins 18. Jh., z. B. Rathaus an der Maximilianstr. Ihm tritt unter Markgraf Friedrich ein neuer, franzoesisierender entgegen; Hauptmeister _St. Pierre_ und besonders _Karl Philipp Gontard_. Die splendide Ausfuehrung in Sandsteinquadern heute durch starke Russschwaerzung beeintraechtigt. Von _St. Pierre_: Friedrichstr. 2 und 7. Von _Gontard_: Hofapotheke Palais Reitzenstein Luitpoldplatz 15, Haus der Gesellschaft Harmonie beim alten Schloss, in der Naehe sein eigenes Haus. *Reiterstandbild* fuer Christian Ernst 1698 von _Elias Raenz_ nach Entwurf von _Leonhard Dientzenhofer_; frueher vor dem alten, jetzt vor dem neuen Schloss; eine wunderlich ueberfuellte und dadurch kleinlich wirkende Barockkomposition. *Markgraefliche Schloesser* in der Umgegend: *St. Georgen*. 1725 von _J. D. Raenz d. J._ Nur als Bruchstueck erhalten (jetzt Zuchthaus). Die Fassade laesst den (durch _Decker_ vermittelten) Zusammenhang mit Schlueter erkennen; der Fries und die neuerfundenen Kaptt. der Pilaster erinnern an den von Georg Wilhelm gestifteten Orden des Roten Adlers. Der prunkvolle Festsaal soll demnaechst hergestellt werden. *Eremitage*. Fuer bestimmte Seiten der Kultur des 18. Jh. eine Illustration von kostbarer Unmittelbarkeit; weniges dergleichen hat sich so gut erhalten. Begonnen von Georg Wilhelm ca. 1720. Eine mit pedantischem Ern