The Project Gutenberg EBook of Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bd.1, Mitteldeutschland, 1914 by Georg Dehio This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no restrictions whatsoever. 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Ich beginne die zweite mit dem Ausdruck des Dankes an alle, die mich bei der Ausführung der ersten unterstützt haben. Ihre Zahl ist so groß, daß ich sie nicht einzeln nennen kann. An der Spitze steht die Dankespflicht gegen Seine Majestät den Deutschen Kaiser, der auf Antrag des Tages für Denkmalpflege durch Allerhöchsten Erlaß vom 27. März 1904 die finanzielle Grundlage des Unternehmens sichergestellt hatte. Die erste Anregung war von dem Unterzeichneten auf der im Jahre 1899 in Straßburg tagenden Generalversammlung der Deutschen Geschichtsvereine gegeben worden. Der erste Tag für Denkmalpflege, Dresden 1900, setzte die Erörterung fort und erklärte sich hinsichtlich der Wünschbarkeit lebhaft zustimmend, die Ausführbarkeit allerdings wurde mehrfach angezweifelt. Unter diesen Umständen mußte ich selbst die Arbeit übernehmen, wohl wissend, daß sie mich auf eine längere Reihe von Jahren vollständig in Anspruch nehmen werde. Sie zu einem ersprießlichen Ende zu führen wäre mir auch nicht möglich gewesen ohne die treue und unermüdliche Unterstützung der mir beigegebenen Kommission. Sie bestand aus Hugo Lörsch, Cornelius Gurlitt und Adolf von Oechelhäuser. Für Lörsch, dessen Tod wir im Jahre 1907 zu beklagen hatten, trat Paul Clemen ein. Die Jahre des Zusammenarbeitens mit ihnen werden mir stets in dankbarer Erinnerung bleiben. Jetzt mit der zweiten Auflage tritt das Handbuch unter die Fürsorge des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft. Die grundlegende erste Bearbeitung hatte notwendig das Werk eines einzelnen sein müssen; die nun folgende nachprüfende und ergänzende Kleinarbeit ist nur denkbar in der Verteilung auf viele. Das Einfachste und Wirksamste wäre, wenn die Herren Konservatoren es sich zur Gewohnheit machen könnten, bei ihren amtlichen Denkmälerbesichtigungen und bei ihrer Kenntnisnahme von der lokalen Forschung stets einen Blick auf das Handbuch zu werfen und die ihnen nötig erscheinenden Berichtigungen und Nachträge gleichlaufend einzuzeichnen. Auf diese Weise würde ohne besondere Mühewaltung, fast automatisch, die Sammlung des Materials sich bewerkstelligen lassen. Außerdem wiederhole ich meine an alle Benutzer gerichtete alte Bitte, mich auf etwaige Irrtümer oder Lücken, mögen sie auch noch so geringfügig sein, aufmerksam zu machen. Sie werden damit den Dank aller anderen Mitbenutzer sich verdienen. Aus den zahlreichen im Laufe der Jahre mir mündlich oder schriftlich zugegangenen Beurteilungen entnehme ich, daß die Einrichtung des Buches sich bewährt hat, sie konnte somit ohne wesentliche Veränderungen in die neue Auflage herübergenommen werden. Vor allem hat es Zustimmung gefunden, daß das Handbuch unter Verzicht auf Vollständigkeit, die ein Vorrecht der amtlichen Inventare bleiben muß, nur Sichtung und Auswahl gibt. Welche Gegenstände aufzunehmen, welche auszuschließen seien, das wird immer erneuter Überlegung bedürfen, und ich bitte, auch in dieser Hinsicht mir mit Ratschlägen fernerhin zu Hilfe zu kommen. Keinesfalls sollte der bisher erreichte Umfang der einzelnen Bände in Zukunft wesentlich anschwellen dürfen. Wenn dieses bei dem vorliegenden ersten Bande einigermaßen dennoch eingetreten ist, so ist es eine Folge des gerade hier sehr starken Nachschubs der Inventare. Zur Zeit der ersten Auflage waren etwa zwei Fünftel des Gebietes noch nicht inventarisiert, jetzt fehlen nur noch der bayrische Bezirk Oberfranken und wenige Ämter in Unterfranken und dem Königreich Sachsen. Eine Veränderung, an deren beifälliger Aufnahme ich nicht zweifle, besteht in der Einschränkung der Abkürzungen. Ganz zu entbehren waren sie nicht, wenn anders eine noch weitergehende Erhöhung der Seitenzahl vermieden werden sollte. Strittiger wird das Urteil über eine zweite Veränderung sein: die Weglassung der Literaturangaben. Ich habe mich dazu erst nach langer Überlegung entschlossen. Die Gründe sind folgende: 1. Vollständigkeit ist von vornherein ausgeschlossen; soll aber nur eine Auswahl gegeben werden, so fehlt dafür jede konsequent anwendbare Begrenzung. 2. Es kommt nicht selten vor, daß der wichtigste Beitrag zur Beurteilung eines Denkmals nicht in den von ihm handelnden Sonderschriften, sondern in einem allgemeinen Werke enthalten ist; die Nachweise so weit auszudehnen, würde aber in der Summe viel zu viel Raum in Anspruch nehmen. 3. Bei der Benutzung als Reisehandbuch besteht an den Literaturangaben kaum ein Interesse; tritt es bei der Arbeit im Hause ein, so wird ein Zurückgreifen auf die Inventare nicht zu entbehren sein, und dort findet man ja regelmäßig auch die Literatur bereits verzeichnet. Die Bibliographie der deutschen Kunstgeschichte ist eine Aufgabe für sich, und zwar eine sehr umfassende; ihre Lösung kann nicht nebenher auch von diesem Handbuch verlangt werden. Dagegen hoffe ich, als wichtigsten Zuwachs dieser zweiten Auflage, wofern nicht zu große Schwierigkeiten sich einstellen, zum Schluß ein alle fünf Bände zusammenfassendes Sachregister zu bringen. Die dem Bande vorangestellte kleine Karte beabsichtigt nichts, als eine summarische Orientierung zu geben. Sie beschränkt sich auf Verzeichnung der Kreisstädte, durch die im Text die Lage eines Ortes bestimmt wird. Weiterzugehen, sämtliche in dem Bande beschriebenen Orte -- es sind mehr als 2000 -- aufzunehmen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Straßburg, 31. Dezember 1913. *G. Dehio.* [Blank Page] _VERZEICHNIS DER ABKÜRZUNGEN._ _a) Nach Begriffsgruppen._ *beg.* begonnen. *erb.* erbaut. *voll.* vollendet. *gew.* geweiht. *zerst.* zerstört. *Rest.* *rest.* Restauration, restauriert. *Jh.* Jahrhundert. _In Verbindung damit_ *A.* Anfang, *M.* Mitte, *E.* Ende, *H.* Hälfte, *V.* Viertel. *bez.* bezeichnet. *I.* Inschrift. *rom.* romanisch. *got.* gotisch. *Ma.* *ma.* Mittelalter, mittelalterlich. *Renss.* *renss.* Renaissance _als Substantivum und Adjektivum._ *Bar.* *bar.* Barock, barock. *Rok.* *rok.* Rokoko, rokoko. _In Verbindung mit diesen Stilbezeichnungen._ *fr.* früh, *sp.* spät. *K.* Kirche *Kap.* Kapelle. *Klst.* Kloster. *Basl.* Basilika. *Hllk.* Hallenkirche. *Gr.* Grundriß. *Sch.* Schiff, *3sch.* dreischiffig. *Msch.* Mittelschiff. *Ssch.* Seitenschiff. *Qsch.* Querschiff. *Fig.* *Figg.* Figur, Figuren. *Lhs.* Langhaus. *Bg.* Bogen. *Ark.* Arkade. *Pfl.* Pfeiler. *Sl.* Säule. *Kapt.* Kapitell. *Gwb.* Gewölbe. *Epit.* Epitaph. *Quadr.* *quadr.* Quadrat, quadratisch. *Rck.* *rck.* Rechteck, rechteckig. *1/2 kr.* halbkreisförmig. *5/8 Schluß.* Schluß aus fünf Seiten des Achtecks. *N* *n* Nord, nördlich. *S* *s* Süd, südlich. *O* *o* Ost, östlich. *W* *w* West, westlich. _b) Nach dem Alphabet._ *A.* Anfang. *Abb.* Abbildung. *Ark.* Arkade. *bar.* barock. *beg.* begonnen. *bez.* bezeichnet. *Bg.* Bogen. *bmkw.* bemerkenswert. *E.* Ende. *ehem.* ehemalig. *Epit.* Epitaph. *erb.* erbaut. *Fig.* Figg. Figur, Figuren. *fr.* früh. *gegr.* gegründet. *gest.* gestiftet. *gew.* geweiht. *got.* gotisch. *Gwb.* Gewölbe. *Gr.* Grundriß. *H.* Hälfte. *h.* heilig. *Hllk.* Hallenkirche. *I.* Inschrift. *Jh.* Jahrhundert. *K.* Kirche. *Kp.* Kapelle. *Kapt.* Kapitell. *Klst.* Kloster. *1/2 kr.* halbkreisförmig. *Lhs.* Langhaus. *M.* Mitte. *Ma.* *ma.* Mittelalter, mittelalterlich. *Msch.* Mittelschiff. *N* *n* Nord, nördlich. *O* *o* Ost, östlich. *Pfl.* Pfeiler. *quadr.* quadratisch. *Qsch.* Querschiff. *Rck.* *rck.* Rechteck, rechteckig. *Renss.* Renaissance. *Rest.* *rest.* Restauration, restauriert. *Rok.* *rok.* Rokoko, rokoko. *rom.* romanisch. *S* *s* Süd, südlich. *1 sch.* *2 sch.* etc. einschiffig, zweischiffig etc. *Ssch.* Seitenschiff. *Sl.* Säule. *sp.* spät. *ursp.* ursprünglich. *V.* Viertel. *voll.* vollendet. *W* *w* West, westlich, *whgest.* wiederhergestellt. *zerst.* zerstört. _A_ _ABLASS._ K. Sachsen AH Oschatz. *Dorf-K.* Der rechtwinklig geschlossene Chor mit rundbg. Fenster E. 13. Jh., seine Wölbung in spitzbg. Tonne 14. Jh. Wohlerhaltenes rom. SPortal, dessen 2 Säulen mit zierlichen Blätterkapitellen. Im übrigen anspruchsloser Umbau in spätester Gotik gegen M. 16. Jh. (mit Werkstücken aus dem 1539 aufgelösten Cisterc. Frauen-Klst. Sörnzig) und A. 18. Jh. -- _Sakramentsnische_ um 1480; großes _Holzkruzifix_ in kraftvollen Formen um 1560; _Altarkruzifix_ Meißener Porzellan bester Zeit. _ABTERODE._ RB Cassel Kr. Eschwege. *Pfarr-K.* Spgot. Seit 1809 Ruine. [*K.* des 1077 gegr. Benedikt.Klst. 1867 abgebrochen.] _ABTLÖBNITZ._ Pr. Sachsen Kr. Naumburg. *Dorf-K.* Wesentlich noch der rom. Urbau, flachgedecktes Schiff, stark eingezogener rck. Chor mit Tonnengwb., darüber der Turm. -- Spgot. _Schnitzaltar_ A. 16. Jh. _Kanzel_ in Renss.-Formen. _ABTSWIND._ UFranken BA Gerolzhofen. *Protest. Pfarr-K.* Spgot. mit jüngeren Veränderungen. Am WTurm sehr hübscher Bar.Helm, schlank mit doppelter Laterne und doppelter Kuppel. -- Bmkw. _Schnitzaltar_ um 1500; im Schreine großes Relief der Pietas, kraftvoll und originell; auf den Flügeln (kaum von derselben Hand) links Dorothea und Katharina, rechts Barbara allein; die Malerei der Außenseiten, vielleicht aus Nürnberger Werkstatt, unrestauriert. -- Eine zweite, vollplastische _Pietas_. -- Reste von _Gaden_. -- Im Ort charakteristische _Hoftore_. _ACHELSTÄDT._ Sachsen-Meiningen Kr. Saalfeld. *Dorf.-K.* modern bis auf den rom. Turm an der SSeite, die Ausbildung der Schallöffnungen fällt durch Güte der Arbeit auf. _ADELSBERG._ UFranken BA Gemünden. *Pfarr-K.* Turm 1335, im Untergeschoß Sakristei. Langhaus 1732. _Altarblätter_ von _G. M. Bolster_ 1737. Über dem Westeingang _Rotsandsteinfigur_ St. Laurentius um 1400. _ADELSBORN._ Pr. Sachsen Kr. Worbis. *Schloß.* Einfacher Renss.Bau mit 2 Ecktürmen. _ADELSHAUSEN._ Sachsen-Meiningen Kr. Hildburghausen. *Dorf-K.* 1 sch. Lhs. 1484; der eingezogene, turmtragende quadr. Chor älter. _ADOLFSECK_ siehe Fulda. _AHORN._ Sachsen-Coburg LA Coburg. *Pfarr-K.* Chor und OTurm 14. Jh., der hohe spitze Holzhelm des letzteren mit 4 Ecktürmchen 1627. Aus derselben Zeit das Lhs. mit geputzter Flachdecke. -- An den Chorwänden _Bronzetafeln_ mit Wappen und Inschr., von Grabsteinen abgelöst. _Wandgrab_ (Sandstein) _des Wilhelm v. Streitberg_ 1616, vielleicht das beste Werk des in dieser Gattung vielbeschäftigten Nürnbergers _Hans Werner_ (unter Mitwirkung seines Schwiegersohnes _Veit Dümpel_ aus Altenstein). Wandgrab des _Wilh. Ludwig v. Streitberg_ {~DAGGER~} 1638, Holz in steingrauem Anstrich. *Schloß*. 4 Flügel um einen Hof; der Vorderbau 1556, ausgebaut 1621 von W. v. Streitberg; kolossales Satteldach mit der Traufe nach vorn; mächtige runde Flankentürme mit überkragendem 8eck. Aufsatz und Haubendach. _Mobiliar_ 17. und 18. Jh. _AIDHAUSEN._ UFranken BA Hofheim. *Dorf-K*. Chor im OTurm, Unterbau frgot. An der flachen Lhs.Decke gute Stuckatur um 1770. Gute _Holzfig._ des hl. Sebastian um 1560. Mehrere alte _Glocken_, eine mit Ave Maria 14. Jh., eine andere 1436. -- In der Nähe mehrere _Bildstöcke_. _ALACH._ Pr. Sachsen Kr. Erfurt. *Dorf-K*. 1405. 1sch. mit Achteckschluß. _ALBERSDORF._ UFranken BA Ebern. *Dorf-K*. Gutes Beispiel einer Spätbarocklandkirche; um 1720; mit gutproportionierter Fassade. _ALBERSRODE._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K*. rom. Turm mit gekuppelten Schallöffnungen zwischen spgot. 3/8Chor und dem Schiff von 1823, _Altarwerk_ mit Figuren, außen Gemälde von einem eigenartigen _Cranachschüler_. _ALBSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Kirchhain. *Dorf-K*. spgot., Chor aus 8Eck, im Schiff Holzgewölbe mit skulpierten Schlußsteinen. Umbau für Emporen 1714. _ALEXANDERBAD._ OFranken BA Wunsiedel. *Brunnenhaus* 1782 von _Riedel_ nach »französischer« Bauart. _ALITZHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen. *Dorf-K*. Got. Turm; Lhs. 1733. Gute Rok.-Einrichtung. Im Dorf _Bildstöcke_ von 1581, 1682 und um 1750 (gut). _ALKERSLEBEN._ Schwarzb.-Sondersh, LA Arnstadt. *Dorf-K.* westl. Teil 12. (?) Jh., östl. Teil spätgot. 16. Jh. _ALLENDORF_ b. Ober-Rottenbach Schwarzburg.-Rudolst. *Dorf-K.* _Schnitzaltar_ der Schule von Erfurt (?) M. 14. Jh. Ein _gleicher_ aus der Schule von Saalfeld 1485, Flügel beiderseitig bemalt. _ALLENDORF_ a. Werra. RB Cassel Kr. Witzenhausen. *Stadt-K.* 1. H. 14. Jh. Ursp. 2sch. Halle, nach Brand 1637, bei welchem Gwb. und Pfll. zerstört wurden (Anschluß der Kappen an die Schildwand noch sichtbar), 1sch. mit flacher Holzdecke hergestellt. Der 5/8Chor aus der Mittelachse nach S abgerückt. Glockenturm in der Flucht der WFassade nördl. am Sch. bez. 1427. 1898 durch _Schönermark_ restauriert. *Wohnhäuser* nach Brand 1638, in großer Zahl klassische Beispiele des Fachwerkbaus. *Totenhalle* a. d. Friedhofe, interessanter Holzbau. *Ringmauern.* Ehemals doppelt. Die innere vollständig erhalten, 3 Tortürme neuerlich abgebrochen. _ALLENDORF._ RB Cassel Kr. Kirchhain. *Kirche* hübscher Bau A. 18 Jh. _ALLENDORF._ Sachsen-Meiningen Kr. Meiningen. Ehem. *Cisterc.-Nonnenklst.*, gegr. um 1270, Neubau spgot., jetzt zu ländlichen Gebäuden vernutzt. -- Im Dorf alte _Fachwerkhäuser_ -- Die Burg _Frankenstein_ ohne Spuren verschwunden. Jetzt künstliche Ruine (erb. 1888!). _ALLMENHAUSEN._ Schwarzb.-Sondersh. LA Sondersh. *Dorf-K.* bez. 1581. -- _Grabmal_ zweier Herren von Schlotheim 1589, 1619. _ALLSTEDT._ Sachsen-Weimar VB Apolda. *Stadt-K. S. Johannis*, 1775 ganz neu gebaut, 1sch. mit polyg. Chor, Emporen in 3 Rängen, großer Kanzelbau über dem Altar. *S. Wigperti*, angeblich Gründung des 9. Jh.; im Bauernkrieg zerstört; der spgot. Chor als Wohnhaus umgebaut; erhalten der breite rom. Turm auf rck. Chor, im Obergeschoß an den Schmalseiten 1, an den Breitseiten 3 Kuppelfenster, deren feines Detail, z. B. jonische Kannelierung der Teilungssäulchen, in auffallendem Gegensatz zu dem ganz kunstlosen Charakter des übrigen steht; ist es vielleicht aus einem anderen Bauwerk verschleppt? *Rathaus.* Im Erdgeschoß spgot. Portal von 1472; das Übrige 16. und 17. Jh; die Vertäfelung des Sitzungssaales 1672. *Schloß.* Auf der Stelle der zuerst 979 genannten kaiserl. Pfalz; zuletzt bewohnt 1200 vom Staufer Philipp; dann in die Hände der Landgrafen übergegangen. Der jetzige, noch immer sehr ausgedehnte Gebäudekomplex aus dem sp.Ma. und der Renss.; maßvoll rest. Das Obergeschoß des hinteren Schlosses hat E. 17. Jh. eine sehr reiche Ausstattung empfangen, von welcher die Stuckdecken, aus freier Hand modelliert, erhalten sind (ähnlichen Charakters wie in Schloß Eisenberg); ferner ein Kamin, gußeiserne Ofenplatten, mehrere Möbel; Porzellane und Tapeten aus 18. Jh.; reizender Ofenschirm von 1720. _ALMSDORF._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Kirche * spätrom. breitrechteckiger WTurm mit gekuppelten Fenstern und 2 schlanken Spitzhelmen, deren Dachstuhl interessant verstrebt ist. Das Schiff ist mehrfach erneuert, unbedeutend, die alte Apsis abgebrochen. Außen 2 Inschr. über Grundsteinlegung 1307 in Minuskeln, über eine (Almosen) Stiftung 1377 in Majuskeln. *Steinkreuz* mit Schwert. _ALSBERG._ RB Cassel Kr. Gelnhausen. *Kap. zum hl. Kreuz*, gegr. 1513 durch die Herren v. Hutten als Begräbnisstätte; kleiner rck. Bruchsteinbau, flachgedeckt, polyg. Chor, deformiert, wenn auch im Kern alt. -- _Hochaltar_ E. 17. Jh. _ALSLEBEN_ (Stadt). Pr. Sachsen Mansf. Seekreis. *Stadt-K*. neu; alt (rom.) nur der, übrigens formlose, Turm. _ALSLEBEN_ (Dorf). Pr. Sachsen Mansf. Seekreis. Die vorm. *Kloster-K*. abgetragen. Ein rom. _Tympanon_ (Löwe und Drache durch einen Palmenbaum getrennt) nach Gernrode gebracht. Ebendort ein merkwürdiger rom. _Taufstein_, 8seitig, mit rohen Reliefs. _ALTBESSINGEN._ UFranken BA Karlstadt. *Pfarr-K*. Bezeichnender Bau der Juliuszeit, rest. 1791 (klassizist. Stuckaturen). Einheitliche _Altarausstattung_ um 1690. _Geräte_ augsburgisch, von _F. X. Stipeldey_. _ALT-BURXDORF._ Pr. Sachsen Kr. Liebenwerda. *Dorf-K*. Frühgot. Ziegelbau M. 13. Jh. unter Einfluß von Klst. Güldenstern, reizvoll durch schlichte, tüchtige Durchbildung. Schiff u. rechteck. Chor mit Holzdecken. Im Ostgiebel 3 spitzbg. Fenster, darüber Kreuzstabfries, die Giebel abgetreppt mit vortretenden Anfängern. -- _Holzbildwerke_ des spgot. Altars. _ALT-CHEMNITZ._ K. Sachsen AH Chemnitz. *Dorf-K*. rom. Portal 13. Jh. _Altarwerk_ A. 16. Jh. _ALTENBACH._ K. Sachsen AH Grimma. *Dorf-K*. rom. Chor eingezogen quadr. und 1/2kr. Apsis. Rest. 1695 und 1838. -- Holzfigg. von einem spgot. _Flügelaltar_. _ALTENBERGE._ Sachsen-Altenburg LA Roda. *Dorf-K*. spgot. -- Stattliches _Epitaph_ aus Stuck für A. L. v. Schwarzenfels {~DAGGER~} 1730. Im Herrenstuhl reich dekorierter _Ofen_ aus Gußeisen A. 17. Jh. _ALTENBEUTHEN._ Pr. Sachsen Kr. Ziegenrück. *Dorf-K*. mit rom. OTurm, Sakristei 14. Jh. Schiff 18. Jh. Einfacher rom. _Taufstein_. _ALTENBURG._ Hauptstadt von Sachsen-Altenburg. *Unterkirche (S. Bartholomäi)*. Von den Hussiten 1430 zerstört, 1459 wiederhergestellt; 1877 rest. und zum Teil (die ganze SSeite) umgebaut. 3sch. Halle mit schmalen Sschiffen (was für die vermutete Benutzung des älteren Chors im 13. Jh. sprechen würde) und ungewöhnlichem östl. Abschluß: das Mschiff schließt mit 5 Seiten des 10Ecks ohne Vorchor, die Sschiffe abgeschrägt. WTurm 1668 (als Ersatz für eingestürzte Doppeltürme). -- Unter dem südl. Ssch. als Überrest einer rom. K. weit kleineren Maßstabes eine Krypta; quadr. mit 4grätigen Kreuzgewölben zwischen rck. Gurten; die Mittelstütze aus 4 derben Rundpfeilern gebündelt; anschließend 1/2kr. Apsis; das Detail deutet auf 12. Jh. *Oberkirche (Franziskaner)*. 1sch. Anlage vor 1238, sehr schlicht behandelt, Veränderungen A. 16. Jh. *Bergerkloster (Augustinerchorherren)* gew. 1172; durch Brand 1588 zerstört; jetzt nur die 2 WTürme und wenige Reste des Lhs. erhalten. Backsteinrohbau mit Sandsteindetails oder Nachahmung von Sandsteinmotiven in Backstein. Die Backsteine scharriert ähnlich wie an den ältesten Backsteinbauten an der Weser (Verden) und in Holstein. Ursp. eine regelmäßige kreuzf. Basilika im gebundenen System gewölbt. Die hohen Türme haben in ihren 3 Obergeschossen jederseits 1 Paar gekuppelter Fenster, breite Ecklisenen und Stockwerkteilung durch Bogenfriese. Von der ehemaligen *Nikolai-K*. nur der breite WTurm übrig, rom., mehrfach umgebaut. *Rathaus 1562-1564* vom weimarischen Hofbaumeister _Nik. __ Grohmann_; gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Rathäusern der deutschen Renaissance; 1663 renoviert. Gr. annähernd quadr. Die Komposition der Hauptfront erinnert an das Rathaus in Saalfeld: in der Mitte ein 8eckiger Treppenturm, im Gr. mit 5 Seiten vortretend, oberhalb des Dachgesimses allseitig frei werdend und das Gebäude weit überragend; Krönung mit einfacher welscher Haube; im Erdgeschoß 4eck. Vorbau mit Balustrade. Das Hauptgebäude trägt ein mächtiges Pyramidendach. Demselben vorgelagert (Zusatz um 1580) an der OSeite zwei Zwerchhäuser. Weiterer Schmuck: zwei Eckerker und mehrere Portale in italisierenden Formen. Am NOErker ein _Fries_ mit nackten Knaben, an Donatellos Altarwerk in Padua erinnernd; der entsprechende Fries des NWErkers hat in Flachbogenfeldern die Halbfiguren der damals lebenden Glieder des Fürstenhauses. Die Fenstergewände gotisierend, das Dachgesims im Verhältnis zu sonstigen deutschen Bauten der Zeit ungewöhnlich hervorgehoben: das Motiv des dorischen Frieses allerdings mißverstanden. -- Inneres. Im Obergeschoß Vorsaal von mächtiger Erscheinung, durch 3 Holzsäulen in 2 Schiffe geteilt; Einfassungen der Türen aus Stein. *Amtshaus* 1725. *Magdalenenstift* 1665 als herzogl. Witwensitz. *Wohnhäuser* aus 16. Jh.: Hillgasse 5, Markt 17, 73, Sporrengasse 2; aus 17. Jh.: Tiefstr. 12, Brudergasse 7, Schmöllersche Str. 14b; 18. Jh.: Johannisstr. 7, 16, Moritzstr. 6, Tiefstr. 2 und besonders stattlich das v. Seckendorffsche Haus am Brühl 1724. *Herzogl. Schloß.* Im 11. und 12. Jh. Kaiserpfalz. Der jetzige sehr große Komplex aus 15.-18. Jh. -- _Schloßkirche_ (mit Kollegiatstift). Im Unterbau Reste aus 12. Jh.; Chor 1 H. 15. Jh.; Lhs. 2. H. Der Chor stark betont: 4 Langjoche und 5/12-Schluß; das 1sch. Lhs. nur 2 Joche. Der Chor außen mit überaus reicher, wenn auch handwerkmäßig trockener Dekoration der Streben. Das innere ohne höheren architektonischen Gehalt, aber malerisch von großer Wirkung, wozu die 1645 ff. ausgeführten Emporen und sonstigen Ausstattungsstücke wesentlich beitragen. Im _Hochaltar_ Grablegung Holz bez. CTR 1647. Das _Chorgestühl_ (1516, überarbeitet 1576) gerade in seiner Stilmengerei nicht ohne Reiz; prachtvolle _Orgel_ 1735 von _G. H. Trost_; _Kanzel_ 1595; _Grabmal_ des Markgrafen Wilhelm II. ({~DAGGER~} 1425) ursp. freistehende Tumba; _Grabplatte_ der Kurfürstin Margarethe ({~DAGGER~} 1486) Bronze, die lebensgroße Figur graviert, der Rahmen in flachem Relief, mit großer Wahrscheinlichkeit als Jugendwerk _Peter Vischers_ anzusprechen. Auch unter den übrigen Grabplatten und Gedenktafeln manches Gute. -- _Hauptschloß_. Der von den Zeitgenossen gerühmte Bau Friedrichs des Weisen (seit 1518) durch die Bauten von 1606 ff. und 1706 ff. großenteils beseitigt. Von 1530 (?) der Rest der Hofgalerien im N der Kirche; interessante Verdeutschung römischer Vorbilder; im Erdgeschoß Rundbögen auf toskanischen Rustikasäulen, in den folgenden Geschossen von sukzessive abnehmender Höhe Korbbögen, zuletzt jonische Säulen. Die jetzige Haupterscheinung bedingt durch den Umbau 1706 bis 1744; Architektur von _G. S. Vater_, Malereien von _J. H. Ritter_, Stuckaturen von den Brüdern _Castelli_; der Brand 1864 hat im Innern vieles beschädigt. Von den sonstigen Baulichkeiten hervorzuheben das _Schönhaus_, ein Kasino im Sinne römischer Gärten. _ALTENBURG_ b. Bamberg OFranken. Auf den Ruinen der historisch denkwürdigen *Burg* moderner Phantasiebau. _ALTENBURG._ RB Cassel Kr. Melsungen. *Burgruine.* Rundturm von 1388. _ALTENBURG_ b. Naumburg, Pr. Sachsen. Spuren der 1010 zerstörten *Burg* des Markgr. Gunzelin. _ALTEN-DAMBACH._ Pr. Sachsen Kr. Schleusingen. *Dorf-K.* 1617 ähnlich Hinternah. _ALTENDORF._ RB Cassel Kr. Wolfhagen. *Dorf-K.* 18. Jh. mit spätgot. Turm. Befestigter. Kirchhof, Wehrgang, Scharten. _ALTENGÖNNA._ Sachsen-Weimar VB Apolda. *Dorf-K.* des 17. Jh. -- _Schnitzaltar_ um 1500, einer der besten des Gebietes, auch gut erhalten. _ALTENGRONAU._ RB Cassel Kr. Schlüchtern. *Wasserburg* mit 4 Ecktürmen, alter Huttenscher Sitz. _ALTENHASSLAU._ RB Cassel Kr. Gelnhausen. *Martins-K.* (reformiert), im Kern 1 H. 13. Jh. Lhs. quadr. flachgedeckt; im O starker Turm; dessen gewölbtes Erdgeschoß als Altarhaus. -- Innere Ausstattung 1752. *Lutherische K.* 1724 aus einem Jagdzeughaus aptiert. *Amtshaus* bez. 1593 und 1684. _ALTENHOF._ K. Sachsen AH Döbeln. *Dorf-K.* rom. Lhs. rck. 9: 10,5, Chor eingezogen quadr. mit Apsis, auch noch einige Detailsrom. -- Schöner _Kelch_ A. 16. Jh. _ALTENKUNDSTADT._ OFranken BA Lichtenfels. *Pfarr-K.* spgot. ursp. Hallenbau, später die Pfeiler ausgebrochen und Holztonne; Chor bar. auf got. Fundament; Anzahl _Grabsteine_ aus 16. Jh. _ALTENRODA._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* WTurm und Ostchor gotisch, unbedeutend, das Schiff nach »der Architektur und Direktion« des Pfarrers _H. G. Zincke_ 1718, der seit 1711 mehrere Kirchen (Großwangen, Wippach) gebaut. _ALTENSCHÖNBACH._ UFranken BA Gerolzhofen. *Prot. Dorf-K.* Polygonchor und Turm (SO) mit Krypta (Beinhaus) von 1496; Lhs. um 1600 erweitert, an der bemalten Balkendecke viele Wappen des fränkischen Adels. -- _Epitaphe_ der Frh. v. Crailsheim und Geier; hervorzuheben das in Kunststein gefertigte altarartige des Georg Wolf von Crailsheim und seiner Schwester Anna Maria um 1600. *Burg* der Crailsheim spätmittelalterliche Wasseranlage mit quadr. Bergfried und polyg. Bering. _ALTENSTEIN._ Sachsen-Meiningen Kr. Salzungen. *Schloß*. Neubau 1889. Bmkw. Kunstsammlung. Von der ma. Burg schwache Spuren. Der Park eine einheitliche Anlage von 1798-1803 und für diese Zeit bezeichnend; chinesisches Häuschen, aber auch schon Ritterkapelle, Sennhütte, Aeolsharfe. Schöne steinerne Halbrundbank mit Büste der Herzogin Charlotte Amalie 1801. _ALTENSTEIN._ UFranken BA Ebern. *Ehem. Dorf-K.* (außer Gebrauch). Erb. 1561. Seltenes Beispiel einer intakten Renss.-Kirche kleinen Maßstabes. *Burgruine.* Das mächtige, weithin sichtbar gelegene Stammschloß der Stein zum Altenstein. Zeitweise Sitz von 7 Einzelfamilien. In dem von einem tiefen Graben umschlossenen Mauerring noch große Reste einer starken Renss.-Befestigung (2 große Tortürme), sowie ein mächtiger sprom. Bergfried (quadratisch, mit Bossenquadern; 13. Jh.), ferner Fragmente der stattlichen Burgkapelle aus 2. H. 15. Jh. _ALTENSTEIN._ RB Cassel Kr. Melsungen. *Ehem. Schloß*, jetzt Försterhaus. Die ältesten Teile der Ruine nach 1438. Wohnbau bez. 1620. _ALTERSHAUSEN._ Sachsen-Koburg LA Coburg. *Dorf-K.* Spgot. Anlage, 1sch. mit quadr. turmtragendem Chor. _ALTHAUSEN._ UFranken. BA Königshofen. *Dorf-K.* Chor im OTurm, mittelalterlich, 1573 erhöht; Langhaus 1693. -- _Deckengemälde_ (Triumph des Kreuzes) von _Joh. Peter Herrlein_, gegen 1777. _ALTHÖRNITZ._ K. Sachsen AH Zittau. *Schloß* 1650-54 von Meister _Valentin_ in Zittau für den Zittauer Bürgermeister Chr. v. Hartig. Die Anlage des stattlichen und großzügigen Gebäudes steht in den Hauptmotiven in der Tradition der deutschen Renaissance; 3geschossiger Hochbau auf 3eck. Gr.; 2geschossige, kräftig und zugleich flüssig gegliederte Giebel, je 2 an den Langseiten, 1 an den Schmalseiten; 1 starker Eckturm (der zweite neu; die alte Wendeltreppe lag im Innern). _ALTJESSNITZ._ Pr. Sachsen Kr. Bitterfeld. *Dorf-K.* In der Anlage rom. Der spgot. _Schnitzaltar_ von den besseren. _ALTMÜGELN._ K. Sachsen AH Oschatz. *Dorf-K.* Ältester Teil der Turm, 1850 umgebaut. Chor und Langhaus unter B. Johann VI. von Meißen (1487-1512). Lhs. als 3sch. Halle geplant; Pfl. unausgeführt; jetzt Flachdecke, mit Malereien von 1720. Im 1sch. 3/8Chor reiches Netzgwb. -- Bmkw. _Grabdenkmäler_ 1536, 1579. _ALTOSCHATZ._ K. Sachsen AH Oschatz. *Dorf-K.* Gemengbau aus Spgot. und Bar. Der im O anschließende Rundbau alter Karner (?) -- Stattliche ren. _Grabdenkmäler_ aus Dresdener Werkstatt 1578, 1599; geringer das von 1620; charakteristische Zopfarbeit 1785. [Spgot. Flügelaltar im Dresdener Altert. Ver. Inv. Nr. 95, 96.] _ALTSCHÖNFELS._ K. Sachsen AH Zwickau. *Burg.* Kap. auf qu. Gr. in den Formen des 15. Jh. -- Ausstattung 17. Jh. Im Hof Holzgalerien, im Innern spgot. geschnitzte Balkendecken auf reich behandeltem Ständer. In der *Dorf-K.* _Altarwerk_ um 1500 und _Grabsteine_ der v. Wilkau A. 17. Jh. _ALTSTADT._ K. Sachsen AH Pirna. *Dorf-K.* 1sch. mit plattem Chor und Holzdecke, ursp. wohl sprom. Basilika, von welcher am OGiebel noch Reste erhalten; die Einzelheiten an die Nikolai-K. in Dippoldiswalde erinnernd. Unterspitzer Triumphbg. und 1/2kr. Öffnungsbgg. der ehemaligen Seitenapsiden. -- _Altarwerk_ 1664. Reste eines spgot. _Schnitzaltars_ auf dem Kirchenboden. _ALTZELLE._ K. Sachsen AH Meißen. *Cisterc.-Klst.* (Ruine). Ältestes und baugeschichtlich wichtigstes der Markgrafschaft. Gegr. 1162, 1175 die Wohngebäude bezogen, 1198 Weihung der K., 1339 Andreas-Kap., 1506 Rest. sämtlicher Hauptgebäude, 1540 Auflösung des Klst., 1599 Blitzschlag und Verfall. -- _Kirche_. Erhalten nur 2 Bruchstücke der WWand; frühestes Zeugnis des Backsteinbaus in diesem Gebiet (an der mit Haustein gemischten Technik glaubt Stiehl einen italienischen Werkmeister zu erkennen). An Stelle des alten Chors 1787-1804 Mausoleum in nüchtern klassizistischen Formen. -- Kreuzgang und Klostergebäude (wie in Maulbronn) auf der NSeite; im weiteren Umkreis Kapellen (ehedem 16) und Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Am besten erhalten das Tor der Ringmauer und das Winter-Refektorium. _Das Tor_; rom.; bedeutende Abmessungen; Gewände (über 1 m im Boden) dreimal abgetreppt; Basaltquadern mit Bruchsteinfüllung, Archivolten Backstein mit Basaltrundstäben, Basaltsäulen mit Würfelkapitellen. _Winter-Refektorium_ (jetzt Kuhstall), westl. vom Kreuzgang und in gleicher Flucht mit dem Paradies der Kirche. Werkstoff Backstein. Anlage ähnlich Maulbronn. Niedrige in 2 Sch. kreuzgewölbte Halle, 4 Sll. mit frgot. Basaltkaptt und 1 Pfeiler. Rundbg. Doppelfenster. An der sonst glatten WWand Strebepfeiler aus Backstein, an der OWand die frgot. Konsolen und rundbg. Schildbogen des ehem. Kreuzgangs. Das spgot. (1506) erneuerte Obergeschoß ein holzgetäfelter Saal mit großen Vorhangbg. -- _Andreas-Kap_. (Wettinisches Erbbegräbnis) an der SWEcke der K. nur in den quadr. Grundmauern erhalten. -- Vom _Sommer-Refektorium_ auf der NSeite des Kreuzgangs die WWand mit 4 hohen schmalen spitzbg. Fenstern; [die 2 steinernen sprom. _Portale_ in die Stadt-K. von Nossen übertragen]. Das _Kapitelhaus_ an der OSeite war ein rom. Steinbau. -- _Skulpturen_: a) im Mausoleum 4 wettinische Hochrelief-Grabplatten um 1300, prachtvolle frgot. Gewölbeschlußsteine, Reste von hölzerner Altarplastik um 1500 [ein vollständiger Flügelaltar in Gleisberg]; b) im Abtshaus 2 Grabplatten A. 15. Jh.; c) im Garten got. Betsäule um 1300. _ALZENAU._ UFranken BAmtsstadt. *Pfarr-K.* 1780; Burg 1386, hohes got. Wohngebäude. _AMALIENRUHE_ b. Meiningen. *Herzogl. Gutshof*. Reichere Rok.-Einrichtung um 1760-70. _AMMELSHAIN._ K. Sachsen AH Grimma. *Dorf-K.* rom., eingezog. quadrat. Chor mit Turm und Apsis, im Turm gekuppelte spitzbg. Fenster. _AMMERBACH._ Sachsen-Weimar VB Apolda. *Dorf-K.* mit rom. OTurm über dem Altar. Großes spgot. _Altarwerk_ mit Doppelflügeln. _AMMERN._ Pr. Sachsen Kr. Mühlhausen. *Dorf-K.* modern. Bmkw. _Taufstein_ A. 14. Jh. _AMÖNEBURG._ RB Cassel Kr. Kirchhain. [*Kathol. K.* Neubau 1865 an Stelle einer schlichten got. Hallenkirche aus sp. 14. Jh., wobei der alte Turm erhalten blieb.] *Schloß.* Erb. von Kurmainz im 13. u. 14. Jh. Zerst. 1646, 1762, 1866. Noch immer großartige Ruine. _AMORBACH._ UFranken BA Miltenberg. *Benediktinerabtei-K.*, jetzt protestant. 1742-47 ausgeführt als Umbau einer rom. K. Aus dieser der WBau und die Umfassungsmauern des Lhs. beibehalten. Der WFront eine Barockfassade vorgeblendet. Unberührt rom. die 3 Freigeschosse der Türme, etwa 2. H. 12. Jh., stattliche Abmessungen, Detail ohne Feinheit. -- Der neue Plan vom kurmainzischen Hofarchitekten General _v. Welsch_, ausgeführt vom Fähnrich _Schick_, der anscheinend auch einige Umänderungen vornahm. Kreuzförmige Basilika von 4 Joch im Lhs. Die breiten Pfll. mit gepaarten Pilastern besetzt. Tonnengwb. mit Stichkappen ohne Gliederung. In der Schildwand Kreisfenster. Die Profile durchweg von mäßigem Relief. -- Im Chor setzt sich das System des Lhs. in 2 Joch fort, Schluß 1/2kr. -- Das Bedeutendste an der K. ist die in unübertroffenem Gleichmaß der Gesamtwirkung durchgeführte Dekoration. Sie rückt den Bau in die erste Reihe der deutschen Rokokokirchen. Die _Stuckierung_ von _J. M. Feichtmayer_ und _Gg. Uebelher_. (Beide aus der Wessobrunner Schule, ersterer in Augsburg ansässig, letzterer vorher in den »reichen Zimmern« der Münchener Residenz und der Klst.K. Diessen tätig). Sie vertritt die deutsche Nuance des Rokoko. Die Farbe ist weiß, hie und da durch gelb und gold belebt, die Pilaster aus blaßrot gestreiftem Stuckmarmor. Eine wichtige Rolle ist den _Deckengemälden_ zugewiesen; voll. 1749 von _Math. Günther_ aus Augsburg (einem Schüler der Asam, auch von Tiepolo beeinflußt; bedeutendster deutscher Freskomaler des 18. Jh.); im einzelnen flüchtig und maniriert, stupend sicher in Massenverteilung und Perspektive, der lichten Haltung des Ganzen trefflich angepaßt. Die Seitenaltäre stehen zum Glück nicht an den Schiffspfeilern, sondern an den Seitenwänden unter den Fenstern; die antitektonische Tendenz des Rokoko spricht sich in ihnen sehr unumwunden aus; einige sehen aus wie aus Korallenriffen aufgebaut. Ausgeführt (bis nach 1760) von Künstlern aus Würzburg. Ebendaher die _Kanzel_ von _Joh. Wolfg. van der Auwera_ und die prachtvollen _Abschlußgitter_ des Lhs. von _Gattinger_. Verhältnismäßig sehr einfach die _Chorstühle_; ein Teil soll zu Beichtstühlen in der kathol. Pfarr-K. umgearbeitet sein. *Klostergebäude*. An die rom. Epoche erinnert eine kleine Tür im 2. Geschoß der SWand des südl. Turmes, sie führte in einen Korridor über dem Kreuzgang. Aus letzterem 20 Säulchen von trefflicher Arbeit, E. 12. Jh., erhalten. Die Hauptgebäude aus 17. und 18. Jh. (jetzt Residenz des Fürsten von Leiningen) groß, ohne spezielleres Interesse. Im Innern bmkw. der Bibliotheksaal von ca. 1790. *Kathol. Pfarr-K*. 1752-54. Ein stattlicher 3sch. Bau in dem im Rok. selten angewandten Hallensystem, ähnlich S. Peter in Mainz, beide vermutungsweise von _Jos. Val. Thoman_; das Äußere in Quadern von rotem Sandstein, durch Doppelpilaster gegliedert, von guter Wirkung die mit der Chorapsis gruppierten Türme. _Deckengemälde_ von _Zick_. Die trefflichen _Skulpturen_ des Hochaltars von _Joseph Keilwerth_ aus Würzburg (einem sonst unbekannten Künstler); besonders der h. Sebastian durch feine Empfindung und ehrliches Naturstudium über die Masse der zeitgenössischen Produktion hervorragend. -- *Klostermühle* 1448. (Inschr.) *Kurmainzisches Amtshaus* mit dem Wappen der Erzbischöfe Dither v. Isenburg und Berthold v. Henneberg (1475-1504). _AMORSBRUNN_ bei Amorbach. UFranken. *Kapelle.* 1521. Geschnitzter _Flügelaltar_ mit der Wurzel Jesse, recht gute Arbeit um 1500. _AMSDORF._ Pr. Sachsen Mansf. Seekreis. *Dorf-K.*, rom. Turm zwischen Schiff und Apsis. _ANNABERG._ K. Sachsen Amtshauptstadt. *Anna-K.* 1499-1520. Hauptbaumeister _Peter von Pirna_ (?), seit 1515 _Jakob von Schweinfurt_. -- 3sch. Halle von 7 Joch auf 56 m L., östl. Schluß in 3 parallelen polyg. Apsiden. Die Sschiffe sind fast ebenso breit wie das Msch., doch sind die Strebepfll. durchaus nach innen gelegt und zwischen sie steinerne Emporen von ca. 2,5 m Tiefe eingespannt; die oberhalb ihrer eintretende Raumerweiterung von origineller Wirkung; die Fenster in 2 Geschosse geteilt. Noch eigentümlicher die querschiffartige Erweiterung im vorletzten Joch, wo im N und S im Erdgeschoß geschlossene Sakristeien und über ihnen gegen das Sch. geöffnete Kapp. Die Unregelmäßigkeiten durch schräge Stellung der WWand und den im SW einspringenden Turm werden im Innern durch eine das ganze erste Joch einnehmende Empore ausgeglichen. Breite: Höhe = ca. 25: 20, die Pfll. sehr schlank, mit einem Abstand von ca. 8,3 m. Die Decke mit Beseitigung aller Erinnerung an das Kreuzgwb. möglichst als Einheit behandelt; hergestellt von _Barthel v. Durbach_ und _Conrad v. Buttigen_ (_Büdingen?_). Ihre Rippen, auch in der Grundrißprojektion gekrümmt (sog. »gewundene Reihungen«, für die sächsische Architektur dieser Zeit bezeichnend), wirken wie ein Geflecht von Weidenruten; ihre Ansätze an den Pfll. mit gesuchter Willkür in ungleichen Höhen, auf ihren Knotenpunkten phantastisch geformte Schlußsteine. Noch raffiniertere Klügeleien am Gwb. der südl. Sakristei. Ausgeprägte Spitzbgg. sind überall vermieden. Die Fenster schmal, hoch, nur 2teilig und mit einfachen aber ganz schlaffen Fischblasen. Das Äußere von fast ärmlicher Schlichtheit; Strebepfll. nur am Chor; ihre Abdeckung geschweift. Die künstlerische Absicht des stilgeschichtlich wichtigen Gebäudes ist nur im Innern zu erkennen; sie geht auf Schaffung eines weiten, übersichtlichen, rhythmisch wenig bewegten Raumbildes bei Unterdrückung der »organischen« Strukturformen. Reich und wertvoll der mit der Architektur zugleich entstandene plastische Schmuck, jedoch in freierem Verhältnis zu den Strukturformen, als in der echten Gotik. -- Die »_schöne Tür_« am nördl. Ssch. (bez. 1512 H W; 1597 vom Franziskaner-Klst. hierher versetzt); die Archit. auf wenige Glieder beschränkt; den unteren Teil flankieren, auf überaus künstlich zusammengesetzte Postamente gestellt, die aus freien Ranken sich entwickelnden Reliefbilder des h. Joachim und der h. Anna, darüber zwei Engelsfigg. mit dem Wappen Herzog Georgs und seiner Gemahlin; im Hauptfeld über dem Türsturz die Dreieinigkeit, der Gekreuzigte vor dem Schoße des Vaters, umgeben von 9 Engeln (Anspielung auf die 9 Chöre), tiefer der h. Franz und die h. Clara; in der Krönung Moses, Johannes, Adam und Eva, über der Giebelblume der Pelikan. Die ebenso klare als freie Komposition, die Energie der sehr persönlichen Stilisierung, der poetische Schwung der gegenständlichen Auffassung bringen dies Werk dem Besten der zeitgenössischen deutschen Kunst nahe. Stil und Signatur erweisen die Identität mit dem Meister des Hochaltars in Borna und der Ebersdorfer Pulthalter im Dresdener Museum. -- _Tür der »alten« Sakristei_; vollendet 1518 in der Zeit der Bauleitung durch Jakob v. Schweinfurt. Erstes größeres Werk der Renss. in Obersachsen; Formcharakter venezianisch, got. Erinnerungen fast ganz unterdrückt, wenn auch der neue Stil noch nicht ganz verstanden; der plastische Schmuck steht dem der »schönen Tür« nahe, besonders frei und glücklich die Familienszene zwischen Anna und Maria. -- Von derselben Hand oder mindestens aus derselben Werkstatt der _Taufstein_ (ehemals im Cisterc.-Kl. Grünhayn); Sandstein, jedoch in genauer Nachahmung eines Buckelkelchs; am Nodus schwebende nackte Engel, am Fuß Taufkinder. -- Die 100 Felder der _Emporenbrüstung_ (1514-1517) mit Reliefs von _Franz von Magdeburg_; die ausführlichste Illustration des Neuen Testaments, die je in monumentaler Form versucht worden; ferner die Lebensalter. -- _Stuhlwerk_ von 1526, nicht mehr vollständig. -- _Singechor_ 1688 von _J. H. Böhme_. -- _Kanzel_ 1516, noch rein got. _Altäre_. a) Hauptaltar. 1522 von _Adolf Dowher_ (Daucher) in Augsburg angefertigt, die architektonischen und ornamentalen Teile vielleicht nach Entwurf _Peter Flötners_; entschieden gewollte aber noch nicht ganz geklärte Renss.; Archt. aus mehrfarbigem Marmor, Figg. aus Solenhofer Kalkstein; Hauptgegenstand Wurzel Jesse. -- b) Bergaltar (im nördl. Nebenchor) 1521, geschnitzt, das Tektonische im Sinne lombardischer FrRenss. Das zweite nördl. Flügelpaar hat Gemälde mit Motiven aus Dürers Marienleben. -- c) Münzeraltar (im südl. Nebenchor) 1522, dem vorigen ähnlich. -- d) Bäckeraltar (zunächst dem vorigen). -- e) Pflockscher Altar nach 1521, durchaus gemalt, der Marientod des Mittelschreins mit Benutzung des Schongauerschen Kupferstichs. -- f) Altar des Münzmeisters Melch. Jomisch 1537. _Epitaph_ für Joh. Unwirt 1578 von Solenhofer Kalkstein. *Berg-K. S. Marien*. 1616 mit Benutzung des Chors von 1582; Halle; die Sschiffe durch Emporen geteilt; derbe, schlichte Renss. -- _Altarwerk_ der Bäckerzunft A. 17. Jh., später entstellt. Schöner Intarsia-Stuhl. *Hospital-K.* 1683, architekturlos. -- Bmkw. _Gemälde_ der Cranach-Schule 1557. *Rathaus*. 1535-38, fast ganz erneuert 1751. -- _Erzgebirgsmuseum_. _ANNABURG._ Pr. Sachsen Kr. Torgau. *Kirche* got., bar. verändert. Chor 3/8. Decke des Sch. kassettiert mit bar. Grisaillemalerei. -- _Taufstein_ 1674; _Orgel_ rok. *Schloß* an Stelle eines ma. Baus 1572 von Kurfürst August. a) Das vordere Schloß, Mittelbau und 2 Flügel, an den Ecken und über dem Mittelportal schwere Rundtürme. An der offenen vierten Seite steht b) das hintere Schloß, vierstöckig, nicht großer Mittelhof mit offener Loggia auf Säulen; 3 Risalite mit Renss.-Giebeln; im STurm fahrbare Wendelstiege; einfache Renss.-Portale mit Stuckdecken. _ANNERODE._ Pr. Sachsen RB Erfurt Kr. Mühlhausen. Ehem. *Cisterc.-Nonnen-Klst.* Erster Bau voll. 1269. Neubau nachreformatorisch 1590, 1600; Saal mit tiefer Nonnenempore. Ecke mit figürl. Malerei. Bleiverglasungen mit geometr. Mustern. _ANZEFAHR._ RB Cassel Kr. Kirchhain. *Dorf-K.* 1711 mit spgot. polyg. Chor. _APFELSTEDT._ Sachsen-Gotha LA Gotha. *Kirche* spgot.; der polyg. Chor 1434, das 1sch. Lhs. 1491, der Turm nördl. des Chors. -- _Sakramentsnische_ 1434, darüber Kreuzigungsgruppe. _APOLDA._ Sachsen-Weimar Bezirksstadt. *Stadt-K.* spgot. infolge öfteren Umbaues ohne Interesse. *Rathaus* M. 16. Jh., einfach, mit manchen got. Erinnerungen. _ARNSHAUGK._ Sachsen-Weimar VB Neustadt a. d. O. *Dorf-K.* _Taufstein_ 1688. -- _Altargemälde_ (Kreuzigung) von _Paul Keil_ 1616. _ARNSTADT._ Schwarzburg-Sondersh. Amtsstadt. *Liebfrauen-K.* Baunachrichten fehlen. Nächst dem Dom von Naumburg, jedoch in bedeutendem Abstand, der bedeutendste Bau Thüringens aus dem 13. Jh., sehr lehrreich für das Eindringen des neuen, westlichen Formengeistes. Er zerfällt in zwei sehr bestimmt gesonderte Teile: Langhaus sprom., Qsch. und Chor entwickelt got. 1. _Langhaus_. Schwankende Bauführung und wiederholte Restaurationen (im 19. Jahrhundert 1840 u. 1888) machen den Bauhergang äußerst unklar. Auf eine flachgedeckte rom. Basilika folgte A. 13. Jh. ein Umbau, der bereits auf Gwbb. berechnet war; 2 Arkadenpfeiler der NSeite aus ihm erhalten. Bald Planwechsel unter Einfluß des Halberstädter Doms (so Giesau). Er äußert sich in veränderter Pfeilerbildung, Verlängerung um 2 Achsen, Einführung von Emporen über den Seitenschiffen, welche jedoch nicht als selbständige Geschosse ausgebildet sind; sondern nur den Dachraum hinter sich haben. Die Formen sehr schlicht. Die Gwbb. und viele Einzelheiten aus der Rest. 1888. -- Die WFront seit 1911 in Erneuerung begriffen. Sie bildet bis zum Abschlußgesims des Hochschiffes eine ungegliederte Masse; die einzige Öffnung das sehr ansehnliche Portal, das seine Gestalt erst zum Schluß dieser Bauzeit erhielt (in got. Zeit verändert, jetzt rom. rest.). Die Wendeltreppen der Türme enthalten alte Türen, auf eine Sängerbühne über dem Eingang hindeutend. Die Mitte dieser Treppen fällt indes mit der Mitte der Türme nicht zusammen; also Verbreiterung der Fassade. Das letzte, was die rom. Bauperiode ausführte, war der südl. der beiden Türme. Über einem niedrigen 4 seitigen Geschoß zwei 8 seitige, auslaufend in 8 kleine Giebel, aus deren Mitte eine 8 seitige Steinpyramide emporsteigt. In der Kraft und Leichtigkeit der Verhältnisse und Formen ein Muster seiner Gattung (nahe verwandt den Türmen von S. Blasien in Mühlhausen). Im Detail stehen spätromanische und tadellos frühgotische Formen unmittelbar nebeneinander, es arbeiten also gleichzeitig Steinmetzen von verschiedener Schulung. Am NWTurm im ganzen dieselbe Einteilung, doch größere Höhe der Geschosse; die obersten schon in reifer got. Ausbildung. Endlich stammt aus der rom. Bauzeit noch der Mittelturm; nicht über dem Qsch. (welches damals noch das alte), sondern westl. desselben über dem letzten Joch des Langhauses; daher auch der verschoben quadratische Grundriß (das zerstört vorgefundene oberste Geschoß freie Komposition von 1890). -- 2. _Querschiff und Chor_ sind etwa E. 13. Jh. (jedenfalls vor 1309) geplant und begonnen. Sie erstreben mächtigere Raumentwicklung, ohne jedoch zu den älteren Bauteilen (wie so oft!) in auffallende Disharmonie zu treten. Das Qsch. dürfte sich den Grundmauern des einstigen romanischen anschließen, nur sind die Vierungspfll. etwas weiter auseinander gerückt. Der Chor beansprucht die volle, durch die Ausladung des Qsch. ihm gestattete Breite. Sein erstes Joch setzt nach dem Prinzip der Halle, d. h. in allen 3 Schiffen in gleicher Höhe, das System des Qsch. fort. Hierauf schließen die Abseiten mit Kapellen in 5 Seiten des 8Ecks; vor das Hauptschiff legt sich ein quadr. Vorchor und dann ebenfalls 5/8Schluß. Das Ergebnis ist bei beschränkter Grundfläche eine sehr bedeutende Raumwirkung (die Ähnlichkeit mit dem Dom von Regensburg nur im Gr.). Die Form der Rippen spricht für Vollendung im vorgerückten 14. Jh. -- Nach der 1309 erfolgten Übergabe der K. an einen Nonnenkonvent wurde in den südl. Kreuzflügel und die südl. Chorkapelle ein Jungfrauenchor eingebaut (durch die jüngste Rest. entfernt; einzelne Bauglieder in der neuen Sakristei wiederverwendet). Die 3 Chorkapellen von gleicher Höhe, die mittlere durch Fialen und Giebel über jeder Polygonseite ausgezeichnet (rest. nach vorhandenen Ansätzen). -- An der NSeite 2 prächtige Portale, ein größeres an der QschFront, ein kleineres am Ssch. mit Zügen der Maulbronner Fr.Gotik. -- Doppelflügeliges _Altarwerk_ im südl. Nebenchor, bedeutendes Stück, bez. 1489 (wohl von _Jakob Naumann_); im Schrein Marienkrönung, zu den Seiten Laurentius und Bonifatius geschnitzt; aus welcher Schule die Flügelgemälde, ist nicht festgestellt. -- Der nördl. Nebenchor enthält die Gräber der Grafen v. Schwarzburg. Hauptstücke: große _Tumba_ Günthers XXV. {~DAGGER~} 1368 und seiner Gemahlin Elisabeth {~DAGGER~} 1381, die Platte vom trauernden Hofgesinde getragen, an der Spitze ein bärtiger Mann in einer Kutte mit Glocke und Keule, sog. »treuer Eckardt« (vgl. in ikonographischer Hinsicht Grab Heinrichs IV. in Breslau, Kreuz-K.). -- Großes _Prachtepitaph_ Günthers XLI. und der Katharina v. Nassau, errichtet 1590. -- _Skulpturen_. Am Portal des nördl. Seitensch. im Bogenfeld Kreuzigung, daneben Kaiser Otto I. und sein Sohn Erzbischof Wilhelm von Mainz, geringwertige Arbeit aus 1. H. 13. Jh. Neben dem Portal des nördl. Qsch. 2 Fürstenstatuen, männlich und weiblich, E. 13. Jh., von mäßigem Wert, frisch und gut die Groteskfigg. der Konsolen. *Oberkirche* (Franziskaner) beg. 1246. -- 1sch. Rck. 11 m br., 60 m l, Holztonne aus neuerer Zeit. Trotz der Länge sehr gute Akustik. Der Chor nicht abgesondert. Fenster nur an der NSeite und der Schlußwand. Vortreffliches Maßwerk. Eingänge: 1 im W, 2 im N., Auf der SSeite der schlicht, fast roh behandelte Kreuzgang. Der Turm in der Mitte der Nwand erst 1461 angefügt. -- _Epitaph_ des G. Fischer 150S; bmkw. durch gute Charakteristik und z. T. erhaltene Bemalung. -- _Flügelaltar_ 1594, das Gemälde niederländisch. Zahlreicher die Ausstattungsstücke aus 1. H. 17. Jh.: 3geschossiger _Hochaltar_ mit Reliefs und Freistatuen, alles Holz; _Taufstein_ mit 5 m hohem Baldachin; der _fürstl. Kirchenstand_, ein auf 6 Säulen ruhender, sehr reich behandelter Einbau; der _adlige Kirchenstand_; die _Gemeindeempore_ in 3 Geschossen, Brüstungsmalerei handwerksmäßig. *Neue Kirche*. 1676-83 mit Benutzung von Mauerresten einer niedergebrannten aus 15. Jh. 1sch. Anlage bis zur hölzernen Decke mit Emporen angefüllt. *Gottesacker-K.* 1738-43. Typisch für die thüringischen Leichenpredigtskirchen dieser Zeit. Ein nach der Längsachse verschobenes Achteck, allseitig Emporen in 3 Geschossen. Auf dem Friedhof bmkw. Grabsteine des 16.-18. Jh. *Neidechsburg*. Ehem. Wasserschloß, die Gräben und der runde Bergfried erhalten. Von dem Renss.-Umbau 1557-60 nur wenige Reste erhalten, darunter hübsches Portal. *Fürstl. Schloß* neben der Neidechsburg. Einfacher Bar.-Bau mit großem Treppenhaus, einigen guten Rok.-Zimmern; Porzellane. *Rathaus.* 1583 ff. Stattlich, 3geschossig, an dem Fassadentrakt unter dem Giebel befand sich ehemals eine hohe Freitreppe mit säulengestütztem Erkervorbau; in Nischen 2 _got. Statuen_, Erfurter Arbeit um 1730 in der Art des _Joh. Gehart_. *Zierbrunnen*. 1573. *Bürgerhäuser*. Einige in gut behandeltem Fachwerk, zahlreiche Renss.-Portale. Am Markt Lauben auf Steinsäulen 1585. Von der ma. *Stadtbefestigung* das Riedtor und das Neutor. _ARNSTEIN._ UFranken BA Karlstadt. *Stadt-K. S. Nikolaus*. Gotisierend 1617, nach W erweitert 1725. Gute klassizistische _Seitenaltäre_ von _Georg Winterstein_ in Würzburg 1790. Reicher, meisterhafter _Orgelbau_ um 1700 aus der Karmeliter-K. in Würzburg. -- _Deckengemälde_ im Chor von _S. Urlaub_ 1726. Älteste _Glocke_ 14. Jh. _Wallfahrts-K. Maria-Sondheim_. Erb. M. 15. Jh., unvollständig ausgeführt. Jetzt großer 1sch. Raum, etwas vor der Mitte durchquert von einer 3teiligen Bogenstellung, in den OTeilen Ansätze zu Gewölben (geplant war 3sch. Hallenkirche). -- _Deckengemälde_: Schlacht bei Lepanto mit Maria Victoria, bez. _J. Ph. Rudolph_ 1770. Im Ossarium 2 interessante _Steinreliefs_ von der alten Kanzel, Johannes und Markus in Fr.-Renss.-Umrahmung gegen 1520, im Gewandstil verwandt der Backofenschule (der das Werk übrigens nicht angehört). Schöne _Sandsteinmadonna_ um 1410, typische Würzburger Arbeit. In den Chorfenstern Glasmalerei um 1480. -- _Grabdenkmäler_ in sehr großer Zahl und z. T. hoher Qualität, am reichsten vertreten die Familie v. Hutten. Sie waren im 18. Jh. als Bodenbelag vernutzt, jetzt im Innern 29 wieder aufgerichtet, mehrere außen. Von _Bildnissteinen_ hervorzuheben: W. U. v. H. 1447, fast vollrund, starre Frontalansicht; Konrad v. H. 1502; Ludwig v. H. 1517. Von _Epitaphen_: Philipp v. Hutten (1546 in Venezuela ermordet), vorzügliche Arbeit von _Loy Hering_ in Eichstätt; Bernhard v. H., Art des älteren _Peter Dell_; Wilhelm v. H. 1554 bez. P D (_P. Dell_, wahrscheinlich der Jüngere); vom selben Ludwig u. Agathe v. H. 1547, 1548; Stephan Zobel mit Frau und Kindern 1597. -- _Ölberg_ um 1500, besser als die meisten dieser Gattung. *Schloß* (Amtsgericht), mit der Stadtbefestigung verbunden, Wohnbau M. 16. Jh., im Innern einiges zu beachten. -- *Rathaus*. 1520, wiederholt verändert, namentlich 1753. *Spital*, große Anlage von 1713-30. _ARNSTEIN._ RB Cassel Kr. Witzenhausen. *Burg*. Der erhaltene Wohnbau spgot., neues Dach, Wendeltreppe, Fenster rck. mit Kreuzstöcken, im Erdgeschoß rippenlose Kreuzgewölbe. _ARNSTEIN._ Pr. Sachsen Mansfelder Gebirgskreis. *Burgruine*. Eine der großartigsten am Harz; der spgot. Palas 5 stöckig erhalten. _ARTERN._ Pr. Sachsen Kr. Sangerhausen. *Marien-K.* in der Neustadt. Unorganischer Gemengbau. Ältester Bestandteil der jetzt in der M. stehende Turm auf oblongem Gr.; in seinem oberen freien Teil hat er auf der breiten Seite 3 Paar gekuppelte Rundbogenfenster, an der schmalen Seite 1 Paar; im Erdgeschoß spitzbog. Kreuzgwb.; nach O und W öffnet er sich in großem Spitzbg. Im O ein platt geschlossener Langchor mit 2 quadr. Gwbn, ursp. rom., jetzige Gwbl. und Fstr. 15. Jh. Lhs. 1608-20, breiter als der Turm, 1sch., polyg. WSchluß. Fenster noch spitzbg. *S. Veit* in der Altstadt. Qsch. und Chor bilden ein regelmäßiges lat. Kreuz nach rom. Weise. In Vierung und Chor (ohne Apsis) spitzbg. Gwb., Kreuzarm und das (kaum ursp.) 1sch. Lhs. mit Balkendecke. Vierungsturm mit Satteldach und gekuppelten unterspitzen Schallöffnungen, die Fenster der K. rundbg. _ASCHACH._ UFranken BA Kissingen. *Dorf-K.* Turm frgot. Chor und Langhaus 1615. Gutes Renss.-_Epitaph_ von Bildhauer _Julius Emes_. *Schloß* (Gr. Luxburg). 1527. In einfachsten Formen. In der Halle geschnitzter Balken mit Fabeltieren 1572. Alter _Ofen_ aus 1. H. 17. Jh. _ASCHAFFENBURG._ UFranken BAmtsstadt. *Stifts-K. S. Peter und Alexander*. Ältere Baudaten fehlen. Rom. 12. und 13. Jh. mit vielen späteren Zusätzen; rest. 1713 und 1880. -- _Inneres_. Hier hat der rom. Stilcharakter noch die Vorherrschaft. Lhs. flachgedeckte Pfeilerbasilika (jetzt Lattengewölbe aus 18. Jh.); weite Querschnittsproportion; 9 Arkaden auf schlanken quadr. Pfll. mit reich profilierten Deckplatten; diese, sowie die einfache Tür am nördl. Ssch. der einzige Anhalt zur Altersbestimmung; nicht vor 3. V. 12 Jh. -- Eine zweite Bauperiode setzt um 1220 mit dem WBau ein, nahe verwandt der Peters-K. in Gelnhausen. Empore zwischen den (damals unausgeführt gebliebenen) Fronttürmen; sie wird getragen von einer 3sch., 2 Joch tiefen Halle; rippenlose Kreuzgwbb. zwischen rck. Gurten; die Blätterkapitelle der stämmigen Säulen in ihrer Art ersten Ranges. In der WWand prachtvoll umrahmtes Portal, im _Tympanon_ Christus zwischen den Kirchenpatronen. Um 1250 der OBau. Der Einfluß von Gelnhausen dauert fort, jetzt mehr vonseiten der dortigen Marien-K. Das Schiff hat 3 quadr., der Chor 2 quadr. Gwbb., am platten Schluß im 18. Jh. die Fenster vermauert; die Fenster des Qsch. spgot. erweitert. Alle Gewölblinien unterspitz. Die rck. Gurten auf Auskragungen; die Kreuzrippen, geschärfte Wulstform, auf Diensten mit Schaftringen; rom. Blätterkpatt. -- Die Sschiffe des Lhs. durch flache Kapellen erweitert. Am nördl. Ssch. die große, über den äußeren Wandelgang vorgebaute, daher von innen mittels einer Treppe zugängliche _Maria-Schnee-Kap_., erb. 1516 vom Kardinal Albrecht v. Brandenburg; Netzgwb. mit gewundenen Reihungen, entartetes Maßwerk; die äußere Giebeldekoration erinnert mit ihrem schreinermäßigen Reichtum an die sächsischen Bauten des Kardinals. -- _Äußeres_. Chor und Langseiten verbaut. Sichtbar nur die NWEcke. Sie vereinigt Bauteile aus vier Stilperioden zu einer überaus malerischen Gruppe. Eine in der Seitenachse liegende hohe Freitreppe, barock, führt zu einem Paradies; ehemals mit schräger Sparrendecke, jetzt flach gewölbt. Der NTurm nicht ausgebaut; dominierendes Motiv nach dieser Seite ist der hohe Giebel der Maria-Schnee-Kap. Die WFront zeigt, der Empore entsprechend, 3 sprom. Fenster. Der STurm wurde im 14. Jh. in kolossalem Maßstab begonnen; über dem zweiten Geschoß brechen die Motive ab und es folgt ein spätestgot. Oktogon mit 8 geschweiften Giebelchen und hohem hölzernen Helm. Das Lhs. hat ein gebrochenes Walmdach aus 18. Jh. -- An der NOSeite schöner sprom. _Kreuzgang_. Von ihm aus führt ein spgot. umgearbeiteter Verbindungsgang zum _Paradies_, das gleich dem Kreuzgang zeitlich mit dem OBau zusammengeht. -- _Ausstattung_. Großer _Hochaltar_ in Ciborienform aus dem 18. Jh. Die ehemals zahlreichen ma. Nebenaltäre bis auf einen zerstört. Die _Beweinung_ von _Math. Grünewald_ bildete die Predella eines Altarbildes 1525 in der Moritz-K. in Halle a. S., das Hauptbild jetzt in der Pinakothek zu München. In der Maria-Schnee-Kap. ein mit 1519 bezeichneter Rahmen, der einst eine Maria von _Grünewald_ einschloß; wahrscheinlich identisch mit dem jetzt in der Dorf-K. zu Stuppach (s. Bd. III) befindlichen Bilde; übrigens ist auch der Rahmen an sich interessant als Dokument der Veränderung der Altarform im Übergang von der Gotik zur Renss., eine Parallele zum Rahmen von Dürers Allerheiligenbild. In einer südl. Seitenkp. _Schnitzaltar_ der 14 Nothelfer von merkwürdigem staffelförmigem Aufbau A. 16. Jh. -- _Chorstühle_ von 1659 jetzt im Qsch. -- In der nördl. Turmhalle _Taufstein_ von 1487. -- Im nördl. Ssch. (früher im Chor) ein eherner _Baldachin_ aus der _Vischer_schen Hütte bez. 1536; vier mit graviertem Laubornament geschmückte Pfosten tragen einen an der unteren Fläche in der gleichen Technik behandelten Himmel; die Zeichnung erinnert an das (zerstörte) Gitterwerk des Nürnberger Rathauses. Der Baldachin scheint für das von Kardinal Albrecht in Halle projektierte Grabmal bestimmt gewesen zu sein (vgl. P. Redlich: Kardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift in Halle, 1900); jetzt trägt er einen Sarkophag mit den Reliquien der h. Margarete. -- _Kanzel_ aus Sandstein und Alabaster, sehr reich, um 1590. -- An der WWand kolossales _Holzkruzifix_ aus A. 13. Jh. -- Außen über der Freitreppe steinerne _Kreuzigungsgruppe_ 1699. _Grabmonumente_ und _Gedenktafeln_ in großer Zahl. Davon die wichtigsten: _Im Chor:_ SSeite, Kenotaph des Stifters Otto v. Sachsen {~DAGGER~} 982, gesetzt 1524; korrespondierend auf der Nseite das seiner Frau und Tochter, Liudgard und Hildegard. -- Ehernes Epitaph des Kardinals Albrecht von Brandenburg {~DAGGER~} 1545, gegossen 1525 in der _Vischer_schen Hütte, großartiges Reliefbildnis mit ornamentaler Borte, durch eine Inschrifttafel aus 18. Jh. entstellt; in gleichem Format, wohl als Gegenstück gedacht, Madonnenrelief von _Hans Vischer_ 1530: beide aus Halle hierher übergeführt. -- Epitaph für Kurfürst Schenk v. Erbach {~DAGGER~} 1459, ausgeführt im 16. Jh. -- Desgl. für Kurfürst Anselm Franz v. Ingelheim {~DAGGER~} 1659, bmkw. durch lebendige Porträtauffassung. Im _Mittelschiff_ kurfürstliche Beamte. a) Südliche Reihe: Caspar v. d. Schulenburg 1517, primitives Renss.-Ornament. -- Wolf Beheim 1539. -- Dr. Sachs 1570. -- Stephan v. Fechenbach 1577. -- b) Nördliche Reihe: Melchior von Graenroth, Erzguß von großer technischer Präzision, 1584 von _Hieronymus Heck_. -- Georg v. Liebenstein 1533 mit Anklängen an die Schule _Backofens_; feste Rittergestalt, das Knien an dem (ganz an die Seite geschobenen) Kruzifix vorzüglich gegeben. -- Brendel von Homburg 1573. -- Ch. Math. v. Albersweiler 1567. -- Dr. Eisenberger 1575. _Im Kreuzgang_. a) WFlügel. Gertrud Echter 1421, kniend in Dreiviertelansicht, über ihr Maria in den Wolken, schöne manierfreie Arbeit. -- b) NFlügel. Joh. v. Cronberg 1439, adoriert den h. Christoph. -- c) OFlügel. Schenk v. Weibstedt 1437, adoriert die Madonna auf der Mondsichel. -- d) SFlügel. Scholastikus Küchenmeister mit seiner Mutter 1493. -- _Wandgemälde_, der Gekreuzigte u. Heilige, E. 14. Jh. In der Sakristei 2 vorzügliche _Reliquienbüsten_ 1473 von _Hans Dirnstein_ von Frankfurt. Degl. _Monstranz_. Rom. _Schachbrett_. *Agathen-K.* Flachgedeckte frgot. Basilika, spgot. überarbeitet, unbedeutend. Der vortretende WTurm mit 4 Giebeln und Holzhelm sehr einfach rom. Außen _Ölbergsgruppe_ aus 16. Jh., beschädigt, in Renss.Gehäuse. *U.L.F. Pfarr-K.* 1768-1775. Einschiffiger Saal von angenehmen Verhältnissen. An der nördl. Langseite rom. Glockenturm, das Obergeschoß rom. zu got. ca. 1220-30. Es hat übereinander, durch kein Gesims getrennt, 2 gekuppelte Schallöffnungen, kleeblattförmig, umschlossen von spitzbg. Blendbg., ein Vierpaß im Felde. Über den 4 Giebeln ein steinerner got. Helm, 8seitig, mit Kantblumen geziert. Im Erdgeschoß eingemauert sprom. _Tympanon_, thronende Maria zwischen Heiligen. *Studien(Jesuiten)-K.* 1619-21. In WDeutschland der erste dem römischen Barockschema folgende Jesuitenbau (vgl. dagegen Molsheim u. Köln Bd. IV, V), Schiff mit Tonnengwb. u. tiefen Nischen, feines Flachornament in Stuck, Beschlägemuster. *Schloß*. Das alte Schloß zerst. 1552. Notbau 1556-1606. Neues (jetziges) Schloß 1605-1614 von _Georg Ridinger_ aus Straßburg (von ihm selbst in einem umfänglichen Kupferstichwerk, Mainz 1616, publiziert). Waren die wichtigeren Schloßbauten der Renss. des 16. Jh. immer Um- oder Anbauten mittelalterlicher Anlagen gewesen, so wird hier mit Nachdruck zum erstenmal eine streng einheitliche, symmetrische Anlage gegeben (etwas älterer Versuch in Schmalkalden): 4 Flügel um einen quadratischen Hof von ca. 79 m äußerer, 51 m innerer Seitenlänge, an den Ecken mäßig vorspringende quadr. Türme; die Symmetrie nur leicht durchbrochen von dem aus dem alten Schloß herübergenommenen Bergfried, jetzt mit dem NFlügel hofseits verwachsen. Die Flügel haben wenig Tiefe (kaum 10 m im Lichten) und in der inneren Teilung folgt Raum auf Raum ohne Korridorverbindung. Aufgänge durch Wendeltreppen in den 4 Winkeln des Hofes. -- Die allgemeine Idee, aus dem Wasserschloß entwickelt, hier wohl sicher durch französ. Vorbilder bedingt, wie auch das Detail (in Übereinstimmung mit dem Kaufhaus in Straßburg, dem Friedrichsbau in Heidelberg, dem Schloß Gottesau und dem etwas jüngeren Schloß in Mainz) mit der ostfranzösisch-lothringischen Weise zusammenhängt; vgl. besonders die Fensterverdachungen. Gliederung der 3 fast gleichwertig behandelten Geschosse durch sehr kräftige Gesimse, während vertikale Teilungslinien fehlen. Der Fassadenlänge von 85 m (mit Einschluß der Türme) entspricht eine H. von 23 m (bis Oberkante Dachgesims) und Teilung in 15 Fensterachsen; dazu das mächtige Dach, 12 m H. In der Mitte wird es durch einen reicher als alle übrigen Teile (ursp. jedoch einfacher beabsichtigten) Zwerchgiebel akzentuiert. Einziger Zugang durch das mäßig große Rustikaportal der SSeite. Eine Zugbrücke führte hier über den Burggraben, einst vorn durch eine _porta triumphalis_ geschmückt. (Der Balkon 18. Jh.) Die Geschoßhöhe der Türme nimmt nach oben etwas ab, sie werden gekrönt durch eine Galerie und ein niedriges Oktogon mit welscher Haube. Die östl. und nördl. Fassade etwas sparsamer detailliert. Wie die Lucarnen ursp. gedacht waren, zeigt ein Exemplar der WSeite. -- In der Nähe erscheinen die Verhältnisse zu schwer, wie bei den meisten Bauten dieser Zeit; aus gehöriger Entfernung betrachtet zeigen sich Massen und Umrisse meisterhaft aufgebaut. Die erhöhte Lage über dem Main führte zur Anlage einer 20 m hohen Terrassenmauer, daran das mächtige Wappen des Bauherrn Erzbischof Joh. Schweickart von Mainz. Erwähnenswert, daß Ridinger vorher hauptsächlich an Festungsbauten beschäftigt war. -- Die _Hoffassaden_ wiederholen das äußere System mit der Abweichung, daß das Erdgeschoß sich in Arkaden öffnete (unglücklicherweise später zugemauert). -- Die _innere Ausstattung_, deren geschnitzte Türen, Mosaikböden, Stuckdecken, Wandgemälde (im Kaisersaal Historien von _Georg Keller_, einem Schüler _Jost Ammanns_), ein Besucher des J. 1614 überschwänglich bewunderte, wurde durch Umbauten seit 1770 zerstört. Einigermaßen verschont nur die _Kapelle_; 1sch. Raum mit Netzgwb., Kolossalaltar und Kanzel aus Marmor von _Hans Junker_; Bürger von Aschaffenburg, um 1615; unendlich überlastet mit (an sich reizvollem) Detail, figürlichem und ornamentalem. Wand-, Decken- und Fenstermalerei zerstört. Prunkvolles Portal. -- Im Schloß bmkw. _Gemäldegalerie_. _ASCHERODE._ RB Erfurt Kr. Hohenstein. *Dorf-K.* 1606-15 nachgot. _ASCHFELD._ UFranken BA Karlstadt. *Pfarr-K.* 1679. Wirkungsvoller _Hochaltar_ in elegantem fr. Rok., gegen 1740, Richtung der Auwera. -- _Kirchhofsbefestigung_ mit Gaden 16. Jh. _ASMUSHAUSEN._ RB Cassel Kr. Rotenburg. *Kirche* spgot. 1sch. mit gleich breitem Chor; dort die Fenster Spitzbg. mit Fischblasen, im Schiff Vorhangbögen. _ASTHEIM._ UFranken BA Gerolzhofen. Ehem. *Karthäuser-Klst.* gegr. 1409 durch Erkinger v. Seinheim-Schwarzenberg. Kirche charakteristisch nachgot. Bau (1603 f.) auf älteren Fundamenten. Das prächtige, mit Statuen geschmückte Renss.-Portal an die Prokuratie versetzt. Treffliches _Chorgestühl_ renss., spätbar, umgearbeitet. Mächtiger _Hochaltar_ 1730, Seinsheimsche _Epitaphe_. -- Vom Klst. erhalten die Prokuratie um 1583, die nachgot. (um 1600) Nikolauskap. und der Verbindungsgang zur Kirche. Überlebensgroßes _Holzkruzifix_ um 1520. *Dorf-K.* Epit. G. F. v. Schwarzenberg 1543, wohl von _P. Dell_ d. Ä., Moritz v. Sch. 1565 von _Thomas Kissner_. _ATZENDORF._ Pr. Sachsen Kr. Merseburg. *Dorf-K.* Die östl. Schlußwand mit 3 pyramidal gruppierten Spitzbogenfenstern 13. Jh., sonst 17. Jh. _AUA._ RB Cassel Kr. Hersfeld. *Dorf-K.* daran geringe Reste des 1218 von hier nach Blankenheim verlegten Klosters; ein rom. _Taufstein_ Träger der Altarmensa. _AUB._ UFranken BA Ochsenfurt. *Pfarr-K.* (ehem. Benedikt.-Propstei). Das Lhs. Neubau aus der Juliuszeit (1615), erst M. 18. Jh. aus 3sch. in 1sch. Anlage umgewandelt. Aus 13. Jh. erhalten der WBau, ein sehr bmkw. Dokument aus der ersten Rezeption des got. Stils. 1275 und 1280 die ersten Erwähnungen, zu welcher Zeit auch die Bauformen passen. Erdgeschoßhalle und Empore, beide geteilt in 3 Sch. und 2 Joch. Die Formen der ersteren noch mit viel rom. Erinnerungen, woraus nicht notwendig ein nennenswert höheres Alter folgt. Doppelt gekehlte Rippen mit Anläufen auf diagonal gestellten Kämpfern. Die oberen Pfll. aus 8 Runddiensten gebündelt, ihre Kapitelle glatt. Diejenigen der Wandfll. mit schönstem frgot. Blattwerk unter reichlicher Beimischung von Masken und Tieren. Die Fenster haben im Maßwerk Nasen, z. T. in Blumen endigend. Das Portal spitzbg. in rundbg. Blende. Tympanon fensterartig aufgelöst. Im Obergeschoß Rosenfenster. Vergleichspunkte zu fränkischen Bauten dieser Zeit fehlen; sämtliche Details weisen auf den Oberrhein und über diesen hinaus wohl auch auf direkte Bekanntschaft mit der französischen Gotik, namentlich gilt dies von der Komposition der Rosen. -- _Hochaltar_ 1682. _Kanzel_ 1790. Hauptschmuck des Turms die schöne _Kreuzgruppe_ aus _Riemenschneiders_ Werkstatt, dem Meister selbst nahe stehend. Bmkw. _Steinrelief_ aus 14. Jh., die Jünger am leeren Sarge Mariens. Zahlreiche _Renss.-Grabmäler_. Das des Truchsessen von Baldersheim aus der _Riemenschneider_schen Werkstatt um 1520. *Spital-K.* 14. Jh., umgebaut 1595. Fürstbischöfl. Schloß 1580-1620. In den Turmräumen (Amtsgericht) schöne Stuckdekoration um 1770, vielleicht von _Matteo Basti_ (vgl. die Engelheimer Zimmer der Würzburger Residenz). Die Kap. in typischer unterfränkischer Nachgotik. -- *Rathaus* 1671. -- In der Nähe des Ortes mehrere schmuckreiche _Bildstöcke_. _AUBSTADT._ UFranken BA Königshofen. *Dorf-K.* renss. 1618, mit Friedhofbefestigung. _AUE._ Pr. Sachsen Kr. Zeitz. *Dorf-K.* des 12. Jh. Sandsteinquaderbau. WTurm. Am abgetreppten Portal die Kanten als Rundstäbe ausgebildet, im Tympanon der Gekreuzigte in langem Rock. Empore und Holzdecken mit Bar.-Malerei geben ein farbenreiches Innenbild. _AUE AM BERG._ Sachsen-Meiningen. Kr. Saalfeld. *Dorf-K.* (ehemals Wallfahrt) im Kern rom. Überarbeitungen got. und später. -- Gemaltes _Triptychon_ um 1500. _AUERBACH._ K. Sachsen. Amtshauptstadt. *Burgruine*. Bergfried aus fr. Ma. noch erhalten. _AUERSTEDT._ Pr. Sachsen Kr. Eckartsberga. *Dorf-K.* 1718 fast ganz erneuert; Nachwirkung der ma. Anlage die östl. Stellung des Turms. _AUERSWALDE._ K. Sachsen AH Flöha. *Dorf-K.* Einige der wenigen im Lande, welche ihren ursp. rom. Gr. und Aufbau unverletzt erhalten haben. Gemeindehaus fast quadr.; Chor ebenfalls quadr., doch kleiner; beide Teile flachgedeckt; 1/2kr. Apsis. Ringsum gegliederter Rundbg., Fries, an der Apsis 1/2Sll., am OGiebel steinernes Kreuz, am Altar rom. Mensa. -- _Altarschrein_, schöne Arbeit aus Altenburger Werkstatt, 1503. _AUFENHAU._ RB Cassel Kr. Gelnhausen. *Dorf-K.* spgot., flachgedeckt, eingezogener polyg. Chor, WTurm, einfachste Formen. -- Gemaltes Triptychon M. 15. Jh. _AUFSESS._ OFranken BA Ebermannstadt. *Burg* aus Ma. gut erhalten. In der *Schloß-K.* Grabstein für Albrecht v. A. 1356; kunstvolles zinnernes Taufbecken von _Caspar Enderlein_ ({~DAGGER~} 1633). _AUGSFELD._ UFranken BA Haßfurt. *Dorf-K.* ca. 1730-50, 1sch. mit Lattengwb., Chor nach alter Gewohnheit im OTurm. -- Dekoration und Mobiliar in munterem, ländlich splendidem Rok. _AUGUSTUSBURG._ K. Sachsen AH Flöha. Schloß gegr. 1568 durch Kurfürst August, wesentl. voll. 1573. Baumeister _Hieronymus Lotter_ aus Leipzig, zum Schluß _Erhard van der Meer_ unter Oberaufsicht des Grafen _Rochus v. Linar_. Der allgemeine Charakter ist der eines Residenzschlosses mit festungsmäßigen Anklängen (Gräben, Kasematten usw.). Der Gr. gibt in der Umfassungslinie ein Quadrat von 86 m, in der inneren Einteilung 4 massige 4eckige Eckhäuser, die durch schmale Flügel verbunden werden, so daß der Hof griechich kreuzf. wird. Die Fronten 2geschossig ohne Gesimsteilung und in sehr niedrigen Proportionen, die 4 eckigen Fenster mit got. Profilen sind die einzige Belebung der glatten Wand, dazu auf der N- und SSeite ein Einfahrtstor in Rustika, derbe Nachahmung der Festungsbauten der Sammicheles. Über dem weit ausladenden Hauptgesims ein Umgang mit Balustrade. Starke Akzente geben die Eckbauten mit Zwerchhäusern, steilen Walmdächern und hohen Schornsteinen (durch späteren Umbau vereinfacht). Die _Ausstattung_ der Wohn- und Festräume stark reduziert; es waren vorhanden 5 Säle, 7 Vorsäle, 74 Zimmer, 96 Kammern. Auf der SSeite bildet den mittleren Verbindungsbau die *Schloßkirche* nach dem Plan _v. d. Meers_. Zwischen den tiefen Streben ringsumlaufende, steinerne Emporen, Pfl. u. Bogenstellungen mit Halbsäulen in unten dor., oben jon. Ordnung, alles in schwerster Behandlung, das Tonnengwb. in sog. Quadraturwerk stuckiert. Über dem Altar großes _Gemälde_ von _L. Cranach d. J._ von 1571, Kurfürst August mit seiner zahlreichen Familie vor dem Gekreuzigten. _Kanzel_ mit Gemälden von Hans Schröer. _AULIGK._ K. Sachsen AH Borna. *Dorf-K.* Chor 14. Jh., sonst im 17. u. 18. Jh. umgebaut. Grabsteine des 16. Jh. der v. Thor, v. Miltiz u. a. Orgel von _Gottfr. Silbermann_, aus Chemnitz versetzt. _AUMA._ Sachsen-Weimar. VB Neustadt a. d. O. *Stadt-K.* 1520 und 1793. -- Reste eines _Schnitzaltars_ A. 16. Jh. _AURA._ UFranken BA Hammelburg. Ehem. *Benedikt.-Kloster*, gegr. 1108, erster Weiheakt 1113. Im Bauernkrieg beschädigt, 1687-97 teils weiter zerstört, teils umgestaltet. Jetzt flachgedeckte Pfeiler-Basilika von 9 Achsen, im O platter Schluß. Ausstattung E. 17. Jh. Im ganzen entstellter Überrest einer urspr. bedeutenden Anlage. Vorläufige Ausgrabungen unter Dr. A. Faulner ergaben vom rom. Bau: unter der Ummantelung der Pfeiler im Langhaus Stützenwechsel im Rhythmus aab, aab; im Chor nur Pfeiler; Schluß in 3 Apsiden. Ein westl. Atrium mit Doppeltürmen 1689 abgetragen. -- In der jetzigen Stallung Rest eines spgot. Kapitelhauses. Die rom. Würfelknaufsäulen in den Arkaden des jetzigen Friedhofs stammen vom Kreuzgang. _AUWALLENBURG._ RB Cassel Kr. Schmalkalden. *Burgruine Wallenburg*, erb. gegen 1247, erhalten ein 27 m hoher Turm, rom., von ausgezeichneter Technik, mit 2 Einsteigtüren. _AXIEN._ Pr. Sachsen Kr. Torgau. *Dorf-K.* rom. Backsteinbau, querrechteckiger Sattelturm innen in 2 Rundbg. gegen das Sch. geöffnet, 1/2kr. Apsis, Rundbogenfries im N einfach, im S verschränkt. -- Aus frgot. Zeit _Taufstein_ und Reste von _Wandmalerei_. _B_ _BAALSDORF._ K. Sachsen AH Leipzig. *Dorf-K.*, rom. Anlage des 13. Jh. -- _Glocke_ E. 13. Jh. mit der Inschr. »_Heinricus Filius Tiderici me fecit_« (ein Glockengießer _Thidericus_ erscheint 1278 in Lühe bei Hildesheim; die gleiche Inschr., wie die vorliegende, haben in der Umgegend die Glocken zu Groß-Wiederitszch, Geringswalde, Niedergräfenhein, Oetzsch). _BAHRA._ UFranken B A Mellrichstadt. *Dorf-K.* Frgot. _Sakramentsnische_. _Glocke_ mit Apostelnamen um 1300. _BALDERSHEIM._ UFranken. BA Ochsenfurt. *Pfarr-K.* 1611, verändert 1901. Sehr guter _Grabstein_ 1493; andere 16. u. 17. Jh. -- _Hochaltar_ um 1700 mit guten _Holzfigg_. vom spätgot. Altare (nach 1500). _BALGSTEDT A. U._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* Rom. Turm mit gepaarten Fenstern. Schiff abgebrochen und im 18. Jh. im W des Turms neu errichtet. -- _Glocke_ 1311. _BAMBERG._ OFranken. BAmtsstadt. *Dom S. Peter u. S. Georg*. Gründungsbau Kaiser Heinrichs II. 1004-1012; Brand 1081, der nur die Mauern stehen ließ, darauf Rest. und zweite Weihe 1111; neuer Brand 1185; Umfang des Schadens und Beginn der Erneuerung nicht bekannt; 1231 der Ostchor noch nicht fertig; 1237 Weihe, aber noch nicht völliger Abschluß der Arbeiten. -- Der gegenwärtige Bau ist ein Werk des 13. Jh. auf dem Grundriß des frühen 11. Jh.; ob und wieviel aufgehende Mauerteile aus der Zeit vor 1185 in den Neubau hinübergenommen, ist noch nicht sicher festgestellt. Maße in runden Zahlen: ganze innere L. 95 m, Br. 28,50 m, H. 25,50 m. Gr. regelmäßig kreuzförmig mit der Abweichung, daß das Qsch. im W. Zwei Chöre: OChor, 3 Joche des Msch. mitumfassend, S. Georg gewidmet; WChor, die Vierung einschließend, S. Peter; zu beiden führen Stufen hinauf. Der der Gemeinde verbleibende Raum im Msch. auf 30 m reduziert. Unter jedem Chor eine Krypta. Neben jedem Chor ein Turmpaar. -- Der Bamberger Dombau, in die Zeit fallend, in welcher von Frankreich her das gotische Bausystem in Deutschland eindrang, weist stilistisch drei Phasen auf: spätromanisch ist der OChor, außen und innen, und das Lhs. in seiner Außenansicht; frühgotisch, jedoch nicht von der französischen, sondern von der von dieser unabhängigen burgundisch-cisterciensischen Frühgotik abgeleitet(1), der innere Aufbau des Lhs.; französisch-frühgotisch, ohne das cisterciensische Element ganz zu verdrängen, der WBau. Genauere Zeitbestimmung nicht möglich. Der OChor ist im polyg. Gr. und in der ganzen Formbehandlung so vorgeschritten, daß er vor 1200 nicht denkbar; die Behauptung, daß die WTürme 1237 vollendet waren, schwebt in der Luft. Hauptbauzeit somit unter B. Ekbert von Andechs (1203-1237), jedoch die Ausführung des WChors und der WTürme später. Die plastische Ausschmückung (s. unten) beweist, daß noch vor ihrer Aufstellung der Bau unterbrochen worden ist. Will man als Ursache dafür die unruhige Zeit unter B. Heinrich (1242-1257) ansehen, so ergibt sich als relativ wahrscheinlich: Beginn der gotischen westl. Bauteile im Anfang dieser Regierung, Vollendung nach längerer Pause unter B. Berthold von Leiningen (1257-85). -- Aus der Zeit der späteren Gotik (um 1450) nur die Sepultur. Gründliche Erneuerung der inneren Einrichtung 1648-55, der Dächer und Türme 1744 und 1765-68. Restauration und Purifikation 1828-37 durch _Heideloff_ und _Gärtner_. _Ostbau_ (»Georgenchor«). Die Krypta umfaßt den ganzen Raum unter dem hohen Chor; 3 Sch. und 7 Joche; die Kreuzrippen gestatten, das Msch. breiter anzulegen, während die Krypten mit rom. rippenlosen Gwb. immer auf gleiche Breite der Schiffe angewiesen waren; ferner ist der Raum höher und luftiger gestaltet, als je in Krypten älterer Zeit. Die Stützen sind Sll., ihre Kaptt. z. T. mit seltsam krausem, barockem Blattwerk und hohen 8eckigen, schon frgot. Einfluß verratenden Deckplatten. Die Rippen mit derben Rundstäben besetzt. Der Eingang muß ursp. in der Mitte gelegen haben; die hohen Sockel des ersten Pfeilerpaares entsprechen einem ehemaligen Podest. -- Die Apsis des hohen Chors, im Gr. 5 Seiten des 8Ecks, legt sich, besonders in der Außenansicht hervorragend schön kombiniert, an die große Wandfläche, die durch den OGiebel des Lhs. und den mit diesem in gleicher Flucht liegenden Unterbau der Türme gebildet wird. Der Aufbau 3 teilig in glücklichster Rhythmisierung; Erdgeschoß, Fenstergeschoß, Zwerggalerie gesondert durch überaus reich gebildete Friese, vertikale Gliederung durch Gruppen rechtwinkliger Vorsprünge und stärkerer und schwächerer Dreiviertelsäulen. An den Kapitellen vielfach das Knospenmotiv in einer schon von der Frühgotik berührten Form. Die Kehlen der reich abgestuften Fenstergewände sehr wirksam mit Schellen besetzt. Das Dachgesims im 18. Jh. erneuert. Der Zwerggalerie entspricht im inneren Aufbau das als glatte Kugelkalotte gestaltete Gwb.; unter den Fenstern Arkatur; bezeichnend das Streben nach möglichst lebhaftem Formenwechsel auch in der Form ihrer Säulenschafte. _Langhaus._ Querschnitt des Msch. 1 : 2, Gesamt-Querschnitt nach dem gleichseitigen Dreieck. Die Gwbb. haben Kreuzrippen und sind in den Quer- wie in den Schildgurten spitzbg.; trotz der Freiheit der Grundrißbildung, die dadurch möglich geworden wäre, ist nach deutscher Gewohnheit das sog. gebundene quadr. System beibehalten. Dabei macht sich behindernd geltend, daß die Grundrißabmessungen auf diese Teilung ursp. nicht eingerichtet waren: so ergeben sich von den Vierungspfll. des Qsch. bis zu den östl. Chorpfll. nur 4+1/2 Doppeljoche. Im Anschluß des Lhs. an den OChor tritt deshalb sichtliche Verwirrung ein; man versuchte es mit 6teiligen Gwbb., hat sie aber z. T. wieder aufgegeben. Eine baugeschichtlich wichtige Tatsache zeigt sich außen an den Hochschiffswänden, ebenso an der N- wie an der SSeite: von W gerechnet zwischen dem ersten, zweiten und dritten Fenster vermauerte Fenster von gleicher Form und Größe, wie die offenen, und zwar an den Stellen, wo innen die Gewölbegurte anfallen. Um als Überreste vom Bau des h. Otto zu gelten, sind sie zu groß; ich kann sie nur auf eine jüngere Restauration(2) beziehen, etwa nach Brand 1185, die _noch nicht mit Gewölben rechnete_. Aus dem bei währendem Neubau eingetretenen Wechsel erklären sich nun auch die Unregelmäßigkeiten im östl. Abschnitt. Von diesen abgesehen, alternieren regelmäßig stärkere und schwächere Pfll., kreuzförmig mit eingelegten Ecksll., die Vorlagen der Hauptpfll. das Gurtgesims durchschneidend. Nicht angenehm in seiner Leere wirkt das Hochschiff. Die Gwbb. haben nahezu gerade Scheitel (wie in Ebrach), während der Übergangsstil sonst starke Busung liebt. Die Gurten einfach rck., aber verhältnismäßig schmal, die Rippen Rundstäbe mit mandelförmiger Schärfung. Im Gesamteindruck kann von got. Formgefühl noch nicht die Rede sein. In der got. gedacht ist Konstruktion aber die klare Sonderung einerseits der die Gewölbe tragenden Hauptpfll. und des mit ihnen verbundenen Gurtensystems, andererseits der füllenden Wandflächen. Die Anregung durch Ebrach vorausgesetzt, ist die Rückkehr zum gebundenen System auffallend. Querschnitt. _Westbau_ (»Peterschor«). Der Chor, für den ursp. ein sechsteiliges Gwb. beabsichtigt war, hat schließlich 2 sehr schmale gerade Joche erhalten und in der Apsis ein 5teiliges Rippengwb. mit hohen Schildbgg., die einer zweiten Fensterreihe Raum geben. In den Formen Zunahme des eigentlich französischen Elements in einer den jüngeren Teilen des Klosters Ebrach ähnlichen Fassung. Es sind nacheinander mehrere Meister tätig, zuerst burgundisch (Dijon), später mehr nordfranzösisch gerichtet. Die Krypta klein und jetzt unzugänglich. -- WChor und OChor sind in ihren ins Schiff vorspringenden Abschnitten durch Brüstungswände geschützt; nach außen mit Arkaturen geziert, nach innen völlig glatt, selbst ohne Gesims; die SSchranke des WChors mit Spuren von rom. Malerei. _Äußeres_. Das Lhs. hat rein rom. Formen. Unerhört in den bisherigen Baugewohnheiten der Reichtum der Friese. Die Gesimse haben sich mit den Dächern in wiederholten Restaurationen verändert. 4 Portale: 2 unter den OTürmen (Adamspforte, Georgenpforte; das Zickzackornament der ersteren wohl aus S. Jakob in Regensburg, wohin auch das Kehlungsprofil der Pfosten der Georgenpforte hinweist); 2 (in der letzten Bauzeit vorgeblendet) am nördl. Ssch. (Fürstentor) und nördl. Kreuzflügel (S. Veitspforte). Denselben rein rom. Charakter haben die OTürme bis zur Höhe des Mittelschiffhauptgesimses; hier treten frgot. Formen ein, doch unter Wahrung der bisherigen Einteilung (die Notstütze im 2. Fenstergeschoß noch während des Baus eingezogen; die Fenstergliederung der beiden letzten Geschosse entsprechend geändert). Entschiedener ist die Neuerung an den WTürmen; im Unterbau haben sie Konsolengesimse, die mit denen der Michaelskap. in Ebrach genau übereinstimmen und deren Vorbilder zum charakteristischen Formenschatz Burgunds gehören; weiter nach oben tritt der Wandel ein: oktogonaler Kern, an den Diagonalseiten Vorlagen einer tabernakelartigen Säulenstellung, die im Gr. 5 Seiten des Achtecks umschreiben; diese Anordnung wiederholt sich durch 3 unter sich fast gleiche Geschosse. Die Einzelheiten sind durchaus frgot. im Sinne der französischen Schule. Aber auch die Komposition im ganzen geht auf ein bestimmtes französisches Vorbild zurück: die Kathedrale von Laon. Doch ist dasselbe in einem wichtigen, ohne Abb. nicht verständlich zu machenden Punkte mißverstanden. Um so auffallender, als sich noch ein kleines, im Hauptmotiv richtiges Modell der Laoner Türme erhalten hat: jetzt auf dem Baldachin über der Statue des h. Dionysius am letzten Pfl. des OChors, NSeite. (Zuerst bemerkt von K. Franck und ansprechend so gedeutet, daß die französisch geschulten Bildhauer es waren, die das Motiv nach Bamberg brachten, der Baumeister es also nur aus zweiter Hand kannte.) Dieselben Bildhauer scheinen auch einer Erweiterung des WChors durch einen französischen Kapellenkranz das Wort geredet zu haben; vgl. das Modell in der Hand der h. Kunigunde am Portal unter dem SOTurm. Wichtig ist weiter das in allen Hauptsachen sehr genaue Modell aus dem 16. Jh. am Portalrelief der alten Hofhaltung. Es zeigt, daß das für die Entwicklung der WTürme sinnwidrige Giebelmotiv am oberen Abschluß vollständig ein Werk des 18. Jh. ist, den Giebeln der OTürme nachgebildet, als man die Dächer erneuerte; ursp. schlossen die WTürme richtig mit einem größeren 8seitigen Helm in der Mitte, 4 kleineren an den Ecken. _Innere Ausstattung_. Aus Ma. nur das Chorgestühl; im WChor reicher, E. 14. Jh., im OChor etwas jünger. Die hie und da zerstreuten Schnitzaltäre sind in neuerer Zeit aus andern Kirchen herbeigebracht, aus altem Bestand allein der in der Sepultur. Der Wunsch König Ludwigs I. war, »daß das heilige und großartige Denkmal in seinen Verunstaltungen verbessert und der ungestörte Anblick dieses erhabenen Tempels im ursprünglichen Stile wieder hergestellt werde.« Die Leitung der Restauration hatten 1832-1835 _Heideloff_, 1835-38 _Gärtner_. Sie entfernten nicht nur alle nachmittelalterlichen Gegenstände, darunter 10 Renaissanceepitaphe (jetzt in der Michaels-K.), sondern drängten auch dem der Spuren seines Lebens in der Geschichte beraubten Bau ihre eigenen hybriden Erfindungen auf. (Selbst Führig, ein Nazarener, klagte damals über die eingetretene Vernüchterung.) Von größter Wichtigkeit ist der Bamberger Dom für die Geschichte der _monumentalen Plastik_ im 13. Jh. Zu unterscheiden sind drei Stilnuancen, jede durch eine führende Künstlerindividualität vertreten: Meister des Georgenchors, Meister der Adamspforte, Meister des Fürstentors. a) Die Arkaturen an den _Schranken des Georgenchors_ enthalten in ihren 2×6 Blenden die Reliefgestalten von _Propheten_ (NSeite) _und Aposteln_ (SSeite); die gemalten Inschriften ihrer Spruchbänder sind erloschen, weshalb nur bei den wenigsten die Benennung möglich wird. Je zwei im Gespräche. Der Stil zeigt den Moment des Aufsteigens einer säkular an die Kleinkunst gebunden gewesenen Darstellungsweise zum monumentalen Stil; zugleich in ergreifendster Weise den Zusammenstoß konventioneller Gebundenheit, in der sich deutsche Gewohnheiten mit neuerdings aufgenommenen Formen des klassischen Byzantinismus begegnen, und eines zur Freiheit erwachten leidenschaftlichen Naturalismus. Mannigfaltigkeit der Charaktere, Eindringlichkeit der Geberdensprache sind das Hauptanliegen; die Körperbildung noch sehr fehlerhaft, oft verzerrt, nie ausdruckslos. Die Apostelseite in relativ gedämpfter, die Prophetenseite in stürmisch erregter Stimmung. Der Unterschied wird so gedeutet, daß der Künstler, noch zaghaft, mit jener angefangen habe; es könnte aber auch sehr wohl eine bewußte Differenzierung in der Charakteristik sein. Die Anordnung der SSeite ergibt ein überschüssiges Feld, darin der h. _Michael_. Das _Verkündigungsrelief_ am Pfl. rechts von der Chortreppe saß früher an der NSeite, wo die Ausbruchstelle noch sichtbar; etwa der Anfang einer neuen Reihe (vielleicht bestimmt für den Peterschor, dessen Schranken dann ohne plastischen Schmuck, bloß mit Gemälden in den Feldern, zur Ausführung kamen) zeigt es, wie weit dem Meister das Formalschöne zur Verfügung stand. Sichere Datierung ist nicht möglich; am wahrscheinlichsten ist mir die Zeit rund 1225-35. -- b) _Die Adamspforte_, links (SO) vom Georgenchor. Am rechten Gewände Petrus, Adam, Eva; am linken Kaiser Heinrich, Kunigunde, S. Stephan. Die Statuen sind später eingefügt; wären sie für dieses Portal, auch nach Vollendung desselben, gearbeitet worden, so hätte der Künstler sie auf Konsolen gestellt; allein sie sind mit Säulen verwachsen, die in dem Organismus _dieses_ Portals keinen Platz finden; Petrus weist ohnedies auf den Peterschor. Dieser Bauteil ist es, mit dem architektonisch die _französische_ Schule einsetzt, und daß der Bildhauer der Adamspforte seine Schule in Reims durchgemacht hat, habe ich nachgewiesen. Von derselben Hand rühren mehrere Statuen her, die jetzt im Innern an den den Georgenchor nördlich begrenzenden Pfeilern sehr ungeschickt aufgestellt sind. Offenbar waren auch sie für ein Portal gedacht; vielleicht an der Stelle des später dem westl. Qsch. vorgeblendeten S. Veitsportals, also das Seitenstück zum Fürstenportal. Am Mittelpfeiler _Maria_, von ihr getrennt _Elisabeth_ (als Heimsuchungsgruppe gedacht), auf der andern Seite ein Engel (Verkündigung); am linken Pfl. ein _Papst_, am rechten der _h. Dionys_, an seiner Front ein lebensgroßer _Reiter_. Dieser künstlerisch und ikonographisch ein Novum. An Zusammenhang mit den Reitern an südwestfranzösischen rom. Fassaden nicht zu denken. Als Benennungen wurden bis jetzt vorgeschlagen: K. Konrad III., K. Stephan von Ungarn, einer der hl. drei Könige. Alles wenig plausibel. Wahrscheinlicher ist mir, indem ich von der Bedeutung der Örtlichkeit (Georgenchor!) ausgehe, die Benennung S. Georg. Vgl. die Nachbildung im Dom von Regensburg. Dort und in Basel mit S. Martin gepaart. Vielleicht war das auch in B. beabsichtigt. Die stilistischen Beziehungen zu Reims und, wie bei Maria und Elisabeth, indirekt zur Antike sind überall klar; außerdem muß der Meister auch Burgund, etwa die Kathedrale von Langres, gekannt haben, wie die spezifische Behandlung des Akanthus am Sockel des Reiters wie auch an einigen Statuensockeln der Adamspforte anzeigt. Die Zeit der Ankunft dieses Meisters, dem mittelbar auch die WTürme zuzuschreiben sind, ist nicht zu ermitteln, etwa 1240-60. Er gehört zu den ersten künstlerischen Kräften des 13. Jh. Um so bedauerlicher, daß wir keine seiner Gestalten in dem von ihm gewollten architektonischen Zusammenhange sehen (wie ja auch sein zu vermutendes Projekt für die Erweiterung des WChors unausgeführt blieb). Viele interessante architektonische Reminiszenzen und Phantasien stecken in den Baldachinen über den Statuen, z. B. an dem über dem Reiter Reimser Maßwerk der frühesten Art. -- c) _Das Fürstenportal_ am nördl. Ssch. Am Gewände die 12 Apostel auf den Schultern von Propheten (in ikonographischer Hinsicht vgl. den Taufstein in der Vorhalle des Merseburger Doms), am Tympanon das Jüngste Gericht. Die tektonische Anordnung ist französisch, wiewohl mit der bedeutsamen Abweichung, daß die Statuen mit Sll. wechseln (vgl. Goldene Pforte in Freiberg); der Stil geht von dem lokalen der Schranken des Georgenchors aus, durchdringt sich aber mehr und mehr mit dem französischen; man erkennt die linke Seite als ältere, die rechte als jüngere, das Tympanon als letzte Stufe dieser Entwicklung. Die zu beiden Seiten angeordneten Standbilder _der Ecclesia und Synagoge_ haben mit dem Portal ursp. nichts zu tun; sie sind dem Vorrat der vom Meister der Adamspforte hinterlassenen Stücke entnommen; ebenso gehören der Werkstatt des letzteren der _Posaunenengel_ und der _Abraham_ über dem linksseitigen Kämpfer. -- d) Aus der älteren einheimischen Schule das Bogenfeld und die Apostelbrustbilder des Portals rechts vom Georgenchor (NO), die 2 kauernden Löwen an der OFassade von einem später veränderten Portal nach 1185. -- _Grabdenkmäler __ des 13. Jh._ Auf dem Peterschor Tumba des B. Suitger, nachmals _Papst Clemens_ II. ({~DAGGER~} 1047); glatter Deckel mit Randinschrift, an den Längswänden Allegorien der Kardinaltugenden, an den Schmalseiten der Tod des Papstes und der Christus der Apokalypse (?), früher irrig als italienische Arbeit ausgegeben. Der Stil weist auf das 13. Jh., genauer den Meister der Adamspforte. Indes halte ich, was wir jetzt vor uns haben, für eine nachmittelalterliche Kopie. Gründe: die Schriftform und die arabischen Ziffern der Deckplatte; die Gleichheit des Materials der Deckplatte und der Reliefwände (grauer Marmor, der sonst an keiner Arbeit des Ma. vorkommt); das Vorhandensein einer zweiten Grabplatte, die nur als Grabfigur Clemens II. gedeutet werden kann (der Papst am Georgenchor, jetzt aufrechtstehend, aber mit Kopfkissen). -- Die 2 Tumben des Georgenchors; B. Gunther ({~DAGGER~} 1065). Stil des 13. Jh., flaches Relief, ungewöhnlicherweise in Profil; B. Otto II. ({~DAGGER~} 1196), eingeritzte Linearzeichnung, Gesicht, Hände und Füße waren mit Messing eingelegt. -- Tumbendeckel des B. Ekbert v. Andechs und Meran {~DAGGER~} 1237, ähnlich dem des B. Gunther; Standort jetzt am Eingang in die Antoniuskap. -- Noch immer nach demselben Schema der Tumbendeckel des B. Berthold v. Leiningen {~DAGGER~} 1283, s. unten. -- _Grabdenkmäler aus dem_ 14.-17. Jh. a) _im südl._ Qsch.: rechts vom Altar großartiges Bildnisepitaph des B. Phil. v. Henneberg 1487 (von derselben Hand wie Diether von Isenburg im Dom zu Mainz, fast Kopie, also trotz der individuellen Züge ohne Porträtwert); Bronzetafel für den Domherrn Wolfgang von Würzburg 1610, Guß von _Jakob Weinmann_ von Nürnberg; Epit. des B. Georg IV., Fuchs von Rügheim 1561 von _Kilian Sorg_; Bronzemonument B. Phil. Voit v. Rieneck 1672. -- b) _Im Peterschor_: Epit. des B. Georg III. Schenk v. Limpurg 1522 von _Loy Hering_ in Eichstätt, Material polierter Solenhofener Kalkstein; an den Wänden mehrere Platten mit eingelegten Messingfiguren in Flachrelief, herkömmlich der _P. Vischer_schen Hütte zugeschrieben. -- c) _Im nördl. Ssch._: im 2. Joche B. Albert v. Wertheim 1421, B. Friedrich v. Truhendingen 1366, beide ohne Inschriftrand und fast Rundfiguren, wohl von Anfang an stehend (also technisch als Epit.) gedacht; in der Nachbarschaft die bloß mit Inschrift versehenen Bodenplatten von Bischöfen des 16. Jh., deren zugehörige Epitaphe jetzt in S. Michael; neben dem Fürstentor Denkmal des letzten Fürstbischofs Georg V. v. Fechenbach 1826. -- d) _An dem südl. Arkadenpfl. des Msch._: B. Berthold v. Leiningen 1283; B. Anton v. Rotenhan 1459; B. Friedrich v. Hohenlohe 1351, künstlerisch das wertvollste unter den spätmittelalterlichen. -- e) _Monument des kaiserlichen Stifterpaares Heinrich und Kunigunde_ von _Tilman Riemenschneider_, beg. 1499, voll. und aufgestellt 1513. Material feiner (wohl Solenhofener) Kalkstein; Form Tumba; so hoch aufgebaut, daß die in nicht sehr hohem Relief gehaltenen Bildnisfiguren des Deckels fast unsichtbar bleiben; Reliefs an den Wänden; wenig Architekturformen. Die Reliefs stellen dar: 1. Kunigundens Feuerprobe, 2. Kunigunde bezahlt die Werkleute zum Bau der Stephanskirche, 3. Heinrich auf dem Krankenbette, 4. Heinrich durch den h. Benedikt von seinem Steinleiden geheilt, 5. Heinrichs Seelenwägung. -- _Sepultur der Domherren in der h. Nagel-Kap._ Die Wände, soweit sie nicht von Altären eingenommen sind, tragen in dichter Reihe und gleicher Größe 64 ikon. Bronzetafeln; 1414-91 besteht die Darstellung in bloßen Umrissen, 1491-1550 in flachem Relief, nach 1550 war der Platz besetzt und wurden in größerer Höhe bloße Wappentafeln angebracht; für eine Anzahl ist der Guß in der Forchheimer Hütte bezeugt; für welche anderen die _P. Vischer_sche in Frage käme, wäre noch zu untersuchen; wahrscheinlich ist es für die Platte des Joh. v. Limpurg ({~DAGGER~} 1475), die dann die älteste in der Klasse der gravierten von _P. Vischer_ wäre. -- Spgot. _Schnitzaltäre_ im nördl. Ssch. (aus Mühlhausen) und in der Nagel-Kap. -- _Kaiserglocken_ aus A. 14. Jh. Die größere nach Heinrich benannte bez. 1311, im Durchmesser 179 cm, Höhe 140 cm. _Schatzkammer_ (seit 1907 in neuen Räumen geordnet) ist in ganz hervorragender Weise reich an _Textilien_: drei den Reichskleinodien beigezählte Kaisermäntel, Rationale, Grabtuch des Bischofs Günther (sämtlich 11. Jh.), Mitra des h. Otto (12. Jh.), großer Wandteppich mit der Passion (15.Jh.), ferner Kleinodien aus _Metall_: zwei rom. Tragaltärchen mit Email und Elfenbeinschnitzereien, großer Bronzeleuchter für Osterkerze (12. Jh.), Kurvatur eines Bischofstabs mit Email (13. Jh.), Reliquiarien und Monstranzen. Schüssel aus _Glasfluß_ (Opus Alexandrinum 1. Jh.). Gegenstände aus _Elfenbein_: Messerscheide (spätestens 9. Jh.), Pontifikalkämme (roman.), Ziborium (got.), Kruzifixe. -- Bis ins 16. Jh. fand alle sieben Jahre die große »Heiltumsfahrt« (öffentliche Ausstellung der zahlreichen Reliquien) statt. *Kreuzgang*. Der rom. Dom entbehrte eines solchen, wie Sockel und Lisenen der SWand erkennen lassen. Der jetzt vorhandene ist spgot. An seinen OFlügel stößt das *Kapitelhaus* 1731, angeblich von _Balth. Neumann_. Die Behandlung prunklos, in schönen ernsten Verhältnissen. Im Hauptsaal eine Stuckdecke in zartem Relief, von eigentlichen Rokokoformen unberührt. 2 ehemals im Dom befindliche _Altarbilder_ von _Merian_ und _Sandrart_. *Alte Hofhaltung*. Weitläufiger Hof von malerischen Fachwerkhäusern mit Holzgalerien umgeben; nach vorn gegen den Domplatz eine Hofmauer mit prächtigem Einfahrtstor und neben diesem ein Steinhaus von geringer Tiefe, so daß es fast nur um der Fassade willen erbaut zu sein scheint; diese ist durch die künstlerische Feinheit der asymmetrischen Gruppenbildung eine der allerglücklichsten und bezeichnendsten Schöpfungen der deutschen Renaissance, erbaut unter B. Voit v. Würzburg {~DAGGER~} 1577. Der entwerfende Baumeister (_Erasmus Braun? Caspar Vischer?_) unbekannt. -- In demselben Gebäudekomplex eingeschlossen die Überreste der *Andreas-Kap*., eines frrom. achteck. Zentralbaues und die *Katharinen-Kap*. aus dem 12. Jh., anscheinend Doppelkapelle. *Neue Residenz*. Nachdem die Bischöfe abwechselnd im Geierswörther Schloß (an der Stelle des jetzigen Oberlandesgerichts) und in einem verschwundenen Schloß auf dem Michelsberg residiert hatten, wurde 1695 von B. Lothar Franz v. Schönborn der gegenwärtige Bau begonnen. Baumeister _Leonhard Dientzenhofer_. Stückweise geplant und nicht vollständig ausgeführt; Abschluß 1704. Zwei lange Flügel stoßen im rechten Winkel aufeinander. Die 3 Geschosse lassen nach der Schulregel die 3 antiken Ordnungen sich folgen; im übrigen sind sie fast gleichwertig behandelt; es fehlt die rhythmische Bewegung und der Abschluß durch ein nachdrückliches Kranzgesims. Der Gesamteindruck bleibt monoton, ja selbst von Kleinlichkeit nicht frei. Sehr nüchtern, an Klosterbauten der Zeit erinnernd, ist auch die innere Einteilung. Bedeutsamer nur der große Festraum, der Kaisersaal; noch ist der, in diesen Gegenden wohl zuerst von Dientzenhofers jüngerem Bruder Johann in Pommersfelden getane Schritt, die Durchlegung durch 2 Geschosse, nicht gewagt; so bleibt der Raum in der Weise der älteren Architektur im Verhältnis zu seiner Ausdehnung sehr niedrig, und erscheint es noch mehr durch den schweren Prunk der Dekoration. *Domherrenhöfe*. Auf dem übrigen Teil des Domberges, soweit er nicht durch die Kirche und die beiden Residenzen eingenommen ist, breiten sich die Wohnsitze der Domherren aus. Sie scheinen die gemeinschaftliche Wohnung in der Klausur in früher Zeit schon aufgegeben zu haben, vgl. den Mangel eines rom. Kreuzganges. Eine Wanderung durch diese alten, im Laufe der Zeiten natürlich mannigfach umgestalteten Kurien mit ihren von Galerien umgebenen Höfen und ihren terrassierten Gärten ist von großem Reiz. Viele haben ihre Hauskapellen bewahrt; eine (im jetzigen Stadtrentamt gegenüber dem Kapitelhaus) ist noch rom., die übrigen got. Architektonisch am bedeutendsten die Dompropstei 1775 und die Domdechantei von _J. M. Küchel_, einem Gehilfen Neumanns (jetziges erzbischöfl. Palais) und aus 16. Jh. der Jungkindshof. Das Bild der geistlichen Stadt vervollständigt sich durch die Absteigequartiere der Äbte aus der Diözese: erhalten der *Langheimer Hof* und der *Ebracher Hof*, beide noch M. 18. Jh. von _J. M. Küchel_. *Antoniterhof* mit *Laurenzi-Kap.*, got. Anlage, 1629 umgebaut, unbedeutend. *Clarissen-Klst.*, gegr. 1341, profaniert. *Dominikaner-K.* (jetzt Militär-Depot). Chor 1380-87 in der gewöhnlichen polyg. Anlage; das Lhs. hat 3 Sch. von gleicher Höhe mit flachen Decken. (Umbau des 16. Jh.?). Der Kreuzgang verwüstet. *S. Gangolf*. Ehem. Stifts-K., gegr. 1063. Anlage und Mauerkern gehören einer rom. kreuzf. Basilika. Obergaden noch mit rom. Fenstern. Die Arkaden got. erweitert, an die Sschiffe got. Kapellen angebaut. Das Ganze got. eingewölbt. Sprom., oben in got. Formen übergehend die Doppeltürme der Fassade. Zwischen ihnen schaut der Mschiffsgiebel vor. -- In den sehr verbauten Stiftsgebäuden Reste eines rom. Kreuzgangs. *S. Elisabeth*. Kleiner spgot. Bau, willkürlich neugot. rest. -- Ein paar _Holzfigg._ aus der Schule _Riemenschneiders_. *Franziskaner-Klst.* Die K. abgebrochen, die Konventsgebäude als Landgericht umgebaut. *S. Getreu* (S. Fides?). Gründung des h. Otto, 1727 ff. gänzlich erneuert, unansehnlicher Barockbau. In ihm große _Kreuzigungsgruppe_, welche Endpunkt von _Stationsbildern_ war, die sich von S. Elisabeth den Berg heraufziehen; gestiftet zwischen 1503-1505; weitgehende Anlehnung an _Adam Krafft_, die Auffassung ins Spießbürgerliche und Grelle gezogen. *Dominik.-Nonnen-Klst. zum h. Grabe*. Als Militärlazarett umgebaut. *S. Jacob* (ehem. Kollegiatstift), gew. 1109. Dieser Bau im wesentlichen erhalten; die got. und bar. Überarbeitung des Innern seit 1866 entfernt; anspruchslos im rom. Sinn restauriert, störend die neurom. Ausstattung. -- Flachgedeckte doppelchörige kreuzf. Basilika, nach dem Vorbild des Doms das Qsch. im W., die Türme im O. Im Lhs. 8 schlank proportionierte Säulenarkaden; steile att. Basen ohne Eckblatt; das Mittelglied von der normalen Form abweichend; Würfelkaptt. mit einfacher 2gliedriger Deckplatte. Die östl. Apsis durch Barockfassade von 1771 maskiert. Die Erdgeschosse der Türme, die als Eingangshallen dienten, mit Gwbb. im Üb.-St., sonst sind die Türme got., nur einer erhalten. Der WChor einfach got. erneuert; die Krypta zugeschüttet, ihre rom. Fenster hinter den Chorstühlen erkennbar. An der OWand des Qsch. Apsidiolen; ihre sehr schlicht behandelten Bgfriese sind die einzigen rom. Formen, die der Außenbau sich noch bewahrt hat. *Karmeliter-K.* 1157 Benedikt.-Nonnen-Klst., 1589 Karmeliter. Die K. 1694 ff. von _Leonhard Dientzenhofer_, ein mittelgroßer Barockbau der nüchternen Art. Um den rom. Bau nicht gänzlich zu zerstören, wurde der Chor (mit verkehrter Orientierung) zwischen dessen Fassadentürme eingebaut; von diesen jetzt nur einer erhalten, dazu das sehr große, mit Zickzackornament eingefaßte Mittelportal aus E. 12. Jh.; es hatte vorher schon ein got. Umbau stattgefunden. In den formlosen, kellerartigen Räumen unter dem jetzigen Chor rom. Reste. Das Niveau der rom. K. muß tiefer gelegen haben. Interessant der große rom. _Kreuzgang_. Am OFlügel Bogenfragmente des Kapitelsaales im Stil des 12. Jh. Der Kreuzgang selbst ruhte auf Sll. und war flachgedeckt; schon ein got. Umbau hat ihn sehr entstellt. [Ein Teil der Sll. jetzt im Münchener Nat.-Mus.] Zur Geschichte der Bamberger Lokalarchitektur bmkw. der sog. _Fremdenbau_ (links von der jetzigen Fassade) beg. 1692. Umbau des Klst. 1690-1710. *Katharinen-Kap*. s. Alte Hofhaltung. *Liebfrauen*- oder *Obere Pfarr-K.* -- Der einzige bedeutendere got. Bau, der in Bamberg zustande gekommen ist. Geldsammlungen 1320; wann wirklich begonnen, unbekannt; Weihe 1387; die Formen sprechen für 2. H. 14. Jh. Umbau des Lhs. 1782; die Nachricht, daß der damals vorgefundene Bau flachgedeckt gewesen und auf Säulen geruht habe, die nur verstärkt zu werden brauchten, wird von den Lokalhistorikern irrig auf rom. Stil gedeutet; die Mauern des Lhs. sind, wie Sockel und Gesimse beweisen, durchaus got., auch sind die Stützenabstände des Innern nur bei einem got. Bau möglich; also war es eine flachgedeckte got. Basilika in der Art der Bettelordenskirchen; durch moderne Rest. ist das Innere jedes Interesses beraubt. -- Ein neuer Plan tritt mit dem Chor ein; gewölbt; innerer Schluß 5/8, Umgang 9/16 mit Wechsel 4 eckiger und 3 eckiger Joche; zwischen den Strebepfll. flache Kapellen. Außen treten die Strebepfll. nur als dekoratives Relief aus der Wand hervor; jedoch wachsen sie durch das Dach durch und nehmen Strebebgg. auf. Das Äußere ist mit reichem, aber wenig edlem Schmuckwerk überdeckt; über den Kapp. Giebel, am Hochchor Flächendekoration durch Stabwerk, eine große Menge von Statuen war vorgesehen (wie auch an den Wanddiensten des Innern), kam aber nicht zur Ausführung. Am nördl. Ssch. die »Brauttür« unter einem hohen Baldachinvorbau. Der an der SWEcke stehende Turm gehört der zweiten Bauperiode an; auch nicht ganz vollendet; sein Partner nie begonnen. -- _Das Innere_ übervoll von Altären und einzelnen Kunstwerken; überwiegend 18. Jh. und modern. Zerstreut einige Holzplastik aus E. 15. bis M. 16. Jh. Darunter (jetzt hinten im Chor) 3 große _Holztafeln_, Reste eines Altars, beglaubigtes Hauptwerk des _Veit Stoss_ bez. 1523, das Mittelstück ca. 2,50 : 3,50, ganz gemäldemäßig komponiert; aber technisch nicht Relief, da die Vordergrundfiguren völlig rund ausgearbeitet, Christi Geburt, die Musikinstrumente der Engel 1864 z. T. »hinwegrestauriert« und dadurch die Bewegungsmotive unverständlich gemacht (vgl. die alte Abb. bei Schellenberg). -- Gegenüber in einer Kap. _Sakramentsnische_ bez. 1492; Wandkomposition; unten Grablegung; zu beiden Seiten Einzelstatuen in 2 Reihen übereinander; die Krönung 1864 verstümmelt; die schlechte Beleuchtung erschwert das Urteil, anscheinend kaum mittelmäßige Arbeit. -- _Taufstein_ mit eingelegten Holzreliefs. -- Als Beispiele für die Lokalkunst des 18. Jh. wären noch zu nennen: die _Hochaltarplastik_ von _J. J. Vogel_ und am westl. Ende des nördl. Ssch. _Gemälde_, der verlorene Sohn, von dem seiner Zeit Ruf genießenden _Joh. Nik. Treu_. -- An der _Brauttür_, 2. H. 14. Jh., Statuen der klugen und törichten Jungfrauen, im Tympanon Vermählung Christi mit der Ecclesia. -- An der WFront roher _Ölberg_ 1502. -- In der Schatzkammer bmkw. _Monstranz_ 1477. *S. Martin.* 1685-93 als K. des Jesuitenkollegiums, Entwurf von _Georg Dientzenhofer_, damals in Waldsassen (Bd. III) tätig. Anlage nach dem seit S. Michael in München für kathol. Barockkirchen beliebtesten Schema. Imposantes tonnengewölbtes Hauptschiff mit zweigeschossig, in Kapellen und Emporen, geteilten Abseiten; die Emporen liegen sehr hoch, nämlich auf der Linie des Gewölbekämpfers; das Qsch. schmal, so daß die Vierung kein volles Quadrat bildet. Überwiegend Korb- u. Stichbögen. An der Flachkuppel perspektivisch gemalte Scheinarchitektur in der Art des berühmten Jesuiten _Pozzo_, doch nicht von ihm selbst, wie irrig angenommen wurde, sondern von einem sonst unbekannten _Fr. Marcolini_. Fassade in reicher, schwerer, unruhiger Gliederung. *S. Matern.* Kleiner flachgedeckter rom. Bau, fast ohne Formen. *S. Michaelis-K.* Ehem. Benediktiner-Klst. Erster Bau 1009 bis 1021, zweiter 1121-1168 (?); Reparaturen 1486; weitere nach Brand 1620 und 1700 ff. -- Die rom. Basilika in der Substanz, wenn auch nicht in der Formenerscheinung, erhalten. Bedeutende Abmessungen. Lhs. 39,70 l., 20,50 br.; rechnet man dazu Vorhalle, Qsch. und Chor, so muß eine Gesamtlänge von mehr als 70 angenommen werden. Trotz der Veränderungen, gerade im O und W, das Hirsauer Schema unverkennbar. Der Hauptchor got. umgearbeitet, die Nebenchöre in Rokoko-Sakristeien verwandelt. Spgot. Netzgwbb. und spgot. Fenster. Die rundbg. 9 Arkaden des Lhs. rom. und so auch der Kern der Pfeiler; ihre Form wird ebenso wie die der Pilaster des Hochschiffes der Reparatur von 1610 angehören. Echte rom. Profile am letzten östl. Pfeilerpaar; dasselbe ist durch Vorlagen kreuzförmig gestaltet und trägt Gurten im Neben- und Hauptschiff. In diesem letzten Joch auch rom. Kreuzgwb. Das ist ein charakteristisch hirsauischer Zug; der ursp. Sinn die Absicht auf Türme im Winkel zwischen Lhs. und Qsch. (vgl. Paulinzelle). Sie scheinen, wie öfters so auch hier, nicht ausgeführt worden zu sein. Eine Krypta, auch dies hirsauisch, fehlte; die Überhöhung des Chors erst im 18. Jh., wie der noch 1718 vorhandene Baldachin über dem Grabe des h. Otto beweist, für den die jetzige Anlage keinen Raum gewährt (vgl. die Abb. bei Ludewig, Scriptores rer. Bambg. 1718). Am nördl. Ssch. kleiner Rest des rom. Bogenfrieses; vollständiger am Qsch., wo auch die Fenster rom. Ganz verändert der WBau. Er hat ein got. Turmpaar und eine vorgeblendete Barockfassade. 1700 von _Leonhard Dientzenhofer_. -- _Innere Ausstattung_, 1725-48, im Gesamteindruck durch die moderne Rest. beeinträchtigt. Alle Mobilien aus Holz, die prächtige _Kanzel_ von zwei Bamberger Künstlern, dem Tischler _Franz Böhm_ und dem Bildhauer _Reuss_. Das _Altarbild_ im Chor von _J. J. Scheubel_ 1750. -- _Grab_ des h. Otto in Tumbenform 14. Jh., mittelmäßig, stark verändert; an der Wand ein ikon. _Grabstein_ in etwas älterem Stil, angeblich ebenfalls Otto. -- Die _Epitaphe_ von Bischöfen wurden auf Anordnung König Ludwigs I. aus dem Dom hierher versetzt. Hervorzuheben im nördl. Ssch.: no 3 und 7 B. Zobel v. Giebelstadt und B. Voit v. Würzburg, von _Hans Wemding_ 1577, 1580; no 4 B. Ernst v. Mengersdorf, von _Hans Werner_ 1596; no 6 B. Neidhard v. Thüngen von _Mich. Kern_ 1598. Die Reihe des südl. Ssch. bar. und rok. -- _Klostergebäude_. Hauptbau 1696-1702 von _L. Dientzenhofer_, andere Teile jünger. Gänzlich schmucklos und nur durch die ungeheure Masse wirkend. *S. Stephan.* Vom ma. Bau nur ein stattlicher Turm aus 18. Jh. übrig geblieben; 5 mal durch kräftige rom. Bgfriese und Ecklisenen geteilt, in dem oberen Geschosse gekuppelte Schallöffnungen in frgot. Form. Die K. völlig umgebaut; Chor 1628 von _Giov. Bonalino_, nach dem Plan des Brandenburgischen Baumeisters _Valentin Junker_; Sch. 1677 von _Petrini_. Annähernd gleicharmiges Kreuz, in N, S, O polyg. An einigen Stellen, besonders im Chor, treten got. Bestandteile zu Tage. -- Das Stuckrelief über der Vierung von _J. J. Vogel_. _Propsteigebäude_ (jetzt Präparandenschule) von _J. M. Küchel_ um 1760. *Friedhofs-Kap.* an der Straße nach Hallstadt (Gönninger-Kap.), gestiftet 1767. Das Innere konnte ich nicht sehen, das Äußere in eleganten Verhältnissen und schon etwas aus dem Rokoko herausstrebend. Um das flache Dach laufen Balustraden mit Kindergruppen. Die Fenster schließen geradlinig mit gerader Verdachung. An der Fassade große _Relieftafel_, die Stifter vor dem Gekreuzigten. -- *Älteres Jesuitenkollegium* (Gymnasium) 1611; bmkw. Portal zur Aula 1613. *Jüngeres Jesuitenkollegium* (jetzt öffentl. Bibliothek und Lyceum) 2. H. 17. Jh. und A. 18., die älteren in der Tradition der deutschen Spätrenaissance. *Ernestinisches Klerikalseminar* am Maximiliansplatz. 1733 nach Entwurf _B. Neumanns_ von _Justus Heinrich Dientzenhofer_. *Altes Rathaus* (jetzt Hauptzollamt), großer schmuckloser Renss.Bau. *Neues Rathaus* auf der Regnitzinsel; 1744-56 aus einem got. Brückenturm (z. Z. noch erkennbar) umgestaltet. Fassadenmalerei von _Jos. Anwander_, neuerlich mit Glück rest.; Altane, Stuckdekoration, plastische Gruppe auf der Brücke von _B. Mutschelle_; alles zusammen überaus glücklich und originell in der künstlerischen Ausnutzung der Örtlichkeit, ein malerisches Architekturbild ersten Ranges. *Hochzeitshaus* am Fischmarkt 1618, die prächtigen Giebel 1871 zerstört. *Hauptwache 1774*, Bildhauerarbeit von _Kamm_. *Gangolfstor*, schmuckreicher Bar.-Bau im Charakter einer Ehrenpforte 1697 von _J. L. Dientzenhofer_. *Privathäuser*. Gotik und Renaissance sind in Bamberg nicht vertreten. Dagegen begann ein Menschenalter nach dem. 30jährigen Kriege eine sehr lebhafte Bautätigkeit mit einem Zuge zum Üppigen, dem eine vortrefflich ausgebildete Stucktechnik die Mittel gab. -- Hauptbeispiel das _Prellsche Haus, Judengasse_ 14, und das _Concordiahaus_. Beide für denselben Bauherrn, J. J. T. Böttinger, und ungefähr gleichzeitig (angeblich 1721-31). In beiden erinnert die Grundrißdisposition auf ansteigendem Gelände und dessen Ausnutzung zu Hof- und Gartenterrassen an italienische, speziell genuesische Vorbilder. Die stilistische Ausbildung aber ist ganz verschieden. Im Prellhause sind die Treppen und sonstigen Innenräume noch im Sinne des 17. Jh. in gedrückten Verhältnissen, in der noch durchaus bar. Dekoration schwülstig und beinahe roh, aber von großer Kraft der malerischen Effekte; ebenso die Fassade. Die Überlieferung bringt den Bau in ziemlich unsicherer Weise mit dem Namen Dientzenhofer (welcher der vielen?) in Verbindung. Ungewissen Autors auch das sehr bmkw. _Concordiahaus_; ohne sehr groß zu sein in der Haltung eines monumentalen Palastes. Den _Dientzenhofer_ zugeschrieben: Langgasse no 18 und no 32, Nonnenbrücke no 1, Grünmarkt no 31, Karolinenstr. 11 (a. 1716). -- Von _J. M. Küchel_ (lebte 1703-69) Karolinenstr. 1, 2, Kaulberg no 7, Judengasse 7, 12. -- Von _Fink_ 1789: Langgasse no 13. *Brunnen*. Neptunsbrunnen (»Gabelmann«) am Grünmarkt 1698; an der Domterrasse 1777 von _Trautmann_. *Sammlungen*. K. Bibliothek mit wichtigen Bilderhandschriften. _Gemäldegalerie_ auf dem Michaelsberg. _BANZ._ OFranken BA Staffelstein. *Benediktiner-Klst*. (jetzt Schloß). Die Kirche 1710-18 wahrscheinlich von _Joh. Dientzenhofer_. -- Das typische Schema der Barockkirche -- Langschiff mit Seitenkapellen und Emporen und eingezogenem Chor -- ist nur im allgemeinsten beibehalten, in der Einzelausbildung unterliegt sie einer Umbildung, die an die extremsten italienischen Barockmeister, wie Borromini und Guarini, sie überbietend, erinnert. Die gerade Linie ist im Grundriß völlig aufgegeben, die Pilaster stehen deshalb schräg und die Gewölbegurten folgen ihrer Richtung. Die große Pfeilermasse, die das Sch. in zwei Querräume zerlegt, setzt sich aus den Segmenten größerer und kleinerer Ellipsen, die im Grundriß der Gewölbegurten wieder aufgenommen werden, zusammen. Wieder andere Ellipsen bestimmen den Gr. der je 2 Seitenkapp. und der über diesen angelegten Emporen. Für das Auge unmittelbar faßbar ist der geometrische Einteilungsgrund nicht und soll es auch nicht sein. Nur um Einheit im malerischen Sinne handelt es sich, und auch nur für einen einzigen Standpunkt, beim Eintritt in die Kirche, ordnen sich die Linien vollkommen zu dem erstrebten Bilde; hier aber ist es in hohem Grade harmonisch und großartig, in der Wirkung noch erhöht durch die raffinierte Kunst der Lichtführung. Es bleiben nämlich dem Beschauer die Fensteröffnungen, immer den genannten maßgebenden Standpunkt vorausgesetzt, unsichtbar, vergleichbar den Lampen einer Theaterdekoration, an die man überhaupt durch die ganze Anlage erinnert wird. Zum Schluß trennt eine durchsichtige Säulenstellung den Altarraum von dem dahinterliegenden langgestreckten Mönchschor; der geheimnisvolle Durchblick ist wieder ein ganz malerischer und als solcher vorzüglich durchgeführter Gedanke. Alles eigentliche Detail ist aber gleichgültig, ja roh behandelt und kommt auch neben den starken Effekten der ganz in Gold gesetzten Altäre und farbenkräftigen Deckenfresken kaum in Betracht. -- Die Außenarchitektur kann an den, zum Glück wenig sichtbaren, Langseiten nur abstoßend heißen; sie hat die Kosten der oben gerühmten Innenbeleuchtung zu zahlen; recht tüchtig dagegen die zweitürmige Fassade, zumal in der Fernwirkung. *Klostergebäude*. Zum Teil älter als die K., zum Teil jünger. Der kolossale, 27 Achsen in der Front und mehrere Lichthöfe umfassende Hauptbau, 1698-1704 von _Joh. Dientzenhofers_ älterem Bruder _Leonhard_. Der Mittelbau der Fassade jünger. Die Verwaltungs- und Wirtschaftsräume, auf einer tieferen Stufe des stark abfallenden Geländes, 1752 ff. nach Angaben von _Balth. Neumann_. Die Kunstformen durchweg einfach; das gediegene Quadermaterial und die glückliche Ausnutzung der Terrainbewegung wirken doch zu einem bedeutenden Gesamteindruck zusammen. _BARCHFELD._ RB Cassel Kr. Schmalkalden. *Schloß* der Familie v. Stein. 1571, mit älterem Turm, in dessen Verließ originelle Reliefs von 1570, von einem Gefangenen ausgekratzt. *Landgräfliches Schloß*, von 1690, im 18. Jh. gänzlich umgebaut, mit gut eingerichteten Zimmern in Rokoko und Empire. _BÄRENSTEIN._ K. Sachsen AH Dippoldiswalde. *Stadt-K.* 1495. Nach wiederholten Bränden 1738 unter Leitung von _J. Ch. Simon_ erneuert. Reste eines stattlichen _Altarwerks_, Renss. 16. Jh., mit Sandsteinreliefs. _Grabst._ 1522, 1612, 1703 *Schloß* 15. und 16. Jh. _BARNSTEDT._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* Spätgot. WTurm mit gedrehtem Spitzhelm. Schiff 1748, stuckiert, Kanzelaltar und Orgel aus dieser Zeit. _BARUTH._ K. Sachsen AH Bautzen. *Dorf-K.* 1704, rck. Saal mit Holzemporen, Turm 1768 hinzugefügt. -- v. Gersdorfsche _Grabsteine_, 1597, 1620, 1628, 1629, 1658. *Schloß*. Unregelmäßige spgot. Anlage, SFlügel 17. Jh. Ansprechende Bar.Einrichtung der Kapelle. Galerie mit schöner Stuckdecke und zahlreichen _Porträts_. _BASDORF._ RB Cassel Kr. Frankenberg. *Gerichtslinde* mit Bänken und von Steinsäulen getragenem Gebälk zur Unterstützung des Astwerks. _BAUERBACH._ RB Cassel Kr. Marburg. *Dorf-K.* Geringer spgot. Bau. Der quadr. Chor-Turm aus rom. Anlage wie auch an der WWand 2 vermauerte rom. Fenster. _BAUMERSRODE._ Pr. Sachsen Kr. Querfurt. *Dorf-K.* Rom. OTurm mit gepaarten Fenstern. Schiff 1640. _BAUNACH._ UFranken BA Ebern. *Pfarr-K.* 1 sch. spgot. mit hohem Turm (W), charakteristisch der Helm mit vier Ecktürmchen. *Wallfahrts-K.* (Sog. Überkomm-Kap.) Spgot. Anlage mit polyg. Chor und reicher Außengliederung. -- Von der _Einrichtung_ (bar. um 1680) erwähnenswert die spgot. _Tumba_ des seel. Überkomm im Chor mit einh. Spitzbogenblenden. -- _Johannesschüssel_, 2. H. 15. Jh., geschnitzt. -- Verschiedene spgot. _Holzfigg._ um 1500; teilw.l Bamberger Stils. -- Auf dem freien Platz um die Kapelle _Predigtkanzel_; spgot. um 1500. *Amtshaus*. 2geschossige langgestreckte Anlage; spätbar., mit Treppenturm. A. 18. Jh. Innen guter _Kachelofen_ der Zeit; vermutlich Bamberger Arbeit. *Rathaus*. M. 18. Jh. *Hoftor* in der Eberner Straße; die sog. »Hölzernen Männer«. Typische Toreinfahrt im Rundbogen, den zwei in Hochrelief geschnitzte Reisige in barocker Tracht stützen; das Ganze mit Pultdach gedeckt; bez. 1710. _BAUTZEN._ K. Sachsen Amtshauptstadt. *Dom S. Peter*. Älteste Pfarr-K. der Stadt. Von den Bauten der Meißener Bischöfe Eiko (992-1015) und Benap (1066 bis 1106) hat sich nichts erhalten. Lebhafte Bautätigkeit 1293 bis 1303 und dann wieder in 2. H. 15. Jh.; Vollendung 1497. Erhebliche Ausbesserungen nach Bränden 1634 und 1813. Im 16. Jh. wurde die K. in der Weise geteilt, daß das Lhs. den Protestanten eingeräumt wurde, der Chor den Katholiken verblieb. -- a) _Westbau_. Ältester Teil das vorspringende Mittelstück. Ein starker Einzelturm war beabsichtigt, wurde aber nur bis zum Zickzackfries des Erdgeschosses ausgeführt. Spitzbg. Portal mit schlichtem Wimperg, am Gewände je 1 Sl. zwischen gekehlten Profilen, E. 13. Jh. Bald darauf Übergang zu 2türmigem Projekt. Ausgeführt der STurm, nach Brand 1441 erneuert; Krönung mit 2 Achteckgeschossen; der Bar. Helm in vortrefflichem Umriß 1664 von _Martin Pötzsch_. Die Mitte und der rechte Flügel der Fassade blieb unvollendet, ein Giebel mit bar. Zierat schließt sie ab. b) _Langhaus_. 3sch. Hallenkirche von 8 Jochen, Schluß 3seitig mit 5seitigem Umgang. Zwischen dem 3. und 4. Joch starke Knickung der Fluchtlinie nach S. Formencharakter des 15. Jh., wenn auch Teile der NWand älter sind. Schlanke kämpferlose 8 Eck-Pfll., Netzgwb. 1456-63 wurde nach S ein viertes Schiff angefügt; es ist durch große 6teilige, besonders prächtige Fenster ausgezeichnet. Das kolossale Satteldach ist allen 4 Schiffen gemeinsam; seine Firsthöhe 39 m, während die Gwb.Scheitel nur 16m haben. Ganze innere L. 60 m. Material in den älteren wie in den jüngeren Teilen Granit. -- _Ausstattung des protestantischen Teils_. Landständische Empore unter der Orgel, nach 1636. Fürstenloge 1673. Altar 1644, 2geschossig mit je einem großen Reliefbild. Kanzel 1817. Orgel 1642, wiederholt umgebaut. -- _Ausstattung des katholischen Teils_. Vieles in neuerer Zeit beseitigt, z.T. im Domstift untergebracht. Hochaltar bar. Säulenbau aus Marmor 1722 von _Fossati_. [Die Statuen zweier Kirchenväter von _Permoser_, zu seinen besten Arbeiten gehörend, jetzt im Domstift. Ebenda Gemälde von _Pellegrini_.] Am neuen Altar der NSeite lebensgroßes _Kruzifix_ von _Permoser_. _Chorgestühl_ A. 18. Jh., reich geschnitzt, im Aufbau unbedeutend. Reizvoller _Rok.-Altar_ in der Sakristei. -- _Domschatz_. Tragaltäre 1398 und 1450. Prachtvolles Pazifikale um 1530. Reliquiarium um 1500. Eine Reihe sehr schöner spgot. Kelche. Silberne Statuetten des hl. Petrus und Bartolomäus, hervorragend. Bischofsstäbe. -- _Bildnisgrabsteine_ des 16. und 17. Jh. in großer Zahl. Hölzerne _Wandepitaphe_. *Liebfrauen-K.* 1sch. Bau des 15. Jh., im 17. und 19. Jh. völlig umgestaltet. *Nikolai-K.* Kleine symmetrisch 2sch. Hallenkirche des 15. Jh. Seit dem Stadtbrande 1634 Ruine. -- Auf dem Kirchhof _Denkmäler_ des 18. Jh. *Michaelis-K.* Kleine 3sch. Hallenkirche um 1430. *Mönchs-K.* (Franziskaner). Beg. um 1300 als Bruchsteinbau. Um 1400 in Backstein gegen O erweitert. Ruine. *Täufer-K.* Ursp. vor der Stadt. Klein, unbedeutend, oft verändert. -- Ausgedehnter Kirchhof mit sehr zahlreichen und z. T. aufwändigen Denkmälern des 17. und 18. Jh. *Ortenburg*. Als Grenzburg angelegt um 1000. Von Grund aus neu gebaut 1483-86 im Auftrage des Königs Matthias von Ungarn. Im 30j. Kriege stark beschädigt, im 19. Jh. z.T. umgebaut. -- Die aus mehreren Gebäuden bestehende Anlage folgt dem Umriß der Felsplatte. Der Hauptbau spgot. Durchgreifende Rest. 2. H. 17. Jh. durch _Ezechiel Eckhardt_. Mächtiges Dach mit 3 wohlgegliederten großen Zwerchhäusern. Audienzsaal mit ausgedehnter, sehr reicher Stuckdecke von 1662; das Figürliche überwiegt; 8 Felder mit Darstellungen aus der Fürstengeschichte von Böhmen, Österreich, Schlesien und Sachsen; im Rahmenwerk Putten und Karyatiden. -- Der bedeutendste Baurest der got. Periode der Schloßturm; unten Torfahrt; darüber 3teilige Ädikula, bez. 1486, in der Mittelnische _König Matthias Corvinus_ thronend, von Engeln gekrönt, als Fußschemel ein Löwe; die Wappen der Seitenfelder zerstört; im ersten Obergeschoß Wachtstube; im zweiten Kapelle mit zierlicher, sehr bmkw. Innenarchitektur. *Domstift.* Neubau 1507, E. 17. Jh. fast ganz umgebaut, Hauptportal 1753. *Rathaus* wesentlich A. 18. Jh., aus dieser Zeit auch der durch feinbewegten Umriß ausgezeichnete Bar.Helm des im Mauerwerk spgot. 8 Eck-Turmes. Die _Sandsteinstatue_ des sog. Ritters Deutschmann krönte ursp. einen Brunnen; 1576 von _Chr. Wolter_ in Dresden. Treppenhaus der NSeite 1729. Prächtige Tür des Ratssaales 1664. Reihe von _Bildnissen_. [Der Ratsschatz jetzt im Museum.] *Gewandhaus*. Unter den Neubauten von 1882 der spgot. Ratskeller; das Sterngwb. ruht auf einem einzigen granitenen Mittelpf. *Schießhaus*. Oft umgebaut, zuletzt 1767. Bmkw. Schatz und Scheibenbilder. -- Von der einst sehr starken *Stadtbefestigung* hat sich ein beträchtlicher Teil der inneren Türme erhalten. Ferner: der Lauenturm 1400, Laternenhelm 1732; der Reichenturm, schlanker spgot. Rundbau mit steinerner Bar.Krönung 1717; an der Mauer das Denkmal für Kaiser Rudolf II. von _Martin Michael_ 1577, im 19. Jh. stark übergangen. Der Wendische Turm, gleichfalls rund, mit interessantem Helmstübchen. Der Schülerturm mit spgot. Kreuzigungsrelief. Die Gerberbastei, ein Rundturm mit 3,5 m starken Mauern, erb. 1503. Nikolaiturm 1521, mit Stadtwappen. Technisch interessant und von imponierender Silhouette die »alte Wasserkunst«, erb. nach 1558 von _Wenzel Röhrscheidt_. Die »neue Wasserkunst« 1600. *Wohnhäuser*. Sie lassen Bautzen wesentlich als eine Stadt des Barockstils erscheinen. Die älteren Bauten sind durchweg so umgestaltet, daß sie sich nur aus wenigen Resten erkennen lassen, a) _Zwischen_ 1634 (_Stadtbrand_) _und_ 1709. Reichenstr. 12, an der Fassade über und zwischen den Fenstern Stuckdekoration in schweren Blumengehängen, um 1720 hinzugefügt. Burgplatz no 6 um 1680. Burglehn no 7 a. 1699. -- b) _Zwischen_ 1709 _und_ 1720. Reichenstr. no 14, Innere Lauenstr. no 6, beide mit Fassadenschmuck in Stuck, Fleischmarkt no 8 Hof und Innenräume zu beachten. -- c) _Zwischen_ 1720 _und_ 1740. Wendische Str. no 8, stattliche Pilasterfassade. Heringsgasse no 1, Eckhaus, im Innern Stuckdecken. Hauptmarkt no 8. Reichenstr. no 5. -- d) _Zwischen_ 1740 _und_ 1780. Reichenstr. no 24, Töpferstr. 34. *Stadtmuseum* am Kornmarkt. _BAYREUTH._ OFranken BAmtsstadt. *Stadt-K.* Von dem Bau des 13. Jh. vielleicht die Fundamente der WTürme; sonst Neubau, beg. E. 14. Jh. mit dem Chor, Hauptzeit 1438-68. Mittelgroße 6jochige Basilika, Chor in der Höhe des Msch. 2 Joche und 5/8 Schluß. Netzgwb. 17. Jh. Imponierende weiträumige Verhältnisse, Formen äußerst nüchtern. Das Äußere, ernst und kraftvoll, verrät wenig die Entstehungszeit. Besonders bmkw. die nachdrückliche Behandlung des Strebewerkes mit offenen Bögen; an den Fenstern mäßige Verwendung von Fischblasen. Brauttür am Treppen-Turm der Sakristei 1575. -- Die Türme 5geschossig geteilt durch Maßwerkfriese; kurze oktogonale Aufsätze mit welschen Hauben 1621. -- Das Innere durch die Rest. des 19. Jh. seiner prächtigen Barockausstattung beraubt; nur der treffliche _Hochaltar_ von 1615 und der gleichzeitige Taufstein mit Reliefs von _H. Werner_ erhalten. Die wenigen übrig gebliebenen _Statuen_ an den Chorstreben A. 15. Jh. geringwertig. *Schloß-K.* 1753 von _St. Pierre_; einfacher, niedriger Saal mit Flachdecke; durch modernen Anstrich ernüchtert; die leichte zierliche Stuckierung von _Martino Petrozzi_. Gruftkap, für das Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine in trockenstem Zopf. *Spital-K.* 1748 von _St. Pierre_; über dem schlichten quadr. Raum Deckenbild von _Wunder_. *Ordens-K.* in S. Georgen. Als Kapitels-K. des Ordens »de la sincérité« (nachmals Roten Adlers) 1705-11 von _G. v. Gedeler_. Griechisches Kreuz mit Emporen. Stuckaturen und Malereien von einheimischen Meistern. Im Aufriß toskanische Pilaster. (In der Sakristei interessantes Gemälde von _H. S. Beham_, früher in der fürstl. Loge der Stadt-K.) Betsaal der *Gravenreuther Stiftung* 1741 von _J. G. Weiss_. *Kanzlei*. 1625 von _Abraham Schade_. Streng klassizistische, die niederländische Schulung _Schades_ verratende Formen. Die Temperantia und Justitia über dem gebrochenen Portalgiebel von _Abr. Gross_ aus Kulmbach (vgl. dessen Arbeiten am Rathaus zu Nürnberg). Im 18. Jh. die Fassaden symmetrisch verlängert. *Altes Schloß*. Vom Bau des 16. Jh. der Mauerkern des 8eckigen Turms; die fahrbare Schneckenstiege 1610; das Sonstige, Umbau und Erweiterung seit 1667. Unregelmäßiges, nach dem Marktplatz (»Maximilianstr.«) offenes Quadrat. Die Fassaden von dem Hugenotten _Ch. Ph. Dieussart_. Auffallender Weise hat das Erdgeschoß die reichste Behandlung: gequaderte dorische Pilaster, über den Fenstern Medaillons mit Büsten, alles in vortrefflich reiner, strenger Zeichnung; das Mittel- und Obergeschoß nur in Verputz, ohne Pilaster und Gesimse. Nach dem Brande 1753 z. T. Ruine. Im Innern nur ein Treppenaufgang alt. *Neues Schloß*. 1754 von _St. Pierre_. Lang gestreckt, wenig tief, nur der 3 achsige Mittelbau in bedeutenderen Architekturformen. Eingangshalle und Treppenhaus verhältnismäßig bescheiden. Die Wahl der Gemächer ist groß, ihre Ausstattung entfernt nicht so prunkvoll wie etwa in den geistlichen Fürstensitzen aus der ersten Jahrhunderthälfte. Die Mittel waren geringer, doch auch der Geschmack in der Wendung zum Intimen und Natürlichen. Im Festsaal Wandgliederung durch gekuppelte korinth. Pilaster von schwachem Relief; das Gebälk nicht verkröpft; Rokokoornament (von _Petrozzi_) nur an der flachen Hohlkehle; das Deckengewölbe (von _Wunder_) jetzt übertüncht. Hervorzuheben noch das Spalierzimmer, das Musikzimmer, die mit Cedernholz vertäfelte Speisegalerie. -- Ursprünglich alleinstehend der 1759 errichtete »italienische Bau«; der von _Petrozzi_ dekorierte Festsaal gibt eine wohlgelungene Verschmelzung von Rokokoformen mit Barockerinnerungen. *Opernhaus*. 1744-48, Fassade von _St. Pierre_, innere Einrichtung von _Carlo Bibiena_ aus Bologna nach Entwurf seines Vaters _Giuseppe_. Die Bühne überrascht durch ihre Tiefe (30 m), die ebenso groß ist, als die des Zuschauerraums. Der letztere im Gr. überhöhter Halbkreis, 3 Reihen Logen und vorgebaute Parterreloge, zu der Rampentreppen hinaufführen. Das Parterre verhältnismäßig klein. Der Bühne gegenüber die Fürstenloge, zu beiden Seiten der Bühne Trompeterlogen. Das Ganze für die Hofgesellschaft, die sich selbst ein Schauspiel neben dem Schauspiel auf der Bühne war, der denkbar prächtigste und charakteristischste Rahmen. Die Flüchtigkeit der Ausführung bei der schwachen Beleuchtung damaliger Zeit nicht störend. Farbe: blaugrauer Grundton mit ockergelbem, in den plastischen Teilen vergoldetem Ornament. Der Stil hat weder mit dem französischen Louis XV. noch mit dessen deutschen Parallelen etwas gemein; er ist nicht »Rokoko«, sondern eine spielende Abart des italienischen Barock, in der immer noch viel mehr konstruktive Konsequenz übrig geblieben ist, als das Rokoko duldet. -- Die Seltenheit der Erhaltung von Theatern aus dem 18. Jh. verleiht dem Bayreuther erhöhten Wert. *Kaserne*. 1740 von _J. F. Graul_; großer 3flügeliger Bau von geschickter Massenverteilung. *Privathäuser*. Ein älterer Typus, durch Vorliebe für mehrstöckige Erker gekennzeichnet, dauert bis ins 18. Jh., z. B. Rathaus an der Maximilianstr. Ihm tritt unter Markgraf Friedrich ein neuer, französisierender entgegen; Hauptmeister _St. Pierre_ und besonders _Karl Philipp Gontard_. Die splendide Ausführung in Sandsteinquadern heute durch starke Rußschwärzung beeinträchtigt. Von _St. Pierre_: Friedrichstr. 2 und 7. Von _Gontard_: Hofapotheke Palais Reitzenstein Luitpoldplatz 15, Haus der Gesellschaft Harmonie beim alten Schloß, in der Nähe sein eigenes Haus. *Reiterstandbild* für Christian Ernst 1698 von _Elias Ränz_ nach Entwurf von _Leonhard Dientzenhofer_; früher vor dem alten, jetzt vor dem neuen Schloß; eine wunderlich überfüllte und dadurch kleinlich wirkende Barockkomposition. *Markgräfliche Schlösser* in der Umgegend: *St. Georgen*. 1725 von _J. D. Ränz d. J._ Nur als Bruchstück erhalten (jetzt Zuchthaus). Die Fassade läßt den (durch _Decker_ vermittelten) Zusammenhang mit Schlüter erkennen; der Fries und die neuerfundenen Kaptt. der Pilaster erinnern an den von Georg Wilhelm gestifteten Orden des Roten Adlers. Der prunkvolle Festsaal soll demnächst hergestellt werden. *Eremitage*. Für bestimmte Seiten der Kultur des 18. Jh. eine Illustration von kostbarer Unmittelbarkeit; weniges dergleichen hat sich so gut erhalten. Begonnen von Georg Wilhelm ca. 1720. Eine mit pedantischem Ernst durchgeführte Maskerade. An einem nicht großen länglichen Hof liegen die »Zellen«, in die sich die Herren und Damen des Hofes als »Eremiten« zurückzogen; daher die wilde Rustikaarchitektur. Die Markgräfin Wilhelmine schuf sich hieraus (seit 1736) einen Ruhesitz, in dem die Sehnsucht nach einem natürlicheren Lebenszustand feiner, nach unserem Gefühl immer noch mit reichlich viel theatralischer Appretur, zum Ausdruck kommt. Die ältere Einrichtung blieb erhalten in den beiden Schmalseiten, dem Grottensaal und dem »Refektorium«; letzteres aus kostbarem Marmor; die Absicht, phantastisch zu wirken, bringt es nur zu schwerfälliger Willkür, in den Gemächern Wilhelminens herrscht Anmut und Behagen; eine Meisterleistung feinen Geschmacks namentlich das Musikzimmer, echtes Rokoko, also ganz ohne Architekturformen, nur Rahmenwerk und Füllungen. Das obligate Chinesische Zimmer ist dadurch ausgezeichnet, daß die Flachrelieftafeln wirklich chinesisch sind. Die Porträts nur historisch von Interesse und ihre Benennung nicht überall gesichert. -- Aus den 40er Jahren die »Orangerie«, erbaut von _St. Pierre_. Eine im Halbkreis angeordnete Kolonnade, dahinter kleine Zimmerchen; im Scheitel eine Unterbrechung, in welcher als selbständiger kleiner Zentralbau der »Sonnentempel« steht. Den regelrecht durchgeführten Architekturformen ist auch hier ein phantastisches Element zugesellt, indem die Säulen eine Inkrustation von bunten Kieseln, Glasschlacken und Bergkristall tragen. Dagegen das Innere des Sonnentempels sehr ernsthaft und imposant. (Der reiche Skulpturenschmuck nicht mehr vorhanden.) Einige Plafonds der kleinen Gemächer haben eine Stuckdekoration von bezaubernder Grazie, leicht hingeworfene Blumenranken, farbig auf weißem Grund, das Relief von schärfster Präzision, als wäre es Porzellan (als Ausführende werden Italiener genannt). Erst aus den 70er